alea
Kammeroper in einem Akt
KomponistIn: Hazod Michael
TextautorIn: Hazod Michael
Entstehungsjahr: 2013 - 2014
Dauer: ~ 75m
Genre:

alea - Kammeroper in einem Akt

Besetzungsdetails

Orchestercode:  S, MS, T, Bar - 2FCh - 1 (Picc, AFl, CFl)/1/1 (BKlar)/0 - 0/0/0/0 - 2 Schlgz, Akk, OrgP - 0/0/1/1/1

Solo: Sopran (1), Mezzosopran (1), Tenor (1), Bariton (1)

Frauenchor (2), Flöte (1, auch Piccolo, C-Flöte, AFl), Oboe (1), Klarinette (1, auch Bassklarinette), Schlagzeug (1), Schlagzeug (1), Orgelpositiv (1), Akkordeon (1), Viola (1), Violoncello (1), Kontrabass (1)

Abschnitte/Sätze

Prolog „Große Schwürigkeit“
I Einleitung “Beysorge“
II Drohungen „Fewr und Schwert“
III Eskalation „so klag ihms ein jeder selbst“
IV Beruhigung “Umb den Friden ists zuthun“
V Ausklang „das endt nit erraichen“
Epilog „vertrawen“ 

Publikation

Art der Publikation:  Manuskript

Anlass-Auftrag-Widmung

Weiterführende Informationen

"2 wichtige Persönlichkeiten der Oberösterreichischen Geschichte
redeten, gingen aneinander vorbei:
Adam Graf Herberstorff und Georg Erasmus Tschernembl.

Herberstorff hielt eine Rede am 14. Nov. 1624 vor dem Landtag in Linz, in welcher er seine Gründe für sein Handeln, seine Sicht der Gegenreformation darlegte: Er bezichtigt lutherische Querulanten als Kugenmäuler. Tschern-embl notierte etwa in der Zeit um 1622 seine Memoriabilia (Tagebuch): “was Gott mitthailet, ist mit allem Eyfer und Fleiß zu bewahren“. Tschernembl stand an der Wiege der Idee der Volkssouveränität - Herberstorff war der Vollstrecker der Macht. Recht auf Widerstand - kontra Gehorsam. Freiheit der Religionen – kontra - „es gibt nur einen Gott, eine Religion“. Rebelli-on - kontra Gehorsam. evangelische Prädikanten – kontra - katholische Prä-laten. Protestanten - kontra - Jesuiten. 2 wichtige Figuren der O.Ö. Ge-schichte zitieren zu ihrer Rechtfertigung den Apostel Paulus, 2 wichtige Religionen redeten aneinander vorbei.
In meiner ca. 70 minütigen Kammeroper in einem Akt und 5 Szenen stelle ich diese Gegenpositionen durch 2 Sänger, 2 Orchester, 2 Frauenchöre dar, in dem die Musik der 2 Teile sich aufeinander zu bewegt, im 3. Teil eska-liert und schließlich wieder auseinander geht. Der Frauenchor stellt die Ehefrauen von Herberstorff und Tschernembl, der Evangelischen und Katholi-schen Stände und der Bürger im Land Ob der Ens dar. Weiters wird durch den Chor die Stellung der Frau in der Religion damals sowie der Bezug zur Stel-lung der Frau in der Religion heute dargestellt. Die Frauen (Chor1=Herberstorff, Chor2=Tschernembl) versuchen in intensiven Gesprächen die jeweils andere Seite dazu zu bewegen seine Meinung zu ändern und ihre Ansicht der Religion zu übernehmen.
Die oben beispielhaft angegebenen Texte von Herberstorff und Tschernembl sind Originalzitate, die ich neu anordnete, aufbauend und immer dichter werdend zu einem Libretto montierte. Wobei die Rede Herberstorff’s im Lin-zer Schloss durch Glossen eines Jesuiten namens Jakob Keller ergänzt wur-den. Keller suchte sich Memoriabilia von Tschernembl (tagebuchartige Auf-zeichnungen) die ihm bei einem Aktendiebstahl in die Hände fielen, aus, und verfasste dazu zum Teil bösartige, bissige Kommentare, Glossen. Das Libret-to ist ein (virtueller) Streit, ein Darstellen seiner Position. In ihem Le-ben sind sich Herberstorff und Tscherneml kaum begegnet.
Weiters singt der Frauenchor (vorwiegend im Teil III) Zitate von Christa Mulak, Johanna Strasser-Lötsch und Felix Mitterer.
In den Abschnitten I und V sowie II und IV gibt es in vielen Parametern Übereinstimmung: Als Symbol für Machtdarstellung wende ich in I und V Coro-spezzato an, Herberstorff und Tschernembl stehen sehr weit auseinander. II und IV sind in der Form teilweise wie eine Passacaglia gestaltet, die Nota-tion in II wird zunehmend freier, in IV wird die Notation am Ende wieder traditionell. Der III. Teil steht ganz für sich und ist nur frei notiert, sehr eng, dicht, hier entfernen sich die Frauen von ihren „Herren“, Frau und Kirche heute ist ihr Thema.
Das Orchester ist so gedacht, dass sowohl Herberstorff als auch Tschern-embl je ein Orchester hat:
Tschernembl-Orchester: Viola, Violoncello, Kontrabass, Schlagzeug, Orgel-positiv.
Herberstorff-Orchester: Oboe, Flöte (Picc. C-Fl, Altfl.), Klarinette ( B-Klarinette, Basskl.), Schlagzeug, Akkordeon.
In meinen Überlegungen gibt es für die von mir vorgesehenen 5 Abschnitte, Szenen, 5 Zentraltöne, die im Kontrast zum Ton E, dem “Ton der Harmonie auf der Erde“, stehen. Der Ablauf der „Handlung“, der Musik und die Aufstellung des Orchesters hat das Griechische Theater der Antike als Vorbild.

Ort der Handlung: Linzer Schloss, Zeit: Anfang des 17. Jh., Anfang des 21. Jh. Aufstellung des Orchesters und Sitz des Publikums siehe Skizze."

 

 

Michael Hazod

Uraufführung

Ort:  Linz
Jahr:  2014
Datum:  25. September 2014

InterpretIn: Matthias Helm Georg (Bar), Ilia Vierlinger (S), Silke Redhammer (MS), Christian Schmidbauer (Dir), Michael Nowak, Thomas Kerbl

Band/Ensemble: E medio cantus, Ensemble für zeitgenössische Musik der Anton Bruckner Privatuniversität