Geboren 1968 in Graz. 1985–86 Studium am Conservatory of Music, San Francisco (Komposition und Theorie) sowie am Art College, San Francisco (Malerei und Film), 1987–93 Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien bei Erich Urbanner sowie am Institut für Komposition und Elektroakustik. Wesentliche Anregungen durch Begegnungen mit Adriana Hölszky und Luigi Nono. 1993–94 Teilnahme am Stage d’informatique musicale des Ircam, Studium bei Tristan Murail, Paris.
Das Hinterfragen der gegenseitigen Abhängigkeit unterschiedlicher Wahrnehmungsqualitäten gehört zu den zentralen künstlerischen Anliegen Olga Neuwirths. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Klang-, Bild- und Sprachmaterialien verschiedenster Herkunft und Beschaffenheit, die ohne Rücksicht auf ihre Eigenschaften, aber mit viel Sinn für die Wirkung dramaturgischer Entwicklungen miteinander verbunden werden.
| Zeitraum | Ausbildung | Instrument | AusbildnerIn | Organisation | Ort |
|---|---|---|---|---|---|
|
1975
|
Ab dem siebten Lebensjahr Trompetenunterricht | ||||
|
1985 - 1986
|
Art College: Malerei und Film | ||||
|
1985 - 1986
|
Komposition und Musiktheorie | ||||
|
1987 - 1993
|
Komposition | ||||
|
1987 - 1993
|
Elektroakustik | ||||
|
1987 - 1993
|
Elektroakustik | ||||
|
1993
|
Diplom und Magisterium: "Über den Einsatz von Filmmusik in 'L'amour à mort' von Alain Resnais" | ||||
|
1993 - 1994
|
Studium | ||||
|
Teilnahme am Stage d'informatique musicale | |||||
|
Sommerkurse | |||||
|
Sommerkurse | |||||
|
wesentliche Anregungen durch Begegnungen mit Adriana Hölszky, Luigi Nono |
| Zeitraum | Tätigkeit | Organisation | Ort |
|---|---|---|---|
|
1994
|
Jury-Mitglied | ||
|
1994
|
Mitglied | ||
|
1996
|
Gast | ||
|
2006
|
Mitglied |
| Zeitraum | Aufführung | Werk | Organisation | Ort |
|---|---|---|---|---|
|
1994
| ||||
|
1997
| ||||
|
1997
| ||||
|
1998
|
Next Generation, Portraitkonzerte | |||
|
1999
| ||||
|
2000
| ||||
|
2000
| ||||
|
2000
| ||||
|
2004
| ||||
|
2004
| ||||
|
2004
|
Festival Musica | |||
|
2004
| ||||
|
2005
| ||||
|
2005
| ||||
|
2006
| ||||
|
2006
| ||||
|
2006
| ||||
|
2007
|
Columbia University | |||
|
2007
|
documenta 12 | |||
|
2008
| ||||
|
2008
| ||||
|
2009
| ||||
|
2010
| ||||
|
2010
| ||||
|
2011
|
Portraikonzert | |||
|
2011
|
| Zeitraum | Auftrag | Werk | Auftraggebende Organisation | Auftraggebende Person |
|---|---|---|---|---|
|
Stuttgarter Tage für Neue Musik | ||||
|
Fondation Royaumont |
| Time Period | Auszeichnung | Werk | Auszeichnende Organisation |
|---|---|---|---|
|
1992
|
Förderungspreis | ||
|
1993
|
Stipendium | ||
|
1993
|
Max-Brand-Preis | ||
|
1994
|
Förderungspreis | ||
|
1994
|
Publicity-Preis | ||
|
1995
|
Gast des Künstlerprogramms | ||
|
1996
|
Preis für Komposition | ||
|
1997
|
Akademie der Darstellenden Künste, Frankfurt/Main: Hörspielpreis | ||
|
1997
|
Staatsstipendium für Komposition | ||
|
1999
|
Förderungspreis | ||
|
1999
|
Plöner Hindemith-Preis | ||
|
1999
|
Ernst Krenek Preis | ||
|
2000
|
composer in residence: Koninklijk Filharmonisch Orkest van Vlaanderen | ||
|
2002
|
composer in residence | ||
|
2005
|
Musikpreis | ||
|
2008
|
Heidelberger Künstlerinnenpreis | ||
|
UNESCO Paris: Teilnahme am International Rostrum of Composers | |||
|
2009
|
South Bank Show Award für Lost Highway | ||
|
2010
|
Großer Österreichischer Staatspreis | ||
|
2010
|
Louis Spohr Preis | ||
|
2011
|
Nominierung für den Österreichischen Filmpreis für Das Vaterspiel |
Das Hinterfragen der gegenseitigen Abhängigkeit unterschiedlicher Wahrnehmungsqualitäten gehört zu den zentralen künstlerischen Anliegen Olga Neuwirths. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Klang-, Bild- und Sprachmaterialien verschiedenster Herkunft und Bechaffenheit, die ohne Rücksicht auf ihre Eigenschaften, aber mit viel Sinn für die Wirkung dramaturgischer Entwicklungen miteinander verbunden werden.
1995
Zu 'Lonicera Caprifolium':
Mit harten (Film-)Schnitten und überraschenden Wendungen entwickelt Olga Neuwirth die Klangereignisse. Der Bewegungsgestus schlägt mehrmals um, entfaltet sich, bricht in sich zusammen und kippt in ein vielleicht nur vermeintliches Gegenteil um. Aus dieser Bewegung der Nachklänge entsteht ein instrumentales Rattern, dessen Verräumlichung die Funktion einer Instrumentierung zu übernehmen scheint. Ein Tonband-Solo bringt mit einem Sinustonakkord die Bewegung zum Stillstand. Doch spätestens von nun an scheinen in dieser Musik die Gegensätze einander zu kippen: Es ist ein rasender Stillstand, aus dem sich ein verhaltener Bewegungsgestus entwickelt, der seine Energie in einem Feld von Implosionen aufbraucht. Die Klangverschlingungen verlieren an Konturen, aus dem amorphen Feld tauchen kurz Tonbandklänge auf; die dem Geräuschfeld zugrundeliegende starre Harmonik gibt nur Raum frei für wie erstickte Bewegung, bevor sich aus dem erreichten Einzelton f ein elektronisch generierter Fächer öffnet. Im erneut aufgespannten Klangraum suchen sich schnelle, ornamentale Floskeln ihren Platz, und ebenfalls als Reminiszenz an Klangcharaktere aus der Anfangsphase des Werks tauchen Klangblöcke auf, sich voreinander schiebend. Doch waren die Ornamente einst treibende Kraft und die Akkorde Impulsgeber der Bewegung, scheinen sie nun erschöpft vom Wuchern und Treiben, aufgezehrt von der erdrückenden Umarmung der wild wuchernden Lonicera Caprifolium. Und wieder ist es ein paradoxer Bewegungszustand, eine bewegte Starre, mit der das Werk verklingt. In den Trillern und zerbrechlichen Mehrklängen von Tenorsaxophon, Baßklarinette und zweier präparierter Violoncelli treffen einander die Vergänglichkeit des Klingenden und die Künstlichkeit errichteter Klangräume. Olga Neuwirth läßt in 'Lonicera Caprifolium' die Klänge vom nervösen Energiepotential erzählen, das entsteht, wenn wildes Wuchern und zartes Umarmen, Derbheit und Zartheit einander nicht gegenüberstehen, sondern das eine im andern sich findet.
Zeitfluß - Programmheft Salzburger Festspiele (Christian Scheib)
21. Juni 1999
[...] Die dreissigjährige österreichische Komponistin, eine der herausragenden Erscheinungen ihrer Generation, schreibt - nicht nur hier, hier aber ganz besonders - quirlig bewegte, lustige, anspielungsreiche Musik ... mit seiner musikalischen Dramaturgie, etwa mit der Verbindung unterschiedlicher Klangräume, weist das Stück von Olga Neuwirth Ansatzpunkte auf, die mit Gewinn weiterverfolgt werden können. Vor allem aber ist es mit blitzender Phantasie erdacht, bietet es einen spannenden, nicht zuletzt auch unterhaltsamen Abend. [...]
Neue Zürcher Zeitung (Peter Hagmann)
2003
[...] Olga Neuwirth ist eine Komponistin, die sich wohl am intensivsten und inspiriertesten um die Vereinigung von Szene, Klang und Video-Elementen bemüht. Die Ausdrucksmittel des Films führen Neuwirths Musik-Theater gleichsam in eine weitere Dimension, die dritte oder auch die vierte: Das filmische Bild wird als weitere Schicht in die Werkstruktur eingefügt, ist unlösbar mit der Einheit der Komposition verschmolzen. [...]
Neue Musikzeitung (Gerhard Rohde)
3. November 2003
[...] Von Anfang an begeisterte und verstörte die Komponistin durch einen kompromisslos herben Klang, der sich in aufmüpfigen Verästelungen um keine Romantik, keine Sentimentalitäten, keine Psychologie und keine Anbiederung schert, sonder furchtlos direkt dem Hörer Klangwahrheiten an die Ohren schleudert. [...]
Süddeutsche Zeitung (Reinhard J. Brembeck)
2004
Das Einfache, leicht Erklärbare oder simpel Strukturierte ist nicht ihre Sache - ganz im Gegenteil: In den Werken der Komponistin Olga Neuwirth brodelt es unaufhörlich, es herrscht eine Verunsicherung, die dem Hörer förmlich den Boden unter den Füßen wegzieht. [...]
Falter (Stefan Drees)