Gadenstätter Clemens

Vorname
Clemens
Nachname
Gadenstätter
erfasst als
DirigentIn
InterpretIn
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Instrument(e)
Flöte
Geburtsjahr
1966
Geburtsort
Zell am See
Geburtsland
Österreich

Fotograf: Abbe J. Libansky ©

"Clemens Gadenstätter (geboren 1966 in Zell am See/Salzburg) studierte Komposition bei Erich Urbanner in Wien und bei Helmut Lachenmann in Stuttgart sowie Konzertfach Flöte ebenfalls in Wien. Seine Werke entstanden u.a. im Auftrag der Donaueschinger Musiktage/SWR, der Salzburger Festspiele, Wittener Tage für neue Kammermusik/WDR, des Festivals ECLAT/Musik der Jahrhunderte - Stuttgart, im Auftrag von Wien Modern, des ORF.

Von 1995 bis 2000 war Gadenstätter Herausgeber der Musikzeitschrift "ton" der ISCM Sektion Österreich, seit 2007 ist er Mitherausgeber der Buchreihe "musiktheorien der gegenwart" (publiziert bei Pfau, Saarbrücken). Gadenstätter wirkte in der Organisation zahlreicher Konzertreihen und Neue-Musik-Veranstaltungen mit und kuratierte gemeinsam mit Lisa Spalt das Festival "salon 13" (2000).

Seit 2003/2004 ist Clemens Gadenstätter Professor an der Musikuniversität Graz für Musiktheorie und Analyse und Privatdozent ebendort für Komposition. Darüber hinaus ist er als Dozent an verschiedenen internationalen Hochschulen und bei Kompositionskursen und Festivals tätig."
mica-Musikmagazin: Musikalische Wettbewerbe und die Folgen (2015) [https://www.musicaustria.at/musikalische-wettbewerbe-und-die-folgen/]

Auszeichnungen

1987 Stadt Wien: Arbeitsstipendium für Komposition
1992 Kompositionswettbewerb "Forum junger Komponisten" - WDR – Westdeutscher Rundfunk: Preisträger
1993 Republik Österreich: Staatsstipendium für Komposition
1994 Stadt Wien: Arbeitsstipendium für Komposition
1994 Theodor Körner Fonds: Förderungspreis
1995 Amt der Salzburger Landesregierung: Jahresstipendium für Komposition
1997 Stadt Wien: Förderungspreis
1997 Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana – SKE Fonds: Publicity-Preis
1999 Republik Österreich: Staatsstipendium für Komposition
2003 Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG: Kompositionspreis (Comic sense)
2005 DAAD – Deutscher Akademischer Austausch Dienst: Austauschstipendium

Ausbildung

im Alter von fünf Jahren privater Unterricht: Blockflöte, Querflöte, Klavier, Ensemblespiel
1979 Basel (Schweiz), Salzburg: Flöte (Urs Wollenmann)
1979 Carl Orff Institut Salzburg: Theorie (Tonsatz, Kontrapunkt, Gehörbildung, Analyse)
1984–1991 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Komposition (Erich Urbanner) - Diplom mit Auszeichnung
1984–1992 mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Flöte (Wolfgang Schulz) - Diplom mit Auszeichnung
1992–1995 Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HDMK): postgraduale Kompositionsstudien (Helmut Lachenmann)

Tätigkeiten

1992–heute Los Angeles (USA): Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Joseph Santarromana
1992–1994 Wien: Arbeit im elektronischen Studio (mit Peter Böhm) an der Realisierung des Tonbandes für das Stück "Versprachlichung"
1994–heute Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt (Deutschland): Dozent und Workshopleiter
1994 Akademie der Künste Berlin (Deutschland): Vorträge und Konzerte
1994 Villa Musica Rheinland-Pfalz, Mainz (Deutschland): Dozent beim Interpretationsworkshop für zeitgenössische Musik
1994 ISCM/IGNM/SICM - Internationale Gesellschaft für Neue Musik, Stockholm (Schweden): Teilnahme an den Weltmusiktagen
1994 Zusammenarbeit mit der Tänzerin und Choreographin Rose Breuss
1994 Klangforum Wien: Auswahl von "Versprachlichung" für den Interpretationsworkshop mit Peter Eötvös
1995–heute mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien: Lehrauftrag am Institut für Komposition
1995–2000 Internationale Gesellschaft für Neue Musik – IGNM Österreich, Wien: Herausgeber der Zeitschrift "ton – Österreichisches Magazin für zeitgenössische Musik" (gemeinsam mit Alexander Stankovski)
1996 Wiener Konzerthaus: Arbeit an der Produktion des Theaterstückes "idiot" von Konrad Bayer (gemeinsam mit Lisa Spalt)
1996 Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik:  Mitarbeit an dem Hörstück "der berg" von Konrad Bayer (Textregie: Lisa Spalt)
1996 Veröffentlichung theoretischer Arbeiten zum Verhältnis Musik/Sprache
1998 O.M. Theater, Schloss Prinzendorf: musikalischer Leiter und Dirigent des "6 Tage Spieles" (Hermann Nitsch)
1998–heute Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Lehrauftrag (Musiktheorie, Analyse)
2000 Veranstaltungsreihe "SALON13" - Echoraum, Wien: Konzeption und Organisation (gemeinsam mit Lisa Spalt)
2000–2001 Lange Nacht der Neuen Musik - Internationale Gesellschaft für Neue Musik - IGNM Österreich, Wien: Konzeption und Organisation (gemeinsam mit Johannes Kalitzke)
2000–2001 Wien: Realisation der Elektronik zu "Songbook #0-11" mit Peter Böhm
2001 werkschaft, Wien: Gründer des Vereins zur Förderung devianter Wahrnehmungsweisen gemeinsam mit Lisa Spalt, Ilse Kilic und Fritz Widhalm
2001 Österreichischer Rundfunk (ORF) – Hörfunk, Wien: Arbeit an der Klangspur zum Hörstück "wir müssen einzelne irgendwann bitten, alle jetzt aufzupassen" mit Anton Reininger
2002–2004 Musiklabor Wien: Realisation der Elektronik zu "Comic Sense" mit Peter Böhm und Florian Bogner
2003–heute Universität für Musik und darstellende Kunst Graz: Professur für Musiktheorie und Analyse
2004 SWR – Südwestrundfunk, Freiburg (Deutschland): Composer in Residence am Experimentalstudio, Realisation des Elektronikparts zu "powered by emphasis"
2007–2008 Musiklabor Wien: Arbeit an den Elektronik-Parts zu "Semantical Investigations" (Teil 1 und 2) gemeinsam mit Florian Bogner und Peter Böhm
2009–2010 Musiklabor Wien: Realisierung der Zuspielbänder zu "Pictures of an Exibition - ICONOSONICS III" gemeinsam mit Peter Böhm und Florian Bogner
2012–2014 Institut für Elektronische Musik und Akustik (IEM) Graz: Lehrtätigkeit und Arbeit an dem Projekt "patterns of intuition" gemeinsam mit Gerhard Nierhaus
2013–2015 Institut de recherche et coordination acoustique - IRCAM, Paris (Frankreich): Realisation der Elektronik für das Musiktheater "Nerone"
2013 Hochschule für Musik Carl Maria von Weber, Dresden (Deutschland): Gastprofessor
2013–2015 impuls Ensemble- und Komponistenakademie, Graz: Dozent
2013 Ung Nordisk Musik/Young Nordic Music Festival, Oslo (Norwegen): Dozent
2013 University of Huddersfield (Großbritannien): Meisterklassen
2013 Karl-Franzens-Universität Graz: Vorlesung "weak–S&ebodies" , Ringvorlesung "Kognition und Neue Musik"
2014 Institut für Klangforschung - Hochschule für Musik Würzburg (Deutschland): Composer in Residence (Konzerte, Vorträge)
2014 Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt (Deutschland): Dozent für Komposition und Tutor des Ensembleprojekts
2015 ENT – Ensemble Nostri Temporis, Kiew (Ukraine): Lehrer für die internationalen Meisterklassen für Neue Musik (Masterclass for Composition)
2015 Hochschule für Künste Bremen (Deutschland): Dozent und Meisterklassen
2017 ENT – Ensemble Nostri Temporis, Kiew (Ukraine): Lehrer für die internationalen Meisterklassen für Neue Musik (Masterclass for Composition)

Mitglied im Ensemble/Band/Orchester
1989–1992 Klangforum Wien: Flötist und Programmrat
1990–heute ensemble neue musik – wien: Gründer und Leiter des Ensembles
Dirigent und Ensembleleiter bei verschiedenen Ensembles (u.a. Ensemble '86, Polwechsel)

Aufträge (Auswahl)

zahlreiche Aufträge von Festivals (z.B. Wien Modern, Salzburger Festspiele, Steirischer Herbst), im Kulturbereich tätigen Organisationen (u.a. Wiener Konzerthausgesellschaft, Internationale Gesellschaft für Neue Musik – IGNM Österreich, ORF – Hörfunk, SWR – Südwestrundfunk) sowie von Ensemblen/Orchestern (u.a. ensemble recherche, Klangforum Wien, Polwechsel)

Aufführungen (Auswahl)

1992 Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik: Duo für Violine und Violoncello - Studie I (UA)
1993 Klangforum WienOlivier Cuedent (dir) - Nuovi Spazi Musicali, Rom (Italien): Sextett (UA)
1997 ensemble neue musik – wien - Sammlung Essl, Schömerhaus Klosterneuburg: Variationen und alte Themen (UA)
1999
ORF Radio Symphonieorchester Wien, Dennis Russell Davies (dir) - Salzburger Festspiele, Mozarthaus: auf takt - Musik für großes Orchester (UA)
2001 Musik-Biennale Berlin – Internationales Fest für zeitgenössische Musik, Konzerthaus Berlin (Deutschland): akkor(d/t)anz - für Klavier (UA), akkor(d/t)anz (UA)
2002 
Trio Accanto - Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik: Songbook # 0-11 (UA)
2003 
Klangforum Wien - Wien Modern, Wiener Konzerthaus: Comic sense (UA)
2008 Ensemble Modern - Festival Open your Ears, Berlin (Deutschland): SEMANTICAL INVESTIGATIONS II (UA)
2009 PHACE | CONTEMPORARY MUSIC, Wiener Konzerthaus: FIGURE - ICONOSONICS I (UA)
2010 Ensemble Nikel, Tel Aviv (Israel): BODIES - ICONOSONICS II - für E-Gitarre, Akkordeon und Elektronik (UA)
2010 Ensemble L'Instant Donné - Festival Reims Scènes d'Europe, Reims (Frankreich): Pictures of an exibition - ICONOSONICS III (UA)
2010 Lisa Spalt, KNM – Kammerensemble Neue Musik Berlin, Berlin (Deutschland): Blüten. eine Sozialeschnittstelle (UA)
2011 Ensemble Ascolta - Salzburg Biennale: Bildstudie: mit Ruttman op. 3 - für Ensemble und Licht(-bilder) (UA)
2012 Interpretationsfestival Osnabrück (Deutschland): Le gôut du son - für Kontrabassklarinette
2012 Ensemble Nikel - Donaueschinger Musiktage (Deutschland): Sad Songs - Quartett für Saxofon, E – Gitarre, Schlagzeug und Klavier (UA)
2013 Philharmonie Luxembourg, Asamisimasa Oslo: ES - Für Sprechstimme, Stimme, Ensemble, Elektronik und Film (UA der kompletten Version mit Film)
2013 Ensemble Nikel - Wien Modern: Sad Songs - Quartett für Saxofon, E – Gitarre, Schlagzeug und Klavier
2014 Mivos QuartettInternationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt (Deutschland): schlitzen (Paramyth 2) (UA)
2014 Ensemble L'Instant Donné, Paris (Frankreich): Pictures of an exibition - ICONOSONICS III
2014 Österreichisches Kulturforum Washington D.C. (USA): bersten/platzen (paramyth 4)
2014 Klangforum Wien – Streichquartett, MUMUTH Wien: reissen (Paramyth 3) (UA)
2015 Ensemble Nikel, Tel Aviv (Israel): Sad Songs - Quartett für Saxofon, E – Gitarre, Schlagzeug und Klavier
2015 oenm . oesterreichisches ensemble für neue musikJohannes Kalitzke (dir), Wittener Tage für Neue Kammermusik: les derniers cris – E.P.O.S. II (UA)
2016 Ensemble Contrechamps, Genf (Schweiz): les premiers cris (E.P.O.S. III) (UA)
2017 Neue Vocalsolisten Stuttgart, Asamisimasa Oslo - Wien Modern, Museumsquartier Wien: daily transformations (UA)
2019 Wien Modern, Studio Moliere Wien: Studies for imaginary self-portraits (UA), Studies for imaginary portraits (UA), Studies for a portrait (UA)

Pressestimmen

09. April 2020
über: CD "Semantical Investigations"
"[...] Clemens Gadenstätter reißt Alltagssignale aus ihrem Zusammenhang, wertet sie musikalisch um und baut aus ihnen kapitale, übersprudelnd vergnügliche Stücke. [...] Dabei erschöpft sich Gadenstätters Arbeit keineswegs im Collagieren von Alltagsgeräuschen und ihrer ironisierten Umwertung zur Kunst. Elektronische Zuspielungen sind vorhanden, aber mit verwischten Konturen [...] Gadenstätters Musik lässt die Assoziationen Purzelbäume schlagen, und jedes Mal entdeckt man neue Abwege, Verweise und Zusammenhänge. Kein Wunder bei so prall gefüllten, manchmal geradezu hyperaktiv wirkenden Stücken, die durchwegs über eine halbe Stunde dauern: In früheren Zeiten hätte man derlei Kaliber ohne Weiteres Symphonie genannt. Solche Längen können einschüchternd wirken, und es empfiehlt sich wohl nicht, mehr als ein Werk auf einmal zu hören. Gadenstätter gibt zu, dass bewusste Wahrnehmung im Gegensatz zur Berieselung durchaus anstrengend sein kann - aber keine besondere Vorbildung verlangt. [...] Hier wie dort gilt: Trotz breiter Anlage verlieren Gadenstätters Erkundungen nicht an Tiefe - und das ursprünglich Banale versprüht, neu aufbereitet, den sinnlichen Reiz des Überflusses."
Die Presse (Walter Weidringer, 2020), abgerufen am 26.05.2020 [https://www.diepresse.com/5798113/clemens-gadenstatter-wecker-und-fahrr…]

21. Mai 2005
über: CD "Comic Sense"
""Scherzi" nennt der österreichische Komponist jeweils die ersten Sätze der drei vom Klavier dominierten Orchesterstücke und knüpft damit an eine Tradition an, die nach Leichtigkeit im musikalischen Ausdruck sucht. Gadenstätter findet zu einer Orchestersprache, in der Melodien plötzlich in Klang versinken oder aus einem klangvollen Gongschlag ein dünner Strahl von Pizzicatoklängen heraus fließt. Die Rhythmik weckt Assoziationen an einen Comic. Die imaginären Sprechblasen füllt der Hörer mit Vergnügen."
http://www.rondomagazin.de (Margarete Zander)

24. November 2003
"Clemens Gadenstätters "comic sense" bei "Wien Modern": fulminant verrückte, großartige Musik. Über all der Brillanz, die er und das Klangforum Wien unter Mark Foster auf den Punkt brachten, vergaß man beinah, dass der mosaikartige Bau des Werks strukturell ein Hasardspiel war: Erklärte sich die Länge zwar nicht mit letzter Schlüssigkeit aus sich selbst, erwies sich die stark belastete Statik aber doch als tragfähig - kein Splittern im Gebälk, trotz der langen Dauer. Dafür stand Gadenstätters schier unbezähmbare, überbordende Fantasie ein, deren üppig-chaotischer musikalischer Wildwuchs, durchsetzt mit kleinen Fußangeln aus Wiederholungen und ins Nirgendwo führende Skalen, im Hintergrund doch zu formaler Stringenz geschürzt war. Die bisher eindrucksvollste Uraufführung bei "Wien Modern 2003"."
Die Presse

Diskografie (Auswahl)

2020 Clemens Gadenstätter: Semantical Investigations (Kairos)
2017 Clemens Gadenstätter: schniTt-Versprachlichung-Musik für Orchesterensembles - Klangforum Wien, RSO Wien (ORF Edition Zeitton)
2012 Clemens Gadenstätter: Portrait (col legno)
2008 Clemens Gadenstätter: Songbook Nr. 0-11 (2001/02) (col legno)
2003 Clemens Gadenstätter: Comic Sense (Kairos)

Literatur

Über den Komponisten
mica-Archiv: Clemes Gadenstätter
2008 Rögl, Heinz: Wien modern Woche 3 - Stockhausen, G. Neuwirth & Gadenstätter, Komponistenmarathon. In: mica-Musikmagazin.
2015 mica: Musikalische Wettbewerbe und die Folgen. In: mica-Musikmagazin.
2015 mica: Zeit-ton extended - Musikalische Wettbewerbe und die Folgen. In: mica-Musikmagazin.

Quellen/Links

Website: Clemens Gadenstätter
Wikipedia: Clemens Gadenstätter
Soundcloud: Clemens Gadenstätter
Spechtart: Clemens Gadenstätter

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 26. 5. 2020): Biografie Clemens Gadenstätter. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/54166 (Abrufdatum: 22. 10. 2020).