Franui
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Fotocredit: Bernhard Aichner ©

Franui

Allgemeine Information

Gründungsjahr:  1993

Franui ist der Name einer ganz bestimmten Almwiese im kleinen, 1402 Meter über dem Meer gelegenen Osttiroler Dorf Innervillgraten (Österreich), in dem die Musiker von Franui großteils aufgewachsen sind. Das Wort ist rätoromanischen Ursprungs und verweist auf die Nähe Innervillgratens zum ladinischen Sprachraum in den Dolomiten.
Die Musicbanda gleichen Namens verfügt über einen besonderen, sofort wieder erkennbaren Klang (die unvergleichliche Mischung aus Holz- und Blechbläsern, Saiteninstrumenten und Streichern), den es nun seit 17 Jahren in nahezu unveränderter Besetzung gibt: 1993 traten die Musiker erstmals als »Haus- und Hofkapelle« im Rahmen der »Villgrater Kulturwiese« – eines Sommerfestivals in ihrem Heimatort Innervillgraten in Osttirol/Österreich – auf. Selbige Veranstaltung wurde von den Musikern auch künstlerisch geleitet und fiel wenige Jahre später dem Feuer zum Opfer: Ein altes Holzhaus, das Zentrum der Kulturinitiative, wurde von Unbekannt abgefackelt.
Seither waren und sind Franui bei wichtigen Festivals und Konzertveranstaltern regelmäßig zu Gast (u. a. Wiener Festwochen, Burgtheater, Wiener Staatsoper, Mozarteum Salzburg, Tiroler Festspiele Erl, Schumannfest Düsseldorf, Kunstfest Pélerinages Weimar).
Bei der »Ruhrtriennale« in Duisburg realisierten die Osttiroler 2005 gemeinsam mit Regisseur und Schauspieler Sven-Eric Bechtolf das Singspiel »Steine und Herzen«. In Zusammenarbeit mit der Berliner Theaterformation »Nico and the Navigators« entstand 2006 für die Bregenzer Festspiele das Musik- und Bildertheater »wo du nicht bist«, das auch in Berlin, München, Parma und Mulhouse gezeigt wurde.
2008 war die Franui-Uraufführung mit dem Titel »Nur ein Gesicht« (wiederum bei den Bregenzer Festspielen) ein großer Erfolg – eine musikalische Auseinandersetzung mit den Deutschen Volksliedern von Johannes Brahms.
2009 wurde in mehreren europäischen Städten anlässlich des 250. Todestages von G. F. Händel die Franui-Pasticcio-Oper »Anaesthesia« aufgeführt: u. a. bei den Händelfestspielen in Halle a. d. Saale, bei den KunstFestSpielen Herrenhausen in Hannover, im Grand Théatre Luxemburg, im Berliner Radialsystem und im Festspielhaus Bregenz (wieder in Zusammenarbeit mit »Nico and the Navigators«).
Am 10. Juni 2010 wurde das neue Programm »Mahlerlieder«, das Franuis Trilogie über die Liedkunst im 19. Jahrhundert abschließt, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen uraufgeführt. Diese jüngste Produktion ist u.a. auch bei den Tiroler Festspielen Erl und im Gewandhaus Leipzig zu hören.

Besetzung/Stilbeschreibung

Band/Ensemble MitgliedInstrument
Klarinette, Bassklarinette
Tuba
Sopran- & Altsaxophon, Klarinette, Bassklarinette
Komposition, Kontrabass, Akkordeon
Harfe, Zither, Gesang
Hackbrett, Gitarre, Gesang
Trompete, Kornett, Gesang
Komposition, Trompete, Kornett, Gesang, musikalische Leitung
Ventilposaune, Gesang
Violine, Viola

Klassische Stücke neu interpretiert -  so lautet der übergeordnete Slogan der Tiroler „Musicbanda“ Franui. Die Art und Weise wie das Ensemble die Musik etwa eines Franz Schubert und eines Johannes Brahms in ein neues klangliches Gewand hüllt, diese Werke  sozusagen „covert“, ringt einem doch große Bewunderung ab. Die neuen Versionen gefallen sowohl Anhängern der Originalwerke wie auch jenen, die sich zu etwas experimentelleren Klänge hingezogen fühlen. Ein Spagat, den nur wenige andere Ensembles zu Stande bringen.  Am 18. Juli sind Franui im Rahmen der Tiroler Festspiele Erl zu sehen bzw. hören.

An und für sich sind „Coverversionen“ in der Klassik ja nicht wirklich üblich oder sie werden auf eine Art umgesetzt, mit der nur die wenigsten wirklich etwas anfangen können. Franui jedoch besitzen die Gabe, den Stücken durch ihre Bearbeitung ganz neue Facetten zu verleihen, sie in einer den Originalen sehr nahen, aber dann doch ganz entgegengesetzten Form darzubringen. Das liegt zum einen an der breiten Instrumentierung des 2004 für die CD „Ende vom Lied“ mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Ensembles (Holz- und Blechbläser, Saiteninstrumente und Streicher), welche dem MusikerInnenkollektiv ganz neue Räume eröffnet, in denen es nahezu frei agieren kann. Zum anderen sind es natürlich die außergewöhnlichen spielerischen Fertigkeiten der professionell ausgebildeten Mitglieder, sowie deren ausgeprägte Offenheit Neuem gegenüber.

Was die MusikerInnen der 1993 in Osttirol gegründeten „Musicbanda“ eint, ist ihre Liebe zur Klassik, zu den Werken eines Schubert und Brahms. Das aktuelle Programm „Ständchen der Dinge“ ist eine Art Werkschau der letzten beiden CD-Produktionen, auf welchen genau diese beiden Komponisten musikalisch behandelt werden. Wobei es der zehnköpfigen Formation nicht darum geht, die Originale einer vollkommenen Verfremdung zu unterziehen, auch nicht darum, sie einer neuen Interpretation zuzuführen. Vielmehr besinnen sich Franui auf die Essenz der Stücke, auf deren Charakter. Dieser weist eine überhörbare Nähe der beiden genannten Komponisten zur Volksmusik auf, welche sie in ihrem Schaffen geprägt hat. Und genau diese versuchen Franui hörbar zu machen.

Mit viel Sorgfalt und Gefühl wird die Musik vom Ensemble behutsam in neue Klangfarben gehüllt, sodass sie, obwohl verändert, in gewisser Weise an den Ursprung zurückgeführt wird. Wiewohl Franui nicht davor zurückschrecken, in dezenter Weise auch Elemente aus dem Jazz, der Filmmusik und dem Cabaret in die Musik einfließen zu lassen. Auf diesem Wege  verwandeln sich die bekannten Lieder in melodiereiche Instrumentalstücke, welche die HörerInnen schlicht und einfach in Erstaunen versetzen, offenbart die Musik doch ganz neue Seiten, die zwar in gewisser Weise erahnt werden können, in dieser Form aber noch nie gehört worden sind.  Und genau das macht den Charme von Franui aus.
(Michael Ternai, 2010)

Diskografie, Auftritte, Projekte

Diskografie:

  • 2010: Mahlerlieder (COL-LEGNO)
  • 2008: Brahms Volkslieder (COL-LEGNO)
  • 2007: Schubertlieder (COL-LEGNO - ausgezeichnet mit dem Ö1 Pasticciopreis)
  • 2005: Ende vom Lied (Extraplatte - ausgezeichnet mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik)
  • 2000: Frische Ware (Arbe)
  • 1997: drüben

Pressestimmen

 

[...] eine betörende Mischung aus schmerzlich-schöner Melancholie und beschwingtem Musikantentum, von ergreifendem Ernst und parodistischer Leichtigkeit.

 

Neue Zürcher Zeitung

 

Franui legen die volksnahe Seele Schuberts frei, wärmen sie mit Ländler und Polka, mit Zigeunergeige und Hackbrett, und sind dabei so zart, so vorsichtig, als hätten sie Angst, sie könnten den Liedern Gewalt antun.

 

Süddeutsche Zeitung

 

Eine herrliche Gratwanderung zwischen musikalischen Geschmacksgrenzen, authentischen Interpreten und unsterblichem Liedrepertoire.

 

Bayern 4 Klassik

 

[…] ein cooles, poetisches, seriöses, geistreiches Hörerlebnis. Klassik einmal ganz anders. Kultgefahr!

 

Kurier

 

Zum Niederknien schön!

 

Berliner Zeitung

 

Geschickt gemacht ist das, fein arrangiert, virtuos gespielt und trotzdem – zum Glück – nicht allzu sauber.

 

Die Zeit

 

Originale werden gefälscht, bearbeitet und variiert, bis plötzlich wieder längst verschüttet gegangene Wahrheiten auftauchen. […] Brahms wird hier grob über den Tanzboden gestaucht und gleich wieder höchst liebevoll ernst beim Notenwort genommen.

 

Die Welt

 

Immer schon geahnt, noch nie so gehört.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

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