Neuwirth Olga

Vorname
Olga
Nachname
Neuwirth
erfasst als
KomponistIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Instrument(e)
Trompete
Geburtsjahr
1968
Geburtsort
Graz
Geburtsland
Österreich

© Priska Ketterer

 

Geboren 1968 in Graz. 1985–86 Studium am Conservatory of Music, San Francisco (Komposition und Theorie) sowie am Art College, San Francisco (Malerei und Film), 1987–93 Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien bei Erich Urbanner sowie am Institut für Komposition und Elektroakustik. Wesentliche Anregungen durch Begegnungen mit Adriana Hölszky und Luigi Nono. 1993–94 Teilnahme am Stage d’informatique musicale des Ircam, Studium bei Tristan Murail, Paris.

 

Das Hinterfragen der gegenseitigen Abhängigkeit unterschiedlicher Wahrnehmungsqualitäten gehört zu den zentralen künstlerischen Anliegen Olga Neuwirths. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Klang-, Bild- und Sprachmaterialien verschiedenster Herkunft und Beschaffenheit, die ohne Rücksicht auf ihre Eigenschaften, aber mit viel Sinn für die Wirkung dramaturgischer Entwicklungen miteinander verbunden werden.


Ausbildung
1975 ab dem siebten Lebensjahr Unterricht Trompete
1985 - 1986 San Francisco Art College: Malerei und Film
1985 - 1986 San Francisco Conservatory of Music San Francisco Komposition und Musiktheorie Armer Elinor
1987 - 1993 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Urbanner Erich
1987 - 1993 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Elektroakustik Kaufmann Dieter
1987 - 1993 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Elektroakustik Zobl Wilhelm
1993 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom und Magisterium: "Über den Einsatz von Filmmusik in 'L'amour à mort' von Alain Resnais"
1993 - 1994 Paris Studium Murail Tristan
Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris Teilnahme am Stage d'informatique musicale
Sommerkurse Nono Luigi
Sommerkurse (Vinko Globokar)
wesentliche Anregungen durch Begegnungen mit Adriana Hölszky, Luigi Nono

Tätigkeiten
1994 Münchner Biennale München Jury-Mitglied
1994 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Mitglied
1996 DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst Berlin Gast
2006 Akademie der Künste Berlin Berlin Mitglied
2013 München Mitglied der Akademie der Künste München

Aufträge (Auswahl)
Forum Stadtpark Graz
ISCM/IGNM/SICM - Internationale Gesellschaft für Neue Musik
ORF - Österreichischer Rundfunk
Musikprotokoll im Steirischen Herbst
Wiener Festwochen
Die Staatstheater Stuttgart
Stuttgarter Tage für Neue Musik
SWR - Südwestrundfunk
Fondation Royaumont
Ensemble Modern
Klangforum Wien
Arditti Quartett

Aufführungen (Auswahl)
1994 Wittener Tage für Neue Kammermusik Witten Five Daily Miniatures
1997 Musica Viva München München
1997 Musik-Biennale Berlin - Internationales Fest für zeitgenössische Musik Berlin
1998 Salzburger Festspiele Salzburg Next Generation, Portraitkonzerte
1999 Wiener Festwochen Wien Bählamms Fest - Musiktheater in 13 Bildern nach Leonora Carrington
2000 Donaueschinger Musiktage Donaueschingen The Long Rain - Film-Musik-Projekt von Olga Neuwirth und Michael Kreihsl für vier Solisten [Bassfl., Bass- und Kbklar., Saxofone, Tuba], vier im Raum verteilte Ensemblegruppen und Live-Elektronik nach der gleichnamigen Erzählung von Ray Bradbury
2000 London Clinamen/Nodus - für Streichorchester, Schlagzeug und Celesta
2000 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt
2004 Wien Modern Wien ...ce qui arrive...
2004 Wiener Konzerthaus Wien locus ... doublure ... solus - Version für Klavier und Orchester
2004 Strasbourg (Straßburg) Festival Musica
2004 Helsingin Juhlaviikot/Helsinki Festival Helsinki
2005 Centre Pompidou
2005 Ars Musica Brüssel
2006 Salzburger Festspiele Salzburg "... miramondo multiplo ..." - für Trompete und Orchester
2006 Salzburger Festspiele Salzburg incidendo/fluido - für Klavier und Zuspiel-CD
2006 Hochschule der Künste Bern Bern Verfremdung/Entfremdung - für Flöte, Klavier und sechskanaliges Tonband
2007 Columbia University New York Lost Highway - Musiktheater nach David Lynch und Barry Gifford, Libretto von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth
2007 Kassel documenta 12 "... miramondo multiplo ..." - für Trompete und Orchester
2008 WDR - Westdeutscher Rundfunk Köln "... miramondo multiplo ..." - für Trompete und Orchester
2008 Philharmonie Luxembourg Luxemburg In Nacht und Eis
2009 Musikprotokoll im Steirischen Herbst Remnants of songs...An Amphigory - für Viola solo und Orchester
2010 Huddersfield "in the realms of the unreal"
2010 Madrid Laki
2011 New York Portraitkonzert
2011 Hamburg Clinamen/Nodus - für Streichorchester, Schlagzeug und Celesta
2013 London American Lulu - Neuinterpretation von Alban Bergs Oper "Lulu"
2019 Wien, Wiener Staatsoper: Uraufführung Orlando

Auszeichnungen
1992 Stadt Wien Förderungspreis
1993 Republik Frankreich Stipendium
1993 Max-Brand-Preis
1994 Theodor Körner Fonds Förderungspreis
1994 Austro Mechana - Gesellschaft zur Verwaltung und Auswertung mechanisch musikalischer Urheberrechte GesmbH Publicity-Preis
1995 DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst Gast des Künstlerprogramms
1996 Europäische Union Preis für Komposition
1997 Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main Hörspielpreis
1997 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
1999 Ernst von Siemens Musikstiftung Förderungspreis
1999 Schleswig Holstein Musik Festival Plöner Hindemith-Preis
1999 Stadt Wien Ernst Krenek Preis Bählamms Fest - Musiktheater in 13 Bildern nach Leonora Carrington
2000 composer in residence: Koninklijk Filharmonisch Orkest van Vlaanderen 
2002 Forum Neue Musik Luzern composer in residence
2005 Stadt Wien Musikpreis
2008 Stadt Heidelberg Heidelberger Künstlerinnenpreis
2008 UNESCO - United Nations Educational, Scientific an Cultural Organisation UNESCO Paris: Teilnahme am International Rostrum of Composers
2009 South Bank Show Award für Lost Highway
2010 Republik Österreich Großer Österreichischer Staatspreis
2010 Stadt Braunschweig Louis Spohr Preis
2011 Nominierung für den Österreichischen Filmpreis für "Das Vaterspiel"
2016 Lucerne Festival composer in residence

Stilbeschreibung

 

Das Hinterfragen der gegenseitigen Abhängigkeit unterschiedlicher Wahrnehmungsqualitäten gehört zu den zentralen künstlerischen Anliegen Olga Neuwirths. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Klang-, Bild- und Sprachmaterialien verschiedenster Herkunft und Bechaffenheit, die ohne Rücksicht auf ihre Eigenschaften, aber mit viel Sinn für die Wirkung dramaturgischer Entwicklungen miteinander verbunden werden.


Pressestimmen

 

 

2004

 

Das Einfache, leicht Erklärbare oder simpel Strukturierte ist nicht ihre Sache - ganz im Gegenteil: In den Werken der Komponistin Olga Neuwirth brodelt es unaufhörlich, es herrscht eine Verunsicherung, die dem Hörer förmlich den Boden unter den Füßen wegzieht. [...] 

Falter (Stefan Drees) 

 

2003

[...] Olga Neuwirth ist eine Komponistin, die sich wohl am intensivsten und inspiriertesten um die Vereinigung von Szene, Klang und Video-Elementen bemüht. Die Ausdrucksmittel des Films führen Neuwirths Musik-Theater gleichsam in eine weitere Dimension, die dritte oder auch die vierte: Das filmische Bild wird als weitere Schicht in die Werkstruktur eingefügt, ist unlösbar mit der Einheit der Komposition verschmolzen. [...] 

Neue Musikzeitung (Gerhard Rohde) 

 

3. November 2003

[...] Von Anfang an begeisterte und verstörte die Komponistin durch einen kompromisslos herben Klang, der sich in aufmüpfigen Verästelungen um keine Romantik, keine Sentimentalitäten, keine Psychologie und keine Anbiederung schert, sonder furchtlos direkt dem Hörer Klangwahrheiten an die Ohren schleudert. [...] 

Süddeutsche Zeitung (Reinhard J. Brembeck) 

 

21. Juni 1999

[...] Die dreissigjährige österreichische Komponistin, eine der herausragenden Erscheinungen ihrer Generation, schreibt - nicht nur hier, hier aber ganz besonders - quirlig bewegte, lustige, anspielungsreiche Musik ... mit seiner musikalischen Dramaturgie, etwa mit der Verbindung unterschiedlicher Klangräume, weist das Stück von Olga Neuwirth Ansatzpunkte auf, die mit Gewinn weiterverfolgt werden können. Vor allem aber ist es mit blitzender Phantasie erdacht, bietet es einen spannenden, nicht zuletzt auch unterhaltsamen Abend. [...] 

Neue Zürcher Zeitung (Peter Hagmann) 

 

1995

Zu 'Lonicera Caprifolium':
Mit harten (Film-)Schnitten und überraschenden Wendungen entwickelt Olga Neuwirth die Klangereignisse. Der Bewegungsgestus schlägt mehrmals um, entfaltet sich, bricht in sich zusammen und kippt in ein vielleicht nur vermeintliches Gegenteil um. Aus dieser Bewegung der Nachklänge entsteht ein instrumentales Rattern, dessen Verräumlichung die Funktion einer Instrumentierung zu übernehmen scheint. Ein Tonband-Solo bringt mit einem Sinustonakkord die Bewegung zum Stillstand. Doch spätestens von nun an scheinen in dieser Musik die Gegensätze einander zu kippen: Es ist ein rasender Stillstand, aus dem sich ein verhaltener Bewegungsgestus entwickelt, der seine Energie in einem Feld von Implosionen aufbraucht. Die Klangverschlingungen verlieren an Konturen, aus dem amorphen Feld tauchen kurz Tonbandklänge auf; die dem Geräuschfeld zugrundeliegende starre Harmonik gibt nur Raum frei für wie erstickte Bewegung, bevor sich aus dem erreichten Einzelton f ein elektronisch generierter Fächer öffnet. Im erneut aufgespannten Klangraum suchen sich schnelle, ornamentale Floskeln ihren Platz, und ebenfalls als Reminiszenz an Klangcharaktere aus der Anfangsphase des Werks tauchen Klangblöcke auf, sich voreinander schiebend. Doch waren die Ornamente einst treibende Kraft und die Akkorde Impulsgeber der Bewegung, scheinen sie nun erschöpft vom Wuchern und Treiben, aufgezehrt von der erdrückenden Umarmung der wild wuchernden Lonicera Caprifolium. Und wieder ist es ein paradoxer Bewegungszustand, eine bewegte Starre, mit der das Werk verklingt. In den Trillern und zerbrechlichen Mehrklängen von Tenorsaxophon, Baßklarinette und zweier präparierter Violoncelli treffen einander die Vergänglichkeit des Klingenden und die Künstlichkeit errichteter Klangräume. Olga Neuwirth läßt in 'Lonicera Caprifolium' die Klänge vom nervösen Energiepotential erzählen, das entsteht, wenn wildes Wuchern und zartes Umarmen, Derbheit und Zartheit einander nicht gegenüberstehen, sondern das eine im andern sich findet. 

Zeitfluß - Programmheft Salzburger Festspiele (Christian Scheib)

 

Lost Highway (Kairos)

 

Olga Neuwirth & ICI Ensemble (NEOS Jazz)

Der Tod und das Mädchen (col legno contemporary)

Chamber Music (Kairos)

Der Meister und die Zweiflerin (Schweizer Radio DRS)

Olga Neuwirth (Klangforum Wien, Kairos)

Todesraten (col legno)

Bählamms Fest (Kairos)

Dokumentation Donaueschinger Musiktage 2000 (col legno)

musica viva 02 (col legno)

Zeitenwechsel (35 Jahre DAAD)

Vom Eise befreit (EMI)

Neue Vocalsolisten Stuttgart (col legno)

Dokumentation Donaueschinger Musiktage 1995 (col legno)

Olga Neuwirth (Accord)


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Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 18. 4. 2020): Biografie Olga Neuwirth. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/60896 (Abrufdatum: 24. 11. 2020).

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