Francis Burt
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Mit freundlicher Genehmigung von Universal Edition/Eric Marinitsch ©

Burt Francis

Werke

# Titel EntstehungsjahrSortiericon Dauer Besetzung Gattung
1 Variationen eines alten Liedes 2012 5m
2 Mariens Wiegenlied - für Chor a capella 2011 5m
3 Mohn und Gedächtnis (für Paul Celan) - für Ensemble 2010
4 Bavarian Gentians - für Kammerchor und 6 Instrumentalisten 2001 13m
5 Mahan - Oper in sieben Bildern 1996 - 2007 2h
6 Blind Visions - für Oboe und kleines Orchester 1994 - 1995 17m
7 Streichquartett II 1993 - 1994 14m
8 Hommage à Jean-Henri Fabre - Eine bukolische Fantasie für fünf Spieler 1992 - 1993 15m
9 Für Alfred Schlee - Ein postmoderner Geburtstagsgruß für Streichquartett 1991 1m
10 For William - für neun Spieler 1988 5m
11 Echoes - für neun Spieler 1988 - 1989 10m
12 Morgana - Fünf Bilder für Orchester 1985 - 1986 15m
13 Und GOtt der HErr sprach - Betrachtungen nach einer goldenen Hochzeit für Mezzosopran, Bariton, Baß, zwei Chöre und großes Orchester 1976 - 1983 40m
14 Unter der blanken Hacke des Monds - für Bariton und Orchester nach Gedichten von Peter Huchel 1974 - 1976 17m
15 Barnstable oder Jemand auf dem Dachboden - Oper in einem Akt nach dem Schauspiel "Barnstable" von James Saunders in der Übersetzung von Hilde Spiel 1967 - 1969 55m
16 Fantasmagoria per orchestra - für Orchester 1963 14m
17 Der Golem - Ballett in einem Bild von Erika Hanka, Yvonne Georgi und Francis Burt 1959 - 1963 35m
18 Espressione orchestrale 1958 - 1959 13m
19 The Skull - Kantate für Tenor und Orchester, revidierte Fassung 1955 10m
20 Duo - für Klarinette und Klavier 1954 9m
21 The Skull - Cantata for Tenor and Piano from the play "The Revenger's Tragedy" by Cyril Tourneur 1953 - 1954 8m
22 Jamben - für Orchester 1953 10m
23 Musik für zwei Klaviere 1953 10m
24 Volpone or The Fox - Oper in vier Akten nach dem Schauspiel von Ben Johnson 1952 - 1958 abendfüllend
25 Serenata notturna - für Oboe, Klarinette und Fagott 1952
26 Hüte 1952 2m
27 Streichquartett 1951 - 1952 14m
28 Two Songs of David - for chorus a cappella 1951 6m
29 Three little piano pieces for J. J. 1949 3m

Allgemeine Information

Geburtsjahr:  1926
Geburtsdatum:  28. April 1926
Geburtsort:  London
Geburtsland: 
Todesjahr:  2012
Todestag:  3. Oktober 2012
Sterbeort:  Hartberg
Nationalität:  ,

 

Am 28. April 1926 in London geboren, fühlte sich Burt schon frühzeitig zur Musik hingezogen und verschrieb sich ihr nach seiner Schulzeit und einem kurzen naturwissenschaftlichen Intermezzo bald voll und ganz. Sein Entschluß Komponist zu werden, sah sich zunächst aber mit einem gewaltigen Störfaktor konfrontiert: Burt mußte für dreieinhalb Jahre (1944-1948) zum Heer einrücken. Nach England zurückgekehrt, studierte Burt in Oxford und an der Royal Academy of Music. Um sich kompositorisch zu vervollkommnen, ging er 1951 für drei Jahre nach Berlin, wo er in Boris Blacher den Lehrer fand, den er suchte. Ab 1951 entstanden die ersten vollgültigen Werke, die mit einer Opuszahl versehen, Eingang in die Werkliste fanden. 1956 entschloß sich Burt, nach je einem Jahr Aufenthalt in Rom und London, nach Wien zu übersiedeln, wo er nicht nur Gottfried von Einem kannte, sondern auch jene musikalische Atmosphäre fand, die seinem eigenen Wesen entsprach: wo jenes latente Espressivo, das seine Musiksprache auszeichnet, selbst die experimentellsten und neuartigsten Werke durchzog.

 

Zitat Francis Burt: "Interessanter als die Frage, warum ich kam, ist aber wohl, warum ich blieb. Erstens konnte man damals in Wien arm sein, ohne sich zu genieren, was mir sehr wichtig war, weil ich wirklich wenig Geld hatte und doch entschlossen war, womöglich keinen Brotberuf zu ergreifen. Außerdem habe ich immer empfunden, dass diese Stadt, die Stadt Nestroys, das bestmögliche Gegengift ist zu einer Erziehung, so wie ich sie 'genossen' habe. Also blieb ich - ich sagte immer 'vorübergehend ständig' - bis ich 1973 auf einen Lehrstuhl für Komposition an der Musikhochschule berufen wurde. Dann mußte ich das Wort 'vorübergehend' wohl oder übel streichen!" (frei zitiert nach: 'Musikalische Dokumentation Francis Burt' - Hartmut Krones, Hrsg.: Musiksammlung der österreichischen Nationalbibliothek, 1990)

Ausbildung

ZeitraumAusbildungInstrumentAusbildnerInOrganisationOrt
1943

St. Edward's School, Oxford: Higher School Certificate (Physik, Chemie, Mathematik)

1944 - 1945

University of Cambridge, Cambridge: Offiziersausbildung (Ingenieur)

1946 - 1947

Nigeria (Aba, Kaduna, Lagos): Oberleutnant

1948 - 1951

Komposition (Howard Ferguson)

1949 - 1951

Summer School of Music, Bryanston

1949 - 1951

Summer School of Music, Dartington

1951 - 1954

Komposition

1953

 

Tätigkeiten

ZeitraumTätigkeitOrganisationOrt
1973 - 1992

Professur (Komposition)

1987

Organisation der ersten Langen Nacht der neuen Klänge im Wiener Konzerthaus als Vizepräsident der Sektion Österreich

1989 - 1991

Institut für Elektroakustik: Leitung

1992

Emeritierung

Aufführungen (Auswahl)

ZeitraumAufführungWerkOrganisationOrt
1953
1953
1955
1955

IGNM-Fest

1956

Cheltenham Festival

1960

Cheltenham Festival

1960

Württembergische Staatsoper Stuttgart

1961

Festival Hall London

1964
1964

Lausanne

1965

Festival Hall London

1965

Landestheater Hannover

1966
1968

Theater an der Wien

1969
1969

St. Louis, USA

1972

bis 1978: National Opera Belgrad

1972
1976
1979
1982
1983
1984
1986
1991
1991

Festival de Paris

1994

Barbican Centre London

1994

Festival Hall London

1995
1997
1998

Francis Burt Tage

1999

Roumanian Athaneum

2000
2001
2002

Bled (Slowenien): " Three Little Piano Pieces for J. J.", "Hommage à Jean-Henri Fabre", u.a.

2006

Festkonzert des ÖKB

2007

Festkonzert "85 Jahre IGNM"

2011

Auszeichnungen

Time PeriodAuszeichnungWerkAuszeichnende Organisation
1954

Mendelssohn-scholarship

1956

Fondation Européenne de la Culture: fellowship

1957

Associate

1973

Förderungspreis

1978

Würdigungspreis für Musik

1981

Auszeichnung

1992

Großes Silbernes Ehrenzeichen

1994

Ehrenmitgliedschaft

2006

Ehrenmitgliedschaft

2006

Ehrenmitgliedschaft

2006

Österreichisches Ehrenkreuz I. Klasse

Stilbeschreibung

Nach eingehender Beschäftigung in der Mittelschule mit der klassischen und vor allem der romantischen Musikliteratur hat ein sechzehnmonatiger Aufenthalt 1946/1947 als Armeeoffizier in Nigeria einen sehr befreienden und anregenden Einfluß auf ihn gehabt. Vor allem die Trommelmusik der Ibo-Völker in Südostnigeria hat sein Interesse für die gestisch-tänzerischen, kinästhetischen Wesensmerkmale der Musik geweckt. Nicht, daß irgendwelche Elemente der Ibo-Musik in seiner Arbeit zu finden sind, aber fast das ganze frühe Werk ist vom Tänzerischen und Rhythmischen stark geprägt. So könnte man die 1960 an der Württembergischen Staatsoper uraufgeführte Oper "Volpone" beinahe eine Tanzoper nennen, denn es kommt zwar kein Ballett darin vor, aber sie ist voll von Tanzformen und von Musik, die die Bewegungen der agierenden Sänger gestisch darstellt. Das Ballett "Der Golem", 1965 in Hannover uraufgeführt, nimmt dann eine Schlüsselstellung in Burts Entwicklung ein. Angeregt durch den Stoff, der von ekstatischen religiösen Gefühlen durchdrungen ist, wird die Musik zunehmend melodisch und expressiv; die Festigkeit eines strengen Metrums wird geschwächt. In einem späteren Schlüsselwerk, "Unter der blanken Hacke des Monds", treten Klangflächenelemente hervor. Diese, von Anfang an zum Teil polyphon konzipiert, lösen sich in den darauffolgenden Werken wie etwa bei "Und GOtt der HErr sprach" beinahe zur Gänze in Vielstimmigkeit auf. Das Metrum wird weiter geschwächt, bis in den neuesten Werken der Takt so gut wie jede strukturelle Funktion verliert und das Tempo ständig in Veränderung begriffen ist.

 

"Ich schreibe jetzt in einem Stil, der in irgendeiner Weise von elektronischer Musik beeinflußt ist: schwebend, mit nur wenig spürbarem Puls, jedoch mit Klangbändern, -flächen und einer zunehmenden Überlagerung von Linien zu einem polylinearen Gefüge. Dennoch bleibt die Geste Ausgangspunkt für all meine Arbeit. In irgendeiner Bedeutung des Wortes war meine Musik immer tonal. Die letzten Reste der klassischen funktionalen Harmonie, die in 'Volpone' oft ironisch angewendet wurden, haben sich über die Jahre aufgelöst, aber im Sinne von Tonalität als Spannungsphänomen - und nicht nur als Synonym für funktionale tonale Harmonik - sind Spannungszentren beinahe immer spürbar."

 

Francis Burt

Pressestimmen

2001

Ich bin ein alter Mann und höre zu. Wer hinter diesem Satz etwa lethargische Resignation vermutet, der kennt Francis Burt nicht. Sein 75. Geburtstag im vergangenen April hat ihn nämlich keineswegs dazu verleitet, sich aus dem Musikleben zurückzuziehen, weder als Konzertbesucher, noch als Komponist - das schon gar nicht: "Ich weiß, was ich noch zu machen habe". Und wenn der frühere Hochschulprofessor für Komposition seinen offiziellen Ruhestand auch gerne auf seinem Bauernhof in der Oststeiermark genießt, sind selbst neun Jahre nach seiner Emeritierung Kontakt und Freundschaft zu den einstigen Studierenden nicht abgerissen - ehrliches Interesse am künstlerischen Wollen und Tun der Jungen, ständige musikalische Neugier und der daraus resultierende Einfluß auf die eigene Musik halten den Komponisten Francis Burt nach wie vor in Atem. 

Zeitschrift der Gesellschaft der Musikfreunde Wien (Walter Weidringer) 

 

30. März 1998

Auf diese Weise wurde Burts 2. Streichquartett aus 1992/93 mit den vielen flirrenden Klangflächen, den überzeugend formulierten Gedanken und den wohlproportionierten Abschnitten vorgestellt. Die Inhalte fügen sich gleichsam zu deutlich unterscheidbaren "Bildern", die sich ohne sonderliche Lautstärke mitteilen und durch Deutlichkeit und Konsequenz überzeugen. [...] Am Ende der Linzer Burt-Tage mit vier sorgsam gewählten Werken, jene für das Theater freilich ausgespart, zeigte sich ein Komponist mit höchst eigenständigem Profil. Seine Musik lebt in unserer Zeit, ohne Etiketten, aber voll Überzeugungs- und Aussagekraft. Sie entzieht auch der allgegenwärtigen verallgemeinernden Argumentationskette mit den Schlagwörtern "20. Jh. - Modern - Unverständlich" den Boden. 

Oberösterreichische Nachrichten (Franz Zamazal)