Loibner Bernhard
Das Werkverzeichnis des Medienkünstlers Bernhard Loibner enthält lediglich eine Auswahl seiner zahlreichen Kompositionen.
"Mitte der 1980er begann [Bernhard Loibner] als E-Bassist mit seiner Band All Quiet On The Western Front ein Crossover aus Elektronik, Rock und improvisierter Musik zu spielen. Später entwickelt sich die Gruppe hin zu Arbeiten mit angrenzenden Medien, es entstanden Klanginstallationen, Radiostücke und Projekte unter Einbeziehung elektronischer Medien. Dieses Interesse setzte sich in seiner Arbeit auch nach dem Zerfall der Gruppe fort.
Zu den seither entstandenen Arbeiten gehören, neben regelmäßigen Live Konzerten, sowohl Kompositionen für zeitgenössischen Tanz und Theater als auch Video, Film und Radio. Seine Kompositionen und Konzerte sind durch den Einsatz von analogen und digitalen Klangerzeugern als eigenständige Instrumente charakterisiert. Die dabei entstehenden abstrakten Klangstrukturen die zwischen Stille und Lärm pendeln, sind typisch für seine Musik und wurden bei zahlreichen Konzerten und Performances in Europa und Nordamerika präsentiert.
Die Entwicklung von digitalen und analogen Systemen zur Klangerzeugung, Komposition und Sounddesign ist wichtiger Bestandteil seines musikalischen Schaffens. Programmierung und Komposition bzw. Sounddesign sind als integrierter Prozess zu verstehen. Neben den musikalischen Kompositionen hat er seine Arbeit in die audio-visuelle Domäne erweitert, seine Sound-Video-Kompositionen wurden bei Video- und Musikfestivals auf der ganzen Welt gezeigt. Derzeit fokussiert er sich auf die Integration elektronischer Instrumente in improvisierende musikalische Systeme.
Lehrtätigkeiten an der Universität für angewandte Kunst Wien, FH Multimedia Art Salzburg, Gastvorträge an Universitäten in den USA und England."
Bernhard Loibner (04/2026), per Mail
- Stilbeschreibung
"Bernhard Loibner ist ein Künstler, der in vielen Feldern unterwegs ist. Zu seinen künstlerischen Betätigungsfeldern gehören neben Elektronik-Live-Konzerten auch Kompositionen für zeitgenössischen Tanz und Theater als auch Video, Film und Radio. Wobei in seiner Arbeit zunehmend auch der visuelle Charakter eine bestimmende Rolle einnimmt. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens steht seit je her die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Klang. Fast schon mit der Akribie eines Wissenschaftlers forscht der Wiener Elektronikmusiker und Komponist nach dessen Eigenschaften und Eigenheiten, nach Methoden Töne neu entstehen zu lassen, nach Möglichkeiten diese zu bearbeiten und zu verfremden, um sie schließlich in einem neuen Kontext entstehen zu lassen."
Ternai Michael (2010): Bernhard Loibner – Unidentified Musical Subject. In: mica-Musikmagazin.- Auszeichnungen, Förderungen & Stipendien
2009 Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur: Staatsstipendium für Komposition
2010 Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana – SKE Fonds: Projektförderung (Album "Unidentified Musical Subject")
2015 Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana – SKE Fonds: Tonträgerförderung (Album "happy end")- Ausbildung
1985–1987 Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien: Tontechnik
1985–1990 Technische Universität Wien: Datentechnik
2008–2013 Pädagogische Hochschule Wien: Lehramt- Tätigkeiten
2000–2002 Universität für angewandte Kunst Wien: Universitätsassistent (Visuelle Medien, Digitale Kunst)
2002–heute HTL Donaustadt, Wien: Lehrer
2006–2007 Fachhochschule Salzburg: externer Lehrer (MultiMediaArt)Gastvorträge (Entwicklung eigener Software für Komposition/Sounddesign) an Universitäten, u. a. in: USA, England
Mitglied in den Ensembles/Bands
1998–heute Nerve Theory: Elektronik (gemeinsam mit Tom Sherman (vid))
2011–heute Bruckner: Elektronik (gemeinsam mit Dietmar Bruckmayr (voc))
2016–heute knuRRhahn: Elektronik (gemeinsam mit Reni Weichselbaum-Hofmüller (fl))
2017–heute Vienna Improvisers Orchestra: Elektronik
2024–heute LOFI – Loibner Fischer: Elektronik (gemeinsam mit Michael Fischer (tsax))
2026–heute FILORODU – Fischer Loibner Rosilio Duit: Elektronik (gemeinsam mit Michael Fischer (tsax), Valentin Duit (schlzg), Yoram Rosilio (db))Zusammenarbeit u. a. mit: Karlheinz Essl, Keiko Uenishi aka o.blaat, Bernhard Gál, Joao Castro Pinto
- Aufträge (Auswahl)
2000 Live Radio-/Web-Projekt - Österreichischer Rundfunk (ORF) – Ö1: Earshot
2000 Sender Freies Berlin (Deutschland): Die Leute wollen wissen was andere Leute denken
2003 Milli Bitterli (Choreografin), artificial horizon: Silence Sucks
2009 Janyce Michellod: R349-178
2010 Janyce Michellod: Once Upon Time
2019 Museumsquartier Wien: Electric Cars and Electric Guitars
weitere Auftragsarbeiten u. a. für: Mara Mattuschka (Regisseurin), Performance-Kollektiv SUPERAMAS- Uraufführungen (Auswahl)*
1998 Nerve Theory - Ars Electronica Festival, Linz: Shades of Catatonia (UA)
2000 Wien: Anglia to Brighton in 2 1/2 (UA)
2001 Nerve Theory, Le Moyne College Syracuse (USA): The Disconnection Machine (UA)
2001 Movie n'Opera - Die Station, Neufelden: Zeros + Ones (UA)2002 Wien: Franz tanzt in Wien (UA)
2003 Amethystzentrum Maissau: Amethyst Musik (UA)
2003 ImPulsTanz Festival, Wien: Silence Sucks (UA)2005 Kortfilmfestival Leuven (Belgien): Mnemonics (UA)
2005 Nerve Theory - Wiener Konzerthaus: Remote Possibilities (UA)2006 Sammlung Essl, Klosterneuburg: Duetz #2 (UA)
2008 Sammlung Essl, Klosterneuburg: Meltdown (UA)
- Pressestimmen (Auswahl)
23. Oktober 2015
über: happy end - Bruckner (LP; Moozak, 2015)
""happy end": Die Klangautomatismen sind ausgefallen, sie wurden zer-sprochen, zer-sungen, zer-redet. Erzählerische Strukturen legen sich frei, surreal, losgelöst von einer konkreten verbalen Vermittlung. Das dreidimensionale Echo von Bruckmayrs Stimme zieht seine Bahnen durch die manchmal verzerrten, aber dennoch größtenteils klaren Improvisationen Loibners. Es ist sicherlich eine Wanderung von hoch nach tief, ganz tief unter die Oberfläche der normativen Gesangmusterungen. Worte werden nicht gebraucht, denn auch ohne sie entstehen visuelle Momente, nur eben auf der Sound-Ebene. Mantraartig skizziert jedes der fünf Stücke einen anderen Winkel auf vage zu erahnende Szenarien. Von einem archaisch beschworenen Beginn [...] hin zu schwebenden Momenten mit leichtem Scifi-Touch [...] und schließlich mit dem finalen Titel [...] zurück auf den Boden der Tatsachen, weg von Metaphern … auch wenn es schön war. Ein Repeat wird hierbei geraten, das wiederholte Hören des Albums unterbreitet die Möglichkeit einer differenzierten Fokussierung auf Klangtexturen, die beim beiläufigen Überfliegen verborgen bleiben. Dabei verläuft die musikalische Chronologie nicht nach linearen Schablonen. Das Album ist der Tod der Regelmäßigkeit, der einfachen Orientierung, und das sogar mit unerwartet groovigen Momenten, manche Sequenzen rufen förmlich nach Tanzboden. Die sprachliche Beschwörungsformel geht zu Ende, ob es sich nach dem Hören nach einem Happy End anfühlt bzw. hört bleibt jeder und jedem selbst überlassen."
mica-Musikmagazin: BRUCKNER – "happy end" (Ada Karlbauer, 2015)10. Mai 2010
über: Unidentified Musical Subject - Bernhard Loibner (LP; Moozak, 2010)
""Unidentified Musical Subject" (Moozak Rec.) heißt die neue CD des Wiener Elektronikmusikers Bernhard Loibner. Und wie der Titel bereits vermuten lässt handelt es sich hier tatsächlich um etwas schwer Definierbares. Musik, die abseits jeglicher Kategorisierung, im Spannungsfeld Elektronik, Elektroakustik, Avantgarde und Improvisation, angesiedelt ist [...]. Musik abseits jeder Konvention, die Aufmerksamkeit erfordert und sich erst nach mehrmaligem Hörgenuss erschließt. Bernhard Loibner erschafft in seinen Stücken Klangwelten, die sich an keine herkömmlichen Vorgaben halten, sondern ihre endgültigen Ausformungen erst durch das freie Spiel annehmen. Das vorrangige Ziel des Soundtüftlers ist es, durch die Improvisation traditionell festgesetzte Genregrenzen zu durchbrechen und neue Möglichkeiten zur Erschaffung von Musik zu finden [...]. Insgesamt geht Bernhard Loibner auf seiner neuen CD "Unidentified Musical Subject" mit eher reduzierten Mitteln an die Sache heran. Bezug nehmend auf die Ästhetik zeitgenössischer experimenteller Elektronik versucht der Soundtüftler das klangliche Spektrum seiner Musik durch den dezenten Einsatz von analogen Instrumenten einer Erweiterung zu unterziehen. Wobei diesmal auf Hilfsmittel, wie etwa Drum Machine und Sequenzer, ganz verzichtet wurde. Vielmehr erfährt die Musik ihre Rhythmik aus der Verfremdung konkreter Klänge, welche ununterbrochen gegeneinander oszillieren. Zwischen stillen, sich aufbauenden Momenten und heftigen eruptiven Ausbrüchen entstehen auf diese Weise hochkomplexe und avantgardistisch anmutende Klangstrukturen, die sich in einem ständigen Prozess der Veränderung befinden."
mica-Musikmagazin: Bernhard Loibner – Unidentified Musical Subject (Michael, Ternai, 2010)21. Jänner 2002
"Mit »Zeros + Ones« vollendet der Musiker und Medienkünstler Klaus Karlbauer seine Trilogie über das Verhältnis Mensch – Maschine, die mit der Internetromanze »forgetme@not« (1998/99) und dem Virtual-Reality-Spiel »Password: Gilles de Rais« (2000) ihren Anfang nahm. Das Resultat ist eine komplexe Medienkomposition aus Bühnenperformance, Videoinstallation und Live-Musik [...]. Der Inhalt des Stücks schlägt sich dann auch in der Form nieder, in der die Musik dargeboten wird. Einerseits ist da die Zerissenheit und Unentschlossenheit, mit der durch die unterschiedlichsten Musikstile gezappt wird, andererseits kommt es auch zum gelungenen Verweben von unvereinbar scheinenden (musikalischen) Gegensätzen. Karlbauer und Loibner, beide Komponisten, Instrumentalisten und Live-Elektroniker, servieren einen Cocktail aus coolen Grooves, Noise-Sprengseln, Evergreens, Freejazz-Attacken und Ambient-Sounds. Das verwendete Instrumentarium reicht dabei von avancierter Elektronik über Hammond-Orgel und Bassklarinette bis zur Heavy-Metal-Zither und dient als Fundament für Roswitha Schreiners ausdrucksvolle, wandelbare Stimme."
skug: Zeros + Ones – Zwischenräume und Tagträume (Tobias Bolt, 2001), abgerufen am 07.04.2026 [https://skug.at/zeros-ones-zwischenraeume-und-tagtraeume/]- Diskografie (Auswahl)
2025 Live at Moers Festival 2022 - Vienna Improvisers Orchestra (LP; Not On Label)
2023 knuRRhahn - knuRRhahn (LP; Moozak)
2021 electropoeisis - Bernhard Loibner (Not On Label)
2020 So Far - knuRRhahn (Digital; smallforms)
2015 happy end - Bruckner (LP; Moozak)
2010 Unidentified Musical Subject - Bernhard Loibner (LP; Moozak)
2007 A completely random order never yields meaning (Digital; AudioTONG)
2007 H5N1 - Nerve Theory (Voicerespondence)
2004 Fragmented Memory - Bernhard Loibner (DVD; All Quiet)
2003 Planetary Disorder - Nerve Theory (DVD-R; All Quiet)
2002 _gestalt - Bernhard Loibner (All Quiet)
2002 Trans/Mute - Bernhard Loibner (All Quiet)
2001 Kaufkraft - Bernhard Loibner & Robert Woelfl (CD-R; All Quiet)
2000 Theory Music - Bernhard Loibner (All Quiet/ORF-Kunstradio)
1996 Hörsturz - Bernhard Loibner & Robert Woelfl (All Quiet)
1990 All Quiet On The Western Front - All Quiet On The Western Front (Groove Records)Tonträger mit seinen Werken
2015 Continuumix #19 (Not On Label) // Track 28: Follow
2007 Simultan03: Video And Media Arts Festival (DVD; Simultan Association) // Track 20: Bosa 2
2002 SchwittCD: Ein Beitrag Zu / A Contribution To (ORF) // Track 9: Big Ben; Track 19: Fümms Böö Wöö
1998 Oars With Ears - Attention: Go! (Respekt Ideenfabrik) // Track 6: Trans-Row
1997 Personal Human - Tom Sherman (Ars Electronica/ORF-Kunstradio) // Track 2: I've Got 527 Channels...; Track 6: Art In The Information Age...; Track 7: Info-Docu-Tainment...; Track 9: Museums Are Technology-Free Zones...; Track 10: Blankingals Gast-/Studiomusiker
2023 Unter Meinem Bett 8 (CD/LP; Oetinger Audio) // A6: Wohnung Mit Balkon; CD6: Wohnung Mit Balkon
2016 Mind the Gap #118 (Gonzo Circus) // Track 2: Further
2015 Monos / UИD - Opcion (LP; God Records) // B2: И BL
2007 Schmiede 06: Worksampler (Estrela Recordings) // Track 9: Clearance (Zanshinematic Version); Track 15: Smith1
2007 Processing Other Perspectives - Szely (Mosz)
2003 En Red O, LocAlgSon (CD-R)
2000 Beams - Meet the Radio Artists on Sound Off (CD-R; Sneh)
1997 Tom Sherman, Personal Human (Ars Electronica/Kunstradio)
1994 Jingles on "Zeitgleich" (CD/CD-R; Exhibition Catalogue/Kunstradio)
1994 Distance/Immersion on Sampling (Symposium Catalogue)- Literatur
mica-Archiv: Bernhard Loibner
mica-Archiv: Bruckner2008 Ternai, Michael: Interstellar Labelnight im Fluc. In: mica-Musikmagazin.
2010 Ternai, Michael: Bernhard Loibner – Unidentified Musical Subject. In: mica-Musikmagazin.
2010 Ternai, Michael: mica-Interview mit Bernhard Loibner. In: mica-Musikmagazin.
2011 MOOZAK FESTIVAL 2011 – festival for audio- video and installation art. In: mica-Musikmagazin.
2012 MOOZAK FESTIVAL 2012. In: mica-Musikmagazin.
2013 Karlbauer, Ada: mica-Interview mit Bernhard Loibner. In: mica-Musikmagazin.
2015 Karlbauer, Ada: BRUCKNER – "happy end". In: mica-Musikmagazin.
2015 Karlbauer, Ada: "Wir gehören zu keiner Szene. Wir sind eine ganz andere Baustelle." - Bruckner im mica-Interview. In: mica-Musikmagazin.
2022 Vienna Improvisers Orchestra meets Budapest Improvisers Orchestra. In: mica-Musikmagazin.- Quellen/Links
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Musikprotokoll im Steirischen Herbst: Bernhard Loibner (2013)
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