Leve

Werktitel
Leve
Untertitel
für Gitarre, Streichquartett und 2 Perkussion
KomponistIn
Entstehungsjahr
2008–2009
Dauer
14m
Genre(s)
Neue Musik
Gattung(en)
Ensemblemusik
Besetzung
Soloinstrument(e)
Sextett
Besetzungsdetails

Solo: Gitarre (1)

Violine (2), Viola (1), Violoncello (1), Perkussion (2)

Art der Publikation
Manuskript

Auftrag: oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik

Uraufführung
1. November 2009 - Salzburg, Mozarteum Salzburg
Mitwirkende: Caspar de Roo (git), oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik, Johannes Kalitzke (dir)

Beschreibung
"Der Ausgangspunkt des Stückes liegt im Auftrag selbst, einen Bezug zur Gitarre als einem Instrument der Volksmusik herzustellen. Ich hatte seit 25 Jahren bewusst jeden Bezug zur Folklore vermieden, erstens weil ich der Entwicklung einer lateinamerikanischen Musik auf dieser Basis, wie sie die vergangenen Generationen unternommen haben, sehr skeptisch gegenüber stehe, und zweites weil genau das der Erwartungshaltung vieler Zuhörer in Europa gegenüber einem lateinamerikanischen Komponisten entspricht, eine Erwartung, von der ich mich befreien wollte.

Diesen Auftrag habe ich als Impuls genommen, dennoch einen Weg zu suchen, damit zu arbeiten. Ich bin von einem Material aus dem östlichen Flachland, das Kolumbien und Venezuela verbindet, ausgegangen, insbesondere von einer Interpretation des Volksliedes "El Gavilán" von Aquiles Parra (Cuatro) und Lucia Pulido (Stimme). Leichtigkeit, spielerische Virtuosität und tiefe Verbindung zur Landschaft sind aus meiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften des Liedes. Der Cuatro (4-Saitiges Instrument) begleitet die Stimme allein, im Vorspiel und in den Zwischenspielen scheint er das ganze typische Ensemble zu ersetzen: Er ist Stimme, Harfe und Schlagzeug zugleich. Darin ist alles vorhanden, Melodie, Harmonie und Rhythmus, aber nichts ist vollständig definiert und eindeutig gezeichnet. Die Abstraktion ermöglicht, dass alle diese Elemente zu Klangfarbe verschmelzen. Das ist genau der Punkt, der für mich interessant wird.

Eine Reihe von Analysen vor allem der rhythmischen Struktur führte zu den ersten Entscheidungen. Umgruppierung einer Grundeinheit und Verschiebung von Akzenten sind die grundlegenden Techniken der rhythmischen Zusammensetzung. Kombination ist wichtig, nicht Entwicklung. Die grosse Form wird durch die Auswahl von wesentlichen Elementen der Gitarrentechnik gesteuert. Daraus werden kompositorische Modelle entworfen, die den Formteilen zugrunde liegen.

Alle musikalische Impulse und Ereignisse gehen von der Gitarre aus, das Ensemble ist Projektion und Erweiterung des Instrumentes, nicht sein Gegenpart. Es bildet eine Umgebung, einen Resonanzraum für sie, ein fragiles aber zugleich kraftvolles, vielfältiges aber zugleich beschränktes, leichtes, aber zugleich extrem schwieriges Instrument."
Germán Toro Pérez (2009), abgerufen am 23.09.2020 [http://www.toro-perez.com/works/instruments]

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 25. 9. 2020): Toro Pérez Germán . Leve. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/201322 (Abrufdatum: 2. 12. 2020).