Utz Christian

Vorname
Christian
Nachname
Utz
erfasst als
BandmanagerIn
InterpretIn
KomponistIn
MusikerIn
MusikwissenschaftlerIn
AusbildnerIn
RedakteurIn
DirigentIn
Geburtsjahr
1969
Geburtsort
München

 

Christian Utz studierte Komposition, Musiktheorie, Musikwissenschaft und Klavier in Wien und Karlsruhe von 1990 bis 2000. Dieter Kaufmann, Diether de la Motte, Wolfgang Rihm und Erich Urbanner gehörten zu seinen Lehrern. 2002 wurde seine Dissertation unter dem Titel "Neue Musik und Interkulturalität" veröffentlicht. In weiterer Folge veröffentlichte er u.a. die Portrait-CD Site (Composers' Art Label).

 

Seit Herbst 2003 ist er Gastprofessor für Musiktheorie und Musikanalyse an der Kunstuniversität Graz. Außerdem ist er Gastdirigent des Ensembles China Found Music Workshop Taipei (chinesische Instrumente) und künstlerischer Leiter von AsianCultureLink Wien, das er 1999 mitgründete.

 

 

Entscheidende künstlerische Impulse empfing Utz u.a. durch die Begegnung mit Mauricio Kagel, Luca Francesconi, Brian Ferneyhough und Salvatore Sciarrino. Er beschäftigte sich von Anfang an mit einer Entgrenzung herkömmlicher kompositiorischer Konzepte und realisierte im Rahmen der Serie KlangArten eine Reihe intermedialer Projekte im Grenzbereich von Musik und Theater. Seine Erfahrungen mit elektronischer Musik wurden in Improvisations- und Kompositionskonzepte miteingebracht, in denen sich Instrumente und in Echtzeit durch das Computerprogramm MAX/MSP erzeugte Klänge aufeinander beziehen.

 

Seit 1998 stehen interkulturelle Konzeptionen im Mittelpunkt von Utz' kompositorischer Arbeit.


Ausbildung
1987 - 1988 Komposition, Musiktheorie (Russel Smith)
1989 Kompositionsunterricht (Agata Pyzel)
1989 - 1990 Formanalyse (Clemens Kühn)
1989 - 1990 Seminar (Manfred Trojahn)
1989 - 1990 Unterricht (Kay Westermann)
1990 - 1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Kaufmann Dieter
1990 - 1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Urbanner Erich
1990 - 1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Klavierpädagogik
1990 - 1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musiktheorie de la Motte Diether
1991 - 2002 Meisterkurse bei Ernst Helmuth Flammer, Mauricio Kagel, Emmy Henz-Diémand (Kl.), Luca Francesconi, Brian Ferneyhough, Salvatore Sciarrino
1993 - 1994 Hochschule für Musik Karlsruhe Karlsruhe Unterricht (Günther Reinhold) Klavier
1993 - 1994 Hochschule für Musik Karlsruhe Karlsruhe Philosophie Sloterdjik Peter
1993 - 1994 Hochschule für Musik Karlsruhe Karlsruhe Komposition Rihm Wolfgang
1993 - 1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Institut für Elektroakustik und Experimentelle Musik
1995 Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris Sommerakademie
1995 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musiktheorie: Abschluß mit zwei Arbeiten über Erwin Schulhoff und Edgar Varèse, Mag. art.
1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Klavier
1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Komposition
1998 Royaumont/Asnières-sur-Oise - Frankreich session du composition
1998 - 2000 Universität Wien Wien Doktoratssudium Musikwissenschaft (Prof. Manfred Angerer, Prof. Peter Revers); Promotion zum Dr. phil. (mit Auszeichnung)
1999 Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris "Stage d'informatique musicale"
2001 Klangforum Wien Kompositionsseminar, Künstlerhaus Boswil/Schweiz
2002 Ictus-Ensemble Brüssel "Composition Seminar"

Tätigkeiten
1991 - 1995 KlangArten Gründung (mit Thomas Dézsy), Realisierung verschiedener Konzepte an den Grenzen von Musik-Theater, Komposition und Improvisation
1993 Aufführung des gesamten Klavierwerks von Morton Feldman
1995 Offenes Kulturhaus Linz Linz internationales Festival für zeitgenössische Musikperformance "Das innere Ohr" (Kurator, Herausgabe des Festivalkatalogs)
1996 - 1997 Österreichische Musikzeitschrift Redakteur
1997 Computermusik-Workshop, Maribor/Slowenien: Pädagoge
1997 Zum Beispiel Tantalos: Musik-Theater im öffentlichen Raum
1998 Heidelberg European Foundation of Chinese Music Research CHIME: Vortrag
1998 - 2000 Dissertation über "Die Musik Tan Duns im Kontext interkultureller Rezeption in neuer westlicher und ostasiatischer Musik seit 1950"
1998 - 2001 Kooperationen mit asiatischen Künstlern und Ensembles, u.a. dem Dichter Yang Lian, Contemporary Music Ensemble Seoul und Wakatake Gagaku Society Japan, der Pipa-Spielerin Wang Ming und dem Ensemble China Found Music Workshop - Komposition für traditionelle ostasiatische Instrumente und gemischte Besetzungen
1998 - 2002 AsianCultureLink: Gründung zur Ermöglichung kulturellen Austauschs mit asiatischen Ländern
2000 Taipeh National Institute of the Arts in Taipei/Taiwan: Forschungsaufenthalt, Forschungsschwerpunkte "Das Verhältnis von traditioneller und neuer Musik in Taiwan seit 1970" und Aufbau eines Internet-Archivs zur zeitgenössischen Musik Taiwans; Seminare über die Aufnahme interkultureller Kompositionen; Seminare zu live-Elektronik-Musik
2000 - 2003 Taipeh Ensemble China Found Music Workshop: Dirigent bei internationalen Konzerten und Festivals (Wiener Konzerthaus; Deutschlandfunk; MaerzMusik/Berliner Festspiele)
2001 China Found Music Workshop: Europa-Tournee als Dirigent mit Konzerten in Köln (Deutschlandfunk), Wien und Zagreb (Music Biennale)
2001 Yamaguchi - Japan Wakatake Gagaku-Ensemble: Kooperation im Projekt Site, konzipiert und realisiert im Akiyoshidai International Art Village/Japan
2001 Venedig CHIME-Konferenz: Vorträge
2001 Leipzig International Isang Yun Academy: Vorträge
2001 - 2002 STUDIO PERCUSSION graz Produktionsleiter
2001 - 2003 Porgy & Bess Wien cross//roads: Konzeption der Veranstaltungsreihe mit ost-asiatischen und europäischen Komponisten
2002 China Found Music Workshop: Dirigent beim Eröffnungskonzert des Festivals "MärzMusik" der Berliner Festspiele
2002 Wien UtzMusic Prints Vienna: Gründung des Selbstverlags
2002 CD-Veröffentlichungen: "SITE" (instrumentale Werke 1999-2001) und "time freeze" (elektronische Musik, 96/02)
2002 Neue Musik und Interkulturalität. Von John Cage bis Tan Dun (Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft 51, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002): Veröffentlichung
2003 - 2004 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Gastprofessur für Musiktheorie und Musikanalyse
2004 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz seitdem Vertragsprofessur
2005 - 2006 Karl-Franzens-Universität Graz Graz Unterrichtstätigkeit (Lehrauftrag) am Musikinstitut
2007 - 2008 Gastprofessuren an der National Chiao-Tung University Taipei (Taiwan) und der University of Tokyo (Japan)
2008 Veröffentlichung der Portrait-CD "transformed" (Spektral Records)
2008 - 2010 Mitherausgeber des "Lexikons der Systematischen Musikwissenschaft" (Laaber Verlag)
2009 Konzerte, Vorträge, Workshops zur eigenen Musik in Jakarta (Indonesien)
2010 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Mitarbeit am Symposium "Musik und Sprache in der Musik der Gegenwart" in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikästhetik
2011 Alpen-Adria-Universität Klagenfurt Klagenfurt Gastprofessur in Angewandte Musikwissenschaft
2011 - 2013 Mitherausgeber des "Lexikons Neue Musik" (Metzler-Verlag)
2012 - 2013 Universität Wien Wien Lehre am Institut für Musikwissenschaft
2012 - 2014 Leitung des Forschungsprojekts "A Context-Sensitive Theory of Post-tonal Sound Organization", gefördert durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF)

Aufträge (Auswahl)
1995 Wiener Konzerthausgesellschaft Multimediale 4 Karlsruhe
1999 NewTon Ensemble Kulturtage Lana
2000 EXPO 2000 Hannover: Österreichisches Kulturprogramm
2001 Contemporary Ensemble Korea (traditionelle koreanische und westliche Instrumente) together // apart
2002 Reis&Brot/Duisburg
2003 Neue Musik in Europa Köln
2004 Wiener Konzerthaus
2006 PHACE | CONTEMPORARY MUSIC MaerzMusik Berlin, Berliner Festspiele
2009 PHACE | CONTEMPORARY MUSIC Theater Salihara, Jakarta (Indonesien)
2011 Schola Cantorum Stuttgart Klangforum Heidelberg
Voix Nouvelles Royaumont
Wiener Konzerthausgesellschaft

Aufführungen (Auswahl)
1991 Musikverein Wien
1993 St. Petersburg Soundways
1994 Theater des Augenblicks
1995 Hörgänge - Musik in Österreich
1996 Wien Modern Wien
1998 New York Sarah Lawrence College
1999 Radiokulturhaus
1999 Taipeh National Concert Hall Taipei (China Found Music Workshop)
2000 Weltausstellung/Exposition Mondiale (EXPO) Hannover zusammem mit dem Arditti-Quartett
2001 Eclat Festival Stuttgart zusammen mit dem Varianti Ensemble
2002 MaerzMusik - Festival für aktuelle Musik Eröffnungskonzert im Konzertsaal der Hochschule der Künste Interference [jiao die sheng luan] - für Klavier und 8 chinesische Instrumente
2003 Alte Feuerwache Köln Speculum - für vier Schlagzeuger
2004 Wiener Konzerthaus
2005 Stadtinitiative Wien passagen: durchleuchtung
2006 Darmstadt Akademie für Tonkunst the wasteland of minds
2007 Wellington - Neuseeland Asia Pacific Festival Wellington (Neuseeland)
2009 Theater Salihara, Jakarta (Indonesien)
2011 Heidelberg Klangforum Heidelberg

Auszeichnungen
1993 Erasmus: Stipendium für einen Studienaufenthalt in Karlsruhe
1996 Stiftung Kulturfonds Berlin Stipendiat im Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf bei Berlin auf Vorschlag von Mauricio Kagel
1996 Max-Brand-Preis für elektroakustische Musik
1997 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Förderung
1998 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
1999 Landeshauptstadt Stuttgart: Kompositionspreis
1999 Stipendium für einen 9-monatigen Aufenthalt am Künstlerhof Schreyahn
2000 Fondation Sino-Française Pour l'Education et la Culture (Council for Cultural Planning and Development), Taipei/Taiwan: Forschungsstipendium
2001 Akiyoshidai International Art Village Residence Support Program, Japan: Stipendium
2001 Österreichische Forschungsgemeinschaft: Projektförderung
2002 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Staatsstipendium für Komposition
2002 Österr. Bundesministerium für Unterricht und Kunst: CD-Verbreitungsförderung
2002 Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana - SKE Fonds seitdem regelmäßige Projektförderungen
2007 Stipendium des National Science Council Taiwan
2008 Österr. Bundesministerium für Unterricht und Kunst: CD-Verbreitungsförderung
2009 Amt der Steirischen Landesregierung Publikationsförderung des Landes Steiermark
2009 Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Publikationsförderung

Stilbeschreibung

In meiner Arbeit als Komponist versuche ich, "Kontextualität", also das Ermöglichen und Schaffen von Zusammenhängen zu thematisieren, wobei interkulturell akzentuierte Kontextualität seit 1998 im Vordergrund steht. Musik kann einen Rahmen bieten, in dem Beziehungen zwischen Kunst und Alltagserfahrungen hergestellt werden können, zwischen unterschiedlichen ästhetischen und kulturellen Identitäten, zwischen verschiedenen künstlerischen und sonstigen Äußerungs-formen. In dieser Rückkoppelung an die "Wirklichkeit" soll freilich der kunstspezifische Raum der Utopie oder des "ungelösten Rätsels" nicht verlorengehen - nicht eine Musik, die sich Forderungen des Alltags unterordnet, ist gemeint, sondern eine, die in der Wirklichkeit "konkrete Utopien" hörbar zu machen versteht.

 

"Synthese" kann in der Kunst etwas Gewaltsames haben, dagegen kann sich eine konkrete Utopie etwa in einer unabhängigen, hierarchiefreien Artikulation des Einzelnen zeigen. So wird eine weitaus komplexere Beziehung zwischen den Elementen möglich als in "gelenkten" Homogenisierungen, die tendenziell die Identität des Einzelnen zum Verschwinden bringen.br> Dies alles gilt verstärkt für die Auseinandersetzung mit Interkulturalität, d.h. mit mehreren kulturellen Identitäten, Traditionen, kulturell geprägten Sicht-, Denk- und Hörweisen. Der japanische Philosoph Kitaro Nishida (1870-1945) hat mit seinen beiden Begriffen "Widersprüchliche Selbstidentität" (mujunteki jikodoitsu) und "Diskontinuierliche Kontinuität" (hirenzoku no renzoku) Konzepte entworfen, die vielleicht umreissen können, was in meiner Musik seit 1998 angestrebt ist: "Weder hat die Identität bzw. das Allgemeine einen Vorrang über die Differenz bzw. das Einzelne noch besitzt das umgekehrte Verhältnis einen Vorrang. Beides ist gleichursprünglich und bestimmt sich gegenseitig. [...] Zeit ist weder eine bloße Kontinuität noch eine zufällige Reihe von Augenblicken. Zeit ist vielmehr das dialektische Zugleich von Kontinuität und Diskontinuität. Zugleich sind Ich und Du weder einfach identisch noch bloß absolut voneinander getrennt. Die diskontinuierliche Kon-tinuität bezeichnet somit einen Zwischenbereich, der die Extreme als falsche Vereinseitigungen zurückweist".

 

Rolf Elberfeld, Christian Utz


Pressestimmen

2003

Auch im "Unsichtbaren Theater" von Christian Utz, das er für die Maximalbesetzung geschrieben hat, wirkt die Live-Elektronik etwas einfach im Beschleunigen und Wandeln des Klanges. [...] Die Elektronik wirkt umso oberflächlicher, als Utz sonst vor expressiver Kraft und Fantasie nur so strotzt.

Aargauer Zeitung

 

20. November 2001

Noch expressiver war der Eindruck, den die Uraufführung von 'Kreise-Yuan' für Sopran (höchst virtuos: Angelika Luz), Instrumente und Tonband hinterließ - eine Komposition, die Christian Utz 1999 schrieb. Er wollte damit eine Art 'Musik-Sprach-Konstellation' schaffen, in der Gedichte von Yang Lian, Bo Juyi und Christine Huber rein musikalischen Teilen zugeordnet werden und so ein Prozess von Aktualisierung und Wiederbelebung in Gang gesetzt wird. Gerade die polyphonen Dialoge und Klangkombinationen wurden beim Konzert minuziös herausgearbeitet.

Badisches Tagblatt

 

16. Februar 2001

Utz evoziert durch die Einbeziehung von exotischen Instrumenten wie Pipa und Shakuhachi sowie durch Dauerglissandi von Steichern und Bläsern eine psychedelische Klangatmosphäre, wie ein Trip in tiefere Bewusstseinsschichten - eine echte Talentprobe.

Stuttgarter Zeitung

 

13. Februar 2001

Christian Utz ist mit "Kreise - Yuan" für Sopran, Instrumente und Tonband (1999) eine Synthese von japanischer und europäischer Kunstmusik gelungen. Die Scharniere, die Ost und West verbinden, sind so fein gebaut, so ausgetüftelt in ihrer harmonischen Bindungsfähigkeit, dass sich die Untertitel "Polymorphie I-V" und "Insel 1, 2, 3" wie von selbst erklären. Das Stück ist auch eine zarte Liaison von ost-westlichen Melodiestrukturen, feinstens ausgesponnen von Angelika Luz (Sopran).

Stuttgarter Nachrichten

 

19. Juni 1999

Der abwechselnd in Wien und auf Taiwan wohnende Komponist sondiert in gut zwanzig Minuten das "Spannungsfeld von westlicher und ostasiatischer Kultur". Seine Reise mit den vier Etappen Dunkelheit, Wunder, Tage und Weg gehorcht nicht nur dem Fernweh, sondern ist zugleich, dem Heimweh folgend, zwischen West und Ost eine Reise nach innen. In drei zwischen den Stationen gestreuten Schnittpunkten verwandeln sich jeweils drei Quartett-Musiker in Sprecher und Schlagzeuger. Sie haben ihre klassischen Saiteninstrumente gegen solche Instrumente wie Regenstab, Lamellofon, Peking-Opern-Gong und Klangschale ausgetauscht.
Das Ganze mochte anfangs verwirrend anmuten, doch zum Schluss besinnt sich Christian Utz auf ein ruhiges Klangband. Er folgt nun ganz der taoistischen Weisheit, dass große Musik wenig Klang habe. Diese ästhetische Wendung faszinierte.

Hannoversche Allgemeine Zeitung

 

7. Juni 1999

Die Zusammenstellung von Livemitschnitten aus Christian Utz' Werken überrascht durch eine klare rhythmische Tonsprache mit einer Tiefenwirkung ohne Missverständnisse - eine Seltenheit in der Neuen Musik. [...] Das Kaleidoskop verschiedenster Texte und Quellen [...] zeugt von der Sicherheit, mit der Christian Utz Sprache einzusetzen weiss. [...] Er vertraut auf die Kraft des fremdartigen Materials, und das Fehlen von allzu westlichen Gegenpolen lässt der Gegenüberstellung der sehr unabhängigen Text- und Musikebenen viel Raum und Zeit.

Dissonanz/Dissonance 80 (Rico Gruber)

Éloignement hieß das in mehreren Fassungen vorliegende Werk. [...] eine Raum-Klang-Aktion mit verblüffenden Hörerlebnissen. Der erste Teil konzentrierte sich auf Musik pur. Jan Czaijkowski spielte die 27 meist winzigen Partikel der Konzertversion von "Éloignement", hier als "Quarks" bezeichnet. Es sind heftig aufgeladene Sedimente, sehr expressiv, selten lyrisch, oft hitzig, geprägt durch klare Themen oder Motive, häufig mit hämmernder Rhythmik versehen. Der 20jährige Komponist [...] nutzt [...] das Tastenspekrum des Klaviers komplett aus. Erheblich komplexer präsentierte sich die simultane Aufführung der zwei Bearbeitungen für Flöte und Klaver, jeweils plus Elektronik. Utz setzte Zeitvorgaben, die Reihenfolge der Teile bestimmten die Ausführenden. Die Wiedergabe von Camilla Hoitenga und Jan Czajkowski wurde versetzt mit Geräuschen und Projektionen der Instrumentalklänge, hinzu kamen Gestik und Körperhaltungen (z.B. liegen, gehen), was zu einer enormen Verdichtung des Materials führte. [...] Der kräftige Beifall vom kleinen Publikum signalisierte deutlichen Zuspruch.

Landeszeitung, Niedersächsisches Tageblatt fr die Lüneburger Heide


Projekte/Diskographie:

  • 2008: transformed (Spektral Records)
  • 2002: Site (Composer's Art Label)
  • 2001: Internationales Kompositionsseminar Boswil 2001 (Künstlerhaus Boswil)
  • 1995: conserved (Extraplatte)