Theiler Christoph

Vorname
Christoph
Nachname
Theiler
erfasst als
InterpretIn
KomponistIn
MusikerIn
SolistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Geburtsort
Ebermannstadt
Geburtsland
Deutschland
Ausbildung
Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HDMK) Stuttgart Unterricht bei Edgar Trauer Klavier
Hochschule für Musik Nürnberg Nürnberg Analyse Füssl Karl Heinz
Hochschule für Musik Nürnberg Nürnberg Unterricht bei Erich Appel Klavier
MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (früher: Konservatorium Privatuniversität Wien) Wien Unterricht bei Leonid Brumberg Klavier
Hochschule für Musik Nürnberg Nürnberg Komposition (Hans-Ludwig Schilling)

Tätigkeiten
1995 Theaterverein Meyerhold Unltd. Wien Gründungsmitglied des Theatervereins
1997 CD-Produktion zum Theaterstück "ich schulde der welt einen toten"
Initiative Zeitgenössische Musik: Gründungsmitglied
Jeunesses Musicales Kroatien, Groznjan: Leitung eines Kammermusikkurses im Rahmen der Sommerkurse
Aufführungen eigener Kompositionen
Aufnahmen beim Bayerischen Rundfunk, bei Radio Koper, bei Belgrad-TV und Ljubljana-TV
freischaffender Pianist und Komponist
Konzerte als Solist und Kammermusiker in Österreich, Deutschland, Schweiz, Ex-Jugoslawien, Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, Südamerika, USA und Russland

Aufführungen (Auswahl)
UA von "3. Streichquartett" durch das Nevsky String Quartett St. Petersburg

Auszeichnungen
1982 Stadt Stuttgart: Kompositionspreis
1993 Luis de Narváez International Composition Competition, Granada (Spanien): Kompositionspreis
"Piano in Concert" - Kompositionswettbewerb Berlin: Finalist
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst Stipendium
Florida Composers Competition: Finalist
ICONS Composition Contest: besondere Würdigung durch die Jury Vier Jahreszeiten in Sarajevo
Klavierwettbewerb der Konservatorien Deutschlands: Erster Preis
Kompositionswettbewerb Münster: Finalist
Stadt Nürnberg: Dr. Drexel-Preis

Stilbeschreibung

Komponieren heißt Zusammensetzen. Viele glauben, daß die Musik am Ende des 20. Jahrhunderts sich an einem Punkt befindet, der keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten mehr offenläßt. Als Beweis für diese Behauptung glaubt man erkannt zu haben, daß schon alle Klänge in allen Kombinationen verwendet wurden (tonal, atonal, polytonal, dodekaphonisch, Clustertechnik ...), daß die Spielmöglichkeiten sowohl auf den traditionellen Instrumenten, als auch die mittels elektronischer Klangerzeuger ausgeschöpft sind undsoweiter. Der Ruf nach Rückkehr zur Tradition wird laut. Halbe Wahrheiten, die zu falschen Schlüssen führen. Der ungeheure Vorrat an Musik verschiedenster Stilrichtungen, der in unserem Kulturleben präsent ist, eröffnet für den Komponisten heute Möglichkeiten, die bis jetzt kaum genutzt wurden.

 

Vergleichen wir unsere Situation mit der vor etwa 1000 Jahren, d.h. mit der Zeit, als sich die Mehrstimmigkeit entwickelte: Damals, als die Musik nur einstimmig gedacht werden konnte, war die Vorstellung, mehrere Melodien gleichzeitig erklingen zu lassen, absurd; bis die Idee sich durchsetzte, mehrere Melodien so zu organisieren, daß sie sich in einem Wechsel von Konsonanz und Dissonanz gegenseitig stützen. Das Organum, die früheste Form der Mehrstimmigkeit, entstand. Genauso erscheint heute der Gedanke, zwei Ensembles gleichzeitig verschiedene Musikstücke - beispielsweise ein Concerto grosso und eine klassische Sinfonie - spielen zu lassen, vielen unverständlich, da man zunächst annimmt, das Resultat dieses gemeinsamen Musizierens könne nur von Zufall und Beliebigkeit bestimmt sein. Doch hier liegen aber die Chancen einer zukünftigen Musikentwicklung. Manche Kompositionen, z.B. die, die mit "Polystilistik" umschrieben werden, deuten darauf hin, daß die Musik sich wohl in diese Richtung bewegen wird.

 

Im Zusammenhang mit dieser neuen Musik wird auch eine Neufassung der Begriffe Konsonanz und Dissonanz notwendig sein. Beide Begriffe, die zur Zeit noch kein Thema im musikalischen Diskurs sind, erhalten dann einen neuen Inhalt, wenn es gelingt, sie von ihrer traditionell punktuellen Bedeutung loszulösen und sie in eine übergeordnete kompositorische Struktur zu stellen. Durch die Entwicklung der musikalischen Stile im 20. Jahrhundert sind die Mittel bereitgestellt, aus denen der Komponist schöpfen kann. Eine neue Tonalität kann entstehen. Die Möglichkeiten einer multistilistischen Kompositionsweise werden besonders in meinen Stücken 'In memoriam Thelonious Monk', 'Vier Jahreszeiten in Sarajevo', 'Trio für Violine, Blockflöte und Gitarre' und zuletzt in 'Invention - Nocturne' für Kammerorchester deutlich. Im letztgenannten Werk entsteht durch das Zusammenfügen und Übereinanderlegen von barocken, klassischen zwölftönigen und Jazz-Elementen ein mehrschichtiger musikalischer Raum, dessen Dramaturgie sich aus dem polyphonen Gewebe der verschiedenen stilistischen Ebenen entwickelt.

 

Christoph Theiler

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 2. 2020): Biografie Christoph Theiler. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/71682 (Abrufdatum: 3. 7. 2020).