Trois Chansons
Beschreibung
"In der Klangwelt der Chansons verwende ich Elemente aus dem Bereich U-Musik, dem Klangsymbol der Wegwerfgesellschaft. Es ist die Klangwelt des sogenannt Abgenutzten, des angeblich Minderwertigen und des abgeblätterten Glanzes eines verloschenen Erfolgs. Die Musik tastet sich vorsichtig vorwärts und klingt wie eine verschwommene Erinnerung an eine Nacht in einer verrauchten Bar.
Das Bild einer alten, zerkratzten und zigmal abgespielten Schellackplatte war beim Schreiben im Kopf. Eine Klang-Ruine einer längst entschwundenen Zeit, die nicht den siegreichen Zeiten nachweint sondern aus dem Verfall ihrer aufgerissenen und schutzlosen Mauern ihre empfindsame Qualität und offene Kraft bezieht.
Die rhythmischen Ebenen verlaufen in verschiedenen Tempi, zum Teil retardieren oder accelerieren sie, während andere Ebenen in ihrem Tempo bleiben.
Lineare Verläufe werden wie durch eine unscharfe Linse verschwommen gehört. Auch die harmonische Ebene wird mikrotonal getrübt und es gibt Überlagerungen. Die Ebenen verlieren sich und finden sich wieder aber etwas verbindet sie: die Reste eines harmonischen Feldes und das Urtempo auf das sich sämtliche rhythmische Strukturen beziehen. Einzelne Ereignisse tauchen aus dem Kollektiv hervor, aber letztlich ergänzen sich alle zum einen Ganzen.
Die musikalische Struktur ist ein Sinnbild für mein Verständnis von Gemeinschaft, weil der Mensch bei allen Unterschieden und aller wertvoller Individualität ein mit der Welt vernetztes Wesen ist."
Anselm Schaufler (2021), abgerufen am 3.9.2026 [https://musikprotokoll.orf.at/2021/werk/trois-chansons]
Abschnitte/Sätze
3 Lieder: Nach dem letzten Wort | Die Abenteuer meiner Handschrift | Mutmaßungen über eine Verschwundene
Uraufführung
09. Oktober 2021 - Graz, MUMUTH - György-Ligeti-Saal
Veranstaltung: ORF Musikprotokoll
Mitwirkende: Tanja Elisa Glinsner (Stimme), Klaudia Tandl (Stimme), Ensemble Zeitfluss, Edo Micic (Dirigent)