Kretz Johannes

Vorname
Johannes
Nachname
Kretz
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Instrument(e)
Elektroakustik
Geburtsjahr
1968
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

Fotograf: Lukas Beck ©

 

Geb. 1968 in Wien • Studium Komposition an der Wiener Musikhochschule (bei F. Burt und M. Jarrell), weiters Musikerziehung, dazu Mathematik an der Universität Wien • 1992-93 Studien (Computermusik) am IRCAM, Paris u.a. bei Marco Stroppa und Brian Ferneyhough • 1994-2003 Assistent/Professor für Computermusik beim Internationalen Bartok-Seminar in Szombathely (Ungarn) • 1996-2001 Lehrer für Tonsatz und Komposition am Konservatorium der Stadt Wien • Seit 1997: Lehrer für Computermusik an der Musikuniversität Wien, seit 2001 auch Musiktheorie, seit 2004 auch Komposition, seit 2009: ao. Professor für Komposition (Habiliation) • Seit 2008: Leiter des Zentrums für innovative Musiktechnologie (ZiMT) an der Musikuniversität Wien, seit 2013 Institutsleiter und Studiendekan des Institut 1 für Komposition und Elektroakustik der Musikuniversität Wien • Gründungsmitglied des NewTonEnsmble Wien, des European Bridges Ensemble und der internationalen Komponistengruppe PRISMA, sowie von ikultur.com. Ko-Kurator von aNOther festival Wien zusammen mit Wei-Ya Lin und Mahdieh Bayat.

 

Stipendien und Preise: u.a. Österr. Staatsstipendium 1997, Stiftung Delz (CH, 2001), Theodor Körner Preis 2004
Aufträge: u.a. Konzerthaus Wien, Klangforum Wien, Ensemble On Line, Ensemble Reconsil, quartett22, Lemgoer Orgeltage, Haller Bachtage, Triton Trombone Quartett, Wiener Kammerchor
Aufführungen: in Österreich, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Tschechei, Litauen, Polen, Türkei, Japan, Südkorea, China, Taiwan, USA, Kanada, Mexico und Argentinien

 

Johannes Kretz, 2013


Ausbildung
1974 - 1986 MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (früher: Konservatorium Privatuniversität Wien) Wien Violine
1986 - 1994 Universität Wien Wien Mathematik (Lehramt)
1986 - 1989 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Tonsatz Schermann Dietmar
1989 - 1992 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Burt Francis
1990 Lugano Sommerkurs "Computer and Art"
1990 - 1992 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Lehrgang "Elektroakustische Musik"
1992 - 1993 Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris einjähriger Kurs für Computermusik
1993 - 1995 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Jarrell Michael
1993 - 1994 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Musikerziehung (Lehramt)
1994 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Musikerziehung
1994 Universität Wien Wien Diplom Mathematik
1995 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Diplom Komposition mit Auszeichnung

Tätigkeiten
1987 - 1992 Evangelische Diözese Wien Wien Leitung des Bläserchores
1991 - 1992 Oberschützen Evangelisches ORG Oberschützen: Lehrer für Musiktheorie
1991 - 1992 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Lehrauftrag für Gehörbildung
1994 Szombathely - Ungarn Internationalen Bartok-Seminar, Workshop für Computermusik: Professor (Zusammenarbeit mit Marco Stroppa, Brian Ferneyhough und Jonathan Harvey u.a.)
1994 Wiener Musikforum Wien Vorstandsmitglied
1995 Haller Bach Tage Halle/Westf. Workshop, Komponistenportrait und Auftragskomposition
1995 Vorträge über Computermusik in Österreich, Deutschland und Korea
1996 NewTon Ensemble Wien Mitbegründer
1996 Deutschland Referat beim Symposium Forum Junge Kirchenmusik der XIX. Internationale Orgeltage in Lemgo
1996 Internationale Sommerakademie Prag-Wien-Budapest Wien Organisatorische Leitung und künstlerische Assistenz beim Meisterkurs für Komposition
1996 - 2001 MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (früher: Konservatorium Privatuniversität Wien) Wien Unterrichtstätigkeit (Komposition, Harmonielehre und Kontrapunkt)
1997 Wien Leiter des Workshops für Computermusik an der Volkshochschule Meidling
1997 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Lehrbeauftragter für Computermusik
1999 Wien Referent bei der Internationalen Konferenz "Diderot 99" (Conference on Mathematical and Computational Methods in Music)
2000 Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HDMK) Stuttgart Kompaktkurs "live-electronics"
2000 - 2001 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Assistent der Kompositionsklasse von Michael Jarrell
2001 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Vertragslehrer (Satzlehre, Formenanalyse und Gehörbildung)
2001 Kassel Referent beim Internationalen Symposium "music+engineering" in Kassel Herbst
2001 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Wien Vorstandsmitglied
2001 ÖGZM - Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik Wien Vorstandsmitglied
2003 Juodkrantė - Litauen Professor für Komposition: "sommer video studio: Vision of on sound in film"; Litauischen Musik akademie
2004 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Wien Schriftführer
2004 Interessensgemeinschaft Niederösterreichischer Komponisten - INÖK Wien Vorstandsmitglied
2005 musikethnologische Forschungsreise zu den Ureinwohnern Taiwans
2005 - 2006 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Gastprofessor für Kirchliche Komposition
2006 Hamburg Vortrag un d Konzertauftritt beim internationalen Kongress "Connecting Media"
2007 Budapest Vortrag und Konzert beim internationalen Kongress "music in the global village"
2008 ZIMT - Zentrum für innovative Musiktechnologie Wien Leiter
2009 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Privatdozent (Habilitation) für das Fach Komposition, außerordentlicher Universitätsprofessor
2010 Wien aNOther festival: Ko-Kurator
2013 Institut für Komposition und Elektronik/Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien von diesem Zeitpunkt an Institutsleiter und Studiendekan
ikultur - Internationale Kulturplattform Wien Gründungsmitglied
EBE - Eurepean Bridges Ensemble Gründungsmitglied
PRISMA - Internationalen Komponistengruppe (centro tempo reale, Florenz): Gründungsmitglied

Aufträge (Auswahl)
1994 Haller Bach Tage "Wo hat sich dein Gott hingewandt?" - Kantate für Mezzosopran, Chor, Trompete, Klavier, Schlagzeug und Computer-Klänge
1996 Haller Bach Tage MENSCHENBAUWERKWEGE - Kantate für Sopran, gemischten Chor, 2 Oboen, Trompete, Orgel, Streichquartett und Tonband
1996 Music On Line - Verein zur Präsentation Neuer Österreichischer Musik "... BEWEGT ... VON KOMMENDE ZEITEN ..." - Musik für Ensemble und Elektronik
1998 Wiener Konzerthaus SYMBIOSE - für Akkordeon und live-electronics
1998 Internationale Lemgoer Orgeltage "ELIA '98" UNERREICHBAR, VORÜBERGEHEND - KirchenMusikTheater in einem Akt
2001 Wiener Kammerchor CYBER DRIFT THOUGHTS - für Chor und Elektronik
2002 Ensemble xx. jahrhundert MONOLOG - für Violine und Elektronik
2003 Dimitrova Tzveta Matej Kozub DANCING - für Klarinette und Klavier
2003 Quartett 22 FULL SCOPE FANCY - für 2 Klarinetten und 2 Saxophone und (Elektronik ad lib.)
2004 Vienna Flautists EIGHT FLUTE MAGIC - für 8 Flöten
2005 Klangforum Wien URBAN GYPSIES - für Oboe, Elektronik und Stummfilm (Stummfilm: Laszlo Moholy-Nagy 1932)
2005 Duo Stump-Linshalm "... eine Meeresschildkröte anlocken ..." - für Klarinette in B (und Bassklarinette ad lib.)
2005 B-Five Blockflötenconsort in tune - für fünf Blockflöten
2005 Trio Katharsis   MOVED BY COMING TIMES - für Klarinette, Fagott und Klavier
2006 Klangforum Wien ausser sich - für Ensemble und Elektronik (ad lib.)
2006 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Sektion Kärnten Inselmusik
2006 Wykydal Andreas Rupert Stelzer SUITE - für Baritonsaxophon und Klavier
2006 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Sektion Kärnten DOWN TO EARTH - für Flöte, Viola und Harfe
2007 Hölscher Florian KlangLogBuch - für Klavier und Elektronik
2011 Carinthischer Sommer Psalm 148
2012 Max Brand Ensemble Entschleunigung
2012 Ensemble Reconsil Wien evolution
2013 Haydn Festspiele Eisenstadt evolution and thought
2013 cercle - konzertreihe für neue musik    like a painting
2014 Max Brand Ensemble Tiny Twelve Tone Tune Thing

Aufführungen (Auswahl)
1991 Kattowitz Rainbow Music Festival Kattowice Niemandslandverschmelzung - für Trompete und Tonband
1991 Festival Synthèse Bourges Bourges - Frankreich Niemandslandverschmelzung - für Trompete und Tonband
1993 Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM Paris ETUDE - für Klavier und Elektronik
1993 Alte Schmiede Kunstverein Wien Wien Die Entdeckung der Langsamkeit I - für Blockflöte, Violoncello, Schlagzeug und computer-generierte Klänge
1994 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien ETUDE - für Klavier und Elektronik
1995 Haller Bach Tage Halle/Westf. Portrait-Konzert
1995 Wiener Konzerthaus Wien Lange Nacht der neuen Klänge Berührungsflächen - für acht Posaunen
1996 Gmunden Von Affen und Engeln - Fragmentarische Betrachtungen für Mezzosopran, Violoncello und Klavier
1996 ZeitgeNÖssischer Herbst Niederösterreich - Österreich "... BEWEGT ... VON KOMMENDE ZEITEN ..." - Musik für Ensemble und Elektronik
1997 Stadtinitiative Wien Wien Nocturne - für Blockflöte und Live-Electronics
1998 Wiener Konzerthaus Wien SYMBIOSE - für Akkordeon und live-electronics
1998 musik aktuell - Neue Musik in Niederösterreich Niederösterreich - Österreich PASSACAGLIA – Hommage an Rupert Riedl - für Orchester
1999 Arnold Schönberg Center Wien INTRODUKTION und ETUDE - Klavier und Elektronik
1999 Buenos Aires Niemandslandverschmelzung - für Trompete und Tonband
2000 Arnold Schönberg Center Wien DYNAMISCHE GEWÄCHSE - für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Keyboard und Elektronik
2000 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien KUNST.ZEICHEN.TECHNIK SYMBIOSE - für Akkordeon und live-electronics
2001 Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz CYBER DRIFT THOUGHTS - für Chor und Elektronik
2001 Szombathely - Ungarn International Bartok Seminar INNERLICH STARK BEWEGT - 7 liturgische Miniaturen zu Bildern von Christian Macketanz für Violoncello und Orgel
2002 ÖGZM - Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik Wien VON AFFEN UND ENGELN II - Fragmentarische Betrachtungen für Mezzosopran, Ensemble und Elektronik
2002 Porgy & Bess Wien MONOLOG - für Violine und Elektronik
2003 Juodkrantė - Litauen summer-video-studio TIME-COLOUR-CONVOLUTION - Interaktives sound environement zwei bis acht improvisierende Instrumentalisten/Sänger und realtime signal processing computer (work in progress)
2003 Buenos Aires DANCING - für Klarinette und Klavier
2004 Hochschule für Musik und Theater Hamburg Hamburg Nocturne - für Blockflöte und Live-Electronics
2004 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Wien MATERIE - für Viola und Elektronik
2005 Seoul Nocturne - für Blockflöte und Live-Electronics
2005 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Salzburg KOPFJÄGERGESÄNGE - für Klavier und Elektronik-Ensemble
2006 Wien in tune - für fünf Blockflöten
2006 Wien Modern Wien four sound islands - für Violine solo
2007 Budapest manuscript - für Zheng (chinesische Zither) und Elektronik
2008 Wittener Tage für Neue Kammermusik Witten URBAN GYPSIES - für Oboe, Elektronik und Stummfilm (Stummfilm: Laszlo Moholy-Nagy 1932)
2008 Alte Schmiede Kunstverein Wien Wien Hoquetus Africa
2009 Tel Aviv - Israel minotaurus - für Saxophon, E-gitarre, Kontrabass, Zheng, Erhu, und Elektronik
2009 WUK - Werkstätten- und Kulturhaus Wien TAKE CARE - für Flöte, Perkussion, Akkordeon und Violoncello
2010 Aspekte Salzburg Salzburg DOWN TO EARTH - für Flöte, Viola und Harfe
2010 Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Wien black tide echo - für Stimmen (SATB) und Elektronik
2011 Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich Linz KlangLogBuch - für Klavier und Elektronik
2011 Sammlung Essl - Musik Klosterneuburg KlangLogBuch - für Klavier und Elektronik
2011 Lübeck Hoquetus II
2011 Arnold Schönberg Center Wien evolution
2012 ÖGZM - Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik Ungarisches Kulturinstitut - Collegium Hungaricum DOWN TO EARTH - für Flöte, Viola und Harfe
2012 Louisiana - USA TWO ARIAS AND ENCORE
2012 Interessensgemeinschaft Niederösterreichischer Komponisten - INÖK Krems Entschleunigung
2013 Schloss Esterházy evolution and thought
2013 cercle - konzertreihe für neue musik DAS OFF-THEATER like a painting
2013 Wien Modern

Auszeichnungen
1991 Dr. Martha Sobotka-Charlotte Janeczek-Stiftung Stipendium
1991 Leistungsstipendium
1992 Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur/Republik Frankreich: Austauschstipendium
1996 Czibulka-Stiftung Stipendium
1996 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Arbeitsstipendium
1997 Republik Österreich Staatsstipendium für Komposition
2001 Stiftung Christoph Delz Kompositionswettbewerb: Preisträger
2001 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Arbeitsstipendium
2004 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Förderungspreis SECOND HORIZON - für Klavier und großes Orchester
2004 Theodor Körner Fonds Theodor Körner Preis
2005 Forschungsstipendium der Taiwanesischen Regierung
2007 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung Anerkennungspreis

Stilbeschreibung

 

Charakteristisch für meine Kompositionen ist das große Augenmerk auf die Gestaltung von Klangfarbe und Harmonie, die eine untrennbare Einheit bilden. Klänge werden als Akkorde interpretiert, Akkorde so verschmolzen, daß sie als Klangfarben verständlich werden. Bedeutung hat dabei die Erzeugung synthetischer Klänge mit Hilfe des Computers, der in meiner Arbeit auf verschiedenste Weise zum Einsatz kommt:

 

 

  1. Analyse von Instrumentalklängen (Fast Fourier Transformation), um ihre innere Struktur zu verstehen, und Modelle für die synthetische Klangerzeugung - aber auch für die harmonische Gestaltung der Komposition - abzuleiten.
  2. "Computer Aided Composition": Erleichterung der Manipulationen von komplexen, mikrotonalen Akkorden, indem aus hunderten von ähnlichen Akkordgebilden jeweils diejenigen mit bestimmten - vom Komponisten im entsprechenden Augenblick erwünschten - klanglichen Eigenschaften herausgefiltert werden.
  3. Kontrolle und Durchführung der Klangsynthese: Erleichterung der "Handhabung" von Klangverwandlungen, -deformationen, -verfremdungen etc. Komponieren von Klangverläufen.
  4. Nachbearbeitung und Montage der künstlichen Klänge.

 

Das Verständnis der psychoakustischen Vorgänge des Hörens wird dabei ebenso geschult wie die Fähigkeit, künstlerische Intentionen zu formalisieren (um sie z.B. mittels Computer realisieren zu können). Dieses Handwerk im Umgang mit dem Klangmaterial läßt sich sowohl in den Werken finden, die künstliche Klänge verwenden, als auch in den rein instrumentalen. So gelingt es, eine wunderliche, aber fein geordnete Klangwelt zu schaffen, die den Hörer einlädt, im Bereich der Klangfarbe ähnliche Ordnungen zu entdecken, wie er sie sonst nur im Bereich des harmonischen Aufbaus zu hören gewohnt war.

 

Johannes Kretz, 1994


Pressestimmen

 

2011

 

aNOther festival II – Oktober 2011, Palais Kabelwerk Wien

Kuratiert vom Komponisten Johannes Kretz und der Bratschistin Wei-Ya Lin stellt aNOther festival Wien alles andere dar als "ein weiteres Festival". In drei Abenden im Oktober 2011 bot das Palais Kabelwerk Raum für eine erstaunlich umfassende Palette von Musikern, Komponisten, Improvisatoren und Songwritern, und bot nahezu alles, von folk-beeinflusstem Art-Rock bis zu elektroakustischer Komposition und von freier Improvisation bis zu minimalistischer Electronica und den meisten Dingen dazwischen. Unter dem Motto "Performance und Kunst der nächsten Generation" diente es als vibrierender und abenteuerlicher Streifzug durch die Wiener Szene (und darüber hinaus). Ich war dort als Mitwirkender, aber fand mindestens genauso viel Vergnügen als Zuhörer im Publikum.
Jede Nacht hatte ein Thema, der erste Abend war Duo-Besetzungen gewidmet, auch wenn dieser Aspekt das Einzige war, das die drei Formationen – soweit ich es beurteilen konnte – gemeinsam hatten. Der Komponist und Improvisator Marco Ciciliani (am besten bekannt für seine Improvisationen am No-Input-Mischpult) und die Geigerin Barbara Lüneburg boten ein fragmentiertes, aber großartiges Set aus Live-Elektronik mit Cicilianis Alias (2009), komplementiert mit einer Laser-Show. Der Cellist Michael Moser (bekannt von der Gruppe Polwechsel) spielte im Duett mit dem Elektroniker Wolfgang Musil; eine strenge, doch unterhaltsame Mischung aus minimaler freier Improvisation und Post-Darmstadt-Elektronik von zwei Meistern, die ganz offensichtlich die Arbeit miteinander sehr genossen. Abgerundet wurde der Abend von A Live, A Song, A Cigarette (auf eine Duo reduziert von ihrer üblichen Quartett-Besetzung), deren Mischung von Indie Rock, Country und Folk einnehmend genug war, wenn auch für meine Ohren etwas blasser als die vorangegangene Musik.
Der zweite Tag bot die anstrengende Menge von fünf Stunden Musik. Der außergewöhnliche Franz Hautzinger eröffnete den Abend mit einer meisterhaften Folge von Solo-Improvisationen für Viertelton-Trompete, die strukturell mindestens genauso reich waren wie alle elektronische Musik des Abends: gasförmiges Zischen, Klicks und Drones entwickelten sich aus der Einheit von Atem, Knochen und Metal. Danach folgte die gleichermaßen außergewöhnliche Gruppe Rheuma 3000. Christian Reiners Vokalisierungen bewegten sich von dadaistischer Klangpoesie zu Schreien, Schaben und Klicken – mitunter sogar zu "richtigem" Singen, während Philip Leitner und Tamara Wilhelm mittels Elektronik ein sich ständig verschiebendes Gebräu von Schwirren, Summen, Pulsieren, Drones und wilden Oszillationen schufen. Es folgte eine Gruppe von Kompositionen und Improvisationen zahlreicher Musiker, von denen für mich die Folgenden am herausragensten waren: Samu Gryllus' Vie Au Lan Yu für Viola und Tonband, wo Wei-Ya Lin ethnomusikalische Aufnahmen mikrotonaler Lieder aufgenommen auf der Insel Lan-Yu (Taiwan) begleitete. Es war eine großartige, wunderschön ausgeführte Aufführung voller Raum und Präzision. Johannes Kretz' Four Sound Islands (für Violine, Viola und Live-Elektronik) war gleichermaßen berührend. Präzise notierte Instrumentalstimmen, (die oft wie ein hyperaktiver Morton Feldman klangen) bewegten sich von Drones und klagenden, exotisch-volksmusikartigen Melodien zu schwierigen Passagen ungebändigter Bogenbewegungen und weit ausgedehnten Glissandi, während Kretz' digitale Manipulationen die Streicher in Schatten hüllten, sie geisterhaft in fiktionale akustischer Räume verwandelten oder in verschwommene Verzerrungen verwischten. Es folgte Hans Wagners Gruppe Neuschnee mit ihrem gebildet-geistreichen und durchdachten Art-Rock in Kombination mit Streichquartett. Ein euphorisches Ende eines durchaus intensiven Abends.
Der letzte Tag war mit "Tod, Leben, Ordnung und Freiheit" übertitelt und begann mit einer raren Aufführung von Stuart Saunders Smiths Komposition Plenty, eine Sammlung von 34 Vibraphon-Solos. Mit einer Gesamtdauer von etwas über einer Stunde ist nach Angaben des Komponisten jedes Solo eine Antwort auf eine einzige Frage: "Was ist die Natur von Tragödie?". Ich bin nicht sicher, ob ein Vibraphon-Solo der beste Weg ist, diese Frage zu beantworten, aber Berndt Thurners subtile, virtuose Handhabung von Smiths knorrigen Miniaturen war eine Glanzleistung. Eine leise Kollision von Eric Dolphy und John Cage. Danach war es für mich ein kleiner Schock, zu realisieren, dass ich nun als nächstes mit dem Wiener Stargitarristen Martin Siewert und dem Schlagzeuger Paul May im Trio auf der Bühne stand. Siewert war hier die treibende Kraft. Er spann mit seiner Lapsteel-Gitarre und Elektronik ein Netz aus Drones, durchdringenden Akkorden und Ausbrüchen komplexer Avant-Jazz-Noise. Es waren (hoffe ich) ungefähr 40 sehr befriedigende Minuten. Danach kam Sonnamble, ein Projekt geleitet vom Irischen Musiker und Software-Designer Conor Curran, das (neben Paul May und mir) Wei-Ya Lin einbezog und eine Folge von eisigen Ambient-Drones aus Viola, Dobro-Gitarre und Percussion bot, verarbeitet und verbunden durch Conor Currans digitale Klangverarbeitung. Zum Abschluss folgte ein improvisiertes multimediales Laptop-Solo von Hui Ye, ein graduelles, intensiv hypnotisch wirkendes Anwachsen von Sinustönen und Geräuschausbrüchen, deren Intensität sogar bei einem Zuhörer Nasenbluten verursachte. Was kein schlechter Weg ist, um drei tage abenteuerlichsten Musikmachens zu beenden. 

Peter Marsh, Journalist (BBC) und Musiker, London

 

[...] Eine Art Höhepunkt dieses Konzerts stellte das "Manuscript für Zheng und Elektronik" von Johannes Kretz, ebenfalls Professor an der MDW, dar. Mithilfe von Live Elektronik, die der Komponist persönlich bediente, verlieh er der traditionellen chinesischen Musik eine europäische Klangsprache, während die chinesische Färbung aber nicht verloren ging. Durch diese Kombination entstanden völlig neue, hochinteressante Klänge, die das Publikum in ihren Bann zogen. 

Richard Trappl (Konfuzius-Institut) 

 

31. Juli 2009

Aus dem Nähkästchen & Charts: Johannes Kretz

https://www.musicaustria.at/aus-dem-naehkaestchen-charts-johannes-kretz/

 

4. März 2009

mit der Wiedergabe des Konzertes vom 8.2. aus dem Theaterhaus Stuttgart, in welchem der Pianist Florian Hoelscher im Rahmen des Festials ECLAT "Klanglogbuch" für Klaiver und Elektronik von Johannes Kretz zur Uraufführung brachte.
Es handelt sich um einen Zyklus für Klaiver,der sich innerhalb seiner 5 groß-dimensionierten Teile mit den 5 Kontinenten und der ihnen eigenen Typiken auseinandersetzt. Das im Werktitel unerwähnte zweite zu bedienende Instrument – Keyboard – das auf dem Flügel stationiert ist, und im dritten Teil in virtuoser Weise parallel zur Tastatur des großen Instruments bedient werden muss, verstärkt die Klangsphäre des Kontinents Afrika. 

SWR2 (Hans Peter Jahn) 

 

28. Juni 2005

Dror Feilers "Point-Blank" mit seinem zornig—ungebremsten Brachial-Krach kam dafür beim Publikum bestens an. Nach diesem 22-minütigen Aufschrei konnte Kretz nur vergleichsweise zahm tönen mit seiner subtilen Musik zum Kurz-Stummfilm "Großstadtzigeuner" (1932, Regie: Laszlo Moholy-Nagy), in dem ohne Wertung "materielle Armut und emotionaler Reichtum" (Kretz) einer Subkultur gezeigt wurden, die wenige Jahre später von den Nazis mit brutalsten Mitteln fast vollständig vernichtet werden sollte. Für Oboe und Elektronik geschrieben, legt "urban gypsies" ein zartes Netz interner Bezüge über den Film: melancholische Oboen-Klänge, mit düsterem Elektronik-Dräuen unterfüttert, ohne platte Verdoppelungen oder Folkore-Anklänge. Ein Epitaph für eine versunkene Welt. 

Die Presse (Wawe) 

 

18. März 2002

Im Wiener Konzerthaus wurde die "Lange Nacht der neuen Klänge" gefeiert - mit Zeitgenossen aus verschiedenenen Kulturkreisen. [...] Bei mehr als zehn StundenMusikprogramm ergeben sich zwangsläufig qualitative Abstufungen [...] Ehrenretter in der Kategorie "Orchester": Johannes Kretz mit der verschlungenen Schönheit seiner "Passacaglia - Hommage an Rupert Riedl", die auch Pierre Boulez ihre Reverenz zu erweisen schien. 

 

20. Dezember 2001

Mischpult, Laptop und Lautsprecher sind höchst sensible Musikinstrumente: Das Konzert "Starke Bewegungen" im aufregenden Porgy-Zyklus "Asyl" hat das wieder einmal eindrucksvoll nachgewiesen. Und zwar nicht nur, als das digitale Äquivalent einer gerissenen Saite eine Verzögerung vor dem abschließenden "Rothko II" von German Toro-Perez verursachte. Lieferte die Elektronik hier bloß die mild changierende Hintergrundfarbe, vor der sechs Bläser unter Leitung des Komponisten distinkte akustische Zustände formulierten, setzten zwei Werke auf einen Dialog mit der Technik: Johannes Kretz schickt in "innerlich stark bewegt" ein Cello (eindringlich: die NewTon-Solistin Edda Breit) durch profane Schatten einer Meßkomposition. Bodil Rorbech, Solistin und Widmungsträgerin von "Arhus " des Argentiniers Mario Marcelo Mary, führte ihr Selbst-/Zwiegespräch von Violine und Tonband vom allzu spacigen Beginn zu prickelnder Intensität. Am profiliertesten geriet jene Uraufführung von Jorge Sänchez-Chiong, die sozusagen den erweiterten Reziprokwert seines beim heutigen "musikprotokoll des steirischen herbstes" präsentierten Saxophonkonzerts "Xtended versions" darstellte: "minus72plus" ist ein Auswuchs. Aus Flächen poröser Ruhe geht heftiger Ton-Steinschlag ab, akustisches Edel-Geröll, dessen wechselhafte Vermengungen Ludwig Bekic, Martin Siewert und Berndt Thumer an Saxophon, E-Gitarre und Schlagzeug im Verein mit der Live-Elektronik in lustvollvirtuosem Farbenspiel zum Orchesterrausch türmten. 

 

27. März 1999

1996 gegründet, befaßt sich das Wiener NewTonEnsemble ambitioniert und erfolgreich mit zeitgenössischer elektroakustischer Musik: So eröffneten die komponierenden Klangregisseure Johannes Kretz und German Toro-Perez ein Kaleidoskop der Variationen elektronisch unterstützter Musik. Schwachpunkt der Programmdramaturgie war, daß die Herleitung von der "Klangfarbenmelodie" des Genius loci nicht ganz glücken wollte: Schönbergs Orchesterstück "Farben" erklang in Weberns karger Fassung für zwei Klaviere. Die angekündigte Weitung ins Pseudoorchestrale blieb aus, da die Live-Elektronik zu dezent eingesetzt wurde. Viel besser gelangen die übrigen Werke: Marco Stroppas "little i" mit einer von Sylvie Lacroix aufgefächerten, weiten Flötenlandschaft oder das pychedelisch schwebende "Introduktion und Etude" für Klavier und Elektronik von Kretz [...] 

Die Presse 

 

2. Februar 1998

Dunkles Leuchten, extatische Gesten, sinnliche Farbenglut: Die Passacaglia - Hommage an Rupert Riedl von Johannes Kretz erwies sich als Werk von eruptiver Gewalt. Eine Uraufführung die berührte. [...] Rundherum erfreulich! 

Wiener Zeitung


Links mica-Archiv: Johannes Kretz, mica-Artikel: TOUCHING von und mit Veronika Simor und Johannes Kretz (2010), mica-Artikel: Z w I s C h E n T ö N e (2010), Internationale Kulturplattform, Zentrum für innovatiove Musiktechnologie, aNOther festival

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 28. 4. 2020): Biografie Johannes Kretz. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/58224 (Abrufdatum: 16. 7. 2020).

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