Aichinger Oskar

Vorname
Oskar
Nachname
Aichinger
erfasst als
BandmanagerIn
InterpretIn
KomponistIn
MusikerIn
DirigentIn
AusbildnerIn
ChorleiterIn
AutorIn
Genre
Jazz/Improvisierte Musik
Neue Musik
Subgenre
Contemporary
Jazz
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1956
Geburtsort
Vöcklabruck
Geburtsland
Österreich

Fotografin: Regine Hendrich ©

1974 Matura. Anschließend bis 1976 Studium an der Montanuniversität Leoben. Abbruch. Musikstudium am Salzburger Mozarteum. 1984-1986 Ballettkorrepetitor an der Wiener Staatsoper. Danach als Musikerzieher tätig.

1990 musikalischer Neubeginn unter veränderten stilistischen Vorzeichen: Duo "Steinaich-Irrding" mit Hans Steiner, etwas später ein weiteres Duo mit Walter Malli. Seit 1996 auch Solokonzerte. Im selben Jahr Gründung des "Oskar Aichinger Oktetts". In den folgenden Jahren Kooperationen und Auftritte mit Eugene Chadbourne, John Edwards, Franz Koglmann, Sunny Murray, Michael Moore, Paul Skrepek, Achim Tang, Stefan Nemeth, Wolfgang Reisinger u.v.a. Konzerte im In- und Ausland (Deutschland, Polen, Tschechien, Italien, England, Belgien, Schweiz, USA u.a.). Zahlreiche Kompositionen für verschiedene Ensembles, mehrere CD's und Rundfunkaufnahmen.

Ausbildung
erster Klavierunterricht mit 8 Jahren, später auch Violine
1974 - 1976 Montan Universität Leoben Leoben Studium
1976 - 1983 Universität Mozarteum Salzburg Salzburg Studium Musikpädagogik
1976 - 1983 Universität Mozarteum Salzburg Salzburg Studium Klavier
1976 - 1983 Universität Mozarteum Salzburg Salzburg Studium Dirigieren
1976 - 1983 Universität Salzburg Salzburg Studium Geschichte
1983 Universität Salzburg Salzburg Abschluss des Studiums (Magister)

Tätigkeiten
1979 - 1983 Leiter diverser Ensembles und Chöre, erste Kontakte mit Jazz und Tanzmusik
1983 - 1984 Salzburg Probejahr als AHS-Lehrer
1984 - 1986 Wiener Staatsoper Wien Ballettkorrepetitor
1986 - 1990 Lehrtätigkeit
1990 - 1995 Duo Steinaich-Irrding gemeinsam mit Hans Steiner
1990 Reduktion der Lehrverpflichtung, musikalischer Neubeginn
1990 Teilnahme an Workshops mit Jimmy Giuffre und Anthony Braxton
1991 seitdem im Duo mit Walter Malli
1991 - 1996 Klavier und musikalische Leitung des Ensembles "Maxixe" (gegründet von Burkhard Stangl)
1993 Mitwirkung im Film "Malli - Artist in Residence"
1993 - 2002 Klangnetze Mitwirkung am pädagogischen Projekt
1994 1000 Rosen, Schlager für Hinterbliebene: Pianist
1994 seitdem Mitglied im "Nagl-Malli-Quartett" (mit Max Nagl, Walter Malli und Sunny Murray)
1995 Theaterverein Odeon Wien "Ton.Art plays Austrian Hollywood Composers": Komponist und Dirigent
1995 Mitwirkung im "Max Nagl Quintett"
1996 Gründung des "Oskar Aichinger Oktetts" und seitdem Leitung
1996 Jeunesses Musicales International seitdem wiederholte Musikbegleitung zu Stummfilmen (Der Schatz, Das Kabinett des Dr. Caligari u.a.)
1996 erstes Solokonzert
1997 Volkstheater Ges.m.b.H. Wien Mitwirkung bei "Der Zerrissene" (Klavier)
1997 seitdem Mitwirkung am Klavier bei den "Catatonic Contrasts" von Walter Malli
1998 - 1999 Ensemble Wiener Collage basis wien "The Metamagic of Fritz Spielmann": Komponist und Dirigent
1999 Gründung und seitdem Kooperation im "Oskar Aichinger Trio" mit Achim Tang und Paul Skrepek
1999 - 2000 Kollegium Kalksburg Gastauftritte (Geige)
2000 Gründung und seitdem Kooperation im "Oskar Aichinger Sextett" mit Lorenz Raab, Max Nagl, Martin Siewert, Achim Tang und Paul Skrepek
2001 seitdem Mitglied bei Thomas Kaufmanns "Coincidence" (Klavier)
2001 Duo mit Katarina Klement
2001 seitdem Mitglied bei Hannes Enzlbergers "Songs to anything that moves" (Klavier)
2002 seitdem Mitglied bei Martin Siewerts "Dying will be easy" (Klavier)
2002 seitdem Kooperation mit Stefan Nemeth, Achim Tang und Paul Skrepek im Ensemble "Synapsis"
2002 seitdem "Abends spucke ich meine Lunge aus", gemeinsam mit Vinzenz Wizlsperger
2002 seitdem im Trio mit Franz Koglmann und Wolfgang Reisinger
2003 seitdem Mitglied bei "Schwarze Lieder", gemeinsam mit Walter Raffeiner und Max Nagl
2004 seitdem "ms franz", gemeinsam mit Martin Zrost, Richard Klammer, Christof Dienz, Petra Ackermann, Vincenz Witzelsberger und Paul Skrepek
2004 seitdem im Duo mit Franz Koglmann (Songs von Burt Bacharach)
2004 seitdem "Kosmos Lutos_awski" (Klavier solo)
2006 Trio "Blood" mit Michael Moore und John Edwards (Musik von Carla und Paul Bley, Annette Peacock, Jimmy Giuffre)
2007 Ödön von Horvath - Projekt "Heimsehnen-Fortsehnen" (mit Thomas Berghammer, Karl Sayer, Paul Skrepek)
2007 Hannes Enzlbergers "My dear Ferenc" (Klavier)
2009 Ensemble EKG (Susanna Heilmayr, Burkhard Stangl, Achim Tang, O.A.), Premiere beim Jazzfest Wien
2009 Weanjazz (Tibor Kövesdi, Hannes Löschel, Christian Mühlbacher, Max Nagl, Lorenz Raab, Angela Maria Reisinger, Peter Rom, O.A.), Premiere bei "Weanhean"
Aufführungen bei diversen Festivals, u.a. Ulrichsberger Kaleidophon, Konfrontationen Nickelsdorf, Konstanzer Jazzherbst, Hörgänge, Festival of Central European Culture, Jazz Festival Saalfelden, Moving Patterns New York, Jazzfest Wien etc.
Karenzierung vom Schuldienst, freiberufliche Tätigkeit
Konzerttätigkeit im In- und Ausland
zahlreiche CD-Produktionen

Aufträge (Auswahl)
1991 Ton.Art Hei-Mahd
1995 Ton.Art Gute, Böse, das Jenseits und der Wald
1999 Klangforum Wien ... thy hour O Soul ...
1999 Koehne Quartett Krebs hauert Umkehr
2004 Ensemble xx. jahrhundert 3/4 verstrahlt oder: Ansichten eines Trillers
2006 für das Mozartjahr 2006 Suedama JIXX
weitere Aufträge u.a. für das Tanztheater (Maja Slattery und Compagnie Smafu) und das attensam quartett

Aufführungen (Auswahl)
1995 Stadtinitiative Wien Wien Les Wal
1995 Ton.Art Odeon-Theater Gute, Böse, das Jenseits und der Wald
1998 Janus Ensemble Wien ...daß ich mich täusch'...
2000 Klangforum Wien Wien ... thy hour O Soul ...
2001 Janus Ensemble Wien Cut Copy Undo
2004 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Im Anfang war der Rhythmus, Alle Zeit der Welt, piccolo perpetuum
2005 Leopold Museum Wien May Kasahara, Haruki Murakami gewidmet
2006 Ensemble xx. jahrhundert für das Mozartjahr 2006 Suedama JIXX
2007 V:NM Festival Graz Graz Stockwerk: Improvisation gemeinsam mit Claudia Cervenca
2008 Jeunesse - Musikalische Jugend Österreich Wien Porträtkonzert, Aufführung mehrerer Werke
2008 RadioKulturhaus Wien "... wie vor dem Schnee"
2009 Wien Brotfabrik Wien, Uraufführung Der entwendete Taler - Kammeroper
2009 Porgy & Bess Wien Lieder für EKG

Auszeichnungen
2008 ORF - Österreichischer Rundfunk Ö1 Pasticciopreis für die CD "Cosmos Lutosławski"

Stilbeschreibung

Man stelle sich einen Haufen aus Ziegeln, Zement, Glas, Fensterrahmen, Türen, Heizungsrohren usw. vor. Ich sage nicht, daß aus alldem unbedingt ein Haus gebaut werden muß, um eine schlüssige Gestalt zu formen. Es genügt, den ganzen Haufen ins Museum zu schaffen, schon hat sich seine Bedeutung radikal geändert, er ist "Form" geworden. Nichts Anderes hat Cage mit der Stille gemacht, er hat sie einfach in den Konzertsaal gestellt. Der traditionelle Hörer erwartet natürlich immer nur Häuser. Die dürfen zwar durchaus unkonventionell sein, aber Häuser müssen sie bleiben. Wir aber müssen dem Hörer zeigen, dass man aus dem Haufen auch andere Dinge bauen kann, die er in der Lage ist, aufgrund der Erinnerung an Ziegel, Glas, Heizungsrohre usw. auf seine Art zu verstehen. Und wir müssen es verstehen, zu berühren, ohne simpel zu verführen und zu manipulieren. Das ist in Zeiten einer monströsen Popular(un)kultur ein heikles Unterfangen, aber unbedingt notwendig, damit sich die Kunst nicht endgültig selbst aus dem Verkehr, sprich dem gesellschaftlichen Diskurs, zieht. Ich gehe einmal davon aus, dass das Berührende im "Jazz" die Improvisation, also die (Ent-) Äußerung des Subjekts ist (zumindest ist es mir als Rezipient immer so ergangen). Diese sollte durch die Komposition möglichst wenig gestört werden, sodaß komponierte Elemente und formale Struktur sozusagen nur als Zündkerzen in jenem explosiven Gemisch aus Subjekten fungieren, das letzlich den Motor für die Musik in Bewegung setzt. Das Improvisieren über Standards bedeutet letzlich nichts anderes, ist aber für mich aus historischen, persönlichen (Ich bin kein New Yorker) und formalen Gründen obsolet. Ich träume von einer Musik, die ganz der Kunst und ihrem komplexen Mysterium verpflichtet, aber dennoch begreifbar ist, einfach und zugleich raffiniert, vergleichbar einem guten Witz.

Oskar Aichinger, 1994

Pressestimmen

15. Dezember 2000

Oskar Aichingers Musik ist der überaus gelungene Versuch, Widersprüche zu denken. Die Abläufe lassen sich nicht einfach mehr in bequeme Kategorien von Komposition und Improvisation ablegen.

http://www.openmusic.at

 

2000

Oskar Aichingers Geheimnis der Kunst
"Als Musiker wird man oft gefragt, welche Musik man denn nun mache. Gemeint ist damit wohl meist eine stilistische Definition, eine Eingrenzung, vielleicht eine Art Namedropping, also irgendwie die Reduktion eines komplexen Sachverhalts auf ein imaginäres Skelett. Ich empfinde das als eine Unmöglichkeit, denn Musik ist immer Fleisch und Knochen, Geist und Seele, individuelle und kollektive Geschichte." Also meint Oskar Aichinger, Komponist und Pianist, der sich gerade in den vergangenen zehn Jahren - so etwa der Falter - "ohne je viel Aufhebens zu machen" auch als "eine der zentralen Figuren der musikalischen 'Off-Szene' des Landes" etabliert hat. [...] Das Resultat, also irgendwie die Zusammenfassung der Errungenschaften der Musikgeschichte des vergangenen Jahrhunderts in Amerika und Europa, besticht dann auch, wie etwa im Falle der Trio-Einspielung "Elements of Poetry" [...] durch eine kaleidoskophafte stilistische Vielfalt, in der die oszilierende Seele des Bebop ebenso seinen Platz findet wie der sublime Geist romantischen Liedguts, der subtile Drive des Swing und die schillernd changierenden Klangfarben der zeitgenössischen Avantgarde.

jazz zeit (Wolfgang Lamprecht)

 

2000

Musik, die sich idiomatisch aus Quellen der europäischen (Vor-)Moderne speist, die freilich in ihrer Nonchalance und Improvisationslust ohne den Einfluß des Jazz nicht denkbar wäre.

Concerto

 

2000

Eine gute CD mit einer Menge origineller, inspirierter Musik. Zu empfehlen.

Cadence

 

2000

Aichingers pieces compose resonance and silence the way that stained glass windows compose light.

Cadence, New York

 

2. April 1997

"Gerüstet mit ein paar Blättern mit Materialvorgaben - Motive, Themen, Akkordverbindungen, formale Strukturen, spezifisch definierte Klänge, verbale Nützlichkeiten usw. - bin ich ans Klavier gegangen, in der Hoffnung, daß sich ein ganzes Album zusammenimprovisiert, wenn ich nur aufmerksam genug gegenüber dem bin, was ich im Verlauf seiner Einspielung erlebe", so Aichinger. Was nun herausgekommen ist, ist ein Schmelztiegel verschiedenster Stimmungen; traurig, wehmütig, ein wenig dramatisch, kühl und dennoch voller Leben und Poesie.

Wiener Zeitung (Christian Rösner)

 

Link zu Oskar Aichengers Diskografie

Links mica-Artikel: Aichinger/Berghammer/Skrepek/Wizlsberger/Zrost präsentieren The Paradiser (2011), mica-Artikel: Oskar Aichinger - Einfach raffiniert (2013), Durian Records

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 24. 3. 2020): Biografie Oskar Aichinger. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/50066 (Abrufdatum: 11. 8. 2020).

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