Schiske Karl

Vorname
Karl
Nachname
Schiske
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Tradition/Moderne
Geburtsjahr
1916
Geburtsort
Györ - Ungarn
Geburtsland
Ungarn
Todesjahr
1969
Sterbeort
Wien

Doblinger Archiv © Mit freundlicher Genehmigung von Doblinger Musikverlag

Karl Schiske, im damals noch zur Donaumonarchie gehörigen Raab/Györ 1916 geboren, legt bereits als Kind eine Probe seines musikalischen Talents ab. Aus den wenigen erhaltenen Privatdokumenten geht hervor: "Mit drei Jahren schon spielte ich am Schmetterer Klavier unserer Familie zur großen Verwunderung vieler Zuhörer die von Papa gelehrte 'Schnitzel-Polka" (aus "Karl Schiske", Karl Heinz Roschitz, Verlag Elisabeth Lafite, Wien, 1970; S 7)
Im Jahr 1922, als Karl Schiske sechs Jahre alt ist, übersiedeln seine Eltern - sein Vater ist Erfinder und Maschinenbauingenieur - nach Orth an der Donau. Dessen Technikbegeisterung färbt auch auf den Sohn ab, sodass er in späteren Jahren neben seiner musikalischen Ausbildung an der Musikakademie in Wien - Klavier und Komposition - auch Physik studierte. Noch während seiner Studienzeit , ab 1939, führen das Stadtorchester der Wiener Symphoniker und das Steinbauer Quartett seine frühen Werke im Wiener Musikverein und im Konzerthaus auf. 1943 - er hat kurz davor mit einer Dissertation über die Dissonanzenverwendung in Bruckners Symphonien, promoviert - wird er zur deutschen Wehrmacht eingezogen, komponiert aber auch während seiner Militärzeit. Sein Bruder Hubert, dem er seine vielleicht bedeutendste Komposition, das Oratorium "Vom Tode", widmet, fällt 1944 bei Riga.
Nach 1945 beginnt Schiskes vielleicht fruchtbarste Schaffensphase. Er lebt als freischaffender Komponist in der Steiermark, unterbrochen von Aufenthalten in Wien und Orth und gibt privat Musikunterricht bis er 1952 als Kompositionslehrer an die Wiener Musikhochschule berufen wird. Im August 1954 heiratet er Berta Baumhackl, der Ehe entstammen vier Kinder. 1962 wird er zum ausserordentlichen Hochschulprofessor ernannt.
Seine Werke werden mit Preisen, unter anderem dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Er vermittelt als Lehrer heute namhaften Komponisten wie Erich Urbanner, Ivan Eröd, Gösta Neuwirth, Kurt Schwertsik, Otto Zykan, Charles Boone, Luca Lombardi u.v.a. das kompositorische Rüstzeug. Am 16.06.1969 stirbt Karl Schiske im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen einer Gehirnblutung in Wien.


Ausbildung
1932 - 1938 Privatunterricht: Komposition, Harmonielehre und Kontrapunkt Kanitz Ernst
1932 - 1938 Wien bei Bass Roderich im  "Neues Wiener Konservatorium" Klavier
1932 - 1938 Wien bei Varga Julius im "Neues Wiener Konservatorium" Klavier
1939 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Reifeprüfung Komposition (als Externist)
1940 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Klavier Weber Hans
1942 Universität Wien Wien Promotion
Universität Wien Wien Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie, Physik, Akustik

Tätigkeiten
1952 - 1969 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Professur für Komposition, Einrichtung einer zusätzlichen Lehrveranstaltung "Praktikum für zeitgenössische Musik"
1955 - 1969 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt rege Kontakte und Einsatz für Stipendienaufenthalte zahlreicher Studierender
1956 - 1966 Jugendkulturwoche Innsbruck Innsbruck Mitgestaltung des Musikprogrammes
1957 Mitgründung eines Studios für elektronische Musik
1966 - 1967 University of California Riverside: Gastprofessur
Juror bei internationalen Kompositionswettbewerben
ÖMR - Österreichischer Musikrat Mitarbeit als Delegierter und Vorstandsmitglied
Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Vorstandsmitglied

Aufträge (Auswahl)
Wiener Kulturfonds der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien Divertimento für zehn Instrumente oder Kammerorchester - Transformationen im goldenen Schnitt für 2 plus 3 plus 5 Instrumente

Aufführungen (Auswahl)
1986 Ensemble xx. jahrhundert Wien Wiener Musik-Sommer Sextett für Klarinette, Streichquartett und Klavier
1991 Paris Festival de Paris, Musee d'Art Moderne: Ensemble 20. Jahrhundert/Peter Burwik Divertimento für zehn Instrumente oder Kammerorchester - Transformationen im goldenen Schnitt für 2 plus 3 plus 5 Instrumente
1996 Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Wien Aufführung des gesamten Orgelwerks anläßlich des 80. Geburtstags, unter anderem Variationen über ein eigenes Thema - für Orgel
1998 ORF Radio Symphonieorchester Wien Radiokulturhaus - Großer Sendesaal Zweites Streichquartett
2007 Arnold Schönberg Chor Wiener Konzerthaus - Mozart-Saal im Rahmen des IGNM-Musikfestes Der Schrei - für sechsstimmigen gemischten Chor a cappella
ORF - Österreichischer Rundfunk (vormals Radio-Verkehrs-Aktiengesellschaft -RAVAG) Aufführungen und Sendeaufnahmen
Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich regelmäßig Aufführungen bei den Musikfesten
zahlreiche Aufführungen außerhalb Österreichs

Auszeichnungen
1950 Stadt Wien Musikpreis
1952 Republik Österreich Österreichischer Staatspreis Vom Tode - Oratorium für Sopran, Alt, Tenor, Baß, gemischten Chor, Orchester und Orgel
1954 Verleihung des Titels Professor
1960 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1960 Republik Österreich Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft
1967 Republik Österreich Großer Österreichischer Staatspreis
1968 Republik Österreich Goldenes Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich
1970 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung posthum Kulturpreis

Stilbeschreibung

 

Schiske hat als Komponist eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, wobei sich seine Eigenständigkeit über jedes Epigonenhafte hinwegsetzte. Von der spätexpressionistischen Phase der Werke der dreißiger Jahre, darunter das Sextett op. 5 - ein deutliches Lebenszeichen eines starken komposiorischen Talents, in einer Zeit der allgemeinen stilistischen Ratlosigkeit - kam in den Werken der Nachkriegszeit zunächst die Orientierung an Hindemith und Strawinsky zum Tragen, schließlich wandte sich Schiske aber der Zwölftonmusik und sogar der seriellen Technik zu. Im Kammerkonzert op. 28 aus den Jahren 1948/49 sind seine stilistischen und formalen Tendenzen besonders deutlich repräsentiert, und diese lauteten nach seinen eigenen Worten "Lineare Polyphonie, die alle Dimensionen aus dem Geist der Zeit neu erfüllt und in engste Relationen zu einander setzt. Dazu werden nötigenfalls auch Reihen und andere Ordnungen herangezogen. Allen neuen Möglichkeiten gegenüber vorurteilslos offen, ohne sich einer Technik kritiklos ganz zu verschreiben. Forderung nach unbedingter Klarheit und übersichtlicher Ordnung ... Der Anteil des Zufälligen (soll) möglichst weitgehend ausgeschaltet werden." In allen Werken ist Schiske um eine Einheit der Konzeption bemüht.

 

 

Ernst Hilmar, ÖMZ, Jg. 41, Februar 1986


Pressestimmen

 

2006

 

Es war jedenfalls faszinierend, künstlerische Entwicklungen der Komponisten anhand der praktischen Anwendung an einem Instrument zu verfolgen - im Fall Schiskes ausgehend von den frühen Variationen über ein eigenes Thema op. 10 bis zur streng konstruierten Choralpartita op. 46 aus der letzten Schaffensperiode.

ÖMZ 7/2006 (Christian Heindl)


Links Universal Edition, aeiou - das Kulturinformationssystem

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 29. 4. 2020): Biografie Karl Schiske. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/63894 (Abrufdatum: 26. 11. 2020).

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