Roland

Werktitel
Roland
Untertitel
Soloversion für Paetzold-Kontrabassblockflöte und Tape
KomponistIn
Entstehungsjahr
2005
Genre(s)
Neue Musik
Gattung(en)
Sololiteratur
Elektronische Musik
Besetzung
Soloinstrument(e)
Elektronik
Besetzungsdetails

 Kontrabassblockflöte (1, Paetzold-Kontrabassflöte), zusätzlich: Copicat, Mixerfeedback

Art der Publikation
Manuskript

Beschreibung
"Das Stück wurde ursprünglich für das Duo Breitband für Kontrabassblockflöte, Copycat und Mischpult komponiert. Mit Roland wurde der Versuch unternommen, das Duo als kompakte, symbiotische Einheit in Erscheinung treten zu lassen. Spezifische Klangcharakteristika der einzelnen Instrumente sollten verdeckt und neue Legierungen elektronischer und natürlicher Klänge geschaffen werden. Dieses zugrunde liegende, interdependente Verhältnis der instrumentalen Charaktere ist Ausgangspunkt und zugleich die Basis des Stückes, die im Verlaufe der Komposition mehrfach gelockert wird. Durch klangliche Modulationen, welche die Fusion der Klänge auflösen und instrumentale Eigenheiten hervortreten lassen, geraten sie in ein Distanz- und zugleich in ein Spannungsverhältnis, bleiben aber unauflöslich «kontrapunktisch» miteinander verbunden.
Der Kompositionsplan ist streng, die Musik klar modelliert, unnahbar, scheinbar kühl. Sie ist geprägt von elektronischem Rauschen, metallischen Sounds, Netzteilbrummen als Material der elektronischen Parts. Hinzu tritt der Gebrauch von alten Tonbandmaschinen und analogem elektronischen Equipment, das ausschlaggebend ist für die spezielle Klangästhetik des Duos. Der Klang der Elektromotoren und schleifenden Tonbändern weist in seinem Verlauf charakteristische Loopeigenschaften auf und läßt immer wieder eine Form von durchgängigem «beat» aufscheinen. Sowohl in der mikro- sowie in der makroskopischen Betrachtung des Stückes bilden diminuierte und augmentierte Loopstrukturen nicht nur materiale, sondern auch formale Grundlagen. Doch noch bevor man sich einhören und verlieren könnte in einem Anklang an popmusikalische Phänomene, bilden Störgeräusche immer wieder Unterbrechungen und verhindern die womöglich weitergehörte, vielleicht erhoffte Ordnung.
Die Kontrabassblockflöte nimmt Bezug auf die Strenge der elektronischen Sounds und das kalkulierte Schichten und Verdichten paralleler Tonspuren des Mischpults. Die Klänge werden subtil manipuliert und gefärbt. Das Material der Flöte ist äußerst präzise, geprägt von Detailvergrößerungen der Sounds. Zugrunde liegt das (Er)Finden einer Spieltechnik, die es ermöglicht, musikalische Details mikroskopisch zu bearbeiten. Das Bedienen der Mischpultregler entspricht hier einem mehrspurigen Spielen auf dem Instrument.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen sowohl die Erkundung unterschiedlicher Nah- und Distanzverhältnisse der Spieler und Instrumente zueinander sowie auch das kalkulierte Ausloten der Übergangsbereiche von akustischer zu elektronischer Musik."
echoraum: Werknotizen (2020), abgerufen am 15.10.2020 [https://www.echoraum.at/reiter.htm]

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 15. 10. 2020): Reiter Eva . Roland. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/160516 (Abrufdatum: 3. 12. 2021).