Schwertsik Kurt

Vorname
Kurt
Nachname
Schwertsik
erfasst als
KomponistIn
DirigentIn
MusikerIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Tradition/Moderne
Instrument(e)
Horn
Geburtsjahr
1935
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

© Christian Heindl

 

Seine Werke zeugen von Vorbehalten gegen jede Form der übertriebenen Ernsthaftigkeit, was sich häufig auch schon in der Wahl der Werkstitel manifestiert. Seine trotz Hinterlistigkeit gutmütige Musik wird von dem Wunsch getragen, Wahres und Wichtiges ohne Umschweife zum Ausdruck zu bringen, wobei der Komponist oft auch im Skurrilen nach tieferer philosophischer Bedeutung sucht, sich jedoch letzten Endes nie allzu ernst zu nehmen scheint. Musikästhetisch bleibt der Komponist dabei stets unvorhersehbar, da er sich nie auf die Wahl der Mittel festlegen lässt. Zweifellos hat Kurt Schwertsik es seiner leicht zugänglichen Tonsprache und humoristisch-ironischen Veranlagung zu verdanken, dass er zu einem der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten Österreichs geworden ist und sich inzwischen auch auf internationaler Ebene den Ruf als einer der bedeutendsten österreichischen Komponisten erworben hat.


Ausbildung
1949 - 1957 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Marx Joseph
1949 - 1957 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Schiske Karl
1949 - 1957 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Unterricht bei Gottfried von Freiberg Horn
1955 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Boulez Pierre
1957 - 1962 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Maderna Bruno
1957 - 1962 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Henze Hans Werner
1957 - 1962 IMD - Internationales Musikinstitut Darmstadt Darmstadt Leibowitz René
1957 - 1962 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Cage John
1957 - 1962 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Darmstadt Stockhausen Karlheinz
1959 - 1960 Köln Stockhausen Karlheinz
1960 - 1961 Stipendien für weitere Studienaufenthalte in Rom und London
1964 - 1965 Privatstudien Polnauer Josef
1966 Kailfornien (USA): Analyse (Oswald Jonas)

Tätigkeiten
1955 - 1959 Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester Hornist
1958 die reihe Wien Gründung des Ensembles (gemeinsam mit Friedrich Cerha)
1958 Wien seitdem Hornist, Dirigent
1962 - 1968 Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester Hornist
1965 Wien Wiener Salonkonzerte: Gründung (gemeinsam mit Otto M. Zykan)
1966 University of California, San Diego Gastvorlesungen (Riverside)
1968 MOB art & tone ART: Ensemblegründung (gemeinsam mit HK Gruber, Otto M. Zykan)
1968 - 1989 Wiener Symphoniker Wien Hornist
1979 - 1988 MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (früher: Konservatorium Privatuniversität Wien) Wien Lehrtätigkeit (Komposition)
1988 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Gastprofessur (Komposition)
1989 - 2003 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Professur (Komposition)
1996 - 1997 Wiener Concert-Verein Wien Composer in Residence
2006 Wien Joseph-Marx-Gesellschaft: Gründungs- und seitdem Vorstandsmitglied
Österreichischer Kunstsenat Wien Mitglied

Aufträge (Auswahl)
1962 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt Liebesträume - für sieben Spieler
1963 SWR - Südwestrundfunk ... für Audifax & Abachum - Symphonie für großes Orchester
1967 ORF - Österreichischer Rundfunk EXPO Montréal Österreichisches Quodlibet - für Kammerensemble
1971 ORF - Österreichischer Rundfunk Symphonie im Mob-Stil
1974 Kunsthalle Hamburg Skizzen & Entwürfe - für Streichquartett
1976 Oper Köln Walzerträume - Strauß & Strauß ... als das Tanzen noch geholfen hat. Ballett in zwei Akten
1977 Steirischer Herbst Konzert für Violine & Orchester - Romanzen in Schwarztinten-Ton & der geblümten Paradies-Weis
1978 Wiener Festwochen Epilog zu "Rosamunde" - für Orchester
1978 Salzburger Festspiele Tag- & Nachtweisen - im Ton des Mönchs von Salzburg und Herrn Marteins
1981 Die Staatstheater Stuttgart Das Märchen von Fanferlieschen Schönefüßchen - Oper in zehn Szenen
1980 Wiener Symphoniker Irdische Klänge - Symphonie in zwei Sätzen für großes Orchester
1996 Landestheater Linz Die Welt der Mongolen - Oper in drei Akten
2007 Mozarteumorchester Salzburg Neues Werk [N.N.]

Aufführungen (Auswahl)
1963 Museum des 20. Jahrhunderts (20er Haus) Wien Liebesträume - für sieben Spieler
1963 Musica Viva Prag Maly Sal Domu Umdon Salotto Romano - für zwölf tiefe Instrumente (2. Fassung)
1967 Montreal Weltausstellung Österreichisches Quodlibet - für Kammerensemble
1974 Hamburg Pro Arte Quartett Skizzen & Entwürfe - für Streichquartett
1975 Luzern Stadttheater Luzern Der lange Weg zur großen Mauer - Oper in zwei Akten nach einem Libretto von Richard Bletschacher
1978 Detroit - USA Detroit Symphony Orchestra Epilog zu "Rosamunde" - für Orchester
1979 Berliner Festspiele Berlin Komponistenportrait ("Keine Wiener Schule", mit HK Gruber u.a.) Aufführung u.a. von Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter - Bühnenmusik zu Fritz von Herzmanovsky-Orlandos parodistischem Spiel in einem Akt
1980 Wiener Symphoniker Musikverein Wien im Rahmen von "wien modern" Irdische Klänge - Symphonie in zwei Sätzen für großes Orchester
1983 Die Staatstheater Stuttgart Stuttgart Das Märchen von Fanferlieschen Schönefüßchen - Oper in zehn Szenen
1983 TV-Portraitfilm
1985 Wiener Konzerthausgesellschaft Geburtstagskonzert
1986 Toronto Canadian Piano Trio Bagatellen - für Klaviertrio in stark wechselnder Laune
1990 ÖNB - Österreichische Nationalbibliothek Porträtkonzert anläßlich einer Ausstellungseröffnung in der Musiksammlung zur Person Kurt Schwertsik, Aufführung mehrerer Werke u.a. Da Uhu schaud me so draurech au ... - Sieben Wienerlieder nach Gedichten von H. C. Artmann
1993 London Sinfonietta Queen Elizabeth Hall - Southbank Centre London shâl-i-mâr - Sieben Lieder nach Gedichten von H. C. Artmann
1996 Philharmonia Gaudi, Mexiko: Draculas Haus- & Hofmusik - Eine transsylvanische Symphonie
1998 Orquesta Cuidad de Granada, Auditorio Manuel de Falla, Granada Roald Dahl's Goldilocks - für Erzähler und Orchester
2000 ORF Radio Symphonieorchester Wien USA-Tournee, Aufführungen in Boston, Miami u.a. Sinfonia - Sinfonietta - Fünf Sätze für Orchester
2002 University of Wales, Arts Hall Blechpartie im neuesten Geschmack - für fünf Blechbläser
2003 Oper Bonn Frida Kahlo - Musik für Tanztheater
2005 Amsterdam Netherlands Chamber Orchestra, Concertgebouw Schrumpf-Symphonie - für Orchester
2005 Manchester - Großbritannien Royal Northern College of Music Twilight Music - Eine keltische Serenade für Oktett
2007 Peking Wake - A little string quartet for David Huntley
2008 Niederösterreichisches Tonkünstler-Orchester Musikverein Wien Divertimento - für Trompete und Orchester

Auszeichnungen
1960 Österreichisches Kulturinstitut Rom: Stipendium
1968 Stadt Innsbruck Kulturwochenpreis
1972 Stadt Wien Förderungspreis
1974 Republik Österreich Österreichischer Staatspreis
1974 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Würdigungspreis für Musik
1977 Republik Österreich Würdigungspreis
1980 Stadt Wien Musikpreis
1992 Republik Österreich Großer Österreichischer Staatspreis
1997 Republik Österreich Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
2006 Amt der Wiener Landesregierung Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
2015 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Silbernes Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
2017 Amt der Wiener Landesregierung Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

Stilbeschreibung

[...] Jede neue Generation will deutlich ihr Anliegen vorbringen: Deshalb wandelt sich der Stil. Und weil sie überzeugt ist, nun endlich den richtigen Weg zu den Herzen der Menschen eingeschlagen zu haben, so erscheint dieser Stil ihr auch fortschrittlich. Daß hinter jedem Stil letzten Endes die gleiche Bemühung steckt, wird gern übersehen. So schleicht sich auch in der Kunst Intoleranz, Verachtung, Kampf und Streit ein.
Bevor ich mich als junger Mensch voll Begeisterung in all diese Verwirrungen stürzte, lebte ich in dem Wahn, in gelehrten Büchern Erwachsener die Antwort auf meine Fragen zu finden. Bald aber merkte ich, daß die Tendenz der Gesellschaft dahin ging, Fragen, auf die sie keine Antwort hatte, als kindisch abzutun.

 

Ich entzog mich dem angemuteten Verdrängungs- und damit verbundenen Anpassungseffekt: Mit Leibes- und Geisteskräften wehrte ich mich dagegen, vom lethargischen Einverständnis der Gesellschaft erdrückt zu werden. Ich wollte mich und alle von den seelischen, geistigen und materiellen Zwängen befreien. Ich nahm mir das Recht, einen frischen Blick auf alle geheiligten Werke unserer Kultur zu tun. Heuchelei, Halbwahrheiten und Notlügen zur Rettung des widerwärtigen Status Quo wollte ich entlarven. Im Zürcher Dadaismus fand ich dann viel wonach ich suchte: Ausgelassenheit, Respektlosigkeit vor aufgeklebten Bärten, Selbstironie, Experiment und vor allem Aufbegehren gegen den bürgerlichen feierlichen Ernst, der den Krieg als Notwendigkeit rechtfertigt.
Heute weiß ich, daß ich im Grunde Künstler suchte, die Satie, Ives, Schwitters, Wittgenstein und Gandhi in einer Person sind. Ich suchte die Einheit von Leben und Werk, den Künstler, dessen Arbeit nicht nur Teil seines Lebens, sondern bei dem auch sein Leben Teil der Arbeit ist. Deswegen verehre ich Cage, er ist immer er selbst. Deswegen bin ich auch froh, daß Cornelius Cardew mein Freund war, erschrocken aber ruhig ist er seinen Weg gegangen.

 

Nach soviel Erinnerung sollten wir zum Schluß in die Zukunft blicken, am besten jeder in seine eigene! Dazu ein Hinweis: Ich warne jedermann, die eigenen Grenzen zu erkennen.

 

Kurt Schwertsik (aus: Boosey & Hawkes-Prospekt, Bonn, 1983, S. 8 f.)


Pressestimmen

2. Juni 2004

Ein Chorwerk [Anm: Fioretti per San Francesco] solchen Zuschnitts ist gewiß lange nicht geschrieben worden, beeindruckend auch für den unvorbereiteten Hörer, doch so raffiniert komponiert, dass es zu Bachs Zeiten wohl 'auch denen Kenner zur Ergötzung' empfohlen worden wäre. Kurt Schwertsiks Kunst beschert uns von Uraufführung zu Uraufführung Beweise für die These, daß auch in unseren Tagen gehaltvolle Musik geschrieben werden kann, ohne daß die Hörer zuvor einen Kurs besuchen müssen, um die Klänge, enträtseln zu können.

Die Presse (Wilhelm Sinkovicz)

 

5. Juni 2003

Schwertsiks Phantasie schweift weit aus, erzählt von spanischen Städten, von kribbelnder Tanzmusik, händeklatschender Perkussivität und einem enormen Schuss südländischer Lebensfreude, ohne dies in ein touristisch gefärbtes Ambiente erkundungswütiger Massenreisender einzubetten. Vielmehr bleibt er seinem Stil einer traditionsverbundenen Symphonik treu, die mit viel schon einmal Gehörtem durchzogen ist, aber immer wieder neu erfunden wirkt und die es mit Leichtigkeit schafft, restlos zu begeistern.

Oberösterreichische Nachrichten (Michael Wruss)

 

2003

Schwertsik gelang eine Oper, die inhaltlichem Anspruch gerecht wird, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, die Suggestivkraft entfaltet und dabei spannend unterhält [...] Er schrieb eine ungemein lebhafte, vielschichtige und humorvolle Musik, die den Ablauf des Geschehens prägnant stützt und zugleich Doppelbödigkeit schafft.

ÖMZ - Österreichische Musikzeitschrift

 

1993

Schwertsiks Musik zitiert geistreich und witzig alle möglichen Stilrichtungen

ÖMZ - Österreichische Musikzeitschrift (Christa Höller)


Links mica-Archiv: Kurt Schwertsik, mica-Artikel: Alles Gute zum 75. Geburtstag, lieber Kurt Schwertsik! (2010), Archiv der Zeitgenossen: Kurt Schwertsik, Boosey&Hawkes: Kurt Schwertsik, Österreichische Mediathek: Interview mit Kurt Schwertsik (1991)

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 23. 3. 2020): Biografie Kurt Schwertsik. In: mica music austria – Musikdatenbank. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/64558 (Abrufdatum: 2. 6. 2020).

Logo ÖKB