Kubizek Augustin

Vorname
Augustin
Nachname
Kubizek
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
AutorIn
ChorleiterIn
RedakteurIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Tradition/Moderne
Geburtsjahr
1918
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich
Todesjahr
2009

Augustin Kubizek, Jahrgang 1918, gehört nicht nur wegen seines kompositorischen Schaffens, sondern auch wegen seines Engagements für Musikinstitutionen Österreichs und seiner langjährigen pädagogischen Tätigkeit zu den zentralen Gestalten des österreichischen Musiklebens der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Zu seinen Lehrern zählten Hans Swarovsky, Alfred Uhl, Paul Hindemith und Herbert von Karajan. Als Gründer der Schütz-Kantorei Wien fungierte er auch lange Zeit als deren Chorleiter, war zudem als Dirigent, sowie als Juror bei Wettbewerben tätig. Sein Schaffen wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.


Ausbildung
1937 Linz Bischöfliches Lehrerseminar: Matura und Diplom als Volksschullehrer
1949 Anton Bruckner Privatuniversität Linz (früher: Brucknerkonservatorium) Linz Lehrbefähigungsprüfung
1954 - 1956 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Chorleitung Schmid Reinhold
1954 - 1956 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Uhl Alfred
1954 - 1956 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Orchesterdirigieren Swarowsky Hans
Anton Bruckner Privatuniversität Linz (früher: Brucknerkonservatorium) Linz Stimme Grossmann Ferdinand
Dirigierkurse bei Herbert von Karajan
Interpretationskurse bei Paul Hindemith
Interpretationskurse David Johann Nepomuk

Tätigkeiten
1946 - 1954 Volks- und Hauptschullehrer in Oberösterreich
1956 - 1973 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Lehrauftrag für Stimmbildung, Solfeggio, Partiturspiel, Blattlesen, Chorleitung
1965 Gründung der Wiener Schütz-Kantorei und Chorleiter
1967 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Ernennung zum Professor
1970 - 1979 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Wien Redakteur des Fachblattes "Der Komponist"
1973 - 1978 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien a.o. Professur für Tonsatz und Komposition
1978 - 1985 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien ordentliche Professur für Tonsatzlehre und Komposition; 1985 Emeritierung
vielfach Juror bei nationalen und internationalen Musikwettbewerben
ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Wien Vorstandsmitglied
AKM - Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger Wien Vorstandsmitglied; ab 1975 Mitglied der Kommission für musikalische Einstufungen; ständiger Delegierter der AKM beim Conseil International des Auteurs de Musique (CIAM) des internationalen Komponistenrates innerhalb der Conféderation Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs (CISAC)

Aufführungen (Auswahl)
1947 Linz ab diesem Zeitpunkt Aufführungen
1951 Leipzig Kammerquintett für Bläser
1962 Lausanne Seht wie ihr lebt - Fünf Gesänge nach Franz Kießling für mittlere Singstimme und Klavier
1966 Prag Sonate für Flöte und Harfe
1977 Pueblo, USA Kamptaler Divertimento - für Flöte, Klarinette, Trompete, Horn und Orchester
1983 Hannover Missa a cappella für Frauenchor
1986 Musikwoche Toblach in memoriam Gustav Mahler Toblach zur Eröffnung des Festivals
1989 Brixen Fünf Gesänge zur Meßfeier - für gemischten Chor, zwei Trompeten, zwei Posaunen und Tuba
1991 Luxemburg Beata es, Maria - Kantate
1994 ÖNB - Österreichische Nationalbibliothek Wien Aufführung mehrerer Werke anlässlich der Eröffnung der Augustin Kubizek gewidmeten Ausstellung der Musikdokumentation
2005 Barcelona Capella Cantabile: "Gloria" aus Vier Motetten - für gemischten Chor (Frauenchor)
2006 Schola Cantorum Stuttgart Klosterneuburg Martinskirche
Wien

Auszeichnungen
1948 Amt der Oberösterreichischen Landesregierung Förderungspreis des Landes
1954 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Kompositionspreis der Wiener Musikakademie
1955 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Förderpreis
1956 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Förderpreis
1957 Institut "Förderung der Künste in Österreich": Kompositionspreis
1957 Stadt Wien Förderungspreis
1958 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1960 Concorso Composizione - Varese: Kompositionspreis
1962 Office de Radiodiffusion-Télévision Française: Kompositionspreis beim "Concours de Composition"
1967 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1969 Republik Österreich Staatspreis für Chorkomposition
1973 Stadt Wien Großer Musikpreis der Stadt
1979 Association of International Cultural Exchange (AICE): Preisträger beim Kompositionswettbewerb
1979 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Kulturpreis des Landes
1980 Ernennung zum "Accademico d'Italia" mit Goldmedaille
1982 Amt der Oberösterreichischen Landesregierung Großer Kulturpreis des Landes
1987 Universidad Interamericana de Ciencias Humanisticas Florida: Verleihung der Ehrendoktorwürde
1987 Republik Österreich Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
1989 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung zweifacher Preisträger in verschiedenen Sparten beim Kompositionswettbewerb des Landes
1994 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land

Stilbeschreibung

Manche der Komponistenkollegen oder auch Musikjournalisten werden vielleicht über mich sagen, der Kubizek ist nicht modern genug. Wenn zum Modernsein gehört, am Publikum vorbei zu komponieren und deshalb weder vom Hörer noch vom Ausführenden verstanden zu werden, dann bin ich sicher nicht modern, und ich will es auch gar nicht sein. Wenn zum Modernsein gehört, sich eines bestimmten Kompositionsstils zu bedienen oder die Musik ausschließlich intellektuell, sozusagen mit Zirkel und Rechenschieber oder mit Computer zu komponieren, dann will ich es auch nicht sein. Sicher bin ich nicht so modern, daß ich jederzeit und in jeder Situation, vielleicht sogar nach Stundenplan komponieren kann. Da zähle ich wirklich zur alten Komponistengarde: Ich kann nämlich nur komponieren, wenn mir auch was einfällt. Und dieser Einfall läßt sich halt nicht erzwingen oder sich vielleicht gar durch Konstruktion oder andere intelligente Spielchen ersetzen, nur weil es die Mode heute so verlangt oder eine gewisse Clique so diktiert. Ich will und kann mir nicht untreu werden, um sodann die Achtung vor mir selbst zu verlieren. Daher lehne ich es ab, mich derlei Diktaten zu beugen. Immer habe ich mich bemüht, eine ehrliche Musik zu schreiben. Und ich bin kein Avantgardist. Das schließt allerdings nicht aus, daß ich neue Techniken und Ausdrucksmittel verwende, wenn es der musikalischen Aussage dient. Nie darf das aber zum Selbstzweck werden. Fallweise experimentiere ich sogar, tu das allerdings meist im stillen Kämmerlein, weil ich das Hörerpublikum damit nicht belasten will. Nur ein Kriterium kann mein Schaffen beeinflussen: der Konsument. Ich bemühe mich, so zu komponieren, daß das Ergebnis den mit offenen Ohren Zuhörenden anspricht und daß der Ausführende meine Musik mit positiver Anteilnahme und mit Freude spielt. Und ich wünsche mir, daß niemand meine Musik mit dem abscheulichen Vokabel des Musikjournalismus abtut, sie sei interessant. Musik muß Herz und Sinne ansprechen, muß bewegen, beglücken, begeistern, muß besänftigen, aufrichten, trösten, muß erschüttern, packen und mitreißen. Ich sehe die eingangs zitierten Komponistenkollegen und Musikjournalisten gequält und mitleidsvoll lächeln: Der Kubizek ist wirklich nicht modern genug!

 

Augustin Kubizek 1994
(in: Musikalische Dokumentation Augustin Kubizek, Österreichische Musikdokumentation, Wien 1994)


Links Doblinger Musikverlag, Österreichische Musikdokumentation, Carus Verlag

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 3. 2020): Biografie Augustin Kubizek. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/58372 (Abrufdatum: 13. 8. 2020).

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