Heiller Anton

Vorname
Anton
Nachname
Heiller
erfasst als
InterpretIn
KomponistIn
AusbildnerIn
ChorleiterIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Orgel
Cembalo
Klavier
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich
Sterbeort
Wien

Doblinger Archiv © Mit freundlicher Genehmigung von Doblinger Musikverlag

 

"Die wichtigsten Daten meines Lebenslaufes
15.9.1923 in Wien geboren; 1941 Inskription an der Musikakademie in Orgel, Klavier, Cembalo und Theorie. 1942 Reifeprüfung in Orgel und Cembalo an der Musikakademie, Auszeichnung durch Josef Marx-Preis. 1942-45 Militärzeit. 1945 Berufung an die Akademie als Professor für Orgel an der Abteilung für Kirchenmusik. Daneben Konzerttätigkeit als Organist, Cembalist und Dirigent, vorübergehend auch als Leiter der vokalen Konzerte des Wiener Collegium Musicum, ferner in Konzerten der Wiener Konzerthausgesellschaft, auch beim II. III. u. IV. Internationalen Musikfest. Kompositionsversuche ab 1935, zahlreiche Jugendwerke bis 1941-42."

 

Anton Heiller (zitiert nach: Musikalische Dokumentation Anton Heiller; Zsigmundt Kokits (Red.) - Institut für österreichische Musikdokumentation, 1999 - S. 7)


Ausbildung
1935 - 1941 Dommusik St. Stephan Wien Orgel Mück Wilhelm
1941 - 1942 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Cembalo Seidlhofer Bruno
1941 - 1942 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Klavier Seidlhofer Bruno
1941 - 1942 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Orgel Seidlhofer Bruno
1941 - 1942 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musiktheorie und Komposition Reidinger Friedrich
1942 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Reifeprüfung (Orgel, Cembalo)
privater Gesangsunterricht (Fritz Schrödter) Stimme

Tätigkeiten
1941 ab diesem Jahr Korrepetitor und Chordirektor (Singverein, Singakademie, Volksoper)
1942 - 1945 Wien Militärdienst in Wien (Nachrichtenhelfer und Sanitäter)
1945 - 1979 Internationale Konzerttätigkeit und Tätigkeit als Juror bei Orgel- und Kompositionswettbewerben
1945 - 1979 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Professor an der Abteilung für Kirchenmusik (Orgel und Tonsatz, ab 1969 Professur für Komposition)
1952 Philips Einspielung des gesamten Orgelwerkes von Bach
1960 Österreichischer Kunstsenat Wien Mitglied
1963 The New York Philharmonic Orchestra New York Interpret des Soloparts bei der Uraufführung von Hindemiths Orgelkonzert unter Leitung des Komponisten
1975 ORF - Österreichischer Rundfunk Einspielung des gesamten Orgelwerkes von Bach

Aufträge (Auswahl)
alle Werke entstanden als Auftragswerke oder auf Anregung
1956 ORF - Österreichischer Rundfunk François Villon - Rundfunkballade (Oratorium) für Soli, Chor und Orchester
1958 SWR Symphonieorchester für die Donaueschinger Musiktage Vier geistliche Motetten - (Proprium in Anniversario Dedicationis ecclesiae) für gemischten Chor a cappella
1960 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Missa super modos duodecimales - für gemischten Chor und sieben Instrumente
1965 Sender Freies Berlin - SFB In principio erat verbum - Kantate für Tenor, gemischten Chor, Orchester und Orgel
1970 Musikprotokoll im Steirischen Herbst Geistliches Konzert - für gemischten Chor und sechs Holzbläser
1976 Doblinger - Musikhaus und Verlag Jubilatio - für Orgel

Aufführungen (Auswahl)
1951 Edinburgh - Großbritannien Edinburgh Festival Hoc corpus - für gemischten Chor a cappella
1953 Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Musikverein - Großer Saal Zweite Sonate für Orgel
1958 Brüssel Weltausstellung In festo corporis Christi - Vier Stücke zum Fronleichnamsfest für Orgel
1973 ORF Radio Symphonieorchester Wien Wien konzertante Aufführung François Villon - Rundfunkballade (Oratorium) für Soli, Chor und Orchester
1984 Musikprotokoll im Steirischen Herbst O Jesu, all mein Leben - für gemischten Chor a cappella
1997 Kosice: Staatliche Philharmonie Konzert für Orgel und Orchester
1999 ÖNB - Österreichische Nationalbibliothek Porträtkonzert anlässlich einer Anton Heiller gewidmeten Ausstellung, Aufführung mehrerer Werke u.a. von Ecce lignum crucis - Meditation für Orgel
2002 Allegro Vivo / Internationales Kammermusik Festival Austria GLOBArt-Eröffnungskonzert in der Klosterkirche Pernegg mit dem "Dem König aller Zeiten" aus Drei kleine geistliche Chöre - für gemischten Chor a cappella
2007 Grazer Dom Zwei geistliche Gesänge - für Sopran und Orgel
2007 Cathedral Bristol Nun komm, der Heiden Heiland - Kleine Partita für Orgel
2008 Bern Französische Kirche Vesper - für Kantor, Soli, gemischten Chor und Orgel

Auszeichnungen
1942 Amt der Steirischen Landesregierung Joseph-Marx-Musikpreis
1952 Internationaler Orgelimprovisationswettbewerb Haarlem: Erster Preis
1954 Republik Österreich Staatlicher österreichischer Förderungspreis für Chormusik
1956 Schott-Preis
1957 Republik Österreich Verleihung des Professorentitels
1963 Stadt Wien Kulturpreis
1968 Stadt Wien Ehrenkreuz der Stadt Wien für Wissenschaft und Kunst
1969 Republik Österreich Großer Österreichischer Staatspreis
1978 Wiener Singakademie Ehrenmitglied

Stilbeschreibung

 

Johann Nepomuk Davids Einfluß war sehr stark auf mich, besonders in den vierziger Jahren (Choralpartiten, Orgelsonaten). Es liegt sehr viel Leidenschaft in seiner Musik; Kontrapunkt war seine Leidenschaft. Frank Martin habe ich 1948 kennengelernt, als ich sein Werk "Le Vin Herbé" für eine Aufführung vorbereitete. Neben seinem Oratorium "Golgatha" hat mich dieses Werk sehr beeindruckt, besonders was die Behandlung von Zwölftonreihen betrifft und die Strukturierung des musikalischen Materials durch sie. Gerade in Martins Werken wurde mir klar, daß Zwölftonreihen nicht unbedingt völlig atonal sein müssen, sondern durchaus auch tonale Funktionen beinhalten können. In den Werken Olivier Messiaens wirkte die sehr komplexe und reiche harmonische Sprache nachdrücklich auf mich; vieles davon ist z.B. in meinem "In principio erat verbum" eingeflossen, besonders Messiaens Darstellung des "Le verbe" aus der "Nativité du Seigneur". Die Auseinandersetzung mit der Dodekaphonik setzt 1949 mit dem 'Dreifaltigkeitsproprium' ein. Das für mich wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist allerdings sicherlich das 1952 geschriebene "Te Deum". Meine Behandlung von Zwölftonmodellen ist zu 99 Prozent horizontal. Eine freitonale Gestaltung der harmonischen Strukturen unter gegebenen Zwölftonreihen. Obwohl es auch Momente vertikaler Behandlung gibt, z.B. in meinem "Konzert für Orgel und Orchester". Vorherrschend ist jedoch der Versuch, Zwölftonreihen in einem tonalen Zusammenhang zu gestalten, so wie im "Te Deum", das in vieler Hinsicht eine "Atmosphäre" im Sinne Josef Matthias Hauers nachzeichnet. Allerdings nur in einer äußeren Ähnlichkeit, nicht strikt gemäß seinen Regeln; wollte man Hauers Gesetzen streng folgen, wäre man in seinen Ausdrucksmöglichkeiten sehr eingeschränkt.

 

 

Anton Heiller in einem Gespräch mit Robert E. Gant, 1972 (zitiert nach Thomas Schmögner: In memoriam Anton Heiller, 1989)


Links Doblinger Musikverlag, Universal Edition, Eintrag in Wikipedia, Biographie von M.A.J. Harison, Nachlass an der Österreichischen Nationalbibliothek

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 4. 2020): Biografie Anton Heiller. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/55690 (Abrufdatum: 12. 7. 2020).

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