cinético, virtual
für Saxophonquartett
KomponistIn: Sánchez-Chiong Jorge
Entstehungsjahr: 1997 - 1998
Dauer: ~ 10m
Genre:
Subgenre:
Gattung:
Besetzung:

cinético, virtual - für Saxophonquartett

Besetzungsdetails

Saxophon (4)

Publikation

Art der Publikation:  Verlag
Verlag:  Edition 21

Weiterführende Informationen

     Ein Altsaxophon improvisiert im Vordergrund, es spielt dynamisch um einige Haupttöne. Im Hintergrund, etwas verzögert, werden die Haupttöne von einem Saxophontrio aufgefangen: dieses webt ein Netz von Harmonien, Rhythmen und Klangfarben, das alles relativiert: das Altsaxophon wirkt manchmal langsamer oder schneller als es in Wirklichkeit ist; es ist kein Solo mit Begleitung, eher ein Ganzes, ein Täuschungsspiel.
Die Plastiken von Jesús Soto, riesige optische Bewegungsilussionen, sind überall in Caracas zu sehen, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Das sind vielleicht die erste Kunstwerke, die ich betrachtet habe, und ich bewundere sie noch immer: die freischwingenden Stäbe, die durch die Bewegung des Betrachters eine fremdartige Räumlichkeit erzeugen, oder die Objekte, die vor einer gerasterten Fläche ständig zu zittern scheinen. Zu den letzteren zählen seine ›Escrituras‹, eine Art ›in den Raum zu zeichnen‹, so als löse er Linien aus dem Hintergrund heraus und forme sie zu Schriftzeichen; Ausgewogenheit zwischen Kontrolle und kalligraphischer Freiheit.
Analog dazu ist die auskomponierte Improvisation des Altsaxophons, die nur aus dem ersten Teils meines Quartetts (Mit kinetischer Energie) vorkommt. Die beiden anderen Teilen (Entfernt, wie in einem virtuellen Raum und Fließend, freischwingend) setzen sich hauptsächlich mit der Bewegung in Zeit und Raum auseinander - auch mit der innewohnenden Bewegung bei scheinbarer Ruhe - und der Wirkung von Wiederholungen und eng benachbarten Tönen. In der frühen ‘50ger Jahren ließ sich Soto von der Seriellen Musik inspirieren. Ich tue es heute von seinem Werk.

    JSX
    1998