Gielen Michael Andreas

Werke

# Titel EntstehungsjahrSortiericon Dauer Besetzung Gattung
1 Weitblick - Sonate für Cello-Solo, nach dem Trio "Rückblick" 1991 7m
2 Rückblick - Serenade für 3 Violoncelli 1989 11m
3 Pflicht und Neigung 1988 23m
4 Un vieux sou-venir - Streichquartett 1983 - 1985 38m
5 Mitbestimmungsmodell - für Orchestermusiker und drei Dirigenten 1971 35m
6 die glocken sind auf falscher spur - Melodramen und Zwischenspiele mit Gedichten von Hans Arp für sechs Musiker und Bänder 1970 30m
7 Un día sobresale/Ein Tag tritt hervor - Kantate für obligates Klavier, fünf Soloinstrumente und fünf Gruppen von je fünf Musikern 1961 - 1963 22m
8 Variationen für 40 Instrumente 1959 22m
9 Vier Chöre mit 19 Instrumenten - nach Gedichten von Stefan George 1955 - 1958 20m
10 Musica 1954 25m
11 Musik 1954 1954 25m
12 Sechs Lieder - für Baß und drei Instrumente 1951 - 1954 16m
13 Variationen über den Choral "Christus, der uns selig macht" - (Bearbeitung Johann Sebastian Bach) 1950 17m
14 Variationen für Streichquartett 1949 18m
15 Der Einsame 1948 4m
16 Musik für Klarinette, Viola und Fagott 1948 8m
17 Psalm 121 1947 9m
18 Sonate 1946 12m
19 Jesu, meine Freude - Collage über die Motette "Jesu, meine Freude" von Johann Sebastian Bach und Igor Strawinskys "Canticum sacrum" für Chor und Orchester ~ 25m
20 Einige Schwierigkeiten bei der Überwindung der Angst - Fixierte Fassung von "Mitbestimmungsmodell" mit nur einem Dirigenten

Allgemeine Information

Geburtsjahr:  1927
Geburtsdatum:  20. Juli 1927
Geburtsort:  Dresden
Geburtsland: 
Nationalität: 

1927 in Dresden geboren, stammt Michael Gielen aus einem künstlerischen Elternhaus, sein Vater ein Regisseur, seine Mutter eine Schauspielerin. 1938 emigrierte die Familie auf Grund der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Buenos Aires, wo Gielen ab 1940 Klavierunterricht bei Rita Kurzmann-Leuchter und ab 1942 musiktheoretischen Unterricht bei Dr. Erwin Leuchter erhielt. Nach dem Abitur 1944 studierte er noch für drei Semester Philosophie, ehe er sich endgültig dem musikalischen Schaffen zuwandte und erste Kompositionen verfasste. Ein Klavierabend, bei dem er 1949 alle Klavierwerke Schönbergs interpretierte machte ihn bekannt. 1950 kehrte er nach Europa zurück und erhielt ein Engagement als Korrepetitor an der Wiener Staatsoper. 1952 folgte das erste Dirigat am Wiener Konzerthaus, zwei Jahre später an der Wiener Staatsoper. Allmählich etablierte sich Gielen durch Dirigate in Europa und den USA als Fixstern am Dirigentenhimmel, schuf aber auch weiterhin Kompositionen. Ab den 70er-Jahren war er für Institutionen wie die Niederländische Oper, das Cincinnati Symphony Orchestra, die Oper in Frankfurt, als Chief Guest Conductor für das Sinfonieorchester der BBC, die Staatskapelle Berlin, Die Oper unter den Linden u.v.a. tätig. Als Leiter des Sinfonieorchester des Südwestfunks war er maßgeblich am Erfolg und Fortbestand der Donaueschinger Musiktage beteiligt. Zahlreiche preisgekrönte Schallplatteneinspielungen klassischer und zeitgenössischer Musik komplettieren sein Schaffen.

Ausbildung

ZeitraumAusbildungInstrumentAusbildnerInOrganisationOrt
1940 - 1942

Unterricht bei Rita Kurzmann-Leuchter

1940 - 1942

Unterricht bei Hubert Brandenburg

1942

Musiktheorie (Dr. Erwin Leuchter)

1944 - 1945

Universität Buenos Aires: Philosophiestudium

Tätigkeiten

ZeitraumTätigkeitOrganisationOrt
1947 - 1950

Korrepetitor, Zusammenarbeit mit Kleiber, Furtwängler, Böhm u.a.

1951

Korrepetitor

1960 - 1965

Königliche Oper: Chefdirigent, Zusammenarbeit mit Ingmar Bergman

1968 - 1972

Belgisches Nationalorchester: Chefdirigent

1973 - 1975

Niederländische Oper: Chefdirigent

1977 - 1987

Oper Frankfurt: Operndirektor und Generalmusikdirektor

1978 - 1981

Chief Guest Conductor

1980 - 1986

Cincinnati Symphony Orchestra: Music Director, alljährliche Gastspiele in New York

1986 - 1998

Chefdirigent

1987 - 1995

Professur in Dirigieren

Erster Gastdirigent

zahlreiche Dirigate im In- und Ausland

ständiger Gastdirigent

Aufführungen (Auswahl)

ZeitraumAufführungWerkOrganisationOrt
1947
1954
1954

Weltmusiktage

1959

Weltmusiktage

1961

Weltmusiktage

1966

Weltmusiktage

1972

Weltmusiktage

1993
2007

Porträtkonzert und Lesung zum 80.Geburtstag in den Kristallwelten Wattens

2007

Schola Heidelberg, ensemble aisthesis, Spiegelsaal Prinz Carl Heidelberg: Aufführung mehrerer Werke anlässlich Gielens 80. Geburtstags

Aufträge (Auswahl)

ZeitraumAuftragWerkAuftraggebende OrganisationAuftraggebende Person

La Salle Quartett

Auszeichnungen

Time PeriodAuszeichnungWerkAuszeichnende Organisation
1985

Land Hessen: Staatspreis für Kultur

1986

Stadt Frankfurt/Main: Theodor Adorno Preis

1991

Würdigungspreis für Musik

1992

Bundesrepublik Deutschland: Großes Bundesverdienstkreuz

1996

Würdigungspreis für Musik

2002

Cannes Classical Lifetime Achievement Award

Ehrendirigent

Opernwelt: Auszeichnung als Dirigent des Jahres durch die Zeitschrift

Stilbeschreibung

"Postseriell". Stark von der 2. Wiener Schule beeinflußt. Schon in der "Sonate" von 1946 ist der letzte Satz zwölftönig. Besonders die "Variationen für Streichquartett" 1949 sind stark von Berg beeinflußt (Wozzeck-Zitat, Rückläufigkeit). Allmählich mehr gelockerte Handhabung der Technik. Im Quartett 1983 ("Un vieux souvenir", 1983-1985) werden Ergebnisse als Klangobjekte behandelt, in 'Pflicht und Neigung' das Quartett als Steinbruch benutzt.

 

Michael Gielen 1994

Pressestimmen

20. Juli 2007

Dem Blendwerk des Musikbetriebs abhold, war und ist Gielen nichts mehr und nichts weniger als ein Meister der Musik. 

Salzburger Nachrichten (Karl Harb)

 

12. November 2005

Er dehnte Spannung und Klang bis an die Grenzen des Möglichen und wollte doch immer nur das Eine: "Unbedingt Musik". So heißt seine kürzlich erschienene Autobiografie, die - mit maßvoller Eitelkeit erzählt - einen Musiker präsentiert, der als spröde, anspruchsvoll und unnahbar gilt. Dafür allerdings genießt der "unbedingte" Gielen weltweit Respekt. Zu Recht: Wie er in in der letzten Oktoberwoche das NDR-Orchester zu einer furiosen Leistung antrieb, das bekräftigte erneut seinen Ruf als unscheinbarer Meister der Makellosigkeit, der ohne gespreiztes Wedeln und Wühlen am Pult auskommt und dennoch strotzt von Energie. 

Der Spiegel (Werner Theurich)

 

1997

Michael Gielen, ohne Andreas als Dirigent weltweit bekannt und als Komponist hoch respektiert, wird also am 20. Juli 1997 siebzig Jahre alt. Grund genug zum Feiern, nicht nur der Person, viel mehr noch der Wirkungen wegen, die diese Person seit vielen Jahrzehnten im deutschen, europäischen, weltumspannenden Musikleben auslöst. Michael Gielen ist eine Institution, als Musiker und als Gewissen der Musik. Die Musikgeschichte ist für ihn unteilbar. Johann Sebastian Bach huldigt er als dem Größten, viele seiner komponierenden Zeitgenossen und manchen jüngeren Avantgardisten hat er dank seiner Autorität zu großen Komponisten erhoben, indem er mit der ihm eigenen Intensität und Beharrlichkeit in deren Partituren das Geniale aufspürte.
Vollständiger Artikel online einsehbar unter:
http://www.nmz.de/nmz/nmz1997/nmz9707/berichte/seite03a.htm (Stand September 2006) 

Neue Musikzeitung (Gerhard Rohde) 

 

1988

Michael Gielens Verfahren, Bachs Motette "Jesu, meine Freude" (BWV 227 für fünfstimmigen Chor, 1723) mit dem "Canticum sacrum" von Igor Strawinski zu kontrastieren und zu verschränken, kann als eine prolongierende Auslegung des Prinzips der schöpferischen Verfügung gewertet werden 

Almanach "Wien modern" (Dieter Rexroth)
 

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