Toufektsis Orestis

Vorname
Orestis
Nachname
Toufektsis
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Jazz/Improvisierte Musik
Subgenre
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Structured Improvisation
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1966
Geburtsort
Tashkent
Geburtsland
Russland

Fotograf: Christian Klein ©

Ausbildung
1978 - 1984 Städtisches Konservatorium Alexandroupoli (E. Karamanou) Klavier
1986 - 1993 Thessaloniki - Griechenland Sygxrono Konservatorium Thessaloniki (Eleni Maurodi) Klavier
1987 - 1990 Thessaloniki - Griechenland Sygxrono Konservatorium Thessaloniki: Harmonielehre (Alexandra Zafiriou)
1990 - 1992 Thessaloniki - Griechenland Sygxrono Konservatorium Thessaloniki: Instrumentation (Giannis Aggelakis)
1991 - 1993 Thessaloniki - Griechenland Sygxrono Konservatorium Thessaloniki: Kontrapunkt (Dimitrios Papageorgiou)
1993 - 1999 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Komposition Kühr Gerd

Tätigkeiten
1987 - 1991 Thessaloniki - Griechenland artline: Keyboarder der Band
1989 - 1993 Thessaloniki - Griechenland Pianist in diversen Jazz und Improvisations-Formationen
1991 - 1993 Thessaloniki - Griechenland Konservatorium Chalastra: Lehrtätigkeit in Musiktheorie
1997 - 1999 Graz ensemble artresonanz: Gründungsmitglied
1997 - 1999 Österreichischer Kultur-Service Teilnahme am Projekt "Klangnetze"
1999 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz seitdem Lehrtätigkeit in Musiktheorie
2002 Sommerakademie Bertiskos: Vortrag und Workshop (Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts)
2007 - 2008 Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) Graz Graz Gast-Komponist (Kompositorische Aspekte selbstähnlicher Strukturen)
diverse Vorträge und Workshops
die andere saite Graz Mitglied und Organisator von diversen Projekte
die andere saite Graz Obmann

Aufträge (Auswahl)
1999 Städtisches Symphony Orchester Thessaloniki Nalos-Ackmi - für großes Orchester und 2 Streichquartette
2000 Amt der Steirischen Landesregierung Aresset 2 - für Streichquartett
2004 Kulturzentrum bei den Minoriten Ψ (P.S.I) - für Flöte (auch Bassflöte), Bassklarinette und Klavier
2006 Ensemble Zeitfluss MIKRO-ALLAXI (EpiEnteka II) - für 15 Musiker
2008 Ensemble Zeitfluss EpiPente I - für 8 Musiker
2008 Kulturzentrum bei den Minoriten echochronoi - für Viola und Live Elektronik

Aufführungen (Auswahl)
1995 Musikforum Viktring-Klagenfurt AENAON minus 2,13 - für Ensemble
1998 Thessaloniki - Griechenland Städtisches Symphony Orchester Thessaloniki: Nalos-Ackmi - für großes Orchester und 2 Streichquartette
2002 Athens Concert Hall (Megaron)   Fraktum/Aresset 3 - für Streichtrio
2002 Thessaloniki - Griechenland Echosynkyria 2002 µ (3) ι (5) κ (7) ρ (11) ο - für Viola solo
2004 Kulturzentrum bei den Minoriten Graz Portraitkonzert Ψ (P.S.I) - für Flöte (auch Bassflöte), Bassklarinette und Klavier
2008 Ensemble Zeitfluss EpiPente I - für 8 Musiker
2008 Thessaloniki - Griechenland Photo Biennale: Fraktum/mikro 2 - für Violine, Zuspiel-CD und Live-Video-Processsing
2008 Österreichisches Kulturforum London - Austrian Cultural Forum London Ψ (P.S.I) - für Flöte (auch Bassflöte), Bassklarinette und Klavier
2008 Kulturzentrum bei den Minoriten Graz echochronoi - für Viola und Live Elektronik
diverse Konzerte und Aufführungen: Wien, Graz, Linz, Klagenfurt, London, Bremen, Athen, Thessaloniki

Auszeichnungen
1992 Synchrono Konservatorium Thessaloniki: Stipendium
1995 Stadt Klagenfurt Kompositionspreis AENAON minus 2,13 - für Ensemble
1996 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 3. Preis des Kompositionswettbewerbes der Österreichischen Hochschülerschaft für 2 Flöten, Altflöte und Crotales
1999 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 1. Preis des Kompositionswettbewerbes der Österreichischen Hochschülerschaft Nalos-Ackmi - für großes Orchester und 2 Streichquartette
1999 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz 2. Preis des Kompositionswettbewerbes der Österreichischen Hochschülerschaft Arsyon - für großes Orchester
2007 Stadt Graz Musikförderungspreis

Stilbeschreibung

"Es geht Toufektsis um Musik, die für sich selbst steht; die für sich gehört werden kann, ohne durch einerseits traditionelle oder andererseits außermusikalische Semantik verstellt zu sein. Deshalb hat er sich eine kohärent-systematische Arbeitsweise angeeignet, die, ausgehend von möglichst wenigen ausgewählten Elementen, zu hoher Komplexität führen kann. Wichtig ist Toufektsis hierbei die Ökonomie der Mittel; Komplexität als Selbstzweck ist ihm suspekt."

Christian Klein

 

Ich denke, dass die "Formung" der Zeit in einer Komposition das Wichtigste sein muss. Ich habe immer bewusst (oder unbewusst?) das Tonmaterial bzw. die Tonhöhen zu einer Zweitrangigkeit "degradiert" (bzw. verdrängt), in dem ich sie als "Diener" einer bestimmten Zeitstruktur betrachtete.
Man muss sich trotzdem für eine bestimmte "Version" - aus den vielen Tonhöhenkombinationen und Zusammensetzungen, welche die gleiche oder sehr ähnliche innere Struktur aufweisen - entscheiden, und diese Entscheidung ist gezwungenermaßen durch eine bestimmte Ästhetik geprägt (ob es eine Möglichkeit gäbe diese Entscheidung nicht treffen zu müssen?).

Ich versuche die innere Verwandlungsdynamik des Klanges zu "beobachten", um zu entdecken, was er uns zu offenbaren vermag. Dabei dürfen aber nicht geplante (oder "interessante"?), kontrollierte (oder "selbstverliebte"?) Klangmanipulationen stattfinden, sondern Klänge, die sich durch eventuelle Manipulationen ergeben könnten, ermöglicht ("frei-gelassen") werden. Was würde man bei Verkleinerung oder ausschnitthafter Isolierung und Betrachtung durch ein quasi auditives Mikroskop sehen (hören)? Wäre dann etwas anders und - wenn ja - in welcher Weise? Antworten darauf hängen von Wahrnehmungsgrenzen und der Hörintensität ab, wobei ich aber schon sehr oft über das - unerwartet - Neu-entdeckte staune.

Die Intensivierung des Hörens - z.B. durch Vergrößerung von Klangereignissen - verstehe ich nicht nur als ästhetische, sondern auch als politische Haltung, d.h. auch als das Vermeiden jeder Art von "Oberflächlichkeit" und Selbstzwecksetzung (wie "interessant" oder "fein-differenziert sein" zu müssen).

Entwicklung, Wiederholung, Variation, Ähnlichkeit, Kanon, thematische Bearbeitung, (harmonische? u.a.) Funktionen, Gestik, Ausdruck, Tonhöhen, Dauer, Artikulation, Form, (melodische?) Bewegung, Struktur, Proportionen, (musikalische?) Parameter, Zufallsoperationen, Krebsform und so weiter. Am Ende bleibt nur die "strukturierte" ZEIT und, wenn wir am richtigen Ort sind, dann klingt sie auch und kann uns - oder unsere "Psyche" - langfristig ändern, vielleicht sogar befreien.

Orestis Toufektsis

 

Werkkommentare (Auswahl):  

Streichquintett (1997)
Es war einmal ein Ton......... und die Zeit .....
Streichquintett: der Ton heißt G...... und ein winziger Zeitausschnitt

 

Fraktum 4, für Violoncello solo (2008)
Trotz des Versuches durch die Festlegung von Tonhöhen, Dauern, mehr oder weniger präzisen Anweisungen zu Spieltechniken oder Artikulation, Dynamik etc. entzieht sich letztlich der Klang oft dieser Kontrolle und entwickelt eine Art "eigener" Dynamik. Dies bezieht sich nicht nur auf den Kompositionsprozess, sondern vor allen Dingen auf die Situation der Aufführung: die präzise Wiederholung von eingeübten, "kontrollierten" Bewegungen des Interpreten produziert jedoch Differenz, und dies ist das Entscheidende. Es ist wie mit unserer Vorstellung von Kontrolle, unserer "freien" Entscheidungsmächtigkeit und den letztlich oft unvorhersehbaren Ergebnissen unseres Tuns.

 

Interferenz III, für Viola, Saxophon, Schattentheater und Live-Video-Proccessing
Während einer Musikaufführung führen die Musiker eine Reihe von Bewegungen aus. Das sind Bewegungen, die oft einen starken Ritualcharakter haben oder einfach spieltechnisch bedingt bzw. "erzwungen" sind.


Pressestimmen

03. November 2008

Organisch komplexe Strukturen schuf Orestis Toufektsis: echochronoi für Viola und Live-Elektronik [...] lässt viel Zeit dem Hörer sich auf dessen eigenständige Sprache einzulassen. 

Kleine Zeitung (Herbert Schranz) 

 

29. Oktober 2008

Orestis Toufektsis bleibt nicht gern an der Oberfläche. Wenn er über sein Schaffen spricht, dann genau und in die Tiefe gehend. So klingt auch seine Musik: dichte, intensive Klangwelten erschließen sich dem Hörer [...] 

Falter (Clara Pfaller) 

 

23. April 2004

[...] schon die frühen Arbeiten, "mikro" für Viola solo und fraktum/mikro2 für Violine klingen sehr ausgereift und differenziert. Zurückhaltender wirken da die neuen Werke - "A[kk]reset" für akkordeon und P.S.I. für Flöte, Bassklarinette und Klavier [...]

Kronen Zeitung (Michaela Reinhard)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 2. 2020): Biografie Orestis Toufektsis. In: mica music austria – Musikdatenbank. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/82862 (Abrufdatum: 5. 6. 2020).