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Kapeller Martin

Vorname
Martin
Nachname
Kapeller
erfasst als
Komponist:in
Ausbildner:in
Musikpädagog:in
Musikwissenschaftler:in
Autor:in
Genre
Neue Musik
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1959
Geburtsort
Graz
Geburtsland
Österreich
Martin Kapeller

mit freundlicher Genehmigung von Martin Kapeller © Martin Kapeller

Martin Kapeller ist ein österreichischer Musikwissenschaftler, Komponist, Musikpädagoge und Musikforscher. Sein Wirken zeichnet sich durch die enge Verzahnung von Forschung, Komposition und körperorientierter Pädagogik/Lehre aus und steht exemplarisch für einen ganzheitlichen Zugang zu Musik als künstlerischer, wissenschaftlicher und menschlicher Praxis.

Nach der Matura begann Kapeller Ende der 1970er-Jahre ein Studium der Schulmusik in Graz, das er 1984 abschloss. In den späten 1980er-Jahren vertiefte Kapeller seine pianistische Ausbildung im Privatstudium, unter anderem bei Irina Möwius und Edward Mobbs. Anfang der 1990er-Jahre wandte er sich zudem intensiv der Körperarbeit zu und ließ sich in Lehrmethoden nach Heinrich Jacoby und Elsa Gindler einführen. Diese Erfahrungen prägten nachhaltig sein pädagogisches Denken und flossen später in seine musikdidaktische Arbeit ein.
Zwischen 2001 und 2008 studierte Kapeller Komposition und Musiktheorie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zu seinen Lehrern zählten bedeutende Vertreter der zeitgenössischen Musik wie Beat Furrer, Michael Jarrell, Chaya Czernowin und Dieter Torkewitz. In dieser Zeit entwickelte er eine eigene kompositorische Sprache, die sich vor allem im Bereich der Neuen Musik verorten lässt und durch eine sensible Auseinandersetzung mit Klang, Zeit und Struktur gekennzeichnet ist.

Seit den späten 1990er-Jahren tritt Martin Kapeller auch als Komponist hervor. Sein Œuvre umfasst Werke für Solo- und Ensemblebesetzungen, darunter Kompositionen wie die Fantasie für Violine solo, HOLZ.STÜCKE, Hommage à Schreker oder Nachtmusik.
Neben seiner kompositorischen Tätigkeit ist Kapeller seit vielen Jahren als Lehrer aktiv. Er unterrichtet Klavier, Musiktheorie, Satzlehre und Komposition in der Erwachsenenbildung, im privaten Unterricht sowie zeitweise an Hochschulen, unter anderem als Senior Lecturer an der Kunstuniversität Graz. Seine Lehrpraxis verbindet musikalische Analyse mit körperbewusstem Arbeiten und individueller Betreuung von Musikerinnen und Musikern.

Ein zentraler Schwerpunkt seiner musikwissenschaftlichen Forschung ist das Werk Franz Schrekers und dessen kulturhistorisches Umfeld um 1900. Seit 2013 arbeitet Kapeller an einem Dissertationsprojekt an der Hochschule für Musik Freiburg im Breisgau, das sich mit Schrekers Oper Der Schmied von Gent beschäftigt. Darüber hinaus befasst er sich mit Fragen historischer Interpretation, musikalischer Zeitgestaltung und theoretischen Aspekten von Tempo und Rubato.
Verena Platzer (2026)

Auszeichnungen & Stipendien

2009 3. Internationaler Kompositionswettbewerb für Celesta - Firma Schiedmayer, Stuttgart (Deutschland): Preisträger

Ausbildung

1977 Universität Graz: Biologie - Abbruch
1978–1984 Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz: Schulmusik, Konzertfach Klavier (Walter Groppenberger)
1984–1987 Freie Universität Berlin (Deutschland): Musikwissenschaft, Philosophie, Germanistik - ohne Abschluss
1984–1991 Berlin (Deutschland): Ausbildung zum Feldenkrais-Lehrer (Mia Segal)
1987–1989 Berlin (Deutschland): Privatunterricht Klavier (Irina Möwius)
1989–1991 Berlin (Deutschland): Privatunterricht Harmonielehre/Kontrapunkt/Kompositionsgrundlagen (Berthold Tuercke)
1989–2002 Berlin (Deutschland): Privatunterricht Klavier (Edward Mobbs)
1992–1997 Berlin (Deutschland): Einführung in die Arbeitsweise von Heinrich Jacoby/Elsa Gindler (Sophie Ludwig)
1994–???? Landmark Worldwide, Berlin (Deutschland): Persönlichkeitsentwicklung, Coaching, Leadership
1998–???? Berlin (Deutschland): Privatunterricht Komposition (Gösta Neuwirth)
2001–2008 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Satztechnik (Axel Seidelmann), Komposition (Beat Furrer, Michael Jarrell, Chaya Czernowin), Musiktheorie (Dieter Torkewitz) - Diplom
2013–2014 Hochschule für Musik Freiburg/Breisgau (Deutschland): postgraduales Studium (Janina Klassen) - Doktorat (Thema "Franz Schreker - Der Schmied von Gent")
2024–heute Akademie für individuelle Weiterentwicklung, Wien/Graz: berufsbegleitende Ausbildung zum Lebens-/Sozialberater

Ausbildung in Zen-Therapie (William Leigh, Audrey Nakamura)
Impulse von bekannten Komponist:innen/Musiker:innen, u. a. von: Gösta Neuwirth, Iván Eröd

Tätigkeiten

Berlin (Deutschland): Privatlehrer (Klavier, Feldenkrais) in Erwachsenen-/Kinderbildung
Schule für Ergotherapie - Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau, Berlin (Deutschland): Lehrer (Feldenkrais)

1998 Berlin (Deutschland): Beginn der Kompositionstätigkeit
1998–???? Klavierabende in privatem, halböffentlichen, öffentlichen Rahmen
2000–2001 Waldorfschule Berlin Mitte (am Mauerstreifen) (Deutschland): Lehrer (Musik, Chor)
2001–heute Wien/Deutschlandsberg: freier Musikpädagoge/Coach (Klavier, Gehörschulung, Komposition, Satzlehre), Komponist, Musikforscher (Schwerpunkte: Franz Schreker, Schrekers Zeitgenossen und kulturelles Umfeld, zeitgenössische Musik, historische Aufnahmen/Geschichte der Interpretation)
2018–2024 KUG – Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Senior Lecturer (Gehörschulung, Tonsatz, Partiturspiel, Kontrapunkt, Harmonielehre)
2024 KUG – Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Pensionierung
2025–heute Lehrer (Deutsch) für Flüchtlinge

ÖGZM – Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik: Mitglied
international bekannter Vortragender

Aufträge (Auswahl)

2012 Wien Modern: Siebenhundertundzweiundsechzig Rosenknospen

Uraufführungen (Auswahl)

2009 Ensemble Wiener Collage, René Staar (dir), Arnold Schönberg Center Wien: Hommage à Schreker (UA)
2013 Ensemble Wiener Collage, Jaime Wolfson (dir) - Wien Modern, Alte Schmiede Wien: Siebenhundertundzweiundsechzig Rosenknospen (UA)
2017 Julia Spaeth (s), Stefan Häusler (vl), Alfonso Gómez/Rei Nakamura (pf) - 80. Geburtstag Gösta Neuwirth, Konzertreihe "neue reihe" - Gesellschaft der Musikfreunde Donaueschingen, Donauhallen Donaueschingen (Deutschland): Für Gösta Neuwirth (UA)

Literatur

2009 Rögl, Heinz: Schönberg Center: Spannende neue Werke mit dem Ensemble Wiener Collage. In: mica-Musikmagazin.

Eigene Publikationen (Auswahl)
2003 Kapeller, Martin: Notturno – Artur Schnabels Weg zur Neuen Musik. In: Grünzweig, Werner (Hg.): Artur Schnabel. Bericht über das Internationale Artur-Schnabel-Symposion 2001. Archive zur Musik des 20. Jahrhunderts, Band 6/1. Hofheim: Wolke Verlag, S. 17–22.
2004 Kapeller, Martin: ELLY NEY. In: Finscher, Ludwig (Hg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart: Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume. 2. bearb. Ausgabe, Personenteil Band 12. Kassel/Basel/London/New York/Prag: Bärenreiter Verlag, S. 1042f.
2008 Kapeller, Martin: Klaviertrio. In: Schnabel Music Foundation (Hg.): Artur Schnabel: Partitur Klaviertrio, Vorwort zur Neuedition. New York/Hamburg: Peermusic.
2009 Kapeller, Martin: Klangperspektiven – aktuelle Tendenzen des Komponierens. In: Österreichische Musikzeitschrift 6/2009, S. 35–36.
2009 Kapeller, Martin: Joseph Haydn – Quellenforschung und Aufführungspraxis, Musikuniversität Wien, 22.-24. Juni 2009. In: Österreichische Musikzeitschrift 8-9/2009, S. 62–64.
2009 Kapeller, Martin: Die Wiener Schule und die Alte Musik, Arnold Schönberg Center Wien. In: Österreichische Musikzeitschrift 11-12/2009, S. 57–59.
2009 Kapeller, Martin: ensemble reconsil, Arnold Schönberg Center Wien, 8. Oktober 2009. In: Österreichische Musikzeitschrift 11-12/2009, S. 75.
2010 Kapeller, Martin: Zweierlei Kammersymphonien. Über Schönberg und Schreker. In: Österreichische Musikzeitschrift 1/2010, S. 14–21.
2010 Kapeller, Martin: Joseph Haydn im 21. Jahrhundert, 14.-17. Oktober 2009, Symposion Wien-Eisenstadt. In: Österreichische Musikzeitschrift 1/2010, S. 33–35.
2010 Kapeller, Martin: "selbständige Führung zweier Linien, …tastend…" - Michael Jarrell und Dieter Ammann. Ein Doppelportrait. In: Lucerne Festival Moderne I, S. 11–19.
2010 Kapeller, Martin: Schweigende Erkenntnis. Morton Feldman, Streichquartett Nr. 1. In: Wien Modern Festival Katalog 2010, S. 44–45.
2011 Kapeller, Martin: "Ich will Musik schreiben, die ich nicht hören kann", Interview mit Clemens Gadenstätter. In: Österreichische Musikzeitschrift 4/2011, S. 52–56.
2011 Kapeller, Martin: "Das Produktivmachen von Konflikten", Interview mit Christian Utz. In: Österreichische Musikzeitschrift 4/2011, S. 57–61.
2011 Kapeller, Martin: Musiktheorie als kreative Tätigkeit, Interview mit Clemens Gadenstätter und Christian Utz. In: Österreichische Musikzeitschrift 4/2011, S. 62–65.
2011 Kapeller, Martin: Artur Schnabel, Musiker. In: Artur Schnabel: String Quartet No. 1 • Notturno. Begleitheft. Osnabrück/Georgsmarienhütte: cpo, S. 4–6.
2014 Kapeller, Martin: Gleichzeitiges und Ungleichzeitiges. Was man von historischen Tondokumenten über Tempo rubato erfahren kann. In: Torkewitz, Dieter (Hg.): Im Schatten des Kunstwerks II: Theorie und Interpretation des musikalischen Kunstwerks im 19. Jahrhundert. Wiener Veröffentlichungen zur Theorie und Interpretation der Musik, Band 2. Wien: Praesens Verlag.
2017 Kapeller, Martin: Gleichzeitiges und Ungleichzeitiges. Was man von historischen Tondokumenten über Tempo rubato erfahren kann. In: Skamletz, Martin / Lehner, Michael / Zirwes, Stephan (Hg.): Musiktheorie im 19. Jahrhundert: 11. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie in Bern 2011. Schliengen, Markgräflerland: Edition Argus, S. 201–211.
2021 Kapeller, Martin: diverse Artikel (F. Charles Adler, Karl Böhm, Ferrucio Busoni, John Cage, Oskar Fried, Michael Gielen, Jascha Horenstein, Oswald Kabasta, Joseph Keilberth, Clemens Krauss, René Leibowitz, Ferdinand Leitner, Willem Mengelberg, Dimitri Mitropoulos, Pierre Monteux, Olga Neuwirth, Hans Rosbaud, Rebecca Saunders, Hermann Scherchen, Hans Schmidt-Isserstedt, Carl Schuricht, Leo Spies, Arturo Toscanini, Claude Vivier, Bruno Walter, Alexander Zemlinsky). In: Heidlberger, Frank / Schröder, Gesine / Wünsch, Christoph (Hg.): Lexikon des Orchesters: : Orchester und Ensembles weltweit - Geschichte und Aufführungspraxis - Komponisten und Dirigenten - Orchesterpraxis. Lilienthal: Laaber.

Quellen/Links

Wien Modern: Martin Kapeller (2013)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 21. 1. 2026): Biografie Martin Kapeller. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/182471 (Abrufdatum: 10. 2. 2026).

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