Vienna Art Orchestra

Allgemeine Information

Gründungsjahr:  1977
Auflösungsjahr:  2010

 

Das Vienna Art Orchestra, eine der führenden Big-Bands Europas, wurde am 19. Mai 1977 in Wien von Mathias Rüegg gegründet. Nach einem kurzen, aber intensiven aktionistischen Beginn eroberte der junge Klangkörper mit seinem postmodernen Stil, irgendwo zwischen Wiener Schmäh und Avantgarde angesiedelt, die Konzertbühnen Europas (Tango from Obango, From No Time to Rag time, The Minimalism of Erik Satie u.a.). Ende der 80er-Jahre (die Zerfallserscheinungen traten schon vorher ein) löste sich die zehn Jahre lang konstante Besetzung um Wolfgang Puschnig, Lauren Newton, Roman Schwaller, Wolfgang Reisinger, John Sass und Christian Radovan auf, und es folgte eine Zeit der Neuorientierung, die erst wieder ab 1992, mit den Produktionen Fe & Males und La Belle et La Bête als gelungen bezeichnet werden kann. Eine zweite Generation von Musikern um Matthieu Michel, Andy Scherrer, Klaus Dickbauer und Florian Bramböck bildet seither das Rückgrat der Band, zusammen mit Bumi Fian und Harry Sokal. Rüegg zog sich als Komponist mehrere Jahre später zurück und arrangierte verschiedene thematische Programme wie European Songbook, Nine Immortal (Non)Evergreens for Eric Dolphy, Ballads, American Rhapsody, Duke Ellington's Sound of Love & All That Strauss. Bis 1997 spielte das VAO in kleinerer Besetzung, langjährige Musiker wie Herbert Joos, Uli Scherer und Heiri Känzig verließen die Band. Das 1998 (dank Thorsten Benkenstein) zur Big-Band erweiterte Orchester, das sich von seinen frühen Avantgarde-Anfängen zu einem reifen Klangkörper entwickelt hat, arbeitete von da an konsequent an dramaturgisch durchgestalteten & visuell konzipierten Programmen, und fühlte sich dem europäischen und dem amerikanischen Erbe gleichermaßen verpflichtet. Die Stimme spielte im Orchester eine große Rolle: Anna Lauvergnac folgte Urszula Dudziak und Lauren Newton.

 

Der Musikerpool des VAO vergrößerte, verjüngte und veränderte sich (Thomas Gansch, Arkady Shilkloper, Christian Muthspiel, Adrian Mears, Robert Bachner, Herwig Gradischnig, Martin Koller, Alegre Correa, Georg Breinschmid, Robert Riegler, Mario Gonzi & Jojo Mayer), vor allem auch in Bezug auf die stilistischen Anforderungen der verschiedenen Programme. Ab 2001 war das VAO mit zwei Rhythm-Sections, einer akustischen und einer elektrischen, unterwegs. Das europäisch-internationale VAO ist eine rare Großformation, die ausschließlich aus hochkarätigen Solisten besteht, trotzdem homogen klingt und auf Starssolisten verzichtet. Mit Artistry in Rhythm, A Centenary Journey sowie Art & Fun meldete Rüegg als Komponist wieder zurück.
2007 folgte die Trilogy "3" mit 39 Kompositionen, in denen es um eine Begegnung zwischen amerkanischer und europäischer Kultur ging. 13 amerikanische Schauspielerinnen trafen dafür auf 13 Europäische Denker. American Dreams, European Visionaries und Visionaries & Dreams hießen schließlich die drei Programme, mit denen das VAO im 30. Jubiläumsjahr 78 Konzerte bestritten hat.

 

Ab 2009 gab es wieder einen grossen Wechsel in der Besetzung. Nach zehn Jahren Big Band, "verwandelte" sich das VAO in ein Kammerorchester mit den Jazzsolisten Harry Sokal, Juraj Bartos und Nico Gori und der Schweizer Sängerin Corin Curschellas, und präsentierte das Programm "Third Dream", aus der Feder von Rüegg.
Das Orchester gab über 900 Konzerte in 55 Ländern, nahm mehr als 40 Tonträger auf, galt als offizieller Kulturbotschafter Österreichs und wurde vielfach, auch in den USA ausgezeichnet.

Sinkende Nachfrage und mangelnde Finanzierung zwangen das Orchester 2010 schließlich zur Auflösung, das Konzert am 9. Juli 2010 beim Musikforum in Viktring wurde zum Abschiedskonzert des Vienna Art Orchestras.

Besetzung/Stilbeschreibung

Anna Hauf (Gesang)
Juraj Bartos (Trompete & Flügelhorn)
Harry Sokal (Tenorsaxofon, Sopransaxofon, Flöte)
Joris Roelofs (Altsaxofon, Klarinette, Flöte)

Johanna Gröbner (Klavier, Perkussion)
Ernst Weissensteiner (Kontrabass)
Flip Philipp (Vibraphon, Marimba, Perkussion)
Ingrid Oberkanins (Perkussion)
Alegre Corrêa (Gitarre)

Roman Janoska (Violine)
Ivana Pristasova (Violine)
Andrew Jezek (Viola)
Michael Williams (Violoncello)

Thomas Frey (Flöte)
Hubert Kerschbaumer (Klarinette)
Matthias Kronsteiner (Fagott)
Vasile Marian (Oboe)
Aneel Soomary (Trompete, Piccolotrompete, Flügelhorn)
Markus Obmann (Horn)
Thomas Fischer (Waldhorn)
Domink Stöger (Posaune)

Mathias Rüegg (Leitung)

Diskografie, Auftritte, Projekte

Pressestimmen

So ist das "Vienna Art Orchestra" an Energie gewachsen, gleichermaßen an Disziplin, ohne allerdings die kreative Verspieltheit zu verlieren.

Wiener Zeitung

 

8. September 2002

Nach extremen Höhen (und nicht weniger extremen Tiefen) ist das Kunstorchester mittlerweile ein international etablierter Klangkörper.

Der Standard

 

2001

Der Auftakt mit dem "Vienna Art Orchestra" hätte furioser nicht sein können.

Jazzthetik

 

Das VAO ist nach wie vor ein Ensemble, das auf einzigartige Weise die unterschiedlichsten Traditionen des Jazz assimiliert und mit viel Selbstbewußtsein eine europäische Kunstform geschaffen hat.

Tiroler Tageszeitung

 

This music has substance. In performing it, the band reflects joy. Viva Europa!

Jazztimes

 

Montreal Jazzfestival [...] on stage was Austria's Vienna Art Orchestra, Mathias Rüegg's zany, unconventional big band that uses almost every instrument imaginable (inculding a didgeridoo, what kind of band uses a didgeridoo?), to create a hilarious, sometimes swinging, sometimes way out sonic palette. The show was spectacular.

Downbeat

Aufführende Organisation von (Person)

Auftraggebende Organisation von (Person)