Logothetis Anestis

Vorname
Anestis
Nachname
Logothetis
erfasst als
KomponistIn
RedakteurIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Geburtsjahr
1921
Geburtsort
Pyrghos [Burgas]
Geburtsland
Bulgarien
Todesjahr
1994

 

1921 im nunmehr bulgarischen Pyrghos als Sohn griechischer Eltern geboren. 1941 Matura am humanistischen Gymnasium in Thessaloniki. 1942 Umzug nach Wien. Studiumsverbot bis 1944, dann Ausbildung an der technischen Universität. Nach dem Krieg Wechsel an die Musikuniversität und Studienabschluß mit Auszeichnung. Mehrmalige Teilnahme an den Darmstädter Ferienkursen. Ab Ende der 50er-Jahre Entwicklung einer eigenständigen graphischen Notation. Bis 1969 Mitarbeit bei mehreren Musikverlagen, ab 1969 ausschließlich als freischaffender Komponist tätig. 1994 erliegt Anesthis Logothetis einem Krebsleiden.

 

Hinweis für Benutzer: Nachlassverwalterin ist A. Logothetis Tochter Julia Spitzer-Logothetis; wissenschaftlich erschlossen wird der Nachlass durch Dr. Matthias Henke.


Ausbildung
1944 - 1945 Technische Universität Wien Wien Bauwesen
1945 - 1951 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Klavier Schwertmann Hermann
1945 - 1951 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Dirigieren Swarowsky Hans
1945 - 1951 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Uhl Alfred
1945 - 1951 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musiktheorie Ratz Erwin
1951 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Studienabschluss mit Auszeichnung
1955 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt
1957 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt
1959 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Staatsprüfung Klavier
1960 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt
1962 - 1965 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt

Tätigkeiten
1936 - 1945 erste Kompositionen
1955 - 1964 Wien Mitarbeit bei verschiedenen Musikverlagen (Universal Edition Wien, Edition modern etc.)
1957 Köln Studio für Elektronische Musik des WDR Köln: Arbeit mit Gottfried Michael Koenig
1962 - 1967 Tre Media Musikverlage Mitarbeit
1965 - 1968 Musikverlage Hans Gerig KG Mitarbeit
1981 Stockholm Elektroakustische Musik in Schweden: zahlreiche Produktionen
freischaffender Komponist
Privatlehrer für Komposition, Satzlehre, Musiktheorie, Musikgeschichte und Klavier
seit dem Ende der 50er-Jahre Entwicklung einer eigenen Systematik in Bezug auf graphische Notation (angeregt durch Oskar Rainer und Wassilij Kandinskij)
mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Institut für Elektroakustik: zahlreiche Produktionen
Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Siegfried Behrend

Aufträge (Auswahl)
Austro Mechana - Gesellschaft zur Verwaltung und Auswertung mechanisch musikalischer Urheberrechte GesmbH Kyklika - oder Sinfonie zyklischer Kontrapunkte
Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Daidalia oder Das Leben einer Theorie - Multimediale Sprachoper
ISCM/IGNM/SICM - Internationale Gesellschaft für Neue Musik Sektion Griechenland Styxische Flüsse - für Chor und Orchester
Wiener Kunstfonds der Zentralsparkasse Wien Kollisionen 70 - für zwei Orchestergruppen

Aufführungen (Auswahl)
1960 unter Friedrich Cerha Himmelsmechanik - aus sieben Bildern. Ballett
1967 Zagreb Kulmination I & II & III - für zwei Orchestergruppen
1969 Steirischer Herbst Graz Sieben Kooptationen
1972 International Gaudeamus Music Week Fusion - für beliebige Besetzung
1981 Ungarischer Rundfunk/ Budapest Ungarisches Rundfunkorchester Polychronon - für Orchestergruppen
1996 Wien Modern Impulse - quantitativ - qualitativ
1997 Kunsthalle Krems K&K MusikTheater-Verein Aus welchem Material ist der Stein von Sisyphos? - Mulitmediales Bühnenwerk
1999 Hörgänge - Musik in Österreich Porträtkonzert, Aufführung mehrerer Werke u.a. Vor! Stell! Unk! - Musikhörspiel
2001 Kulturzentrum bei den Minoriten Daidalia oder Das Leben einer Theorie - Multimediale Sprachoper
2007 Chorus Sine Nomine Kulturzentrum bei den Minoriten Chor der Puppen aus Karmadharmadrama
Aufführungen und Ausstellungen seiner graphischen Partituren in Wien, Athen, Zagreb, San Francisco, Tokio, Berlin, Rennes, Paris, Zürich u.a.
aufgeführt durch Siegfried Behrend, Earle Brown, Alfred Peschek, Burkhard Stangl, Otto M. Zykan, Dieter Kaufman, Klaus Karlbauer

Auszeichnungen
1956 Österreichisches Kulturinstitut/Rom: Stipendiat
1958 Österreichisches Kulturinstitut/Rom: Stipendiat
1960 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1962 Technologisches Institut Athen: Erster Preis beim Wettbewerb für Neue Musik (ex aequo mit Iannis Xenakis)
1963 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1985 Stadt Wien Würdigungspreis
1986 Stadt Wien Ehrenmedaille in Gold
1989 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Würdigungspreis
1993 Zweiter Preis für Hörspiele "Floriana"

Stilbeschreibung

Seit 1958 beschäftige ich mich mit der Entwicklung einer graphischen Notenschrift, die entsprechend meinen klanglichen kompositorischen Vorstellungen Geräuschstrukturen wie auch Polymorphie (Vielgestaltigkeit) in den Kompositionsprozeß einzubeziehen vermag. Ich unterscheide Assoziationszeichen für Lautstärke-Klangfarbewechsel und Klangcharaktere sowie Aktionssignale, die direkt als Bewegung auf das Instrument zu übertragen sind. - Um bestimmte Tonkonstellationen zu erzielen, habe ich auch Tonsymbole erfunden, die frei vom Fünfliniensystem sich mit anderen Zeichen fusionieren lassen und eine Viertel- und Drittelflexibilität ermöglichen.

 

Anestis Logothetis in: Harald Goertz: Beiträge '94. Österreichische Komponisten unserer Zeit. - Kassel: Bärenreiter, 1994


Pressestimmen

2002

Mit seiner 'grafischen Musik' hat Logothetis vielleicht die Musik selbst als Schnittstelle interpretiert und einen ganz neuen Musikbegriff vorgestellt. Dieser Musikbegriff besteht nicht aus Rezipienten und Produzenten, nicht aus Komponisten, Interpreten und Hörern, sondern alle (Komponisten, Interpreten, Hörer) werden zu einer Kette von Beobachtern der Partitur, der Klangcharakterschrift, der Zeichenkette. Die Komponisten als Beobachter ihrer Ideen, die Notenschrift als Beobachter der Komponisten, die Interpreten als Beobachter der Partitur, die Hörer als Beobachter der Interpreten bilden Beobachterketten 1., 2. und n-ter Ordnungen. Logothetis' Entwicklung der Notenschrift hat nicht nur neue Klangorganisationen ermöglicht, sondern auch die Partitur als Algorithmus offenbart.

Quelle: http://www.khm.at/system2.html?/static/page2554.html
Prospekt des Kunsthistorischen Museums (Peter Weibel)
 

 

1999

Als einer der bedeutendsten Vordenker graphischer Notation von Musik, mit der Ende der 50-er Jahre im Zuge der Abkehr von seriellen Determinismen auch Komposnisten wie Cage, Brown, Bussotti und Haubenstock-Ramati experimentierten, muß Anestis Logothetis gelten. Er hat als erster ein in sich logisches und systematisches System dieser Notationsweise geschaffen, die einen Mittelweg zwischen genauen klanglischen Fixationen und improvisatorischer Freiheit und Kreativität zuläßt. Der seit Kriegsende in Wien lebende Komponist griechischer Herkunft war mit seinen neuen Modellen udn einer Vielzahl von Kompositionen verschiedenster ästhetischer Ansätze - er bereicherte auch die Elektroakustik und andere multimediale Formen - bis zu seinem Tod 1994 einer der wahren Avantgardisten in der österreichischen wie internationalen Szene. 

ÖMZ- Österreichische Musikzeitschrift (H. Rögl) 

 

25. Juni 1980

Was aber diesen Abend im Künstlerhaus so besonders eindrucksvoll macht und was ihm Avantgardemaß im besten Sinn leiht, ist der frappante Einsatz verschiedener künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten und deren geglückte Kombination. Denn zur Musik von Logothetis, die durch Tonkonserven sich selbst bespiegelt, bezweifelt, konterkariert und so multipliziert, sodaß aus der Kühle moderner Kompositionsästhetik ein akustischer Urwald voller Sinnlichleit aufsteigt, gesellen sich Filme, Dias, die graphischen Notationen des Komponisten und raffiniert eingesetzte Raumtheaterelemente, die zusammen ein Kunstwerk abgeben, das sinnfällig und beeindruckend die Grenzen der Einzelkunst in Richtung Gesamtkunstwerk überschreitet. Berücksichtigt man alle diese Faktoren und gewichtet sie, so kann man feststellen, daß da nicht nur eine Uraufführung eines musikalischen Werkes geglückt ist. Gelungen ist vielmehr - und das zählt an diesem Ort, wo über das Tafelbild noch kaum hinausgedacht worden ist - der Beweis, daß Performance-Art eine durchaus aufregende Sache sein kann. 

Kleine Zeitung (Horst Ogris)


Links Tribute to Anestis Logothetis, Eintrag in Wikipedia, Musikverlage Tre Media, Verzeichnis ausgewählter Komponisten

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 2. 2020): Biografie Anestis Logothetis. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/59246 (Abrufdatum: 11. 7. 2020).