D'Ase Dirk

Vorname
Dirk
Nachname
D'Ase
erfasst als
KomponistIn
AutorIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Tradition/Moderne
Geburtsjahr
1960
Geburtsort
Antwerpen
Geburtsland
Belgien

Der Österreicher Dirk D'Ase hat sich in den letzten Jahren international mit Opern- und Orchesterkompositionen etabliert. Zu seinen wichtigsten Werken zählen 6 Opern, 4 Solo-konzerte, 1 Symphonie, Orchesterwerke sowie Orchesterlieder. Für die Saison 2003/04 wurde er vom Wiener Konzertverein als Composer in Residence im Wiener Musikverein bestellt. In derselben Saison wurde seine Oper "Einstein, Spuren des Lichts" zur 125-Jahrfeier Albert Einsteins in Ulm aus der Taufe gehoben und sein Cellokonzert bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt, wofür ihm das "Wiener Symphoniker Kompositionsstipendium" verliehen wurde. In weiterer Folge arbeitete D'Ase an seiner sechsten abendfüllenden Oper "Don Juan wird sechzig" (Libretto: Robert Schindel) im Auftrag des Wiener Mozartjahres 2006. Ausserdem wurde seine Tango-Oper AZRAEL am Stadttheater Trier (Deutschland) aufgeführt. D'Ase war "Composer Of The Year" an der Brüsseler Oper "La Monnaie" (Dir. Gerhard Mortier), Composer In Residence des Flandern Festivals und des Konservatoriums Wien. Seine Werke wurden u.a. im Wiener Musikverein, dem Wiener Konzerthaus, an der Carnegie Hall NY, der Juilliard School of Music NY, der Züricher Oper, der Brüssler Oper und der Philharmonie Köln, sowie bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt. Er arbeitete mit Künstlern wie Sylvain Cambreling, Ulf Schirmer, Hugo Wolf Quartett, Wolfgang Schultz, Peter Turrini, u.v.m. zusammen. D'Ase studierte Komposition bei Luciano Berio, Friedrich Cerha, und Krzysztof Penderecki, unternahm ausgedehnte Reisen durch den südlichen Teil Afrikas und schrieb eine Diplomarbeit über süd-ostafrikanische traditionelle Musik. Seine Reisen und Forschungen in Afrika hatten einen fundamentalen Einfluß auf sein kompositorisches Denken.


Ausbildung
1981 - 1986 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Cerha Friedrich
1985 Wien Privatunterricht Komposition Penderecki Krzysztof
1987 Wien, Radicondoli, Salzburg: Privatunterricht Komposition Berio Luciano
1988 - 1989 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Volksmusikforschung und Musikethnologie (Walter Deutsch, Gerhard Kubik)

Aufträge (Auswahl)
1983 Klangforum Wien La Monnaie, Brüssel: Auftragswerk für die Bestellung als Composer of the year Ottetto
1987 Festival Flandern Auftragswerk für die Bestellung als Composer in Residence Sauf-, Liebes- und Sterbelieder
1991 Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel Quatuor Danel: Auftragswerk für die Bestellung als Composer of the year: "1. Streichquartett"
1993 Kulturhauptstadt Europas, Antwerpen: Oper zur Eröffnung des Opernfestivals Red Rubber - African musicdrama in 2 Akten
1995 Wiener Konzerthausgesellschaft Burning Day
2000 Klangforum Wien Violinkonzert
2000 Neue Oper Wien Arrest - Musikdrama in einem Akt
2001 Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Klarinettenkonzert Blue Note - Klarinettenkonzert
2003 Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Auftragswerk für die Bestellung als Composer in Residence
2004 Stadt Ulm: Oper für die 125-Jahr-Feier von Albert Einstein Einstein in Amerika - Musikdrama in 2 Akten
2006 Wiener Mozartjahr Organisationsges.m.b.H. Oper in 3 Akten nach einem Libretto von Robert Schindel Don Juan wird sechzig - Musikdrama in 3 Akten

Aufführungen (Auswahl)
1996 Carnegie Hall New York Liederzyklus für die Österreichische Mezzosopranistin Brigitte Pinter "Turrini Lieder" Turrini Orchesterlieder
2000 Wiener Konzerthaus Wien im Rahmen des Festivals "Die lange Nacht der neuen Klänge" Violinkonzert
2000 WUK - Werkstätten- und Kulturhaus Wien Arrest - Musikdrama in einem Akt
2004 Theater Ulm Ulm - Deutschland Auftragsoper der Stadt Ulm Einstein in Amerika - Musikdrama in 2 Akten
2005 Festival St. Gallen Hommage a Scott Joplin and Ragged Time
2006 Kartause Mauerbach Die Leidenschaften des Don Juan
2008 Bregenzer Festspiele Komponistenportrait Songs of a redeeming Trumpet
2009 Ensemble Wiener Collage Arnold Schönberg Center Epiphania
2010 Ensemble Kontrapunkte Musikverein Wien Silberfluss, Feuermond... - Klangreise
2011 Antwerpen L'intruse - Musikdrama in 2 Akten
2012 Wien Modern Wien Azrael - Tango Oper

Stilbeschreibung

Dirk D'Ase setzt sich in seiner Musik zentral mit den besonderen Eigenschaften und Klangfarben der Instrumente und der menschlichen Stimme auseinander. Er entwickelt geschmeidige charakterisierende Gesangs- und Instrumentallinien, die freitonal große Intervallsprünge mit Tonrepetitionen sinnfällig und eingängig verbinden. Sein Grundton sind Sekundenklänge, in vielen Schattierungen von beißender Schärfe bis zum irrlichternden Klangteppich, oft übereinander geschichtet oder in flüchtige Instrumentalgesten aufgelöst.
"Alles, was ich mache, suche ich im und aus dem Leben", formuliert Dirk D'Ase eine Art künstlerisches Credo, das nicht nur in den vitalen Zügen seiner Instrumentalmusik verwirklicht scheint, sondern auch in den menschlich-zwischenmenschlichen Konflikten, mit denen D'Ase, ständig dem Dramatischen nachspürend sich auseinandergesetzt hat: Die Welt, die Menschen, das Leben - alles basiert für ihn auf Emotionen, denen man sich stellen muß: Direkte, unmittelbare Kommunikation ist es, was ihn interessiert: den Bauch zu treffen und im Bauch getroffen zu werden.
D'Ase hat sich eine eigene rhythmische Technik erworben, die zu einem Merkmal seiner Kompositionen geworden ist und die auf dem Grundprinzip afrikanischer traditioneller Musik basiert: das Interlocking System. Diese Technik verwendet D'Ase auch in der Klanggestaltung, indem individuelle Melodien zu einer neuen virtuellen Klanglichkeit zusammenwachsen. Er arbeitet häufig mit kleinen Notenwerten, macht die Musik dadurch aufgeladener, dichter, aber setzt dies immer wieder in Kontrast zu langsamen Kantilenen; Geschwindigkeit und Dichte könnten als Leitworte über D'Ases Musikschaffen stehen.
Hauptsächlichstes Ziel ist es dabei, den Zuhörer auf dieser Klangreise emotional zu treffen und in seinem unbewussten Innersten aufzurütteln. Dirk D'Ase arbeitet wie besessen für die Erfindung einer neuen Musiksprache für seine Musiker, Figuren und seine Geschichten.


Pressestimmen

2004

Leben zwischen Gittern. Wien: Die neue Oper von Dirk D'Ase. D'Ase hat den Stoff mit großer Sensibilität in Musik gesetzt, ohne schicken Schnickschnack, in einer gut gearbeiteten Mixtur aus Flächigkeit und Motorik und mit der Idee, eine Art fünfköpfiges Concertino mit der Aufgabe zu betrauen, jeden der fünf Gesangssolisten zu charakterisieren: ein achtbares und ernsthaftes Werk. Der warmherzige Beifall galt einem Werk, das die mitleidende Emotion nicht verbirgt. 

Salzburger Nachrichten (Derek Weber) 

 

2001

D'Ase entwickelt geschmeidige, die Insassen individuell charakterisierende Gesangslinien, die freitonal große Intervallsprünge mit Tonrepetitionen sinnfällig und eingängig verbinden. Sein Grund-Ton sind Sekund-Klänge, in vielen Schattierungen von beißender Schärfe bis zum irrlichternden Klangteppich, oft übereinander geschichtet oder in flüchtige Instrumentalgesten aufgelöst. Wohltuend offen und atmend ist seine Sprache, die humorvoll gelegentlich auch mal das Tonale streift oder, wie für Hornaks Porträt, Eklektizismus vermeidend Klezmer-Töne eben nur ahnen lässt. 

Die Deutsche Bühne 

 

25. Oktober 2000

Sein Handwerk beherrscht er in der Tat: Reste von Klangflächen werden überlagert von afrikanisch beeinflußten rhythmischen Pulsationen; mit großer harmonischer und klanglicher Raffinesse ist das Instrumentarium verwendet, blockartige Bildungen wechseln mit solistischen Quasi- Improvisationen. Und gekonnt setzt D'Ase alle Mittel zum Aufbau gezielter Steigerungen und Höhepunkte ein, Stimmungen und deren abrupte Umschwünge werden suggestiv charakterisiert - kurzum: Theatermusik, wie sie sein soll. Das Premierenpublikum zeigte sich zurecht beeindruckt. 

Das Orchester (Gerhard Kramer) 

 

Die neue Einstein-Oper hätte jeden TV-Pisatest bestanden. Denn Dirk D'Ase begriff sie als mathematische Herausforderung, als Versuch, Einsteins mathematisches und physikalisches Denken in Klang und Form zu übersetzen. So hat er eine akustische Entsprechung für die Lichtquanten gefunden, einen neunstimmigen Visions- und Relativitätstheorieakkord ersonnen und viel Zahlensymbolik bemüht. Entscheidend jedoch ist, dass er seine Hauptfiguren musikalisch identifizierbar gemacht hat ... 

Die Welt (Jan Schleusener)

 

Da entfaltet Dirk D'Ase freitonale Musik, nuancenreich und klangsatt dargeboten, ihre ganze Imaginationskraft und Farbigkeit. Ausgetüftelte Klangfarben-Effekte (Akkordeon, Glockenspiel, Triangel, Celesta etc.) und kompositorische Finessen dienen der akustischen Umsetzung des in Einsteins Leben so bedeutsamen Lichts; irisierende Streichercluster, gleißende Töne, dramatisch aufgeladene Klangbogen, vertrackte Rhythmen und winzige Reibungen verraten mehr von Einsteins komplexer Innenwelt als das gesamte Libretto. 

Das Orchester (Susanne Rudolph)


Links mica-Artikel: Ensemble Kontrapunkte mit vier Uraufführungen (Urbanner, Sterk, Heinisch, D’Ase)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 3. 2020): Biografie Dirk D'Ase. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/68612 (Abrufdatum: 10. 8. 2020).