Lacherstorfer Julia

Vorname
Julia
Nachname
Lacherstorfer
erfasst als
MusikerIn
InterpretIn
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Pop/Rock/Elektronik
Weltmusik
Volksmusik/Volkstümliche Musik
Subgenre
Volksmusik
Weltmusik
Wienerlied
Instrument(e)
Violine
Geburtsjahr
1985
Geburtsort
Bad Hall
Geburtsland
Österreich

Foto © Julia Geiter

"Schon seit Kindheitsbeinen an flechten sich in Julia Lacherstorfers Leben vielfältige Musikerfahrungen in die Selbstverständlichkeit des Alltäglichen. Im Haus der Lacherstorfers im Oberösterreichischen Traunviertel werden seltsam anmutende Klänge, wie das Schnarren der Drehleier des Vaters, das Klackern des Spinnrades der Mutter oder das aus dem Obergeschoss dringende Akkordeonspiel des Großvaters  schnell zu vertrauten Klängen und Geräuschen, die Julias Kinderohren prägen. Beide Elternteile sind volksmusikantisch aktiv, weshalb sowohl der Tanzboden, als auch die Bühne zu vertrautem Terrain zählen. Aber nicht nur die heimischen Traditionen sind in den Alltag der Familie verwoben – auch der Austausch mit anderen Musikgruppen wird über Landesgrenzen hinweg gepflegt. In der schier unerschöpflichen Plattensammlung des Vaters offenbart sich der kleinen Julia ein musikalisch reichhaltiger und vielfältiger Kosmos, den sie sich nach und nach zu eigen macht. Auf den jährlich stattfindenden Musikant*innenwochen entpuppt sich schließlich die Geige als bevorzugtes Instrument und Ventil ihres kreativen Ausdrucks.

[...] Nach einem Schulmusik-Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, setzt die in jungen Jahren schon  sehr bühnenerfahrene Musikerin deshalb ihren Ausbildungsweg donauaufwärts an der Anton Bruckner Universität in Linz im Fach Jazz und improvisierter Musik fort.

Mit der Gründung des Ensembles "Alma" und dem Duo "Ramsch und Rosen" 2011 erfüllt sich Lacherstorfer einen langjährigen Wunsch, nämlich, sich an der Seite jener Partner*innen künstlerisch zu professionalisieren, denen sie sich musikalisch und menschlich am nächsten fühlt. Mit Ihnen gemeinsam widmet sie sich der Verwertung traditioneller Aspekte in der österreichischen und europäischen Volksmusik und achtet dabei stets auf die Transportierbarkeit in die heutige Zeit.

[...] Mit ihren mittlerweile mehrfach preisgekrönten Ensembles [...] hat die 33-jährige Musikerin bereits die etabliertesten Konzertbühnen und Festivals Österreichs (Wiener Musikverein, Wiener Konzerthaus, Brucknerhaus, Porgy & Bess) bespielt und konzertiert längst international. (Dänemark, Schweden, Irland, Spanien, Armenien, Peru, Mexiko, USA, uvm.)

Nicht zuletzt durch ihre langjährige Tätigkeit als Workshopreferentin im Bereich Volksmusik, Jodeln und Improvisation und durch die Übernahme der Intendanz des Festivals wellenklænge in Lunz am See seit 2018, nimmt Julia Lacherstorfer nun auch Einfluss auf Gegenwart und Zukunft, indem sie Musiker*innen und Künstler*innen eine Plattform bietet. Als Performerin und Komponistin besticht Julia Lacherstorfer durch ihre Spielfreude, Virtuosität und künstlerische Neugierde und ist deshalb aus der österreichischen Musikszene längst nicht mehr weg zu denken. [...]"
Julia Lacherstorfer: Biografie - ICH (2020), abgerufen am 30.06.2020 [https://www.julialacherstorfer.at/wp/ich/]

Stilbeschreibung

"Als Komponistin lotet Lacherstorfer die Grenzen zwischen Vertrautem und Unerwartbarem aus, zwischen der Eingängigkeit traditioneller Melodien und der Unberechenbarkeit, die improvisierter Musik innewohnt. Als Performerin legt sie besonderen Stellenwert auf den Bezug zum Publikum, lässt Bilder und Assoziationen zu, um ihre Musik nachvollziehbar und erlebbar zu machen."
Julia Lacherstorfer: Biografie - ICH (2020), abgerufen am 30.06.2020 [https://www.julialacherstorfer.at/wp/ich/]

"Julia Lacherstorfer ist eine ungeheuer vielseitige Klangkünstlerin. Keine stilistischen Berührungsängste prägen ihr Musiker-Berufsbild: Eine nach vielen Seiten hin offene kreative Neugier ermöglicht der musikantischen Energie der jungen Dame stets auf- & erregende Neupositionierungen. Trotzdem haben Ihre musikalischen An-, Um- & Absichten Unverwechselbares, fern von jedweder zeitgeistig weltmusikalischen Beliebigkeit. Fest verwurzelt in den austriakischen Alpenklängen lässt sie gerade diesen vermeintlich wohlvertrauten Heimat-, Stadl- & Stallklängen erfrischende wie gekonnte Radikalkuren zukommen."
Renald Deppe (2014), abgerufen am 30.06.2020 [https://www.julialacherstorfer.at/wp/ich/]

Auszeichnungen

2013 Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.: Bestenliste für die CD "Nativa" (mit ALMA)
2014 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: STARTstipendium
2015 Austrian World Music Awards, Internationale Gesellschaft für Neue Musik – IGNM Österreich: 2. Platz (mit ALMA)
2015 Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres der Republik Österreich: Stipendium "The New Austrian Sound of Music 2016–2017" (mit Ramsch und Rosen)
2017 Niederösterreichischer Kulturpreis, Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Anerkennungspreis in der Kategorie "Volkskultur und Kulturinitiativen" (mit ALMA)
2017 Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.: Bestenliste für die CD "Oeo" (mit ALMA)
2017 Deutscher Weltmusikpreis RUTH: Sonderpreis (mit ALMA)
2018 Pongauer Hahn, St. Johann im Pongau: Überregionaler Volksmusikpreis (mit Ramsch und Rosen)
2019 Stadt Wien: Förderpreis
2020 Hubert von Goisern und Jury: Hubert von Goisern Kulturpreis

Ausbildung

2003 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Musikwissenschaft, Pädagogik, Musikerziehung (Hauptfach Violine)
2003 Universität Wien: Psychologie und Philosophie
2010–2015 Anton Bruckner Privatuniversität Linz: Jazzstudium (Andi Schreiber, Peter Herbert, Christoph Cech) - BA mit Auszeichnung

Tätigkeiten

2004 Dozentin (Jodeln, Ensemblespiel in der Volksmusik) bei nationalen/internationalen Workshops (u.a. mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Volksmusikakademie Lesachtal, Musikschulmanagement NÖ, Kirchlich Pädagogische Hochschule Wien/Krems, Volkskultur NÖ, BORG St. Pölten, Volksschule Zelking, Schrammel.Klang.Festival, Steirisches Volksliedwerk, Burgenländisches Volksliedwerk, Artes Iuventutis, Anton Bruckner Privatuniversität Linz, Harald Haugaards International Fiddleschool / Dänemark, University of Limerick / Irland)
2011–heute freischaffende Musikerin im In-und Ausland
2018–heute wellenklænge – Festival für zeitgenössische Strömungen, Lunz am See: gemeinsame Intendanz mit Simon Zöchbauer

Mitglied in Ensemble/Band/Orchester
2005–2012 Aufstrich: Gründungsmitglied (Violine)
2005–heute triovial: Gründungsmitglied
2011–heute ALMA: Gründungsmitglied (Violine, Gesang)
2011–heute Ramsch und Rosen: Gründungsmitglied (Geige, Bratsche, Gesang), gemeinsam mit Simon Zöchbauer
2016–heute EXPANDA: Erweiterung der Besetzung von Ramsch und Rosen durch David Six (Klavier), Lukas Kranzelbinder (Kontrabass)
2018–heute Sharing Heritage Love Tree Ensemble: Mitglied (Violine, Gesang)

Aufträge (Auswahl)

2015 Company of Music: Vokalsstück "Metamorphoses"

Aufführungen (Auswahl)

2016 Wiener Konzerthaus: Metamorphoses (UA)

Pressestimmen

13. Oktober 2020
"Die Geigerin, Sängerin und Komponistin JULIA LACHERSTORFER, die seit Jahren mit ihrer Band ALMA für Furore sorgt, veröffentlichte mit „Spinnerin [a female narrative]” (Lotus Records) Mitte Oktober ihr Solodebüt. Die gebürtige Oberösterreicherin bringt auf dem Album etwas zu Gehör, das es bis dato quasi gar nicht gab. Zumindest nicht in den heimischen Regionen. Volkslieder, die ihre Geschichten aus der weiblichen Perspektive erzählen. Die mit dem HUBERT VON GOISERN KULTURPREIS ausgezeichnete Künstlerin besuchte Frauen der älteren Generation, lauschte ihren Lebensgeschichten und übertrug diese in Lieder, die in eindringlicher Form und kunstvollem Klang zu einem echten Hörerlebnis erwachsen."
mica-Musikmagazin: "Ich finde es schön, eine Spinnerin von vielen zu sein." - JULIA LACHERSTORFER im mica-Interview (Michael Ternai, 2020)

09. Dezember 2018
"Musik war für die beiden Schwestern aus Bad Hall schon immer eine wesentliche Selbstverständlichkeit, entstammen sie doch einer Familie, in der Volksmusik nicht gepflegt werden musste, weil sie ganz natürlich gelebt wurde. Seit vielen Jahren bereits prägen Marlene und Julia Lacherstorfer als kreative, virtuose Klangkünstlerinnen die heimische Musikszene mit ihren gemeinsamen Formationen, wie Alma und Aasgeiger, sowie ihren jeweiligen Projekten: aktuell u.a. Ramsch & Rosen (Julia), Ernst Moldens Frauenorchester, Clueso und Pressyes (Marlene). Die vielseitig virtuosen Stadt- und Landstreicherinnen sind stets für bereichernde Einflüsse aus aller Welt empfänglich. Mit musikantischer Energie pendeln sie zwischen E- und U-Musik und spannen ihre Bögen von vertrauter Volksmusik über neues Wienerliedgut und avantgardistischen Pop bis hin zu experimenteller Klassik."
Ö1 Gedanken: Marlene und Julia Lacherstorfer - Streichresultate (Peter Blau, 2018), abgerufen am 30.06.2020 [https://oe1.orf.at/programm/20181209/537939/Marlene-und-Julia-Lachersto…]

29. April 2014
"Wean hean widmet der Sängerin und Geigerin Julia Lacherstorfer einen Porträt-Abend. Dass ein Volksmusik-Album den Namen einer Stadt in den Pyrenäen trägt, ist so alltäglich nicht: Für Ramsch & Rosen steht dahinter programmatische Absicht: "Bellver" hat eine andere Schwingung, als es ein Dialektwort hätte. [...] Das mit Simon Zöchbauer (Trompete, Zither) betriebene Duo bietet neben groovigen "Schützentänzen" und einem "Grinzinger Schleunigen" auch improvisierte Miniaturen, eine Nummer von Jazzer Freddie Hubbard oder ein Jodlerlied, das mit Bordunklängen der indischen Tanpura unterlegt wird. Dass die 28-Jährige das neue CD-Opus im Zuge eines Wean hean-Porträt-Abends präsentieren kann, ist sinnvoll: Ist sie doch eines der markantesten Gesichter jener neuen Generation von Volksmusikern, die auf selbstverständliche Weise an Traditionen aller Richtungen andocken, ohne "Volksmusik" mit "x" zu schreiben. [...] Einen Satz von René Freund abwandelnd könnte man resümieren: Durch Musikerinnen wie Julia Lacherstorfer verliert die Volksmusik endgültig ihren Schrecken
Der Standard: Volksmusik - zeitgenössisch auch ohne X (Andreas Felber, 2014), abgerufen am 30.06.2020 [https://www.derstandard.at/story/1397521906496/volksmusik---zeitgenoess…]

20. März 2014
"Wenn das Rückgrat der Tradition freigelegt ist, beginnt Julia Lacherstorfer, eine neue Volksmusikwelt zu schaffen. Gekratzt muss vorher werden und geschürft. […] Flächen werden aufgerissen, Sounds geschaffen, die elegant fliegen wie Adler in einem Naturfilm. Immer geht es um Raum, jenen Raum, den eine alte, zigfach gehörte Musik braucht, um frische Luft zu bekommen. Und es ist auch der Raum, in dem Musiker sich intensiv auf die Suche machen können nach neuer Sprache, neuer Form, die zwar auf dem starken Rücken der Tradition ruht, aber eben doch in der Gegenwart lebt und in die Zukunft weist. [...] Mit der 28-jährigen Julia Lacherstorfer als einer derzeit zentralen Figur tritt eine rund zwanzig Jahre jüngere Generation an. Sie trifft auf eine Offenheit im künstlerischen Umgang mit alpenländischer Musiktradition, die in den 1980er-Jahren noch nicht existiert hat. Diese Generation muss weniger Kämpfe ausfechten, kann sich stattdessen eines so intellektuellen wie gefühlvollen Umgangs mit der Musik annehmen, um diese Kultur in neue ästhetische Freiräume zu führen. [...]"
Salzburger Nachrichten: Freies Spiel auf dem Rücken der Tradition (Bernhard Flieher, 2014)

Diskografie (Auswahl)

Als Komponistin
2020 Spinnerin [A Female Narrative] - Julia Lacherstorfer (Lotus Records)

Als Interpretin
2019 Cherubim - ALMA (Trikont)
2017 Oeo - ALMA (col legno)
2016 Schneckenkönig - Neuschnee (seayou Records)
2016 Bergen - Ramsch & Rosen (Lotus Records)
2015 Transalpin - ALMA (col legno)
2015 Alpine Transmigration - ALMA (Red Bull/ServusTV; nicht erhältlich)
2014 Prinzessin Himbeere - Verena Zeiner, Julia Lacherstorfer, Marlene Lacherstorfer, Mathias Koch (Eigenverlag)
2014 Bellver - Ramsch & Rosen (Lotus Records)
2013 Drachenhaut und Rosenmund - Märchen-CD mit Helmut Wittmann + Ramsch & Rosen (ATS records)
2013 Nativa - ALMA (col legno)
2011 Bipolar - Neuschnee (Problembär-Records)
2010 Spiele - Aufstrich (non food factory)
2009 eventuell! - esmeraldas taxi (Bibliothek der Provinz)
2008 Brot - Aufstrich (non food factory)
2002 Goldapfel und Zaubergoaß - Märchen-CD mit Helmut Wittmann (ATS records)

Literatur

mica-Archiv: Julia Lacherstorfer
mica-Archiv: ALMA
mica-Archiv: Ramsch und Rosen
2012 Ternai, Michael: Jeunesse X präsentiert ALMA. In: mica-Musikmagazin.
2014 Ternai, Michael: Ramsch & Rosen - Bellver. In: mica-Musikmagazin.
2015 mica: Musik-Nachwuchsprogramm THE NEW AUSTRIAN SOUND OF MUSIC 2016/2017. In: mica-Musikmagazin.
2015 mica: Federspiel sind die Gewinner der AUSTRIAN WORLD MUSIC AWARDS 2015. In: mica-Musikmagazin.
2017 Bruckner, Michael: wean hean - Das Wienerliedfestival. In: mica-Musikmagazin.
2017 mica: wellenklaenge 2017. In: mica-Musikmagazin.
2019 mica: Die letzten zehn Jahre - was hat sich getan?. In: mica-Musikmagazin.
2020 mica: wellenklænge 2020 - Verbunden & Vernetzt. In: mica-Musikmagazin.
2020 Ternai, Michael: "Ich finde es schön, eine Spinnerin von vielen zu sein." - JULIA LACHERSTORFER im mica-Interview. In: mica-Musikmagazin.

Quellen/Links

Website: Julia Lacherstorfer
Facebook: Julia Lacherstorfer
Wikipedia: Julia Lacherstorfer
YouTube: Julia Lacherstorfer
Website: SHARING HERITAGE
Website: ALMA
Website: Ramsch und Rosen
Website: wellenklænge – Festival für zeitgenössische Strömungen

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 31. 10. 2020): Biografie Julia Lacherstorfer. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/79272 (Abrufdatum: 5. 12. 2020).

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