Eisrequiem

Werktitel
Eisrequiem
Untertitel
Für 12 Solostimmen
KomponistIn
Entstehungsjahr
2020
Dauer
~ 12m
Genre(s)
Neue Musik
Gattung(en)
Vokalmusik
Besetzung
Vokalensemble
Besetzungsdetails

Sopran (3), Mezzosopran (3), Tenor (3), Bariton (1), Bass (2)

Art der Publikation
Manuskript

Beschreibung
"Eis fasziniert mich seit jeher ungemein. Das mag daran liegen, dass ich als Kind Eiskunstlauf als Leistungssport betrieben habe. Es liegt aber mit Sicherheit auch an der starken Anziehungskraft, die Gletscher auf mich ausüben. Diese herrlichen, kühlen, mächtigen und erhabenen Riesen, die Teil der ältesten Zeugen unserer Vergangenheit sind. Das Gletschereis lebt, denn es wächst, zieht sich zurück, altert und ja, es kann auch töten. Es scheint zu atmen, aber wie lange noch? Das Eis unserer Gletscher schmilzt nämlich, seit der Jahrtausendwende haben die Alpengletscher rund ein Sechstel ihrer Masse verloren. Auch das „Ewige Eis“ der Arktis und Antarktis verschwindet derzeit sechs Mal so schnell wie in den 1980er Jahren. Dies ist ein gravierendes Symptom des menschengemachten Klimawandels und führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels mit weitreichenden Folgen. Weil das Eis langsam stirbt, habe ich dieses Requiem komponiert. Das einsätzige Werk ist formal in die drei Teile „Requiem aeternam“, „Dies irae“ und „Lux aeterna“ geteilt. Im ersten Teil habe ich mich von besonderen Eis-Klängen inspirieren lassen. Waren sie je auf einem zugefrorenen See und haben dem klanglichen Spektakel zugehört? Es knackt und klirrt nicht nur, sondern der See scheint auch in höchsten Tönen zu singen. Dies liegt daran, dass Schall sich im Eis viel schneller als in Luft ausbreiten kann. Durch unterschiedliche Spannungen kommt es dann zu diesen kristallin filigranen Geräuschen und sagenhaften Klängen. Im „Dies irae“ erklingen brodelnde, unruhige Kristalle neben Aggregatklumpen und wie im gesamten Stück kein Text im klassischen Sinne, sondern nur lautmalerische Silben. Exzessive Glissandi symbolisieren das unwiederbringlich schmelzende Eis, dem sein Fundament entrissen wird. Eine besondere Rolle spielt im letzten Teil die Form des sechseckigen Hexagons, denn Eis kristallisiert in dieser Kristallstruktur. Diesem „Lux aeterna“ wohnt viel Hoffnung inne. Denn obwohl viele Veränderungen bereits jetzt irreversibel sind, gibt es noch einiges, was verhindert und sogar rückgängig gemacht werden kann. Jede*r einzelne von uns wirkt mit an der Zukunft, in der wir, unsere Kinder und hoffentlich noch viele weitere Generationen leben werden."
Manuela Kehrer

Auftrag: Company of Music

Uraufführung
20. Oktober 2020 - Wien, Konzerthaus
Mitwirkende: Company of Music, Johannes Hiemetsberger (Dirigent)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 17. 7. 2020): Kerer Manuela . Eisrequiem. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/200858 (Abrufdatum: 27. 9. 2020).