Zwetkoff Peter

Vorname
Peter
Nachname
Zwetkoff
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1925
Geburtsland
Bulgarien
Todesjahr
2012
Sterbeort
Baden-Baden
Ausbildung
1947 Universität Mozarteum Salzburg Salzburg Klavier Keller Wilhelm
1947 Universität Mozarteum Salzburg Salzburg Komposition Orff Carl
Hochschule für Musik und Theater München München Besuch von Kursen bei Carl Orff Orff Carl
Musikschule der Stadt Innsbruck Innsbruck Harmonielehre
Musikschule der Stadt Innsbruck Innsbruck Klavier
Musikschule der Stadt Innsbruck Innsbruck Kontrapunkt Koch Karl

Tätigkeiten
1951 - 1954 Musikschule der Stadt Innsbruck Innsbruck Klavierlehrer und Leiter des Orff-Schulwerkes
1954 SWR - Südwestrundfunk Baden-Baden Hauskomponist für radiophone und filmische Aufgaben, musikdramaturgische Arbeit mit Schauspielern, Musikern, Regisseuren und Technikern
freischaffender Komponist

Aufträge (Auswahl)
WDR - Westdeutscher Rundfunk
NDR - Norddeutscher Rundfunk
BR - Bayerischer Rundfunk
Radio Basel (Nachfolger: Radio Energy Basel)
ORF - Österreichischer Rundfunk

Auszeichnungen
1955 SWR - Südwestrundfunk Karl Sczuka Preis
1961 SWR - Südwestrundfunk Karl Sczuka Preis
1964 Bund der Kriegsblinden Deutschlands: Hörspielpreis der Kriegsblinden
1974 SWR - Südwestrundfunk Karl Sczuka Preis, gemeinsam mit Urs Widmer
1978 Bund der Kriegsblinden Deutschlands: Hörspielpreis der Kriegsblinden
1980 Bund der Kriegsblinden Deutschlands: Hörspielpreis der Kriegsblinden
1981 Prix Italia: Preisträger

Stilbeschreibung

Kompositorisch knüpft Peter Zwetkoff bei Béla Bartók, Carl Orff, Igor Strawinsky und osteuropäischer Volksmusik an. Sein musikalisches Interesse umfaßt die Vokalkunst Gregorianischen Chorals, die Polyphonie der Niederländer ebenso wie Idiome von Volksmusik und U-Musik, immer mit kritischer Distanz. Seine Musik ist einfach, aber die Strukturen - rhythmisch und harmonisch - sind komplex, wie etwa bei Webern. Es gibt kaum eine Musik, die so sprachbewußt ist wie die Zwetkoffs, und es ist immer eine sinnfällige, sinnliche Musik, die Sentimentalität verweigert, aber was für ein Gefühl hat für den Menschen, wo er wirklich wahr ist, im Leben, Lieben und Absterben. Die Liederzyklen 'Die untere Schenke' des 25jährigen nach Gedichten von Theodor Kramer und der späte Zyklus 'Am Morgen wirst du sehen' (1993) nach Gedichten von Urs Widmer sind Beispiele. Im Gesamtwerk dominieren etwa 260 Hörspielmusiken. Es gibt über 60 Arbeiten zu Fernsehspielen, ebenso viele Musiken zu Sendungen "Kulturelles Wort" und eine stattliche Zahl von Bühnenmusiken. Die größte Arbeit umfaßt an die sechs Stunden Musik zu den dreißig Hörspielfolgen à 25 Minuten zu John Ronald R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" 1991/1992, die knappste Arbeit mit der größten Konzentration seiner kompositorischen Absichten erreichte Peter Zwetkoff in der absoluten Musik 'Umschlagplatz' 1993. Das Ziel der Musik: sie will bewußt machen, Sensibilität erzeugen gegen Lauheit und Gleichgültigkeit. Seine Musik dient dem Wort und der Wahrheit, sie schärft die Wahrnehmung. Sie vermeidet alles, was zu laut ist, und spürt Grenzen auf. Die Virtuosität, die er verlangt, ist die äußerste Genauigkeit der Sprache und der Aussage. Kein Wort, kein Ton zu viel, keine blumigen Metaphern, keine Selbstgefälligkeit des Klanges, virtuose Surrogate gibt es nur zur Aufdeckung falschen Bewußtseins. Die Klangvorstellung ist präzis und sensibel, sie provoziert ein ganz elementares Hören, das die Fähigkeit zum Denken fördert. Die Klangerzeugung schließt Geräusche und die ganze Vielfalt möglicher Spielpraktiken ein. Peter Zwetkoff liebt den direkten Zugang zum Instrument. Man spürt den Atem, die Hand des Spielers, die Mechanik des Tonwerkzeugs, wir fühlen den Schlegel und den Gegenstand, der geschlagen wird. Aufnahmetechnisch setzt er alle Möglichkeiten eines modernen Studios ein, er verzichtet aber auf elektronische Effekte. Die Mehrspurtechnik und die Genauigkeit musikdramaturgischer Abmischung sind seine Gestaltungsmittel. Peter Zwetkoff komponiert mit äußerster Konsequenz und sucht präzise Formen. Er verbindet alte Polyphonie mit neuesten Kompositionsmethoden (Minimal music). Genau sind selbst die kleinsten Einheiten. Er findet Melodien, die den musikalisch Gebildeten ebenso wie den Laien ansprechen. Er hat eine klare, durchdachte Sprache, die auch professionelle Instrumentalisten herausfordert, musikalisch, technisch und geistig.

Othmar Costa, 1995

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 2. 2020): Biografie Peter Zwetkoff. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/72206 (Abrufdatum: 25. 10. 2021).

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