Wagendristel Alexander

Vorname
Alexander
Nachname
Wagendristel
erfasst als
InterpretIn
KomponistIn
PerformancekünstlerIn
MusikerIn
Genre
Jazz/Improvisierte Musik
Neue Musik
Instrument(e)
Flöte
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

 

Schon 1974 erhielt Wagendristel ersten Flötenunterricht, studierte von 1980 bis 1990 an der Musikhochschule Wien und erhielt Unterricht in Flöte bei Werner Tripp,  Komposition besuchte er bei Friedrich Neumann, Heinrich Gattermeyer und Erich Urbanner. 1988 folgten der Besuch der Darmstädter Ferienkurse für neue Musik und ein Meisterkurs von Aurèle Nicolet. 1988-1992 war er Mitglied der Improvisationsgruppe „Things of NowNow“, bevor er dann 2002  mit Roland Freisitzer und Thomas Heinisch das ensemble reconsil gründete, das schon seit nunmehr 2007 auch einen wichtigen Zyklus im Arnold Schönberg Center bestreitet.


Ausbildung
1974 - 1980 Franz-Schmidt-Musikschule Perchtoldsdorf Flöte Wolf Robert
1980 - 1988 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Flöte Tripp Werner
1980 - 1990 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Tonsatz und Komposition (Friedrich Neumann, Heinrich Gattermeyer, Erich Urbanner)
1988 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm u. a.
1988 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom mit Auszeichnung Flöte
1988 Meisterkurs (Aurèle Nicolet) Flöte
1990 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Komposition mit Auszeichnung

Tätigkeiten
1986 seitdem Lehrtätigkeit bei verschiedenen österreichischen Musikschulen
1987 Orchester der Vereinigten Bühnen Wien Wien Erster Flötist
1988 - 1992 Wien Things of NowNow: Mitglied der Improvisationsgruppe
2002 Ensemble Reconsil Wien Wien Gründungs- und Ensemblemitglied; zahlreiche Kompositionen für das Ensemble, dessen Repertoireschwerpunkt neue und neueste Musik ist
2006 seitdem auch tätig als Komponist von Musicalsongs und Arrangeur

Aufträge (Auswahl)
New Opera Vienna Der Narr - Oper in 2 Akten
Wiener Saxophon-Quartett mehrere Auftragswerke
NetZZeit Die Liebe zu den drei Orangen - Singspiel in zwei Akten
ZeitgeNÖssischer Herbst
saxoscope - für Altsaxophon solo
Sinfonietta Baden
hörrohr Graz
Ensemble Kontrapunkte

Aufführungen (Auswahl)
Alte Schmiede Kunstverein Wien Wien
Steirischer Herbst Steiermark
Stadtinitiative Wien Wien
Wien Modern Wien
Aufführungen in den USA, Russland, Deutschland, Italien, der Schweiz, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Ägypten, Taiwan u.a.
Wiener Konzerthaus Wien Hörgänge Wien, Lange Nacht der Musik u.a.
2010 Weltausstellung/Exposition Mondiale (EXPO) Shanghai musikalische Gestaltung des österreichischen EXPO-Pavillions zusammen mit Susanne Kirchmayr 

Auszeichnungen
1985 1. Preis beim Kompositionswettbewerb "Neue Hausmusik" Zwei Stücke für Klavier vierhändig
1985 ORF - Österreichischer Rundfunk Preisträger beim Kompositionswettbewerb "Hast du Töne?"
1992 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
1997 Neuköllner Oper 3. Preis beim Kurzopernwettbewerb The very first Soap Opera
2001 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Erster Preis beim Kompositionswettbewerb TYPHON - für Klavier und Orchester
Stadt Wien Förderungspreis
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Förderungspreis
Theodor Körner Fonds Förderungspreis
Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Förderungspreis

Stilbeschreibung

 

Hauptträger meines musikalischen Denkens ist der Rhythmus, der entweder mathematisch berechnet oder als freie Wechselmetrik oder Polymetrik gestaltet sein kann. Meist entsteht eine Kombination aus allen drei Elementen, wobei Permutationen, Interlockingtechnik und (strawinskysche) Fortspinnungs- und Zellenarbeit stets für größtmögliche Flexibilität sorgen. Vorausberechenbarkeit soll möglichst ausgeschaltet sein oder den Hörer auf falsche Fährten locken. Eine ähnliche Doppelbödigkeit kennzeichnet auch mein melodisch-harmonisches Denken - hier werden oft künstliche Tonalitäten (durch selbsterfundene Modi) oder gleichzeitig einander zum Zwölfton-Total oder einer anderen Summenstruktur ergänzende Materialien verwendet.

 

 

Die harmonischen Möglichkeiten reichen vom Dreiklang, der aber in einem traditionelle Tonalität verhindernden Zusammenhang verwendet wird, bis zu Clustern und geräuschhaften Klangballungen. In meinen neuesten Werken wird auch verstärkt Mikrotonalität benützt. Alles ist auf Lebendigkeit hin konzipiert und oft auch mit etwas Humor verbunden - ich würde bei mir von surrealistischer Musik sprechen, auch da mich Dada und Surrealismus in Kunst und Literatur stark beeinflußt haben. Musikalische Einflüsse kann man bei mir von Strawinsky, Messiaen, mittelalterlicher Musik, außereuropäischer Folklore, Jazz und Rock bemerken, wobei diese nur sublimiert in meine Musik gelangen und voll in meinen Stil integriert werden.

 

In neueren Werken bildet die Grundlage ein Proportionssystem, das sich sowohl auf die zeitliche Ausdehnung als auch auf die Frequenzen der verwendeten Töne (auf Basis der Obertonreihe) bezieht. Ab 1994 treten wieder verstärkt klangliche Einflüsse und Techniken der landläufig als Avantgarde bezeichneten Musik auf (nachdem schon 1988/1989 ein starker Einfluß von György Ligeti festzustellen war), das Musikdenken der Nachkriegsavantgarde hat auch dazwischen meine Denkweise beherrscht (auch wenn es manchmal nicht hörbar ist); beim besten Willen nicht übernehmen konnte und werde ich den selbstverliebten Pseudotiefsinn, das "eitle Nachlauschen der Generalpausen" (Zitat Franz Koglmann), die intellektuelle Hochstapelei der Avantgardisten (?) der dritten Generation, die die Szene in Wien beherrschen, wo wir offensichtlich weiterhin dem Lauf der Musikgeschichte 30 Jahre nachhinken. Musik kann auch anders sein (und hat meiner Meinung nach auch anders zu sein!) als Selbstbespiegelung und Klage über die ach so schlechte Welt.

 

Meine Musik ist komplex, bemüht sich aber um Verbindlichkeit und Plastik der Aussage.

 

Alexander Wagendristel, 1994/1997


Pressestimmen

 

2006

 

Und es scheint bei ihm durchaus Programm zu sein, aus dem Hören von neuen Tönen Glückserlebnisse zu machen. Daß ihm das Musikschreiben genauso wie das eigene Musikhören enorme Freude macht, merkt man, sobald er darüber zu sprechen beginnt. Sein Komponistenhandwerk betrachtet er erfrischend unorthodox und ohne Scheuklappen in irgendeine ästhetische Richtung. 

Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (Daniel Ender) 

 

10. April 1994

Komponist Alexander Wagendristel hat sich mutig an das Märchen von Gozzi, welches Thomas Strittmatter neu getextet hat, herangemacht und seine Musik als humoristische Untermalung angelegt. Damit das Stück aber dennoch den Anspruch einer Oper verdient, hat er, schamlos, aber sehr amüsant, Anleihen bei allem, was gut und populär ist, genommen.

Täglich Alles

 

1994

Er strebt in seinen Werken nach größtmöglicher Erlebbarkeit für die Hörer bei dennoch weitgehender Konstruktionsarbeit.

ÖMZ - Österreichische Musikzeitschrift


Links mica-Porträt: Alexander Wagendristel (2010), mica-Artikel: Konzert des ensemble reconsil im Schönberg Center (Nachbericht) (2010), Wikipedia-Eintrag, The living composers project

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 4. 2020): Biografie Alexander Wagendristel. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/71864 (Abrufdatum: 5. 7. 2020).

Logo Notenverkauf