SzenePenthesileaEinTraum

Werktitel
SzenePenthesileaEinTraum
Untertitel
Oper nach Heinrich von Kleists Trauerspiel Penthesilea
KomponistIn
Beteiligte Personen (Text)
Ofenbauer Christian, von Kleist Heinrich, Graf Lutz
Entstehungsjahr
1999–2000
Dauer
1h 50m
Genre(s)
Neue Musik
Gattung(en)
Oper/Musiktheater
Besetzung
Solostimme(n)
Chor
Orchester
Zuspielung
Besetzungsdetails

Orchestercode: S, 2 MezzoS, 2 Bar, B Spr, Ch - 2/0/3, 2 Bklar/0, SSax, BarSax - 0/0/BPos, KbPos/KbTb - 3 Perc, 2 Hf, Cel, Hammondorg, 2 Pf - 3/0/0/0/3 - Tonbänder

Solo: Sopran (1), Mezzosopran (2), Bariton (2), Bass (1), Frauenstimme (1, Sprecherin)

Chor (1), Flöte (2), Klarinette (3), Bassklarinette (2), Sopransaxophon (1), Baritonsaxophon (1), Bassposaune (1), Kontrabassposaune (1), Kontrabasstuba (1), Perkussion (3), Harfe (2), Klavier (2), Celesta (1), Violine (3), Kontrabass (3), Tonband (1), Hammondorgel (1), Tonband (1)

ad Flöte: beide auch Piccoloflöte
ad Klarinette: zwei davon auch Klarinette in Es
ad Bassklarinette: auch Kontrabassklarinette

Rollen
Penthesilea (S) - Prothoe (MezzoS) - Meroe (MezzoS) - Achilles (Bar) - Diomedes (Bar) - Odysseus (B) - Der Herold (Sprechrolle) - 2 Schauspielerinnen ad. lib., Bewegungschor

Art der Publikation
Verlag
Titel der Veröffentlichung
SzenePenthesileaEinTraum - Textbuch zur Oper

Bezugsquelle: Doblinger Musikverlag

Abschnitte/Sätze
Prolog | Plenum I | Dialog | Plenum II

Beschreibung
"Ich kann und will mich nicht erinnern!
SzenePenthesileaEinTraum: Penthesileas letzte Worte

Die Aktualität antiker Mythologie ist an Christian Ofenbauers Schaffen schon seit den 80er-
Jahren ablesbar. Standen in seiner Oper MEDEA (1990-94) der Beziehungskonflikt zwischen Medea und Jason am Schnittpunkt zwischen Ma triarchat und Patriarchat einerseits sowie andererseits das allgemein gesellschaftliche Problem oktroyierter Abhängigkeit durch Kolonisation im Mittelpunkt, nimmt SzenePenthesileaEinTraum nun radikal das Verhältnis Penthesilea - Achilles ins Visier:
Die Topoi herkömmlicher Betrachtungen zur Differenz der Geschlechter, ihre realen und/oder konstruierten Fakten hinter sich lassend, begreift Ofenbauer diese tödlich endende Beziehung als „Wechselspiel zwischen Gewalt und Sexualität“, als schonungslosen Kampf zwischen Unterwerfung und Dominanz, als eine fatale Anziehung, bei der die Liebe an der Stärke des Individuums zerschellt.
SzenePenthesileaEinTraum stellt keine Fortschreibung der „bürgerlichen Oper des 19. Jahrhunderts mit mehr falschen Noten“ (Ofenbauer) dar und verweigert sich dem Traditionsgefüge einer herkömmlichen Literaturvertonung.
Walter Weidringer, Werkbeschreibung, Doblinger Musikverlag, abgerufen am 07.04.2022 [https://www.doblinger-musikverlag.at/files/doblinger-musikverlag/downloads/werke/OFENBAUER_SzenePenthesileaEinTraum.pdf]

„Teile des Materials werden im Ablauf mehr mals, jedoch nicht immer vollständig und mit jeweils anderer Musik gezeigt. Diese Szenen sind so komponiert, dass es den Anschein hat, als würden sie von den Sängerinnen und Sängern i mmer wieder abgebrochen. Angestrebt wird der gefährliche Moment des gemeinsamen Erscheinens von vielfach ineinander geschachtelten Erzählebenen.
Hat die Literatur im Allgemeinen nur drei Themen ( Hochzeit, Tod, Wahnsinn, wie Peter von Matt meint), so atmet Penthesilea den Wahnsinn. Dieser, definiert als ‚sinnentleerte Arbeit’ (Foucault), hat bei Kleist sein dramaturgisches Korrelat in der Schlachtung des Geliebten und in der traumatischen Verkennung der eigenen Handlungsweise:
          Küsst ich ihn tot?
          Nicht? Küsst ich nicht?
          Zerrissen wirklich? Sprecht!
          So war es ein Versehen. Küsse, Bisse,
          Das reimt sich, und wer recht vom Herzen liebt,
          Kann schon das eine für das andre greifen.
          (Kleist: Penthesilea, 24. Auftritt)

Im Klima des Schlacht hauses muss es Plat z gebe n fü r die private Befindlichkeit der darin als Darsteller arbeitenden Menschen. Gleichzeitig soll das Theater seine innere Maschinerie nicht illusionistisch verbergen, sondern geradezu als Anatomie seiner selbst ausstellen.“
Christian Ofenbauer, Werkbeschreibung, Doblinger Musikverlag, abgerufen am 07.04.2022 [https://www.doblinger-musikverlag.at/files/doblinger-musikverlag/downloads/werke/OFENBAUER_SzenePenthesileaEinTraum.pdf]

Auftrag: Volksoper Wien, Wiener Festwochen

Uraufführung:
27. Mai 2001 - Theater an der Wien
Veranstalter: Wiener Festwochen
Mitwirkende: Ulf Schirmer, Symphonieorchester der Wiener Volksoper, Friederike Meinel (Penthesilea), Jozefina Monarcha (Prothoe), Annely Peebo (Meroe), Adrian Eröd (Achilles), Morten Frank Larsen (Diomedes), Steven Gallop (Odysseus), Corinna Harfouch (Herold)

Weitere Informationen: Lutz Graf (Inszenierung), Andreas Jander (Bühnenbild), Nina Reich (Kostüme), Reinhard Traub (Licht)

Weitere Informationen: Text unter Verwendung dreier Szenen des Dramas von Heinrich von Kleist; Mitarbeit von Lutz Graf

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 7. 4. 2022): Ofenbauer Christian . SzenePenthesileaEinTraum. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/139272 (Abrufdatum: 3. 10. 2022).