Märchen
KomponistIn: Lindenbaum Andreas
Entstehungsjahr: 1993
Dauer: ~ 12m
Genre:
Subgenre:
Gattung:
Besetzung:

Märchen

Besetzungsdetails

Klarinette (1), Posaune (1), Violine (1), Viola (1), Kontrabass (1)

Publikation

Art der Publikation:  Manuskript

Uraufführung

Ort:  Wien

Veranstaltende Organisation: Grabenfesttage

Stilbeschreibung

Das Stück 'Märchen' entstand als Auftragswerk der GrabenFestTage Wien 1993. Verschiedene Komponisten sollten sich mit den einzelnen Stücken des Zyklus 'Children's Corner' von Claude Debussy kompositorisch auseinandersetzen. Ich bekam die Nr. VI, 'Golliwog's Cakewalk', zugeteilt. Mir war jedoch von vornherein klar, daß ich bei dem Versuch, mich der Musik Debussys auf direktem Wege zu nähern - zu zitieren, harmonisches und melodisches Material zu verwenden oder weiterzuentwickeln etc. -, kläglich scheitern müßte. Daher versuchte ich, eine Lösung zu finden, in der zwar die Musik von Debussy den Ausgangspunkt bildete, mir jedoch die Möglichkeit gegeben war, damit etwas vollkommen Selbständiges herzustellen. So hat sich mein Stück während der Arbeit trotz einer Vielzahl innerer Bezüge von seiner Vorlage gänzlich abgelöst.

Die Welt der Kindheit, der sich Debussy hier auf seine Weise genähert hat, ist ein weiterer Ausgangspunkt für das Stück, jedoch in ganz anderer Weise. Der Titel 'Märchen' umschreibt hier nicht einen erzählenden, legendenartigen Charakter, sondern - durch das ihm innewohnende "Es war einmal" - ein Erinnern beziehungsweise die Möglichkeit der Formen des Erinnerns an die eigene Kindheit.
So beginnt das Stück damit, seinen Gegenstand wie etwas Unbekanntes, gleichsam blind, abzutasten. Es erscheinen Figuren, die eine Weiterentwicklung nur vortäuschen, jedoch so bruchstückhaft sind, daß sie nur um sich selbst kreisen können, auszubrechen versuchen, bis sie wieder in sich zusammenfallen. Das Stück endet gleich einem Selbstgespräch mit der Durchdringung mehrerer Ostinati, und nur eine Stimme versucht zaghaft, den dünnen Faden einer Erinnerung fortzuspinnen.

Andreas Lindenbaum, 1995