Thürauer Franz

Vorname
Franz
Nachname
Thürauer
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
InterpretIn
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Orgel
Violine
Klarinette
Geburtsjahr
1953
Geburtsort
Wolfenreith
Geburtsland
Österreich

Franz Thürauer © INÖK

"Schon seit seiner Kindheit ist der 1953 in Wolfenreith im Dunkelsteinerwald geborene Thürauer mit der Volksmusikpflege vertraut. Seine eigenen Instrumente wurden die Klarinette und das Klavier, während seines Studiums am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck (1969–1972) kamen Orgel und Violine dazu. In der Folge begeisterte sich der instrumental so Vielseitige auch für die Kirchenmusik und Komposition. Er erhielt darin 1973–1981 eine profunde Ausbildung an der damaligen Hochschule (heute Universität) für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Anton Heiller und Hans Gillesberger einerseits sowie Francis Burt und Kurt Schwertsik andererseits. Schon vor seinem Abschluss arbeitete er selbst in seinem Heimatbundesland Niederösterreich als Klavierlehrer an der Musikschule St. Pölten (seit 1978) sowie 1979–2012 als Musikerzieher am Melker Stiftsgymnasium und 1984–1990 auch als Stiftskapellmeister. 1991/92 hatte er zudem einen Lehrauftrag für Gehörbildung und Solfeggio an der Wiener Hochschule inne.

Begleitend zu seinen Studien wurden Franz Thürauer bald Förderungen und Preise von öffentlichen und privaten Institutionen zuteil. So erhielt er den Förderungspreis des Theodor Körner-Fonds, den Preis des Landes Niederösterreich, ein Staatsstipendium und den Förderungspreis der Republik Österreich sowie den Hanns Koren-Preis.

Bald stellten sich verschiedenste Auftraggeber bei Thürauer ein, sodass er heute auf eine stattliche Liste zurückblicken kann: Ur- und Nachaufführungen seiner Werke gab es u. a. im Wiener Musikverein, bei der Wiener Konzerthausgesellschaft und im RadioKulturhaus, bei den Melker Pfingstkonzerten, dem Niederösterreichischen Donaufestival, beim Carinthischen Sommer und den Bregenzer Festspielen, aber auch in anderen europäischen Ländern sowie in den USA und in Japan."
mica-Musikmagazin: Tonalität und Spiritualität als Grundpfeiler - FRANZ THÜRAUER im mica-Porträt (Christian Heindl, 2017) [https://www.musicaustria.at/tonalitaet-und-spiritualitaet-als-grundpfei…]

Stilbeschreibung

"Kompositorisch nahm Thürauer seinen Ausgang beim Impressionismus. Wie viele seiner Kollegen sah auch er sich bald mit der Schwierigkeit konfrontiert, sich für einen eigenen Weg zu entscheiden. Eine Angelegenheit, die in unserem Jahrhundert wohl schwieriger denn je ist. [...] Burt aber half bei der Entscheidung, indem er Thürauer animierte, sich vor allem seiner ausgeprägten rhythmischen Begabung zu entsinnen und sich besonders mit dem klassizistischen Œuvre Strawinskys zu beschäftigen.

Thürauer befolgte nicht nur diesen Rat, sondern erweckte auch seine inzwischen etwas brach liegende Leidenschaft für Orgelmusik, was zu einem intensiven Studium des Orgelwerks von Olivier Messiaen führte. Aber auch mit Joseph Haydn setzte er sich auseinander. Sieht er doch in ihm einen "zweifellos intellektuellen Komponisten, der ganz bewußt die Hirnarbeit vertuscht." Eben darum geht es auch Franz Thürauer: um die Komposition von Stücken, die sich zwar klar strukturell nachvollziehen lassen, vorweg aber durch ihre emotionale Aussage ansprechen. Folgerichtig ist Thürauer auch ein Anhänger der Tonalität. Er beschreibt sie nicht nur als "faszinierenden Begriff", sondern sieht "in einer neuen Spielform dieser Tonalität, wie immer sie sich letztlich auch präsentieren wird, eine Möglichkeit, die musikalische Entwicklung voranzutreiben"."
Walter Dobner. In: Musikfreunde, [Programmzeitschrift], 12/1993

Auszeichnungen

1982 Theodor Körner Fonds: Förderungspreis
1983 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Preis des Landes Niederösterreich
1984 Republik Österreich: Staatsstipendium für Komposition
1990 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: Förderungspreis
1990 Amt der Steirischen Landesregierung: Hanns-Koren-Preis
2015 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Würdigungspreis (Sparte: Musik)

Ausbildung

1969–1972 Tiroler Landeskonservatorium, Innsbruck: Orgel, Violine
1973–1981 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Kirchenmusik (Anton Heiller, Hans Gillesberger), Komposition (Francis Burt, Kurt Schwertsik) - Diplom

Tätigkeiten

1978–heute Musikschule der Landeshauptstadt St. Pölten: Klavierlehrer
1979–2012 Stiftsgymnasium Melk: Musikerzieher
1984–1990 Stift Melk: Organist und Chorleiter ("Regens Chori")
1991–1992 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Lehrauftrag (Gehörbildung, Solfeggio)

Mitglied in Band/Ensemble/Orchester
1985–1989 Wiener Musikforum: Zusammenarbeit (gemeinsam mit Michael Rot, David Babcock, Axel Seidelmann)
Kammerorchester Scheibbs
P. Keuschnigg, Herbert Böck, Wiener Virtuosen

Aufträge (Auswahl)

zahlreiche Aufträge von Festivals (z.B. Bregenzer Festspiele, Melker Pfingstkonzerte, Carinthischer Sommer), im Kulturbereich tätigen Organisationen (u.a. Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur, Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Stadttheater St. PöltenWiener Konzerthausgesellschaft, Mariahilf-Kultur Graz, Jeunesses Musicales International, Pueri Cantores Austria, Niederösterreichische Kulturszene) sowie von Ensemblen/Orchestern (u.a. Wiener KammerOrchester, Ensemble Kontrapunkte, Wiener Jeunesse Orchester, Bläserquintett der Jeunesse musicale Budapest)

Aufführungen (Auswahl)

1983 Wiener KammerOrchester, Brucknerhaus Linz: Winter-Serenade (UA)
1988 Brucknerhaus Linz: Mosaik (UA)
1988 Stift Melk: Veni, sancte spiritus - Kantate (UA)
1990 Schloß Halbthurn: Sonata (UA)
1992 Carinthischer Sommer, Stiftskirche Ossiach: Der Landsknecht von Kärnten - Kirchenoper (UA)
1992 Wiener Konzerthaus: Metamorphosen (UA)
1992 Musikverein Wien: Kleine Walzerszene (UA)
1993 Ensemble Kontrapunkte: Portraitkonzert
1993 Musikverein Wien: Von der Vergänglichkeit - Sieben Sonette von William Shakespeare (UA), Doppelkonzert (UA)
1994 Musikverein Wien: Rondo Notturno (UA)
1994 Wiener Konzerthaus: Lukas-Passion (UA)
1994
ORF - Österreichischer Rundfunk, Radiokulturhaus Wien: Shadows (UA)
2006
Wiener Concert-Verein, Wiener Konzerthaus: Polyphonien (UA)

weitere Aufführungen bei Festivals (z.B. Bregenzer Festspiele, Melker Pfingstkonzerte, Donaufestival Krems, Wiener Musiksommer) durch bekannte Ensemble/Orchester (u.a. Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester, Wiener Virtuosen, Österreichische Kammersymphoniker, Wiener Jeunesse Orchester, Wiener Symphoniker)

Pressestimmen

26. Juli 1994
"Thürauer orientiert sich in der Grundauffassung wohl an den grossen Liedkomponisten. Doch obwohl er sich wie diese zu Melodie, Harmonie und Textausdeutung bekennt, sind seine Vertonungen der sechs Shakespeare-Sonette aus aktuellem musikalischen Empfinden geschöpft. Als solche setzen sie die Tradition des Orchesterliedes, wie es etwa von Gustav Mahler gepflegt wurde, auf beeindruckende Weise fort."
St. Galler Tagblatt

Literatur

mica-Archiv: Franz Thürauer
2017 Heindl, Christian: Tonalität und Spiritualität als Grundpfeiler - FRANZ THÜRAUER im mica-Porträt. In: mica-Musikmagazin.

Quellen/Links

ÖKB: Franz Thürauer
INÖK: Franz Thürauer
Wikipedia: Franz Thürauer

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 5. 2020): Biografie Franz Thürauer. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/66130 (Abrufdatum: 20. 10. 2020).

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