Streicher Ludwig

Vorname
Ludwig
Nachname
Streicher
Nickname
Paganini des Kontrabasses, Tausendfinger
erfasst als
KomponistIn
InterpretIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Klassik
Instrument(e)
Kontrabass
Geburtsjahr
1920
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich
Todesjahr
2003
Sterbeort
Wien

"Ludwig Streicher, genialer Musiker und "Showman", hat mit seinem Kontrabass die ganze Welt bereist. Er war ein Virtuose am Instrument, der die "ernste" Welt der klassischen Musik oft mit Witz und Humor aufzulockern wusste. Streicher als Stargast in Fernsehshows, Streicher, der von der schönen Fürstin von Monaco ein Busserl als Gage verlangte ... Wohl jeder, der ihn kannte, weiß die eine oder andere Anekdote aus seinem beeindruckenden Leben zu berichten. Aber Ludwig Streicher war vor allem eines: ein ernsthaft arbeitender Musiker und engagierter Lehrer. Er hat den Kontrabass als Soloinstrument etabliert, eine international beachtete Kontrabass-Klasse an der Wiener Musikhochschule (heute mdw) aufgebaut und dazu ein wegweisendes Lehrwerk verfasst."
mdw-Webmagazin: "Musizieren" – das Kontrabass-Konzept des Ludwig Streicher (1920–2003) (Ana Valéria Poles, 2017), abgerufen am 11.11.2021 [https://www.mdw.ac.at/magazin/index.php/2017/09/29/musizieren-das-kontr…]

"[...] Der am 26. Juni 1920 in Wien geborene Musiker begann seine Laufbahn nach dem Studium an der Wiener Musikakademie als Erster Solobassist und Solocellist während des Zweiten Weltkriegs in Krakau. Nach dem Krieg wurde er Erster Solobassist der Wiener Philharmoniker. 1966 startete er eine internationale Solokarriere und spielte mit den größten Orchestern der Welt. Streicher war auch im Rundfunk und Fernsehen präsent und spielte zahlreiche Aufnahmen ein.

Mit der Entwicklung einer eigenen Kontrabass-Schule revolutionierte Streicher außerdem die Spieltechnik seines Instruments. Neben internationalen Meisterklassen hatte er eine Konzertfach-Klasse an der Wiener Musikuniversität und unterrichtete auch in Madrid an der renommierten Escuela Superior de Musica Reina Sofia. Über 200 seiner Schüler kamen in internationalen Engagements unter."
Wiener Zeitung: Kontrabassist Ludwig Streicher gestorben (2003), abgerufen am 11.11.2021 [https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/klassik/326562_Kontraba…]

Stilbeschreibung

"Streichers Spielweise entspringt einer altösterreichischen Tradition. Sie geht über Franz Simandl in direkter Linie zurück auf Wenzel Hause (1764–1847) in Prag, der schon damals die heute übliche Haltung der Greifhand propagierte. Auch Streichers Variante der "deutschen Bogenhaltung" wurde schon von Simandl angewandt [...]. Jedenfalls leistete Streichers durchdachte Bogenführung einen wesentlichen Beitrag zu seinem Erfolg. Sie gewährleistet einen organischen, kontrollierten Bewegungsablauf von der Schulter bis in die Fingerspitzen, wodurch eine klare Artikulation in den tiefen Lagen, aber auch eine weiches, volltönendes Legatospiel ermöglicht wird."
mdw-Webmagazin: "Musizieren" – das Kontrabass-Konzept des Ludwig Streicher (1920–2003) (Ana Valéria Poles, 2017), abgerufen am 11.11.2021 [https://www.mdw.ac.at/magazin/index.php/2017/09/29/musizieren-das-kontr…]

Auszeichnungen

1945 Orchestervorspiel - Orchester der Wiener Staatsoper: Gewinner
1962 Republik Österreich: Verleihung des Titels "Professor"
1971 Wiener Philharmoniker: Ehrenring
1991 Amt der Wiener Landesregierung: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
2000 Kultusministerium des Königreichs Spanien: Encomienda de Alfonso X
2005 Konzerthaus Weinviertel, Ziersdorf: Benennung des Ludwig-Streicher-Saals

Gemeinde Ziersdorf: Ehrenbürger

Ausbildung

1934–1940 Wiener Musikakademie: Violoncello, Kontrabass (Johann Krump, Karl Schreinzer) - Diplom mit Auszeichnung
1940–1942 Krakau (Polen): Violoncello (Josef Mikulsky)

Tätigkeiten

1942 Berliner Philharmoniker (Deutsches Reich): erfolgreiches Orchestervorspiel, Vertragsanbot - konnte nicht angenommen werden
1944–1945 Deutsche Wehrmacht (Deutsches Reich): Kriegsdienst, russische Kriegsgefangenschaft
1966–2001 internationale Karriere als Konzertsolist; zahlreiche Konzertreisen in Europa, Afrika, USA, Japan
1966–1973 Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien: Dozent (Kontrabass)
1967 Wien: Aufnahme der ersten Schallplatte ("Musikalische Raritäten für Kontrabass"); zusammen mit seinem damaligen Pianisten und Freund Max Valicek
1973–1990 Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien: ordentlicher Professor (Kontrabass)
1992–2001 Escuela Superior de Música Reina Sofía, Madrid (Spanien): Dozent (Kontrabass)

Mitglied in Ensemble/Band/Orchester
1938 Orchester der Wiener Staatsoper: Substitut
1940–1944 Staatsorchester Krakau (Polen): Erster Solokontrabassist
1943–1944 Staatsorchester Krakau (Polen): stv. Solocellist, Stimmführer
1945–1973 Orchester der Wiener Staatsoper: Kontrabassist
1946–1954 Wiener Philharmoniker: Kontrabassist
1954–1973 Wiener Philharmoniker: Erster Kontrabassist, Stimmführer
1958–1973 Wiener Hofmusikkapelle: Erster Kontrabassist

Pressestimmen

"Ludwig Streicher ist ein Phänomen in des Wortes ganzer Bedeutung. Seine Beherrschung des so schwer zu beherrschenden Instruments grenzt ans Wunderbare [...]. Das Instrument, das man sonst nur als Fundament des Streicherklangs und als Farbe im Orchester kennt, zeigt plötzlich, dass es Seele hat. Es singt und jubelt, es spricht in allen Nuancen und Farben und entwickelt unter Streichers Händen eine Kommunikationsfähigkeit, die man sonst höchstens einer Geige zuerkennt."
Salzburger Nachrichten

"Streicher ist ein Erzmusikant, der nicht nur weiß, sondern auch fühlt, was er spielt, ein ganz ursprüngliches Temperament, dem sich jeder Takt im vollen Sinn solistisch belebt. Unter seinem Bogen wird der Kontrabaß zum vollendeten Gesangsinstrument [...]. Der vom Hexenmeister beherrschte Kontrabaß als poetisches Instrument - diesen Eindruck konnte die vom lebhaften Beifall geforderte Zugabe von Bottesinis Elegie noch verstärken."
Süddeutsche Zeitung

"Ces "moyens", Ludwig Streicher, actuellement un des meilleurs contrebassiste du monde, nous en a fait une démonstration étonnante!"
La Libre Belgique, Brüssel

"'Un récital de sonates pour contrebasse?' Quelle idée perverse, penseront certains! Eh bien! L'expérience a été faite au "Mai de Versailles" et j'avoue qu'elle fut concluante [...]. Compte tenu de l'acrobatie - il y en a - Streicher fait non seulment de la contrabasse l'appareil d'un virtuose mais aussi et surtout une voix qui chante."
Figaro, Paris

Diskografie (Auswahl)

1998 Giovanni Bottesini: Works For Double Bass - Klaus Stoll/Ludwig Streicher (db), Jörg Baumann (vc), Norman Shetler (pf), Münchener Kammerorchester, Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Hans Stadlmair/Jesús López-Cobos (dir) (Teldec Classics International GmbH)
1995 Österreichische Komponisten der Gegenwart: Paul Angerer - Ludwig Streicher (db), Südwestdeutsches Kammerorchester, Paul Angerer (dir) (KKM-Records)
1991 Österreichische Musik der Gegenwart: Paul Walter Fürst - Ludwig Streicher (db), Peter Schilly (pf) (Amadeo Classic)
1991 Forellenquintett - Ludwig Streicher (db), Atar Arad (va), Haydn-Trio Wien (Teldec Classics International GmbH)
1991 Encores: Ludwig Streicher - Ludwig Streicher (db), Astrid Spitznagel (pf) (Orfeo International Music GmbH)
1985 Österreichische Musik der Gegenwart: Marcel Rubin - Ludwig Streicher (db), ORF-Symphonieorchester, Leif Segerstam (dir) (Amadeo/Polygram)
1982 Forellenquintett - Ludwig Streicher (db), Atar Arad (va), Haydn-Trio Wien, Vermeer Quartett (Teldec »Telefunken-Decca« Schallplatten GmbH)
1981 The Art of Ludwig Streicher - Ludwig Streicher (db), Reiko Honsho (pf) (CBS/Sony Inc. Jasrac)
1980 Colour: Bottesini / Dragonetti / Vanhal / Dittersdorf - Ludwig Streicher (db),
Münchener Kammerorchester, Innsbrucker Kammerorchester, Hans Stadlmair/Othmar Costa (dir) (Teldec Schallplatten GmbH)
1980 Kontrabaß-Konzerte / Bottesini, Dragonetti, Dittersdorf - Ludwig Streicher (db), Münchener Kammerorchester, Hans Stadlmaier (dir) (Teldec »Telefunken-Decca« Schallplatten GmbH)
1978 Ludwig Streicher spielt Bottesini - Ludwig Streicher (db), Norman Shetler (pf) (Teldec »Telefunken-Decca« Schallplatten GmbH)
1976 Kontrabaß-Konzerte / Vanhall & Urbanner - Ludwig Streicher (db), Innsbrucker Kammerorchester, Erich Urbanner/Othmar Costa (dir) (Teldec »Telefunken-Decca« Schallplatten GmbH)
1969 Ludwig Streicher: Walter Berry - Walter Berry (b), Ludwig Streicher (db), Christl Gottschlich (va), Wiener Barockensemble, Theodor Guschlbauer (dir) (Amadeo - Österreichische Schallplatten Aktiengesellschaft)
1967 Musikalische Raritäten für Kontrabass - Ludwig Streicher (db), Max Valicek (pf) (Amadeo - Österreichische Schallplatten Aktiengesellschaft)

Literatur

2017 Poles, Ana Valéria: "Musizieren" – das Kontrabass-Konzept des Ludwig Streicher (1920–2003). In: mdw-Webmagazin (29. September 2017), abgerufen am 11.11.2021 [https://www.mdw.ac.at/magazin/index.php/2017/09/29/musizieren-das-kontrabass-konzept-des-ludwig-streicher-1920-2003/].

Publikationen des Künstlers (Auswahl)
1977–1980 Streicher, Ludwig: Mein Musizieren auf dem Kontrabass, Band 1-5 - für Anfänger und Fortgeschrittene. Wien: Edition Doblinger.
Streicher, Ludwig: Tonleitern und Akkordstudien für den Kontrabass. Wien: Edition Doblinger.

Quellen/Links

Webseite: in memoriam Ludwig Streicher
Wikipedia: Ludwig Streicher

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 12. 11. 2021): Biografie Ludwig Streicher. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/71588 (Abrufdatum: 26. 6. 2022).