Bruno Liberda
erfasst als: KomponistIn
Genre: Neue Musik

Liberda Bruno

Werke

# Titel EntstehungsjahrSortiericon
1 Wieso verschwindet Mozart auf der Reise nach Prag? 1999
2 Seven Steps 1996
3 100 Ansichten vom Berge Fuji - Erstes Buch 12-17 1996
4 In stiller Sonne - Öffnung 1995
5 In stiller Sonne - Zitternder Horizont 1995
6 Kleines Triptychon 1994
7 Nach(t)laut - Séance intime Nr. 2 1994
8 Music for a Tree in a Room 1994
9 50 Variationen ÜBER FÜNFZIG 1994
10 Buddha cannot sit quietly anymore 1993
11 In stiller Sonne - Klanginstallation für das Land Steiermark 1993
12 Ancient Maze - Tape Music 1991
13 The Northern Lights - Tonbandmusik 1991
14 Gleichzeitig Stille 1991
15 Momente - Zwölf MiniHörSpiele 1991
16 With a smile at the end 1990
17 100 Ansichten vom Berge Fuji - Zweites Buch 2, 5, 6, 7 1990
18 A Message from there Nr. 2 1990
19 How I went to Asia and back in 5 minutes 1989
20 Good feelings on sunday morning - für zwei Klavierspieler 1988
21 Pling is only the beginning 1988
22 Tenderness is not a miracle 1988
23 A Message from there Nr. 1 1988
24 Quartett auf G und B 1988
25 Slowly a group of whales is passing by 1988
26 Voyages 1988
27 100 Ansichten vom Berge Fuji - Erstes Buch 1-8, 11 1987
28 Kakanische Soirée 1986
29 Horoscopical Music 1986
30 Capricci - Konzert für sechs Klaviere, drei Posaunen, Schlagzeug und Tonband 1986
31 Kyrie 1986
32 100 Ansichten vom Berge Fuji - Drittes Buch 2 1986
33 Rest zweier tragischer Szenen 1985
34 Il solito, ma non troppo - Sechs kleine Stücke für Klavier 1985
35 Mémoire sur l'harmonie simultanée chez les Romains 1985
36 Shambhala - Oper 1984
37 Die die Last des Himmels tragen 1982
38 La Molinaria or No Love Lost 1982
39 Ein kleines Requiem - Tape Music 1982
40 Sophisticated Atmosphere - Stück für drei Orchester 1981
41 A se stesso 1980
42 Das Ende des Kreises - Oper in 2-3 Akten 1980
43 Egmont - Bühnenmusik 1980
44 ... con Variazioni I/II - Version für José Francisco Alonso 1979
45 Dis-Cantus 1978
46 ... con Variazioni I/II 1978
47 Twist 1978
48 Turn slowly - Blues 1978
49 Yerma - Ballettmusik, gebunden an Fred Howalds Choreographie 1978
50 Songs for Mizzi Traktor - Neun graphische Blätter 1978
51 Valse triste - Ballett 1977
52 Ein trauerumflorter Tag sinkt aus den Glocken 1977
53 Dans les bras de Morphée 1977
54 Ich hab mein Sach' auf Nichts gestellt 1976
55 Sinnfindrichkeiten 1976
56 Vox Humana 1975
57 Progressionen 1974
58 Berenice 1974
59 Albumblätter für die Toten 1974
60 Sundown 1974
61 Brasserie
62 Die Geburtstagsfeier - Bühnenmusik
63 Tragödie der Irrungen
64 Where we meet - (Séance intime Nr. 1)
65 Antigone - Bühnenmusik
66 À cause du sommeil
67 Lied der Wäscherinnen
68 Österreichische Zeitgeschichte im Aufriß
69 Return to Europe
70 Sinkspiel - Monodram

Allgemeine Information

Geburtsjahr:  1953
Geburtsdatum:  17. Februar 1953

Ausbildung

ZeitraumAusbildungInstrumentAusbildnerInOrganisationOrt
1969 - 1977

MHS Wien: Tonsatz, Komposition - Diplom mit Auszeichnung

1971

Matura

1973 - 1975

Elektroakustik

1977

IPEM Gent: Institut für Psychoakustik und Elektronische Musik

Studium der Philosophie und der Musikwissenschaft

Stilbeschreibung

Durch Infotainment, TV-Krimi, Werbespots und Videoclips ist einerseits die Geschwindigkeit und Klarheit einer Story auf maximalen "Speed" gebracht, andererseits die Mischung und Vermengung aller Stilzitate perfektioniert und zugleich endgültig ad absurdum geführt worden. Sex and Crime, Natur- und Wissenschaftsdokumentation werden uns mit immer perfekteren Großaufnahmen, schnelleren Verfolgungsjagden, größeren Explosionen, raffinierteren Überraschungen in der "Erzählung" während des Abendessens (eine Parallele zur Oper) vorgesetzt. Die "Suspense" wird nur vom Genie des Werbespots unterbrochen, das weiß, wie wenig Zeit bleibt, Sehnsüchte und Gefühle zu wecken, von fernen Ländern und verlockenden Früchten (jeder Art) zu erzählen. In buchstäblich zwei Atemzügen wird eine komplette 30"-Oper kreiert. Sicher kann eine Schauspiel- oder Opernbühne - und ich denke dabei nur an die "Einheit" des Ortes - nie mit der Rasanz eines Filmschnittes [vor - rück (Zeit), seitwärts (Ort), groß - klein (Bildausschnitt) - blendend] erzählen und auch nicht mit hundert Bühnenzügen, drei Neben-, Unter- und Hinterbühnen und tausend Scheinwerfern die visuelle Üppigkeit einer virtuellen (daher unendlich komplex gestaltbaren) Videoclipumgebung inszenieren. Die Verzauberung Jedoch gibt uns Mörikes Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag", in der viel Stille und magisch angehaltene Zeit herrscht, die Möglichkeit, eine "andere" Virtuosität zu entwickeln und einen komplementären Standpunkt einzunehmen. Im Zusammenhang mit der Bühne zeigt uns das Tristan-Motiv in großer Meisterschaft, wie die Kunstform "Musik" eine Form der Zeit ist: Diesselbe Musik existiert gleichzeitig, punktförmig (als Akkord) und als Sukzession (aufgelöst in lineare [Melodie] Motive), erscheint flüchtig oder behäbig, laut - leise, grell - gedämpft etc.
Die Potenz der Musik, Zeit aus den verschiedensten Aspekten mit variantenreichen Methoden betrachten zu können, und das auch oft noch gleichzeitig, versetzt uns in einen geheimnisvollen, "übergeordneten" Zustand. Dieses Zeit-Spiel reflektiert sich bei Tristan auch in der Erzählform der Geschichte (oder: beide bedingen einander wechselseitig): Die "Happenings" der Erzählung treten an den äußeren Rand (d. h. jeweiligen Aktschluß) und werden nur als Vorwand benutzt, die Imagination einer inneren Situation zu manifestieren - Requisiten und Aktionen werden als Vorwand für die psychische Innenwelt eingesetzt. [...] Zellpathologie Inzwischen schreiben wir 1996 und haben technologisch raffiniertere Methoden, mit Tonort, Ton-Zeit, Klangfarbe und vielen anderen Parametern zu spielen. Der neu geprägte Begriff "World music" wird sich nicht in der fälschlichen Betrachtung exotischer Folklore erschöpfen. Wie eine Vorbereitung auf einen gemeinsamen Stil wird uns die Zeit des Zitierens im Postmodernismus erscheinen: Gleich einem Netzwerk stehen alle auf der Welt vorhandenen rhythmischen, harmonischen, melodischen und sonstigen, für europäische Ohren begrifflich noch nicht (oder nicht mehr) festzuschreibenden Argumente zur Verfügung und es gibt sicher keinen - fälschlicherweise - proklamierten "Vorrang der deutschen Musik". "Wir müssen lernen, mit der Pluralität der Zeiten, der Räume, mit Vielheiten, mit Unterschieden zu leben." (Luigi Nono) (Wann werden wir endgültig von unserem europäischen Sockel stürzen und begreifen, daß z. B. ein indischer Tabla-Spieler eine viel komplexere und längere Ausbildung durchläuft als ein hiesig akademisch gebildeter Percussionist und von "Naturmusik", die unserer "Kunstmusik" überlegen sein soll, keine Rede sein kann. Vielleicht haben die Kollegen einfach eine bessere Ausbildung und machen deshalb die interessantere Musik ...)

 

Bruno Liberda, in: "Memory modules oder Oper nach der Postmoderne", 1996