Kaufmann Dieter

Vorname
Dieter
Nachname
Kaufmann
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Elektro-akustische Kompositionen
Tradition/Moderne
Geburtsjahr
1941
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

 

Es gibt Komponisten, die sich in ihr stilles Kämmerlein zurückziehen, und sich nur der Produktion ihrer Werke widmen. Und es gibt einige, die sich, abgesehen von ihren Werken, auch noch für andere Dinge einsetzen. Letztere sind für eine lebendige Musikwelt unentbehrlich. Dieter Kaufmann ist so jemand.

 

Kaufmanns kompositorisches Schaffen zeigt ein besonderes Interesse für gesellschaftliche Probleme: Er ist Komponist von elektroakustischen, vokalen und instrumentalen Werken, von Musiktheater und Multimedia-Produktionen, die er zusammen mit seiner Frau Gunda König mit dem K&K Experimentalstudio seit den 1970ern international aufführt. Er schrieb Vokal-, Instrumental-, Orchesterwerke, Elektroakustische und Live-Elektronische Kompositionen und zahlreiche Musiktheaterwerke (darunter 7 Opern nach Texten von Gert Jonke, Robert Musil, Roman Brandstätter, Maria Hofmann, Josef Winkler und Elfriede Jelinek).


Ausbildung
1959 Matura
1959 - 1964 Universität Wien Wien Germanistik, Kunstgeschichte
1959 - 1964 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musikerziehung
1964 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Einem Gottfried von
1964 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Schiske Karl
1964 - 1965 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Violoncello
1967 - 1969 CNSMDP - Conservatoire National Supérieur de Musique Paris Paris Komposition Messiaen Olivier
1967 - 1969 CNSMDP - Conservatoire National Supérieur de Musique Paris Paris Komposition Leibowitz René
1968 - 1970 Paris Groupe de Recherches Musicales (GRM): Elektroakustik Bayle François
1968 - 1970 Paris Groupe de Recherches Musicales (GRM): Elektroakustik Schaeffer Pierre

Tätigkeiten
1963 - 1967 Wiener Staatsoper Wien Chorsänger
1963 - 1967 Volksoper Wien Wien Chorsänger
1963 - 1967 Theater an der Wien Wien Chorsänger
1966 ORF/Landesstudio Kärnten ORF/Landesstudio Kärnten seitdem freier Mitarbeiter
1969 Paris Groupe International de Musique Electroacoustique de Paris (GIMEP): Gründungsmitglied
1970 Wien Theater Pupodrom: Musiktheaterexperimente
1970 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien seitdem Lehrer für elektroaktustische Musik; Leiter des Lehrgangs für Elektroakustische Musik
1970 seitdem Animator und Organisator von Experimentalkonzerten
1975 K & K Experimentalstudio Wien Gründung (gemeinsam mit der Schauspielerin Gunda König und dem Tontechniker Walter Stangl, seither zahlreiche Produktionen eigener und anderer Werke im Bereich Akusmatik und Musiktheater)
1976 - 1980 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Wien Vizepräsident der Sektion Österreich
1982 - 1987 ORF - Österreichischer Rundfunk Rundfunksendereihe "Was soll der Klang in meiner Hand" (51 Folgen)
1983 - 1990 Kärntner Landeskonservatorium Klagenfurt Leiter einer Kompositionsklasse
1983 - 1988 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Wien Präsident der Sektion Österreich
1984 Gesellschaft für Elektroakustische Musik Österreich Wien Gründungsmitglied
1988 - 1991 Gesellschaft für Elektroakustische Musik Österreich Wien Präsident
1991 - 2006 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Professur (Komposition/Elektroakustik)
1991 - 2006 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Leiter des Instituts für Elektroakustik und Experimentelle Musik
2001 - 2004 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Wien Präsident
2001 - 2013 Austro Mechana - Gesellschaft zur Verwaltung und Auswertung mechanisch musikalischer Urheberrechte GesmbH Wien Präsident
2002 - 2004 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Studiendekan für Komponisten, Dirigenten, Tonmeister

Aufträge (Auswahl)
Groupe de Musique Expérimentale de Bourges (GMEB)
Groupe de Musique Experimentale de Marseille (GMEM)
ORF/Landesstudio Kärnten
oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik
Warschauer Herbst
Walter-Buchebner-Gesellschaft
Carinthischer Sommer
Wiener Konzerthausgesellschaft
Magistrat der Stadt Wien - MA 7 Kulturamt
Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur
Music Biennale Zagreb
Festival Futura
Stadttheater Klagenfurt
Klangforum Wien
Ensemble Wiener Collage

Aufführungen (Auswahl)
1972 Donaueschinger Musiktage Donaueschingen
1980 Warschauer Herbst Warschau
1984 Wiener Festwochen Wien
1986 Festival Synthèse Bourges Bourges - Frankreich
1993 Music Biennale Zagreb Zagreb
1994 Festival Futura Saint-Denis / France
1997 Hörgänge - Musik in Österreich Wien
2010 Musikforum Viktring-Klagenfurt KlangRaumFrau - Szenische Fassung
2013 Konzerthaus Klagenfurt Klagenfurt Reisetagebuch aus Südfrankreich
Wien Modern Wien regelmäßige Aufführungen
Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich regelmäßige Aufführungen (IGNM-Weltmusiktage)
Steirischer Herbst Graz regelmäßige Aufführungen
Carinthischer Sommer Ossiach regelmäßige Aufführungen

Auszeichnungen
1968 Stadt Wien Förderungspreis
1972 Amt der Kärntner Landesregierung Förderungspreis
1975 Musikprotokoll im Steirischen Herbst Kompositionspreis
1981 Prix Futura für "Sprechquartett"
1988 Magisterium für Elektroakustische Musik in Bourges, ehrenhalber für 20 Jahre Elektroakustische Komposition Le Voyage au Paradis - Fünf Bilder nach Fragmenten von Robert Musil
1990 Stadt Wien Ernst-Krenek-Preis
1991 Stadt Wien Preis für Musik
1992 Amt der Kärntner Landesregierung Würdigungspreis
1996 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Würdigungspreis für Musik
2008 Amt der Kärntner Landesregierung Kärntner Landeskulturpreis
2013 Wörthersee Classics Festival Composer in Residence
Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG Auszeichnung
Theodor Körner Fonds Förderungspreis

Stilbeschreibung

 

Als prägend für Dieter Kaufmanns künstlerisches Selbstverständnis erwiesen sich die Studienjahre in Paris (1967-1970). Hier kam er nicht nur mit elektroakustischer Musik und der Musique concrète in Kontakt, die sein kompositorisches Schaffen wie seine Tätigkeit als Dirigent und Regisseur nachhaltig beeinflußten: In ebensolchem Ausmaß wurde seine Sensibilisierung für gesellschaftliche Fragen und Probleme durch das Miterleben der Studentenrevolte des Mai '68 bewirkt ("Evocation. Oratorium gegen die Gewalt" auf Texte Ingeborg Bachmanns, 1968). Ohne sich zu konkreten politischen Aussagen hinreißen zu lassen, bilden Fragen des Verhältnisses der Produktion und Inszenierung von Kunst ("Volksoper", 1978) oder nach den Rollen, die der Frau in unserer Gesellschaft zugeschrieben werden ("Bildnis einer Frau im Spiegel", 1972), den dramaturgischen wie musikalischen Ausgangspunkt der Werke Kaufmanns. Daß diese Fragestellungen sich in den achtziger Jahren auf den Konflikt zwischen einzelgängerischem Individuum und Gesellschaft konzentrieren, ist unübersehbar: in der Kirchenoper "Bruder Boleslaw" op. 61 (1989) auf die Verweigerung jeglicher Kommunikation von seiten eines mittelalterlichen Büßers, im "vokalen Theater" "Die Reise ins Paradies" (nach nachgelassenen Entwürfen Musils zum "Mann ohne Eigenschaften", 1987) auf den zum Scheitern verurteilten Versuch eines utopischen, "anderen" Lebens. Indes bewirkte der Pariser Aufenthalt auch - über die offenkundige Affinität Kaufmanns zu der Arbeit der Groupe de Recherches Musicales Schaeffers und Bayles hinaus - eine grundsätzliche Ausrichtung der musikalischen Poetik Kaufmanns. Sein Verhältnis zur Tradition, das heißt zu der Nachlaßmasse der letzten Jahrhunderte europäischer Komposition, beschreibt der Komponist selbst nämlich mit dem Verhältnis des Musique-concrète-Komponisten zu den von ihm montierten Klängen: Sie seien objets trouvés, vorgefundenes und beliebig weiterverarbeitbares Material. Dabei mag es sich, im 1985 entstandenen "Für Clara. Ein romantisches Klavierkonzert" etwa, um die auch sonst gern herangezogene Obertonreihe als (transformierbare) Akkord-Säule handeln oder um die Imitation eines "romantischen" Klaviersatzes irgendwo auf halbem Weg zwischen Chopin und Schumann; es mag die Stimme Gunda Königs sein oder, wie zu Beginn des Tonbandstücks "Wiener Werkel" (1971), eine Aufeinanderfolge von 64 Ausschnitten unterschiedlichster Provenienz - menschlicher, maschineller oder musikalischer von je einer Sekunde Dauer: Weniger in der "Erfindung" von Material als im Herstellen von Beziehungen zwischen vorhandenem Material sieht Kaufmann den Schwerpunkt seiner kompositorischen Arbeit.

 

 

Wolfgang Fuhrmann, in: Komponisten der Gegenwart. - München: Edition Text + Kritik, 1992


Pressestimmen

 

2008

 

Die "Zutaten" zu Dieter Kaufmanns Klang-Text-Bild-Collage sind exklusiv [...] Musikalisch hat diese dicht gewebte Collage einen durchaus starken klangsinnlichen Reiz. Bei aller Verfremdung bleibt die Grundhaltug romantisch - mit einzelnen aufblitzenden modernen Speerspitzen.

Österreichische Musikzeitschrift; Ausgabe 07/08


Links mica-Archiv: Dieter Kaufmann, mica-Artikel: Carte blanche pour Dieter Kaufmann (2011), mica-Artikel: Kaufmann akusmatisch - Eine akustische Biografie in der Alten Schmiede (2011), mica-Artikel: Dieter Kaufmann: "Reigen" (2012), Biographie: "Ich gehe im Himmel der Pfützen" - Dieter Kaufmann

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 4. 2020): Biografie Dieter Kaufmann. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/57266 (Abrufdatum: 3. 7. 2020).

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