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Lichtung

Werktitel
Lichtung
Untertitel
Kantate nach Thomas Bernhard und Andreas Gryphius; für Sopran, Tenor, Bass und sechs Instrumente
Komponist:in
Entstehungsjahr
2001
Beteiligte Personen (Text)
Bernhard Thomas, Gryphius Andreas
Genre(s)
Neue Musik
Gattung(en)
Ensemblemusik
Vokalmusik
Besetzung
Solostimme(n)
Sextett
Besetzungsdetails

Sopran (1), Tenor (1), Bass (1), Posaune (1), Vibraphon (1), Harfe (1), Cembalo (1), Violine (1), Violoncello (1)

Art der Publikation
Manuskript

Beschreibung
"Als ich die Gedichte von Thomas Bernhard und Andreas Gryphius kennenlernte, war ich nicht nur von der Aussagekraft und Musikalität der Sprache beider beeindruckt, mehr noch: ich stellte bald Gemeinsamkeiten fest. Die Epochen, denen diese beiden Persönlichkeiten angehören, das 17. und das 20. Jahrhundert, sind in gewisser Weise miteinander verwandt, weil der barocke wie der moderne Mensch in Widersprüchlichkeit lebt. Den barocken Menschen bestimmte eine Gespaltenheit zwischen dem Hang zum Weltlichen und dem Wissen um die vanitas mundi, er war geprägt von den Wirrnissen des Dreißigjährigen Krieges. Daraus resultierte ein bestimmtes Gefühl des Ausgesetztseins, des In-die-Welt-Geworfen-Seins, das uns “Zeitgenossen” ebenfalls bekannt sein mag. Für den barocken wie für den modernen Menschen bestand aber gleichzeitig auch die scheinbar paradoxe Möglichkeit, aus solch negativen Erfahrungen Kraft zu schöpfen.

Aus all dem resultiert die ewig aktuelle Idee “Durch Nacht zum Licht”, die ich im Alternieren von Texten von Bernhard und Gryphius zu realisieren versuchte. So folgt auf die Melancholie des Beginns (Gryphius) die gesteigerte Unruhe (Bernhard) bis hin zum Letzten Gerichte (Gryphius), die äußerste Grenzerfahrung bildet der Schluss des Romans “Korrektur” (Bernhard). Danach folgt das “Gegenbild”: das Sphärische in “An die Sternen” (Gryphius), die Zuversicht, die aus einigen Gedichten Bernhards spricht, und schließlich das Naturbild des anbrechenden Morgens samt abschließendem Freudentanz beim Anblick des Paradieses (Gryphius).

Das Arbeiten mit Texten löst bei mir immer Assoziationen und Bilder aus, bis hin zum Erreichen einer gewissen “Meta-Ebene” der Klanglichkeit. Ahnungen von etwas “Höherem” sollen vermittelt werden. Dennoch wird die Kantate auf der untersten, der handwerklichen Ebene durch verschiedene Strukturideen verklammert: In der Vertonung der alten Texte werden Kompositionstechniken der Alten Musik wie der Kanon in unterschiedlichen Ausprägungen oder der Fauxbordon-Satz (Sextakkorde) integriert, der durch Einfügen chromatischer Rückungen immer wieder auf fremdartige Weise “moduliert”. Die Vertonung der “neuen” Texte verbindet aus der Neuen Musik bekannte Spieltechniken, expressive Melodik und rezitierte Passagen. Letztes Ziel ist aber immer eine Verbindung dieser beiden Welten."
Lukas Haselböck, Werkbeschreibung, Homepage des Komponisten, abgerufen am 29.09.2026 [https://www.lukashaselboeck.com/komposition#kompositionbermich]

Weitere Informationen: lukashaselboeck.com

Uraufführung
5 August 2001 - Konradkirche Oberwang
Veranstatler: Festwochen Gmunden
Mitwirkende: Elisabeth Kulman (Sopran), Bernd Lambauer (Tenor), Gerd Kenda (Bass), Arthur Krachler (Violine), Stefan Gartmayer (Violoncello), Helmut Windischbauer (Posaune), Lukas Schiske (Vibraphon), Gabriela Mossyrsch (Harfe), Annemaria Dragosits (Cembalo), Vladimiros Symeonidis (Dirigent)

Aufnahme
Titel: Lichtung. Kantate für 3 Sänger und 6 Instrumente / 1
Plattform: SoundCloud
Herausgeber: Lukas Haselböck
Jahr: 2019
Mitwirkende: Elisabeth Kulman (Sopran), Bernd Lambauer (Tenor), Gerd Kenda (Bass), Arthur Krachler (Violine), Stefan Gartmayer (Violoncello), Helmut Windischbauer (Posaune), Lukas Schiske (Vibraphon), Gabriela Mossyrsch (Harfe), Annemaria Dragosits (Cembalo), Vladimiros Symeonidis (Dirigent)
Weitere Informationen: Live Auschnitt der Uraufführung.

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: ): Haselböck Lukas . Lichtung. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/215867 (Abrufdatum: 9. 10. 2026).