Reiter Eva

Vorname
Eva
Nachname
Reiter
erfasst als
InterpretIn
KomponistIn
MusikerIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Blockflöte
Viola da Gamba
Geburtsjahr
1976
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

Foto © Nafez Rerhuf

"Eva Reiter, geboren in Wien, studierte Blockflöte und Viola da Gamba an der Universität für Musik in Wien. Im Mai 2001 schloss sie mit Auszeichnung ab. In den Jahren 2001-05 setzte sie das Blockflötenstudium bei Paul Leenhouts und Walter van Hauwe und das Gambenstudium bei Mieneke van der Velden am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam/Niederlande fort. Nach dem Bachelor-Abschluss für Blockflöte 2004 (mit Auszeichnung) und dem Bachelor-Examen für Viola da Gamba 2005 (ebenfalls mit Auszeichnung) schloss Eva Reiter in beiden Fächern 2006 ihre Master-Studien mit Schwerpunkt im Bereich der Komposition „cum laude“ ab. Seit Mai 2006 arbeitet Eva Reiter als freischaffende Musikerin und Komponistin in Wien. Sie wird regelmäßig als Dozentin zu Kursen für Alte Musik eingeladen und unterrichtete seit 2008 Viola da Gamba an der Musikschule der Stadt Linz.

In den letzten Jahren hat sich Eva Reiter sowohl als Komponistin wie auch als Interpretin verstärkt der komponierten Musik der Gegenwart gewidmet. Ihre Tätigkeit als Komponistin wurde verschiedentlich ausgezeichnet, so u. a. mit dem „Publicity Preis“ der SKE 2006, dem Förderungspreis der Stadt Wien 2008, dem „Queen Marie José International Composition Prize“ 2008, mit einer Förderprämie und dem Startstipendium für Komposition des Bundeskanzleramts Kunst, einem Arbeitsstipendium an der Akademie Schloss Solitude/Stuttgart sowie mit dem 2. Preis des Internationalen Kompositionswettbewerbs der Stadt Gmünd/Kärnten (1. Preis nicht vergeben). Ihr Werk Alle Verbindungen gelten nur jetzt zählte 2009 zu den ausgewählten Werken des Rostrum of Composers (IRC)."

Eva Reiter brachte ihre Kompositionen bei internationalen Festivals wie Transit/Leuven, Ars Musica/Brüssel, ISCM World New Music Festival, generator und Wien Modern/Wiener Konzerthaus, MaerzMusik/Berlin u.a. zur Aufführung. Sie tritt regelmäßig bei namhaften Festivals für Alte und Neue Musik auf.
Eva Reiter: Bio [http://www.evareiter.com/bio_lang.html]

Stilbeschreibung

"In einigen von Eva Reiters Kompositionen der letzten Jahre ist es eine rauhe, nicht selten brutale Klangsprache, die den Ton angibt: changierend zwischen distanzierter Kühle und hochemotionaler Entäußerung. Das dabei angewandte Material ist frei von jeder Befangenheit, dem gängigen Jargon Neuer Musik entsprechen zu wollen. Reiter zieht keine Grenzen zwischen den klanglichen »Idealen« der Kunstmusik und Ästhetiken, die aus der Sphäre der sogenannten U-Musik stammen. Indessen stehen solche Momente nicht demonstrativ heraus, sind weder Fremdkörper noch modische Accessoires in einer ansonsten genretypischen Oberfläche. Eva Reiter komponiert eine Musik, die gegenwärtigen akustischen Realitäten Rechnung trägt, anstatt sich in einen kunstmusikalischen Eskapismus zu flüchten. Dass solche Zugriffe nicht auf wohlgesetzten »Schönklang« spekulieren, ist letztlich deren Conditio sine qua non."
Sponsoring Erste Bank: Kompositions-Preisträgerin 2016: Eva Reiter (Michael Rebhahn, 2016), abgerufen am 9.10.2020 [https://www.sponsoring.erstebank.at/de/kunst-und-kultur/musik/eb-kompos…]

"Was die »Materialschlacht« an den Instrumenten betrifft, so suche ich Klänge, die für mich eine gewisse innewohnende Tendenz haben. Es gibt beispielsweise eröffnende Klänge, abschließende Klänge, ausfransende Klänge, langsame, entschleunigende, beschleunigende Klänge und so weiter. Wie bei einem Puzzle oder Mosaik gibt es Klangbestandteile, so wie sie in meinem klanglichen Setzkasten vorkommen, und die bringe ich dann zusammen mit dem inhaltlichen Konstrukt, das ich entwerfe – so wie es aus meiner Perspektive sinnstiftend bzw. logisch ist."
VAN Magazin: Interview mit Eva Reiter (Eva Freitag, 2015), abgerufen am 9.10.2020 [https://van.atavist.com/eva-reiter]

"Als kennzeichnend für Eva Reiters kompositorische Arbeit der letzten Jahre kann die Auslotung des schmalen Grats zwischen rein akustischer und elektronischer Musik angesehen werden. Die Aufmerksamkeit ist jenem Material gewidmet, das die Illusion elektronischer Klänge erweckt. Dabei sollen durch einfache Mittel wie Präparierungen Klänge mit einer komplexen Binnenstruktur erzeugt werden. Die Klanggestaltungen der für Reiters Musik elementaren elektronischen Zuspielungen bestehen zum einen aus Samples, die den Instrumenten selbst entnommen sind, zum anderen aus Maschinen und Motorensounds, deren asymmetrische Loopeigenschaft besonders charakteristisch ist. Reiter entwickelt Legierungen zwischen Elektronik und Instrumentalklang und schafft somit ein symbiotisches Gefüge."
mica-Musikmagazin: Eva Reiter im Porträt (Doris Webernberger, 2013)

"Ich suche immer wieder nach Alternativen zum streng durchkomponierten Satz, weil mich Prozesse interessieren, die mit Chaostheorien in Verbindung stehen, wobei hier „Improvisation“ aber nicht der richtige Ausdruck ist. Hierbei geht es um musikalische Prozesse, die eine Unabhängigkeit aufweisen, sich sozusagen selbst organisieren. Ich versuche also, mich hier als Komponistin etwas herauszunehmen, Systeme zu schaffen, in welchen etwas in Klang gesetzt wird, dessen Verlauf – dessen Eigenzeit beispielsweise – aber durch mich nicht kontrollierbar ist. Das hat aber nichts mit Improvisation zu tun. Solche Prozesse müssen anders durchdacht werden."
mica-Musikmagazin: mica-Interview mit Eva Reiter (Heinz Rögl, 2010)

Auszeichnungen

2006 Soziale Kulturelle Einrichtungen der austro mechana - SKE Fonds: Publicity-Preis
2008 Internationaler Kompositionswettbewerb der Stadt Gmünd/Kärnten: 2. Preis (bei Nichtvergabe des 1. Preises)
2008 Queen Marie José International Composition Prize: Gewinnerin
2008 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: Förderungsprämie
2008 Stadt Wien: Förderungspreis
2008 Akademie Schloss Solitude: Arbeitsstipendium
2009 IRC - International Rostrum of Composers: Rostrum of Composers (Alle Verbindungen gelten nur jetzt)
2012 Republik Österreich: Staatsstipendium für Komposition
2013 Akademie Schloss Solitude: Kompositionsstipendium
2016 Erste Bank Kompositionspreis: Preisträgerin
2019 Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport: Kompositionsförderung

Ausbildung

1997–2001 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Blockflöte (Rahel Stoellger) - mit Auszeichnung
1997–2001 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Viola da Gamba (Johanna Valencia) - mit Auszeichnung
2001–2004/2005 Amsterdam Sweelinck Conservatorium: Blockflöte (Walter van Hauwe, Paul Leenhouts), Viola da Gamba  (Mieneke van der Velden) - Bachelor mit Auszeichnung
2006 Amsterdam Sweelinck Conservatorium: Blockflöte, Viola da Gamba mit Schwerpunkt Komposition - Master "cum laude"

Tätigkeiten

1996 seither verstärkte Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik und Alter Musik
2008 Linz Unterricht in Viola da Gamba an der Musikschule der Stadt Linz
als Dozentin regelmäßig Einladung zu Kursen für Alte Musik
Wien freischaffende Musikerin, Komponistin und Privatlehrerin für Viola da Gamba und Blockflöte
rege Konzerttätigkeit als Solistin sowie Auftritte mit verschiedenen Barockorchestern (u.a. De Nederlandse Bachvereeniging), Mikado, Le Badinage, Unidas und Ensembles für zeitgenössische Musik (Ictus, Klangforum Wien, Trio Elastic3 und Duo Breitband)
Gast bei nationalen und internationalen Festivals, darunter Münchener Biennale, steirischer herbst und musikprotokoll im steirischen herbst Graz, Festival Unlimited Wels, Grabenfesttage Wien, Tage Alter Musik Berlin, Tage Alter Musik Regensburg, Wandelweiser, Cadenze Den Haag und Wien Modern
Mitglied im Trio Elastic3 (zusammen mit Tom Pauwels und Paolo Pachini)
Mitglied im Duo BAND (zusammen mit Yaron Deutsch)
Mitwirkung bei unterschiedlichen CD-Produktionen, u.a für Edition Wandelweiser Records, Channel Classics, ORF-Edition Alte Musik, Gramola etc.

Seit Februar 2015 ist sie festes Mitglied von Ictus.

Aufführungen (Auswahl)

2006 ISCM/IGNM/SICM - Internationale Gesellschaft für Neue Musik Stuttgart ISCM World New Music Days Stuttgart
2007 Brüssel Festival Ars Musica
2008 Jeunesse Wien Radiokulturhaus - Großer Sendesaal Porträtkonzert (von Jeunesse Wien in Zusammenarbeit mit dem ORF)
2009 Wien Modern: Fokus "Eva Reiter"
Löwen - Belgien Festival Transit Leuven

CinemaSessions-Reihe (Karl Wratschko), Wien

Aufträge (Auswahl)

Jeunesse - Musikalische Jugend Österreich
ORF - Österreichischer Rundfunk

Pressestimmen

2019
"Es gibt nicht viele Künstler, die so überzeugend und doch so leichtfüßig zwischen Rollen und Stilen wechseln wie Eva Reiter. Als Komponistin erschafft sie äußerst originelle, teils elektronisch verfremdete Klänge – aufgeführt etwa vom Ictus Ensemble, in dem sie auch als Stimmperformerin und an der imposanten Paetzold-Bassblockflöte mitwirkt. Dabei liegen die Wurzeln der gebürtigen Wienerin in der Alten Musik, mit der sie sich als Gambistin auch nach wie vor befasst. Viele Gründe also, die aktuelle Elbphilharmonie-Residenzkünstlerin näher kennenzulernen."
Elbphilharmonie: Portrait Eva Reiter. Stimmperformerin, Gambistin und Flötistin, abgerufen am 9.10.2020 [https://www.elbphilharmonie.de/de/festivals/portrait-eva-reiter/567]

Literatur

mica-Archiv: Eva Reiter
2016 Rebhahn, Michael: Abarbeiten am Hier und Jetzt. Zur Musik von Eva Reiter. In: Website Sponsoring Erste Bank.
2015 Freitag, Eva: Interview mit Eva Reiter. In: VAN Magazin.
2013 Webernberger, Doris: Eva Reiter im Porträt. In: mica-Musikmagazin.
2010 Röhl, Heinz: mica-Interview mit Eva Reiter. In: mica-Musikmagazin.

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 27. 7. 2021): Biografie Eva Reiter. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/82722 (Abrufdatum: 24. 9. 2021).

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