Tuserkani Djahan

Vorname
Djahan
Nachname
Tuserkani
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1936
Geburtsort
Teheran
Geburtsland
Iran, Islamische Republik

1936 in Teheran geboren, 1958 Diplom in Klavier, Begleitung und Harmonielehre, 1959 Freier Mitarbeiter bei Radio und Television, 1960 aus politischen Gründen entlassen, inhaftiert, gefoltert, 1964 Emigration nach Österreich, 1965-1975 Studium an der Hochschule für Musik Wien bei Alfred Uhl, Roman Haubenstock-Ramati (Komposition), Paul Kont (Medienkomposition) und Dieter Kaufmann (elektroakustische Musik), seit 1975 freischaffender Komponist, ab 1980 Instrumentalunterrricht an einem Wiener Gymnasium


Ausbildung
erster Klavierunterricht mit neun Jahren
Teheran Studien Harmonielehre während der Gymnasialzeit am Konservatorium
Teheran Studien Korrepetition während der Gymnasialzeit am Konservatorium
Teheran Studien während der Gymnasialzeit am Konservatorium Klavier
1965 - 1975 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Elektroakustik Kaufmann Dieter
1965 - 1975 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Uhl Alfred
1965 - 1975 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Haubenstock-Ramati Roman
1965 - 1975 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Medienkomposition Kont Paul

Tätigkeiten
1959 - 1961 Teheran freiberuflicher Gestalter von musikalischen Jugendprogrammen bei Rundfunk und Fernsehen
1961 Inhaftierung aus politischen Gründen, nach der Freilassung Berufsverbot
freischaffender Komponist
Wien Instrumentalunterricht an einem Gymnasium

Aufträge (Auswahl)
ORF - Österreichischer Rundfunk
Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich
Ensemble 2001
1. Frauen-Kammerorchester von Österreich

Aufführungen (Auswahl)
in Asien, Europa, Afrika und Südamerika

Auszeichnungen
1981 Musikprotokoll im Steirischen Herbst 1. Preis
1997 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Nominierung für die Weltmusiktage in Seoul
1998 Prof. Ivan Spassov Foundation Bulgarien: 2. Preis
1999 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Auswahl der österreichischen Jury für die Weltmusiktage in Rumänien
2000 Initiative Minderheiten in Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 1. Preis
2003 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Nominierung für die Weltmusiktage in Laibach

Stilbeschreibung

 

Musik war historisch eine von vielen Waffen im Dienst der Interessen der Mächtigen/Herrschaft. In der Moderne dient sie somit konsequenterweise den Interessen des sogenannten freien Marktes. In Anwendung der "Kritischen Ästhetik" gilt es, Musik so zu komponieren, dass sie auch als Mittel gegen Herrschaftsinteressen verstanden werden soll. Im Aufeinandertreffen von Terzen, die jeweils durch differenziertes Metrum getrennt sind, entsteht Reibung und Widerspruch. Diesen Klangkomplex definiere ich in Anlehnung an diverse Arten von "Ismen" - wie z.B. Barbarismus, Imperialismus, Impressionalismus, Bruitismus - als "Terzismus".

 

Djahan Tuserkani, 2004


Pressestimmen

 

18. März 2002

 

 

Auch Djahan Tuserkanis Chor-Klavier-Werk 'Fasciophonie II', gehaucht vom um die Anwesenden postierten Webernkammerchor, hätte mehr Ohren verdient. Es baute um die Hörer eine vokale Kathedrale aus Flächen, Glissandi und sequenzartig aufsteigenden Blöcken. Unmittelbar. Auratisch. Ohne jedoch Klangzuckerwatte zu werden.

 

Der Standard

3. März 2001

 

Sieger des Wettbewerbs ist der in Teheran geborene, aus politischen Gründen nach Europa emigrierte Komponist Djahan Tuserkani. Seine Vertonung des Minderheiten-Artikels unter dem Titel 'Das Klanggesetz' löst in vielschichtiger, die Moderne weitertragender Instrumentierung die Patina von einem Papier, das vor beinahe einem halben Jahrhundert zum Selbstverständnis einer offenen, Minderheiten berücksichtigenden Gesellschaft beitragen hätte sollen. Texte über Minderheitenrechte in der Monarchie sowie Verordnungen der Nazizeit verleihen dem Papier historische, in unsere eigene Gegenwart reichende Tiefendimension.

 

Salzburger Nachrichten (Mario Jandrokovic)

13. März 1997

 

Tuserkani widmet sein kompositorisches Schaffen dem Widerstand gegen Unrecht und Verfolgung, gegen Herrschaft und Unterdrückung. Tuserkani ist einer der engagiertesten Komponisten in Österreich. Verständlich ist, dass sein politisches Engagement ihn drängte, auch musikalisch neue Räume aufzusuchen, womit er sich nicht immer nur Freunde machte.

 

Radio Österreich 1 (Christoph Becher)

25. Oktober 1981

 

Effektvolle Klangergebnisse und optische Komponenten liessen das Stück 'Homo Instrumentalis' freilich zu einem Publikumserfolg werden.

 

Wiener Zeitung (Reinhard Krischbaum)

20. Oktober 1981

 

Denn: 'Jede Musik hat ihren Charakter, bedingt durch die Zeit und die Situation, in der sie entsteht. Ich kann heute keine 'Kantate der Liebe' schreiben, nur damit es schön klingt'. Daher dient die Musik Tuserkanis auch als Ausdrucksmittel der Pein, des geschundenen Menschen. Und das gibt ihr eine Dimension, weit über das rein Klangästhetische hinaus.

 

Kleine Zeitung Graz (Bernd Schmidt)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 24. 2. 2020): Biografie Djahan Tuserkani. In: mica music austria – Musikdatenbank. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/66396 (Abrufdatum: 2. 6. 2020).

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