Opus 68 (Alexandr Scriabin)
Bearbeitung für großes Orchester
KomponistIn: Haas Georg Friedrich
Entstehungsjahr: 2003
Dauer: 10m
Genre:
Subgenre:
Besetzung:

Opus 68 (Alexandr Scriabin) - Bearbeitung für großes Orchester

Besetzungsdetails

Orchestercode:  3, (Picc, AFl)/2, Ehr/2, (KbKlar), BKlar/3, (KFag) - 4/4/4/1 - 3Perc, Hf, Akk - 12/10/8/8/6

Flöte (3), Oboe (2), Englischhorn (1), Klarinette (2, auch Kontrabassklarinette), Bassklarinette (1), Fagott (3, auch Kontrafagott), Horn (4), Trompete (4), Posaune (4), Tuba (1), Perkussion (3), Harfe (1), Akkordeon (1), Violine (22), Viola (8), Violoncello (8), Kontrabass (6)

Publikation

Art der Publikation:  Verlag
Verlag:  Universal Edition

Anlass-Auftrag-Widmung

Weiterführende Informationen

Es hätte keinen Sinn, Skrjabins 9. Sonate historisierend korrekt zu instrumentieren. Mich interessiert, diese Musik in meine eigene Klanglichkeit zu projizieren. Das Werk entfernt sich vom authentischen Skrjabin. Es ist wie ein Kommentar, der die Tonhöhen fast unangetastet lässt und nur ganz wenige Töne hinzufügt. Die Tonhöhen und die Harmonik sind von Skrjabin, die Klangfarben und deren Wechsel Haas. Skrjabins 9. Sonate schreit – wegen ihrer formalen Anlage und harmonischen Kühnheit – nach einer Erweiterung des Klanges, die über das rein Pianistische hinausgeht. Ich wollte das, was in dieser Musik subkutan vorhanden ist, ins Orchestrale übersetzen. Mich hat der formale Aspekt gefesselt. Die Sonate bricht in dem Augenblick ab, in dem die Reprise beginnen sollte. Diese Reprise bedeutet ein Verstummen, eine Katastrophe. Dieser Zugang zur Reprise ist mir sehr nahe.

 

Skrjabin geht von einem einzigen Motiv aus, das sich in die Musik einnistet, sie auflöst und zerstört. Er insistiert auf dieser melodischen Gestalt, die sich nur in der Klangfarbe ändert – das ist etwas unglaublich Faszinierendes.

 

In meiner Musik gestalte ich oft Spiralen, die im Unendlichen beginnen und – immer in eine Richtung – ins Unendliche weitergehen. Das gibt es auch in Skrjabins 9. Sonate, in der harmonisch – durch Kleinterzfälle – eine Endlosspirale erzeugt wird. Meine Instrumentation verdeutlicht dies, was mit dem Klavier allein natürlich nicht funktioniert weil sich eine Spirale am Klavier nicht ebenso darstellen lässt. Der Klavierklang kann nicht wie aus dem Nichts beginnen und nach seinem Anschlag moduliert werden. Auf Mikrotonalität habe ich in diesem Stück verzichtet. Skrjabins 9. Sonate lebt von der chromatisch zwölftönigen, temperierten Harmonik. Zwar gibt es auch Momente, die mikrotonal analysiert werden können, die aber nicht aus dem temperierten Zusammenhang herauszulösen sind. Wenn er z. B. zwei Obertonakkorde im Tritonusabstand miteinander vermischt, dann funktioniert es nur, weil diese Obertonakkorde aus der temperierten Skala heraus gedacht sind. Skrjabin arbeitet von vornherein mit diesen temperierten, deformierten Obertonskalen. Es wäre falsch, eine Re-Deformierung zu versuchen. Das würde den Sinn der Musik zerstören.

 

Ungewöhnlich innerhalb der ansonsten konventionellen Orchesterbesetzung ist – neben der exponierten Stellung des Akkordeons, das ich wegen seiner trüben Klangfarbe mag – der riesige Paukensatz. Die Pauke wird fast wie das Klavier eingesetzt, dient jedoch eher als Melodieinstrument.

 

Georg Friedrich Haas (aus einem Gespräch mit Martina Seeber)

Uraufführung

Jahr:  2004
Datum:  31. Januar 2004
InterpretIn:  Rundel Peter
Band/Ensemble:  WDR Sinfonieorchester