Jarrell Michael

Vorname
Michael
Nachname
Jarrell
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Geburtsjahr
1958
Geburtsort
Genf
Geburtsland
Schweiz

 

1958 in Genf geboren, studierte Michael Jarrell Komposition in der Klasse von Eric Gaudibert am Genfer Konservatorium und in den Vereinigten Staaten (Tanglewood, 1979). Er absolvierte seine Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau (mit Klaus Huber).
Zwischen 1986 und 1988 lebte er in der Cité des Arts in Paris und beteiligt sich an der Ausrichtung von Computermusikkursen am IRCAM. Er lebte dann von 1988 bis 1989 in der Villa Medici in Rom, von 1989-1990 trat er dem Istituto Svizzero di Roma bei. Von Oktober 1991 bis Juni 1993 war er "Composer in Residence" mit dem Orchestre de Lyon. Seit 1993 ist er Professor für Komposition an der Universität Wien. Im Jahr 1996 wurde er als "Composer in Residence" beim Lucerne Festival begrüßt. Im Jahr 2001 erhielt er von den Salzburger Festspielen den Auftrag für ein Konzert. Im selben Jahr wurde er von der Republik Frankreich zum Chevalier des Arts et Letters ernannt. Im Jahr 2004 wurde er Professor für Komposition am Musikkonservatorium Genf. Seine Oper Galilei über das Leben Galileos (ein Auftrag des Grand Théâtre de Genève) wurde im Januar 2006 uraufgeführt.

 

Preis Acanthes (1983), Beethovenpreis der Stadt Bonn (1986), Preis Marescotti (1986), Gaudeamus und Henriette Renie (1988), Siemens Förderungspreis (1990): Seit 1982 hat seine Arbeit zahlreiche Auszeichnungen erhalten.


Ausbildung
Genf Konservatorium Genf: Komposition und Musiktheorie (Eric Gaudibert)
Hochschule für Musik Freiburg/Breisgau Freiburg/Breisgau Komposition Huber Klaus
Hochschule für Musik Freiburg/Breisgau Freiburg/Breisgau Musiktheorie (Peter Förtig)
Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris Kurse in Computermusik
diverse Seminare und Musikworkshops in den USA (Tanglewood u.a.)

Tätigkeiten
1986 - 1988 Paris Cité des Arts: Composer in Residence
1988 - 1989 Rom Académie de France, Villa Medici: Composer in Residence
1989 - 1990 Rom Istituto Svizzero di Roma: Mitgliedschaft
1991 - 1993 Lyon Orchestre de Lyon: Composer in Residence
1993 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien seitdem Lehrtätigkeit für Komposition und Tontechnik
1996 Lucerne Festival Luzern Composer in Residence
2004 Genf seitdem Lehrtätigkeit in Komposition am Konservatorium Genf
2015 - 2016 Berlin Mitglied des Wissenschaftskollegs zu Berlin (WiKo)

Aufträge (Auswahl)
1984 Stadt Genf Trace-écart - für Sopran, Alt und Ensemble
1985 Stadt Genf Instantanés - für großes Orchester
1986 Stadt Genf Eco - für Sopran und Klavier
1986 Fondation Pro Helvetia Essaims-crimbles - Kammerballett für Baßklarinette und Instrumentalensemble
1987 Republik Frankreich Formes-Fragments - für 6 Stimmen und Instrumentalensemble
1987 Republik Frankreich Modifications - für Klavier und 6 Instrumente
1988 Deutsches Institut Bremen Eco II - für Stimme und Kammerensemble
1989 Salzburger Landestheater Der Schatten, das Band, das uns an die Erde bindet - (L'ombre, cette bande qui nous relie à la terre). Ballett für großes Orchester
1989 SWR - Südwestrundfunk ... d'ombres lointaines ... - für Sopran und großes Orchester
1990 Steirischer Herbst Assonance V ... chaque jour n'est qu'une trêve entre deux nuits ... ... chaque nuit n'est qu'une trêve entre deux jours ... - für Violoncello und 4 Instrumentalgruppen
2001 Salzburger Festspiele Abschied - für Klavier und Orchester
2005 Grand Théâtre de Genève Galilei - Oper in 12 Szenen

Aufführungen (Auswahl)
1984 Aspen Festival Assonance - für Klarinette solo
1986 Genf Salle Ansermet Eco - für Sopran und Klavier
1989 Radio France   Eco II - für Stimme und Kammerensemble
1992 Conservatoire Liége: Ancienne salle From the leaves of shadow - für Bratsche und Orchester
1994 Paris Théâtre du Châtelet, Uraufführung Cassandre (franz. Version) - Monodram für Schauspielerin, Ensemble und Elektronik
1998 Wittener Tage für Neue Kammermusik Witten Zeitfragmente - für Streichquartett
2006 Genf Grand Théâtre de Genève, Uraufführung Galilei - Oper in 12 Szenen

Auszeichnungen
1983 Centre Acanthes: Kompositionspreis Assonance - für Klarinette solo
1986 Stadt Bonn: Beethovenpreis Trei II - für Sopran und 5 Instrumente
1986 Marescotti-Preis
1988 Académie des Beaux Arts: Henriette-Renié-Preis Conversions - für Harfe und Streichorchester
1988 Gaudeamus Foundation Erster Preis beim Internationalen Komponistenwettbewerb Instantanés - für großes Orchester
1990 Ernst von Siemens Musikstiftung Förderungspreis
2000 Musica Nova Helsinki – Festival der Neuen Musik Auszeichnung
2001 Republik Frankreich Kulturministerium Frankreich: Chevalier des Arts et Letters
2010 Stadt Wien Preis für Musik

Stilbeschreibung

Musik ist für mich ein Wechselwirken von zwei Elementen: des akustischen Materials und der geistigen Idee. Sie ist sowohl ein Mittel des Ausdrucks als auch ein Handwerk, das auf tägliche Arbeit angewiesen ist. Das akustische Material verlangt Vorbereitung, Anordnung und auch Auswahl, um die geistige Idee tragen zu können. Während sich der Großteil des akustischen Materials in der klassischen Musik in eine Art allgemeinen Bewußtseins eingegliedert hat, wodurch der Zugang erleichtert wurde, führen die Erweiterung dieses Materials im 20. Jahrhundert und das Fehlen eines allgemein akzeptierten Systems zu wichtigen Problemen für die Wahrnehmung. Außerdem spielen in der Musik als einer nicht signifikanten Kunst vor allem linguistische Strukturen eine bedeutende Rolle. Wenn ich komponiere, muß ich mich systematisch für eine bestimmte Auswahl entscheiden, wodurch die Aufeinanderfolge der Ereignisse und die Abfolge der Form bestimmt wird. Einmal ein Entschluß gefaßt, gibt es keinen Weg zurück. In diesem Sinne gleicht die Komposition einem baumartigen System: Ein Motiv, eine Gestalt kann sich auf unterschiedliche Art und Weise entwickeln. Bestimmte Elemente eines Stückes können zum Keim eines anderen werden. Meine Arbeitsmethode ist an psychoakustische Phänomene und die Suche nach einer Sprache gebunden; es wird eine für den Zuhörer nachvollziehbare Formulierung, eine zufriedenstellende Übereinstimmung zwischen Sprache und Wahrnehmung angestrebt, die auf dem Einsatz von erkennbaren Elementen wie Motiven, "gefrorenen" Tonhöhen oder musikalischen Gesten beruht. Ebensowenig wie ich beabsichtige, Tabula rasa mit der Vergangenheit zu machen, möchte ich auch beim Aufbau meiner Stücke nicht immer vom Nullpunkt ausgehen. Im Gegenteil; was mir vor allem wichtig ist, ist die entwickelnde Arbeit an Elementen, die ich besser und besser beherrsche, um somit einen gewissen fließenden Ablauf zu erreichen und eine bezeichnende Kontinuität zwischen den einzelnen Werken zu schaffen. Begeistert von Künstlern wie Giacometti oder Varèse, die unentwegt an ein und derselben Idee arbeiten, empfinde ich meine eigene Entwicklung als eine Art "Auto-Analyse".

 

Michael Jarrell (zitiert aus dem CD-Beiheft Musikprotokoll '90, 1990)


Pressestimmen

28. Jänner 2006

Brecht-Oper: Es gibt ein Leben nach Mozarts Tod
Michael Jarrell, Meister der schwebenden Klänge, hat ein ganz und gar nicht ätherisches Sujet für seine erste abendfüllende Oper gewählt: Bertolt Brechts "Leben des Galilei"[...] In den oft atemberaubend dicht geschichteten Ensembles behält jeder seinen Charakter, seinen Rhythmus, seine Farbe bei. Hier hat das Stück seine erregendsten Momente. Das Publikum der Genfer Oper nahm die zwei Stunden pausenlos ablaufende Novität konzentriert und zuletzt mit viel Applaus zur Kenntnis. 

Die Presse (Wilhelm Sinkovicz) 

 

30. April 1998

Suche nach der dunkleren Stille
Die 30. Wittener Tage für Neue Musik wollen Künste und Wahrnehmungen vernetzen
Daß am Ende doch alles wieder Melodie wird, wie Christian Wolff einmal bemerkte, frustriert auch dessen Kollegen nicht [...] Auch nicht Michael Jarrell, dessen Streichquartett "Zeitfragmente" (gespielt vom Arditti-Quartett) zwischen Statik und Beschleunigung, zwischen auftrumpfendem Forte und im Nichts versickerndem Piano, zwischen Klangfeldern und -Punkten die unfaßbare Mitte sucht, die wir "Gegenwart" nennen. 

Berliner Zeitung (Raoul Mörchen) 

 

1996

[...] eine Meisterschaft der Nuancierung und des figurativen Reichtums, verbunden mit einer durchaus kammermusikalische durchhörbaren Genauigkeit.

Falter (Jürg Stenzl)


Links Editions Henry Lemoine: Michael Jarrell