Neuwirth Gösta

Vorname
Gösta
Nachname
Neuwirth
erfasst als
KomponistIn
MusikwissenschaftlerIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Geburtsjahr
1937
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

1937 in Wien geboren. Aufgewachsen in Ried/OÖ. Besuch des humanistischen Gymnasiums und 1950 im dortigen Amerika Haus der Begegnung erster Kontakt mit der Musik von Schönberg, Varèse und Cage. Studium in Wien: Komposition bei Karl Schiske an der MHS, anschließend Musik- und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Die Ablehnung des von ihm gewählten Dissertationstheams über Franz Schrecker veranlasst ihn 1963 nach Berlin zu gehen. Er Übernimmt eine Lehrtätigkeit an der Freien Universität berlin und wird später im Archiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz tätig. 1973 kehrt er zurück nach Österreich um an den Universitäten in Graz zu unterrichten. 1983 wird er an die freie Universität Berlin berufen, um die Professur für Musiktheorie zu übernehmen. Seither lebt und arbeitet Gösta Neuwirth in Berlin.


Ausbildung
1944 ab diesem Zeit Violinunterricht, später auch Klavierunterricht
1950 Ried/Innkreis Humanistisches Gymnasium: Ausbildung, im dortigen Amerikahaus Begegnung mit Musik von Arnold Schönberg, John Cage und Edgard Varèse
1953 Graz Urania Graz: Kurs "Wiener Schule" (Harald Kaufmann)
1954 - 1962 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Formenlehre Ratz Erwin
1954 - 1962 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Schiske Karl
1954 - 1962 Kontakt zu Friedrich Wildgans, Ilona Steingruber und der österreichischen Sektion der IGNM
1954 - 1962 Universität Wien Wien Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Beginn der Arbeit an der Dissertation über Franz Schreker (nach Ablehnung Anton Weberns als Dissertationsthema)
1956 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Teilnahme
1958 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Teilnahme
1963 - 1968 Berlin Freie Universität Berlin: Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft
1968 Berlin Freie Universität Berlin: Dissertation über Franz Schreker

Tätigkeiten
1957 Wien Theater Die Arche: Mitbegründer
bis 1962: Inszenierungen und Bühnenmusiken
1963 - 1967 Berlin Freie Universität Berlin: wissenschaftliche Hilfskraft (Adam Adrio)
1968 - 1970 Berlin Mendelssohn-Bartholdy-Archiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Mitarbeit
1970 - 1972 Edition der Skizzen zur Oper "Von heute auf morgen" von Arnold Schönberg für die Arnold-Schönberg-Gesamtausgabe
1973 - 1982 Karl-Franzens-Universität Graz Graz Lehraufträge für Musikgeschichte
1973 - 1982 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Lehraufträge für Musikgeschichte
1982 - 2000 Akademie der Künste Berlin Berlin Professur für Musiktheorie; Forschungsschwerpunkt Musik des 15. und 20. Jahrhunderts

Aufträge (Auswahl)
1955 Karl-Franzens-Universität Graz Medizinische Fakultät
1977 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur
1990 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur
1993 Ensemble Zwischentöne L'absence
1996 Klangforum Wien

Aufführungen (Auswahl)
1981 Opernhaus Graz Graz
1993 Wiener Konzerthaus Wien
1994 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt
1995 Berlin Schauspielhaus Berlin
2000 Styriarte Personale
2001 Wien Modern
2007 Styriarte Neufassung Sinfonietta - für Streichorchester mit Klavier
2011 Klangspuren - Verein zur Förderung von Neuer Musik Schwaz Schwaz in Tirol aufgeführt von Solisten des Klangforum Wien Sieben Stücke für Streichquartett
Steirischer Herbst Personale

Auszeichnungen
1967 Freie Universität Berlin: Promotionsstipendium
1975 Stadt Graz Förderungspreis
1976 Stadt Graz Hugo-Wolf-Preis
1976 Musikprotokoll im Steirischen Herbst Kompositionspreis
1987 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Würdigungspreis für Musik
1988 Amt der Steirischen Landesregierung Johann-Joseph-Fux-Preis
1995 Stadt Wien Preis der Stadt Wien
2008 Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG Kompositionspreis und Auszeichnung für das Lebenswerk

Stilbeschreibung

 

Die Tonalität hat mich nie interessiert, aber nach einigen Jahren merkte ich, daß man nicht einfach so drauflos schreiben kann - es fällt einem irgendwas ein und dann hängt man etwas dran, was einem wieder einfällt. In dem Versuch, zu konstruktiven Grundlagen außerhalb der Tonalität zu kommen, verfiel ich damals als Bub auf Zahlenpermutation, und später wurde dieses Interesse dann aufgefangen von der Beschäftigung mit der Reihentechnnik. Aber zunächst begrenzte die Reihentechnik das Umgehen mit zahlenmäßigem Material. Und erst dann, als ich 17-18-jährig in Wien bei Karl Schiske studierte, da fing ich an, die Zeitstrukturen der Stücke jetzt zahlenmäßig festzulegen, weil das etwas war, was durch die Reihentechnik nicht gedeckt war.

 

 

Gösta Neuwirth, aus: "Meinl Kaffeel (Teil 2)" Gösta Neuwirth im Gespräch mit Werner Grünzweig und Mathis Huber, in: Gösta Neuwirth/im Auftrag der Stiftung Archiv Akademie der Künste hrsg. von Werner Grünzweig. - Hofheim: Wolke Verlag, 1997. - S. 65

 

 

Gösta Neuwirths Kompositionen sind Opusmusik im emphatischen Sinne. Daran ändert die mehrmals verwendete Aleatorik nichts. Sie sind, wie gesagt, geschlossene Welten, widersprüchlich, vielschichtig, oft rätselhaft, genau ausgemessene "Zeiträume", denn - wie der Komponist anmerkte - "die Zeit muß genau gemessen sein, damit sie frei wird". Mit einer Ausnahme: Der zwischen 1973 und 1981 entstandene 'Pisspott oder Pot of Pieces' ist eine Sammlung von 21 Klavierminiaturen, von denen viele nur wenige Sekunden, die längste 89 Sekunden dauert. Als ein "Topf archäologischer Reste", als "Miniaturporträts" hat der Komponist dieses Klavieralbum bezeichnet; dieser Stücklein-Topf sei ein "Welt-Bild wie im Märchen 'Vom Fischer un syner Fru'". An diesem seinem 'Mikrokosmos', seinem 'Játékok' läßt sich - wie bei Bartók und Kurtág - Gösta Neuwirths Musikdenken in nuce ablesen. Bloß ein "Zeitplan" ist dieses "Welt-Bild" nicht. Selbstverständlich sind auch die kürzesten Stücke bis ins letzte vermessen, und auf dieser Spielwiese zählt jeder Ton wie sonst kaum je in abendländischer Musik. Hier ist alles aufs äußerste komprimiert - und genau dadurch entsteht eine eigene Enigmatik. Der 'Pisspot' verlangt nicht bloß nach einem Pianisten, der jeden Ton zu gestalten weiß, der - mit Schönbergs berühmtem Wort über Weberns Opus 9 - versteht, "jeden Seufzer zu einem Roman auszudehnen". Der 'Piss-pot' erwartet auch, daß die Hörer dazu fähig seien.

 

Jürg Stenzl: "Entweder/Oder" Laudatio auf Gösta Neuwirth anläßlich der Verleihung des Johann-Joseph-Fux-Preises am 22. 10. 1989, ebenda S. 47


Pressestimmen

 

25. Juni 2007

 

Seit seinen Tagen als Kompositionsstudent in Wien strebt Neuwirth weg vom seriellen Ansatz hin zur Wahrnehmung im Detail, zum Ton als Ereignis, als künstlich geschaffenes Zeichen in einer als unmetaphorisch begriffenen Strukturalität von Musik. [...] Auszüge aus der Sinfonietta für Streicher (in der neuen Fassung: Kammerorchester) und Klavier (Clara Frühstück) erwiesen sich in einer sehr prägnanten Interpretation als elegantes, überaus reifes Meisterwerk des erst 18-jährigen Gösta Neuwirth, "Planctus", elfsätziges Experiment über die subjektive Zeitwahrnehmung, griff die Zeichenhaftigkeit der Musik faszinierend deutlich auf.

Neue Kronen Zeitung


Links Styriarte , Biographie (1997)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 4. 2020): Biografie Gösta Neuwirth. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/60894 (Abrufdatum: 5. 7. 2020).

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