Pago Libre

Name der Organisation
Pago Libre
erfasst als
Band
Quartett
Genre
Jazz/Improvisierte Musik
Gattung(en)
Ensemblemusik
Gründungsjahr: 1989

Seit der Gründung hat sich pago libre als eines der interessantesten europäischen Jazzensembles einen Namen gemacht. Die Musik dieses Quartetts ist das Ergebnis eines sorgfältig kontrollierten alchemistischen Prozesses. Bald entfaltet sie sich entlang den songlines verborgener Erdmeridiane, bald explodiert sie mit der Gewalt eines Vulkanausbruchs. Bald tanzt sie über vertrackte rhythmische Klippen, von einer Melodie verfolgt, von einem groovenden backbeat besessen; bald singt sie in unverschämt freier Poesie.

Der klassische Grundklang dominiert, doch wird sein Gleichgewicht immer wieder zugunsten von akustischen Abenteuern aufgegeben, wobei die Musiker auf Jazz-, Folk- und Klassikelemente aus Irland, Russland, Wien und den Schweizer Alpen zurückgreifen. Als schlagzeugloses Quartett erhebt pago libre seine eigene, unverwechselbare Stimme. Freie Improvisation, zeitgenössische Kompositionen und ein mediterranes Jazzfeeling spielen gleichberechtige Rollen, ebenso Witz und Sensibilität. Innovative Klänge in unüblicher Instrumentation - eine Rarität.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung stammt der Begriff "pago libre" nicht aus dem Italienischen, sondern ist ein Akronym der vier Gründernamen: des italienischen Kontrabassisten Daniele PAtumi, des amerikanischen Geigers Steve Goodman, des schwedischen Trompeters Lars LIndvall und des irischen Innerschweizer Pianisten John Wolf Brennan. 1989 führte die erste Tour durch Deutschland, Österreich und Ungarn. Kurz darauf verliess Goodman die Band und wurde durch den Wiener Geiger Tscho Theissing ersetzt. Im Oktober 1994 trat Arkady Shilkloper als Ersatz für Lindvall dem Quartett bei.

Diese Besetzung blieb über mehr als acht Jahre konstant, in denen pago libre in ganz Europa und Russland konzertierte. Während der Chinatournee 2002 war der Auftritt in der Forbidden City Concert Hall in Peking ein Höhepunkt. 1996 erschien das erste Album "pago libre" (2002 wiederveröffentlicht), 1999 "Wake Up Call - live in Italy". 2001 folgte "cinémagique", 2003 "phoenix - live in Salzburg & Zürich". Seit der ersten Kanada-Tour und dem Jazz Festival Mulhouse im Sommer 2003 ist der Wiener Bassvirtuose Georg Breinschmid an die Stelle von Daniele Patumi getreten. (nach François Couture: ALL MUSIC GUIDE, USA)

In den letzten Jahren hat pago libre begonnen, interdisziplinäre Projekte in den Bereichen zeitgenössischer Tanz, Film und Literatur zu entwickeln: "phoenix" in Zusammenarbeit mit dem Tanztheater Wien und der Choreographin Liz King (uraufgeführt beim Feldkirch Festival 2004); Live-Musik zu Alfred Hitchcocks letztem Stummfilm "Blackmail"; sowie "platzDADA!" - ein Abend mit der bizarren Poesie von Hans Arp, Kurt Schwitters und Daniil Charms, erweitert durch die Gäste Agnes Heginger (Stimme) und Patrice Héral (Perkussion, Stimme).
In den Jahren 2006-2008 erhält pago libre die Prioritäre Jazzförderung der Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.


Band/Ensemble Mitglied
Breinschmid Georg (Kontrabass, Alphorn)

weiters:
Arkady Shilkloper (Horn, Flügelhorn, Alphorn)
Tscho Theissing (Gesang, Violine)
John Wolf Brennan (Piano, Melodica)


Diskografie:

  • 2009: Fake Folk
  • 2008: platzDADA! (pago libre sextett mit Agnes Heginger und Patrice Héral)
  • 2005: Stepping Out
  • 2003: Phoenix - live in Salzburg & Zürich
  • 2001: Cinémagique
  • 1999: Wake Up Call - live in Italy
  • 1996/2002: page libre

Pressestimmen

Delikate Aura - eine zeitgenössische Musiklandschaft, die auf Tango ebensowenig verzichtet wie auf klassische Modernismen und Jazziges. Gebildete Musik ohne Dünkel.
Der Standard

Grenzenlose Energieventile: wohlgeformte Klanggebilde, und das alles auf eine bestechend natürliche Weise.
Wiener Zeitung

Von zeitloser Brisanz und Brillanz sind die Stücke von pago libre. Herrliche Musik mit und für Bauch, Herz und Hirn.
CONCERTO (Martin Schuster)

Sie entwickeln eine fabulierende Zitierlust, eine Freude an Parodie und Travestie quer durch die russisch-alpenländisch-wienerisch-balkanische Musikgeografie, und zwar zwanglos, locker und lustvoll, Wiener Schmäh zum Beispiel wird locker mal hingetupft, kaum hat man ihn wahrgenommen, sind die vier ein paar Schritte weiter. Witzig, komisch, anrührend und immer überraschend.
WELTWOCHE (Peter Rüedi)

Stellen Sie sich vor, Sie rumpeln, eingesperrt in einem alten Leierkasten, holternd und polternd die Wendeltreppe des Nürnberger Fünfeckturms hinunter, verfolgt von einer Bande rasender Gnome, durchbrechen anschließend die Wand eines lauschigen Caféhauses, wo der entsetzte Stehgeiger in letzter Sekunde zur Seite springen kann und dem Kellner die Sachertorte ins Gesicht fliegt, und landen schließlich auf dem Wiener Opernball, wo Sie mit Hui-Buh, dem Schlossgespenst, einen windschiefen Walzer tanzen. Schließlich finden Sie sich aufatmend auf einer idyllischen Alm wieder - nur um drei Sekunden später von einem durchgedrehten Alphorn zum Teufel gejagt zu werden.
Die Metren der ausgeklügelten, vertrackten Kompositionen sind so krumm, dass sie jeden Mathematikprofessor in die Verzweiflung treiben können, dennoch swingen die Grooves locker und der Schalk lauert hinter jedem Taktstrich: Hänschen Klein stolpert besoffen durch das Bass-Solo, während Arkady Shilkloper dem Alphorn Töne entlockt, die jede Bergziege schwindelig machen. Wer auch nur den kleinsten Sprung in der Schüssel hat, muss diese Wahnsinnigen einfach lieben.
Jedenfalls gehört das, was Arkady Shilkloper, John Wolf Brennan, Tscho Theissing und Georg Breinschmid bieten, zum Abenteuerlichsten, Kreativsten, Virtuosesten und Verrücktesten, was man derzeit hören kann.
NÜRNBERGER NACHRICHTEN (Peter Gruner)