Requiem
für 4 Soli, gemischten Chor und Orchester
KomponistIn: Urbanner Erich
Entstehungsjahr: 1982 - 1983
Dauer: ~ 1h
Genre:
Gattung:
Textsprache des Werks:

Requiem - für 4 Soli, gemischten Chor und Orchester

Besetzungsdetails

Orchestercode:  S, A, T, Bar, 4stg.gem.Ch - 3/3/3/3 - 4, 2 WTb/3/3/0, 2 BTb, KTb - Pk, Perc, Hf, Org - Str

Solo: Sopran (1), Alt (1), Tenor (1), Bariton (1)

vierstimmiger gemischter Chor (1), Flöte (3), Oboe (3), Klarinette (3), Fagott (3), Horn (4), Wagnertuba (2), Trompete (3), Posaune (3), Basstuba (2), Kontrabasstuba (1), Pauke (1), Perkussion (1), Harfe (1), Orgel (1), Streicher (1)

 

ad Flöte: 1 auch Piccolo
ad Oboe: 1 auch Englischhorn
ad Klarinette: 1 auch Bassklarinette
ad Fagott: 1 auch Kontrafagott
ad Tuba: 1 auch Kontrabasstuba

Abschnitte/Sätze

1. Introitus
2. Kyrie
3. Graduale
4. Tractus
5. Sequentia (Dies Irae)
6. Offertorium
7. Sanctus
8. Agnus Dei
9. Communio
10. Libera me

Publikation

Art der Publikation:  Verlag

Aufnahme

Titel:  Erich Urbanner: Requiem
Label:  Amadeo

Sendeaufnahme

Organisation:  Amadeo
InterpretIn:  Gailit Michael

Anlass-Auftrag-Widmung

Weiterführende Informationen

Das Requiem für vier Soli, gemischten Chor und Orchester entstand 1982/83 über Auftrag der Tiroler Landesregierung, und zwar aus Anlass der 175-Jahr-Feier der Tiroler Freiheitskämpfe, deren man im vorigen Jahr auf mannigfachste Weise gedachte. Die tragischen Ereignisse rund um den Tiroler Volksaufstand des Jahres 1809 ließen die Gattung des "Requiems", die im Laufe der Musikgeschichte schon so oft zum Gedenken an Opfer von Kriegen oder Revolutionen herangezogen wurde, als geeignetstes Medium erscheinen, die Gefühle von Trauer, Angst und Resignation einerseits, von Bitte, Gebet und Hoffnung andererseits, in all ihrer erforderlichen Vielfalt darzustellen. Für Erich Urbanner, der das am 10.Dezember 1983 vollendete Werk seinem Inhalt entsprechend dem Land Tirol widmete, stellte sich hier zusätzlich die Aufgabe, ein religiöses Bekenntnisstück zu schreiben, das aus der christlichen Zuversicht die Kraft schöpft, positiv in die Zukunft zu blicken und ein allgemeingültiges ethisches Bekenntnis abzulegen. Seine jahrelange Tätigkeit als Organist, das daraus resultierende Nahverhältnis zur katholischen Liturgie sowie musikhistorische Überlegungen ließen den Komponisten sich für den lateinischen Text entscheiden - und zwar für die vollständigen Worte der Missa pro defunctis unter Einschluß des "Libera me" -, der durch seine konzentrierte Aussage sowohl emotionale als auch rationale Bereiche abdeckt und zudem ein erstes Moment jener Synthese von Alt und Neu darstellt, die Urbanner auch auf anderen Gebieten anstrebte: so ist auch die große oratorienhafte Anlage nicht nur als persönliches Ausdrucksmittel zu werten, sondern als Ausfluß der musikhistorischen Situation unseres Jahrhunderts, die mit kunstvollen polyphonen und thematischen Strukturen aus dem "traditionellen" Vokabelschatz eine überzeugende Verbindung eingeht und an den Höhepunkten der musikalischen Entwicklung gleichsam "apokalyptische Visionen der Kirche in die Gegenwart hineinstellt". Urbanners Requiem wird solcherart zum überzeitlichen Appell eines Künstlers an die Menschheit, mit der Hilfe des Glaubens und der Humanität alle Wirrnisse zu überwinden und die traditionellen Werte abendländischer Kultur zur Bewältigung der Gegenwart einzusetzen.

 

Die Form des Werkes ist als zehnteiliger Zyklus angelegt, dessen innere Einheit durch meisterhaft organisierte Monothematik erreicht wird: Allen Teilen liegt eine thematische Urzelle zu Grunde, die als zweipoliger Komplex die Prinzipien von Tonwiederholung und Abwärtsbewegung zusammenfaßt. Auch hier steht Urbanner im besten Sinne in der musikalischen Tradition. Die Tonwiederholung stellt das Gebet dar, das in einen ausdrucksvollen (Sekund-)Seufzer mündet, der Abwärtsgang ist ein elegischer, tragische Sphären berührender Gesang, wie er ähnlich immer wieder der barocken Affektenlehre entsprungen ist und auch damals dieselben Gefühlsbereiche abdeckte: Die aufwärtsführende Spiegelform hingegen gibt sich optimistischer und soll Hoffnung, Bitte, Forderung und Glauben ausdrücken. Zahlreiche Abwandlungen gewinnen diesen Gedanken die verschiedensten Aspekte ab, wobei die das Gefüge häufig trennenden Seufzerpausen ebenfalls ganz bewußt alte, aus allgemein verständlichen und ursprünglichen menschlichen Äußerungen abgeleitete musikalisch-rhetorische Muster aufgreifen."

 

Hartmut Krones

Uraufführung

Jahr:  1985
Datum:  20. Februar 1985

InterpretInnen: Bärbel Kleibner (S), Diane Elias (A), Risto Saarman (T), Hans Kiemer (B)

Auftragswerk von (Person)