López Jorge E.

Vorname
Jorge E.
Nachname
López
erfasst als
KomponistIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Tradition/Moderne
Geburtsjahr
1955
Geburtsort
Havanna
Geburtsland
Kuba

Fotografin: Katalin Moldvay ©

 

1960 wanderte Lopez' Familie in die USA aus, wo er in New York und Chicago Kindheit und Jugend verbrachte. Im Frühjahr 1977 Umzug nach Portland (Oregon), dort entstehen Film- und Videoarbeiten gefolgt von vielen Reisen durch den amerikanischen und kanadischen Westen. In den späten 1980er-Jahren längere Aufenthalte in Deutschland, 1990 schließlich der Umzug nach Europa und Reisen nach Island. Seit 1991 Wohnsitz im Mölltal (Oberkärnten, Österreich), seit November 2008 Wohnsitz in Wien.


Ausbildung
1970 erste Kompositionsversuche, angeregt durch die Musik von Charles Ives, Gustav Mahler, Alban Berg, Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen, Iannis Xenakis
1971 - 1976 California Institute of Arts: Komposition und Analyse (Morton Subotnick, Leonard Stein) bzw. Film, Ästhetik (Don Levy), danach Vernichtung fast aller frühen Arbeiten
1979 - 1982 Seattle Studium der Biologie
kompositorisch vornehmlich Autodidakt

Tätigkeiten
1976 - 1977 Aufenthalt in Chicago als Fabriksarbeiter, danach in Idaho und Arizona
1979 Umzug nach Seattle, Arbeit u.a. als Filialleiter in einem Pornokinogeschäft
1981 - 1982 Wiederaufnahme des Komponierens
1983 Umzug ins Methow Valley (Washington); Forst- und Landarbeit, intensive Beschäftigung mit Umweltpolitik
1987 seitdem längere Aufenthalte in Deutschland, erste Orchesteraufführung in Donaueschingen im Oktober 1987
1990 endgültiger Umzug nach Europa als freischaffender Komponist
2000 - 2003 Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) Karlsruhe Gastkünstler (Bild- und Klanggestaltung)
2008 Wien seitdem als freischaffender Komponist tätig
2008 einwöchiges Seminar in dem Konservatorium von Córdoba (Spanien)
2010 Barcelona Gastprofessur (ein Semester) in der Escola Superior de Música de Catalunya (Barcelona) ab Mitte September 2010
2013 eintägiges Allan Pettersson Seminar (Symphonien 6 und 11) am Wiener Privatkonservatorium (01/2013), und an der Musikhochschule Karlsruhe (12/2013)

Aufträge (Auswahl)
1993 Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG Tagebucheintragungen 1975-79 - für großes Orchester

Aufführungen (Auswahl)
2002 Klangspuren - Verein zur Förderung von Neuer Musik Schwaz Schwaz in Tirol Ho sempre fatto il comodo mio e sempre lo farò! - für Orgel
2002 Klangspuren - Verein zur Förderung von Neuer Musik Schwaz Schwaz in Tirol Hin zur Flamme! - Aktion für Orchester, räumliche Lichtgestaltung und Objekte
2005 Wiener Konzerthaus Gebirgskriegsprojekt - Wachtraum für Videogestaltung mit konkretem und instrumentalem Raumklang
2006 Arnold Schönberg Center Arnold Schönberg Center Dehnbare Puppe mit Reißverschluß
Aufführungen von Orchester- und Kammerensemblewerken bei namhaften Festivals etwa bei den Donaueschinger Musiktagen, Wien modern, Frankfurt Feste sowie den Salzburger Festspielen

Auszeichnungen
1988 Heinrich-Strobel-Stiftung Förderpreis
1990 Ernst von Siemens Musikstiftung Förderpreis
1994 Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG Kompositionspreis Tagebucheintragungen 1975-79 - für großes Orchester
1995 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
2001 Austro Mechana - Gesellschaft zur Verwaltung und Auswertung mechanisch musikalischer Urheberrechte GesmbH Publicity Preis
2006 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
Akademie der Künste Berlin Förderpreis
Paul-Sacher-Stiftung, Basel: Förderpreis

Stilbeschreibung

Zwei Sätze aus der Lektüre von Nietzsche habe ich nie vergessen:
1. Das Sitzfleisch ist die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Werth.
2. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.

 

George Lopez 1994


Pressestimmen

2005

Verfremdung und Entfremdung
Lopez' mitunter fast mythisch anmutende Affinität zu Gebirgslandschaften ist bekannt. Als thematische Orientierung dient ein wiederkehrendes "Duett" von Horn und Wagnertuba, dunkle Assoziationen an das romantische Doppelgänger-Motiv weckend. Dunkel ist insgesamt der Grundklang des Quintetts, bizarr oft und grell in der Gestik, wenn sich am Ende ein tänzerisches Thema aus den Klanggestalten herausschält. Lopez, der selbst einmal Hornist werden wollte, "rächt" sich hier an den nachfolgenden Kollegen, indem er dem Horn fast unüberwindbare technische Schwierigkeiten in die Ventile hineinkomponierte, so dass aus dem Quintett in der Uraufführung ein Sextett wurde, weil sich zwei Horn-Spieler zur Besteigung des aufgetürmten Technik-Gipfels verbünden mussten. 

Neue Musikzeitung (Gerhard Rohde) 

 

1. Oktober 2002

Die Tiefe tönt aus den Ecken des Konzertraumes: Dort sind die strukturell entscheidenden Kontrabassinstrumente positioniert. Auch sonst ist der Kreis der Solisten um das Publikum - er wird sich nach zwei bis drei Minuten zu einem ersten Tutti schließen - reich an Querverbindungen. Über die Zuschauer legt sich so ein akustisches Netz, da gerade die (schräg) gegenüberliegenden Instrumente einander zuspielen. [...] Schatten vergessener Ahnen steht dem Hauptwerk komplementär gegenüber - und ist fraglos näher an der Gegenwart. In einem der 349 Takte - es ist der 267. - befreit sich das Ensemble in reiner Anarchie. Als Erwiderung auf eine Phase bedrohlichen, nur den "conductor" befriedigenden Gleichschrittes, wird plötzlich das gesamte Stück (krebsgängig) in einen einzigen Takt gepresst. Die fulminante Wirkung dieses Zeitraffers sich vorzustellen, hat man 266 Takte lang Zeit. 

Südweltrundfunk (Christoph Becher) 

 

2001

Ein Thriller ohnegleichen. Spannung bis zum Zerreißen. Wenn die Streicher mit dem Bogen über die Saiten fahren, steigert sich der Klang zu massiver Wucht. Anspannung und Loslassen - der dämonische Dramaturg Lopez weiß um die Kraft, die instrumentale Wirbel evozieren. Ebenso aber auch um versprengte Irritation durch Soloinsturmente. 

Skug (Alfred Pranzl)


Veröffentlichungen:

  • Gebirgskriegsprojekt (DVD, Wergo Edition ZKM 2061 5)
  • Das Auge des Schweigens (CD, Durian 013-2)
  • Blue Cliffs (CD, Durian 013-2)
  • Breath-Hammer-Lightning (erste Fassung, CD, ORF MP 91 09)
  • Landscape with Martyrdom (CD, Intercord / EMI 544 058-2, vergriffen)

Links Schott Musikverlag

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 3. 2020): Biografie Jorge E. López. In: mica music austria – Musikdatenbank. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/59294 (Abrufdatum: 6. 6. 2020).