Orpheus Variationen
für Ensemble
Opuszahl: op. 98
KomponistIn: Ager Klaus
Entstehungsjahr: 2013
Dauer: ~ 17m
Genre:
Gattung:
Besetzung:

Orpheus Variationen - für Ensemble

Besetzungsdetails

Flöte (1), Klarinette (1), Perkussion (1), Klavier (1), Violine (2), Viola (1), Violoncello (1)

Abschnitte/Sätze

(die römischen Zahlen verweisen auf das entsprechende Gedichte Rilkes)

I    und alles schwieg (Prolog)
II    Frühlingsschleier
III    Ein Hauch um nichts
IV    Aber die Lüfte
V    Lasst die Rose blühen
VI    das gültige Bild
VII    des Steins Schweigen
VIII    des geweinten Quells
IX    die Stimmen ewig und mild
X    antikische Sarkophage
XI    Sieh den Himmel
XII    die leere Ferne
XIII    dies kommt von weit
XIV    aus Dunkel
XV    wenig Musik nur
XXIII    ein reines Wohin
XXIV    diese gewaltigen Freunde
XXV    trauernd und lauschend
XXV    schöne Gespielin des unüberwindlichen Schrei?s.
XXI    Frühling ist wiedergekommen (Epilog)

Publikation

Art der Publikation:  Manuskript

Anlass-Auftrag-Widmung

Weiterführende Informationen

Das Werk "Orpheus Variationen für Ensemble" op. 98 entstand auf Auftrag der Biennale Salzburg im Herbst 2012 - Jänner 2013. Die Variationen nehmen in einer ganz speziellen Weise formalen Bezug auf den ersten Teil der "Sonette an Orpheus" von Rainer Maria Rilke. Sie bestehen aus einer Introduktion, 18 Variationen und einem Epilog, so dass die 20 Abschnitte des Werks den 26 Gedichten des ersten Teils der Sonette Rilkes gegenüberstehen. Dabei geht es weniger um eine Ausdeutung oder Interpretation der Gedichte selbst, sondern eher um ein musikalisch - gedankliches Spielen mit den Gedichten, dem Innnehalten an einzelnen Zeilen oder poetischen Ausdrücken, oder aber manchmal auch ein quasi gedanklich - musikalisches Weggehen vom Gedicht.

 

Den einzelnen Abschnitten der "Orpheus Variationen" sind deshalb Titel gegeben, die aus dem Werk Rilkes genommen sind und zwar grundsätzlich in der Reihenfolge der Gedichte. So folgt die musikalische Struktur in einer gewissen Weise auch der Abfolge der Gedichte aus dem Werk Rilkes, was aber wahrscheinlich für den Hörer kaum nachvollziehbar sein dürfte, da die Variationen meistens ineinander übergehen, oder sogar ineinander verschränkt sind. Andererseits sind sie aber doch auch charakterlich sehr unterschiedlich und insofern auch erkenntlich.

 

Im ganzen Werk spielen natürlich auch die Themen des Orpheus Mythos - das Überwinden des Todes durch die Musik und die Liebe - eine große Rolle, was durch einzelne Zitate aus eigenen und fremden Werken (Alban Berg, Alexander Zemlinsky, R. Wagner u.a.) gestaltet wird. So spielt der letzte Satz der lyrischen Suite von Alban Berg (largo desolato) eine ganz besondere Rolle. Es wird nicht nur eine melodisch rhythmische Gestalt zitiert sondern auch typische Kompositionsprinzipien
(wie zum Beispiel spezielle Ostinato Verfahren, oder auskomponierte Accelerandi u.ä.).

 

 

So ist gegen Schluss des Werks nicht nur der "Nacht der Liebe" Rhythmus (R. Wagner - Tristan und Isolde) sondern auch die Transposition auf h (wie in der lyrischen Suite) und die notwendige Umstimmung des Instruments (in meinem Fall allerdings der Bratsche!) zu hören, während dann das Cello den Rhythmus übernimmt und ihn langsam auflöst. Diese Auflösung wird dann in der Coda vom Klavier übernommen, so dass ein ganz anderes Zitat entsteht: das Klaviermotiv aus "oiseaux tristes" von M. Ravel.

 

Die Orpheus Variationen schließen mit einem Es-Dur Akkord. Daniel Schubarth nennt in seiner "Ästhetik der Tonkunst" (ca. 1795) Es-Dur die Tonart der "Liebe und des trauten Gesprächs mit Gott". (Siehe auch Mozarts Es-Dur Arien im Figaro oder der Zauberflöte - "dies Bildnis"!) So ist auch der 3. Satz von Zemlinskys "lyrische Sinfonie" - dessen Thema Alban Berg in seiner "lyrischen Suite" zitiert - in Es Dur ("Du bist die Abendwolke, die am Himmel meiner Träume hinzieht"), und auch der schon angesprochene Rhythmus aus "Tristan und Isolde" beginnt auf dem eingestrichenen Es (als der Quint von As-Dur!). Aber denken wir auch daran, dass Es-Dur die Tonart des "Rheingold" ist, also dem Prolog zum "Ring der Nibelungen", in dem die Welt der Götter, der Menschen und die Unterwelt vorgestellt  und in Bezug zueinander gestellt werden! Dieser eine Akkord - leicht gefärbt durch Flöte und Klarinette - fasst also die ganze Orpheus Thematik nochmals zusammen und soll den Hörer auf diese Weise anregen, seine eigenen Gedanken zu Orpheus weiter zu spinnen!

 

 

 

Klaus Ager

Uraufführung

Ort:  Salzburg
Jahr:  2013