Mattitsch Günter

Vorname
Günter
Nachname
Mattitsch
erfasst als
KomponistIn
VeranstalterIn
Genre
Klassik
Neue Musik
Subgenre
Klassische Moderne
Geburtsjahr
1947
Geburtsort
Spittal/Drau
Geburtsland
Österreich
Ausbildung
Kärntner Landeskonservatorium Klagenfurt Klavier
Kärntner Landeskonservatorium Klagenfurt Violoncello
mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Violoncello
Kärntner Landeskonservatorium Klagenfurt Gesang
mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Kaufmann Dieter
Universität Wien Wien Medizin

Tätigkeiten
1972 Hortus Musicus Mitbegründer
praktischer Arzt
Spezialisierung auf Renaissancemusik

Aufträge (Auswahl)
Diözese Klagenfurt-Gurk
Jeunesses Musicales International

Aufführungen (Auswahl)
Carinthischer Sommer
Festival Bodenproben
Klagenfurt Klang im Raum

Auszeichnungen
1978 Amt der Kärntner Landesregierung Förderungspreis
1985 Internationale Bachakademie Stuttgart erster Preis beim Internationalen Kompositionswettbewerb
1992 Gesamtsieger des Chorwettbewerb Görz
1994 Österreichische Volkspartei Förderungspreis für Musik in Kärnten

Stilbeschreibung

Seriell, mit postmoderner Freiheit, kompromißlos, "dunkle Thematik und Ausdruck". Fröhliche Musik fällt mir schwer, ebenso Musik der heilen Welt.
Musik ist Teil unserer Welt, meiner Welt. Sie hat Anteil am Geschehen dieser Welt und drückt dieses Geschehen in der ihr eigenen Sprache unverkennbar aus. So spiegelt sie das Selbstverständnis des Menschen, mein So-Sein in dieser Welt, wider. Deshalb ist meine Musik Abbild dessen, was mich bewegt, mich herausfordert, verzweifeln und hoffen läßt, mir inneren Frieden schenkt. Ein elementares Bedürfnis bewegt Menschen, bewegt mich, Musik zu komponieren. Und kein Widerstand der Mitmenschen gegen die jeweils "neue Musik" hinderte Komponisten je daran, "ihre" Musik der Welt zuzumuten. Berührend ist darüber hinaus das Bedürfnis von uns Menschen, zu komponieren und zu musizieren, auch wenn extremste Lebensbedingungen wie etwa jene in den Konzentrationslagern des Naziregimes zu ertragen waren. Und von einem ebenso elementaren Bedürfnis nach Musik künden die Konzerte, die veranstaltet wurden, als die Welt 1945 in Schutt und Asche lag. Vielleicht ist dies der Grund, warum mich die Poesie Nguyen Chi Thiens unmittelbar inspirierte, diesem verzweifelten und dennoch die Würde des Menschen als kostbarstes Gut bewahrenden "Echo aus dem Abgrund" musikalischen Ausdruck zu geben. Zu gerne gehen wir mit dem Chor der Entrechteten unserer Generation aus dem Weg, zu verführerisch ist es, die Generation vor uns für ihr Schweigen zu den Greueln ihrer Zeit zu verurteilen. Auch die Geschichte des Propheten Jona ist für mich Anlaß, mich im Spiegel zu sehen, sie in mein eigenes Hier und Jetzt zu stellen: Jona flieht vor dem göttlichen Auftrag, vor seiner ureigensten Bestimmung als Prophet, den Menschen die Stimme des lebendigen Gottes dort zu vermitteln, wo diese der Würde ihres Menschseins verlustig werden. Seine Flucht führt ihn zum Ursprung des Seins zurück: in das Meer, in den Bauch, und nach einer drei Tage und drei Nächte währenden Initiation ist er fähig, vor Gott zu stehen: Mein Leben ist mir Gnade und Geschenk, wenn ich es annehme ohne Ausflüchte. Es wird so zum Quell aller Kraft, die ich für mein Leben benötige. Da Musik Teil meines Lebens ist, fließt sie aus derselben Quelle, aus der alles gespeist wird: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. In diesem völligen Anvertrauen hört meine Seele am Quell, was zu "meiner" Musik sich verdichten will und erklingen will. Nicht nur wir bewegen uns zur Musik hin, sie bewegt uns Menschen. Sie führt uns zu Gefühlstiefen, die wir schon längst verloren glaubten. Sie führt uns in eine Dimension, die uns über uns selbst hinaus weist. Sie erinnert uns an unseren geistigen Ursprung jenseits dieser Welt, an und in der wir oft leiden und irre werden. Sie erinnert uns an uns selbst. [...] Musik ist Teil unserer Welt. Einer Welt also, die alle polaren Gegensätze in sich zur Einheit, zur Eins vereint. Diese Welt ist, jenseits unseres Bedürfnisses, sie zu formen, sie zu manipulieren nach unserem Verlangen, offen und unbestimmt. Sie ist offen, obwohl wir sie fortwährend schließen möchten; ist Verwandlung, obwohl wir sie in unsere gewohnten Formen pressen möchten. Musik kündet von dieser Verwandlung. Auch wenn wir uns schwertun, ihr in ihrem Wandel zu folgen. Denn mit dem Wandel verheißt sie schon Zukünftiges, das in unsere Gegenwart hereinreicht, intoniert sie die Stimme des Seins, das allen Wandel trägt.

 

Günter Mattistsch 1994/1995