Probst Dana Cristina

Vorname
Dana Cristina
Nachname
Probst
erfasst als
KomponistIn
AusbildnerIn
Genre
Neue Musik
Subgenre
Modern/Avantgarde
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1961
Geburtsort
Bukarest
Geburtsland
Rumänien

Fotograf: Nicolae Alexa, © Dana Cristina Probst

Dana Cristina Probst, geb. Teodorescu, lebt seit 1993 in Wien.
Meinem Heimatland verdanke ich eine gründliche musikalische Ausbildung (der hohe musikalische Ausbildungsstand, damals zentralistisch gefördert vom kommunistischen System, sei anzuerkennen!) und die Ehre, in der Nähe großer künstlerischer Persönlichkeiten sein zu dürfen. Österreich verdanke ich meine Familie und die Klarheit sowohl in mir selbst als auch in meiner musikalischen kompositorischen Aussage.
Als Ausgleich - vielleicht - zu den äußeren Maßregelungen und Reglementierungen in den Jahren der Diktatur war meine Jugendzeit von qualitätsvollen menschlichen und künstlerischen Beziehungen geprägt. Zu allen meinen Lehrern, denen ich jetzt als Musikerin und Mensch dankbar bin, hatte ich mehr als nur einen guten musikalischen Kontakt: zu meinen Klavierlehrern Brigitte Birnberg, Liviu Segal, Ada Nasturel und später Aurora Ienei, dann, auf dem Gebiet der Komposition und Musiktheorie, zu den Komponisten und zugleich engagierten Lehrern Anatol Vieru, Harald Müller, Aurel Stroe, Theodor Tutuianu, Stefan Niculescu , Myriam Marbe. Von allen wurde ich unterrichtet, aber auch belehrt, ermutigt.
Nach den Studienjahren trat ich, als natürliche Fortsetzung, in den Verein "Junge Komponisten" ein. Der Dachverband - der Rumänische Komponistenbund - sorgte dafür, dass Werke junger Komponisten zur Aufführung, bzw. zur Debatte kamen. Ich unterrichtete damals Klavier in einer Provinzstadt. Die Hauptstadt war für uns alle gesperrt.
Mit 1989 kam die große Wende in Rumänien und für mich begann eine neue Etappe: beruflich, sozial, privat. Ich entschied mich für eine Assistentenstelle für Rumänische Volksmusik an der damaligen Akademie für Musik in Bukarest. Innerhalb von drei Jahren - von 1990 bis 1993 – nahm ich an 9 Feldforschungen in Rumänien und Republik Moldavien teil.
1992 lernte ich meinen zukünftigen Ehemann in Bukarest kennen, was mit einem ÖAD-Stipendium (1993-1994) und der Geburt unserer Tochter (Juni 1994) dazu führte, dass ich nach Wien übersiedelte, wo ich die schwer erreichbare Freude einer Komponistin und Lehrerin mit Herz (in einer an Geld orientierten Welt) jeden Tag erlebe.
Dana Cristina Probst (2007)

Stilbeschreibung
Oft als intensiv und kraftvoll bezeichnet und vom Neo-Modalismus ausgehend, wird ihre Musik durch Linearität, aber auch durch eine eigene harmonische Sprache charakterisiert. Überschichtungen verschiedener Tempi, Heterophonie und nicht temperierte Tonskalen sind in ihren Werken immer wieder präsent.
Vom Neo-Modalismus ausgehend und die Anspannung einer dicht chromatisierten Harmonik durchlebend, wird meine Musik nun von drei impulsgebenden Quellen stärker und stärker geprägt: der alten Volksmusik Rumäniens, der Gregorianik und der byzantinischen Kirchenmusik. Diese Entwicklung konkretisiert sich a) durch eine eigene harmonische Sprache, in der die Quint, die Quart und die Sekund (bzw. die Septim und Non) als Grundsteine betrachtet werden, b) durch Linearität: der melodische Aspekt wird immer berücksichtigt, c) durch Mikrointervalle. Die von mir benutzten modalen Skalen "wachsen" aus dem realen, traditionellen, lebendigen Boden. Aus der alten rumänischen Volksmusik stammen auch die Elemente einer kräftigen, energischen, teilweise rauen, aber lebensbejahenden Haltung. Asymmetrische Rhythmen, Überschichtungen von verschiedenen Tempi und von verschiedenen Tonsystemen werden von mir kreativ verwandelt. Das Kontemplative, das Statische - das in meiner Musik auch präsent ist - kommt nicht selten aus der byzantinischen Musik. Nicht temperierte Tonskalen, Heterophonie sind hier zuhause. Ein wichtiger Aspekt meiner Stücke ist, dass die Klangfarbe eine natürliche Spiegelung der komplexen Arbeit in der Tiefe des Materials an der Oberfläche der Musik ist, und kein Zweck an sich ist (ähnlich wie die natürliche Schönheit der Haut eines gesund ernährten Menschen) Ästhetisch - emotional betrachtet, wird meine Musik als intensiv, kraftvoll, berührend bezeichnet.
Dana Cristina Probst (2007)

Auszeichnungen
1984 Kompositionswettbewerb Gheorghe Dima, Cluj: 1. Preis in der Sparte Kammermusik (Streichquartett Nr. 1)
1993 Österreichischer Akademischer Austauschdienst: ÖAD-Stipendium für musikwissenschaftliche Arbeiten
1999 Internationaler Kompositionswettbewerb Aperto, Bukarest: 2. Preis (Bright Sadness)
2012 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: Arbeitsstipendium
2013 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: Arbeitsstipendium
2015 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur: Arbeitsstipendium
2019 2. Österreichischen Komponistinnen-Wettbewerb, Wien: Preis ("Adorm…ascult…")

Ausbildung
1968 - 1980 Bukarest Musiklyzeum George Enescu: Unterricht bei Brigitte Birnberg, Silvia Voiculescu Klavier
1968 - 1980 Bukarest Musiklyzeum George Enescu: Musikalische Ästhetik (Octavian Nemescu)
1968 - 1980 Bukarest Musiklyzeum George Enescu: Harmonielehre (Costin Cazaban)
1968 - 1980 Bukarest Musiklyzeum George Enescu: Musikgeschichte (Dumitru Avakian)
1979 - 1980 Bukarest Privatunterricht Musiktheorie, Harmonielehre Müller Harald
1980 - 1984 Bukarest Konservatorium Ciprian Porumbescu: Komposition, Musikwissenschaft, Pädagogik (Anatol Vieru, Aurel Stroe, Stefan Niculescu, Adrian Ratiu, Harald Müller, Liviu Comes, Theodor Tutuianu, Myriam Marbe, Aurora Ienei)
1994 - 1995 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Jarrell Michael

Tätigkeiten
1984 - 1990 Musikschule Ploiesti, Rumänien: Klavierlehrerin
1990 - 1993 Bukarest Akademie für Musik: Universitätsassistentin für rumänische Folklore
1997 Wien Klavierlehrerin und Musiktheorie (Privatunterricht)
2007 Wien Leiterin des multimedialen Projektes "Der Klang Brancusi"
2008 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund seither Mitglied
2009 Rumänien seither Co-Leiterin des internationalen Festivals "Tintea muzicala" (zusammen mit Adina Dumitrescu)
2010 - 2011 Leiterin des Austausch Projektes HEL-VIE meno paluu - Österreichische und Finnische zeitgenössische Musik für Flöte und Klarinette
2013 Prima La Musica Jurymitglied des Kompositionswettbewerbes, Wien und Salzburg
2014 ÖGZM - Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik seither Vorstandsmitglied

Aufträge (Auswahl)
1999 Goethe-Gesellschaft Rumänien: Auftrag für CD-Produktion Zwei Lieder nach Gedichten von J. W. von Goethe
2004 Trio Contraste Zicala dobei (Das Lied der Trommel)
2007 Bezirksfestwochen Wieden, Agenda 21: Musikalische Eröffnung "siehst du am Abend..." - mit und nach Gedichten von Franz Schwediauer für Klavier und Sprecher

Aufführungen (Auswahl)
1997 Nationale Musikuniversität Bukarest Bukarest SIMN, Internationale Woche der Neuen Musik Praeludium - für Klavier, Horn und Streichorchester
2000 Bayreuth Festival Zeit für neue Musik
2002 ÖGZM - Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik Radiokulturhaus - Großer Sendesaal Contraste Concerto - für Saxophon, Klavier, Schlagzeug und Kammerorchester
2002 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Herbert von Karajan Centrum Bright Sadness
2002 Festival Elektronischer Frühling Wien
2004 Kassel Lutherkirche Kassel: Komponistinnen und ihr Werk, Blickpunkt Rumänien Zicala dobei (Das Lied der Trommel)
2007 Wien Uraufführung ...et une flûte - für Flöte solo
2009 Bukarest George Enescu Festival
2011 ÖGM - Österreichische Gesellschaft für Musik Komponistenportrait Am Orte des Lichtes
2011 Alte Schmiede Kunstverein Wien Wien Österreichische und Finnische Musik für Klarinette Vers les quatre points
2012 Festival Expan Spittal/Drau
2012 Prayner Konservatorium für Musik und dramatische Kunst Pipa und Avantgarde, Konfuzius-Institut A D E A
2013 Ensemble Wiener Collage Wiener Konzerthaus aNOther festival Hängende Gewölbe
2014 Ensemble Reconsil Wien Wien Explore The World 9pm Oxford Time
2015 Club der Wiener Musikerinnen Wien Präsentation rumänischer Komponistinnen Citind "Sara pe deal"- reading "Eve on the hill"
2019 1. Frauen-Kammerorchester von Österreich - Konzert und Preisverleihung des 2. Komponistinnen-Wettbewerbs: "Adorm…ascult…" (UA)


Pressestimmen

2006
"Die in Bukarest geborene Komponistin Dana Cristina Probst wurde am Freitag, den 10. März 2006 in einem von Herrn Professor Werner Hackl geleiteten Komponistenporträt in der "Alten Schmiede" in Wien einem sehr interessierten, mitschwingenden Publikum vorgestellt. Dana Christina Probst besitzt einen unverkennbaren eigenen Stil, der gekennzeichnet ist von einer aphoristischen, nicht sich aufdrängenden Gestik, die in einer fast ungebrochenen Art und Weise meditativ in sich ruht. Ihre Musik atmet aus einer Zeitdimension, die die leichte Aura einer "Gegen-Zeit", einer sich quasi verlangsamenden Zeit ausbildet, - ein weit ausholender Gegenentwurf zu unserer so eindeutig und eindimensional sich beschleunigenden Zeit.
Wir denken, dass die gewichtige musikalische Stimme dieser Künstlerin in Zukunft noch entsprechend gehört und aufgenommen werden wird und verbinden damit den Wunsch, dass ihrem kompositorischem Werk die verdiente Anerkennung zuteil wird."
ÖGZM (Martha Schwediauer-Southwick)

29. November 2004
"Keine Angst vor Emotionen
Die erste Konzertnacht von "Blickpunkt Rumänien" in der Lutherkirche
Kassel. Zeitgenössische E-Musik und Folklore - diese Kombination wäre hier zu Lande schier unmöglich. Anders in Rumänien, wo man ein unverkrampftes Verhältnis zur Volksmusik hat. Was am ersten Abend des dreitägigen Festivals "Blickpunkt Rumänien" durch die ekstatisch-wilde Uraufführung von Dana Probst "Zicala dobei" eindrucksvoll bestätigt wurde."
HNA (Georg Pepl)
 

2001
"Als besonders eindrucksvoll ist dabei die Uraufführung von Dana Cristina Probst's "Hommage à Messiaen" für Violoncello und Klavier zu erwähnen. Das sensible, tiefgründige Werk, in intensiven Farben und Gesten mutig und klar gestaltet, bewegte und berührte."
ÖMZ (Johannes Kretz)
 

1997
"[...] von Dana Cristina Probst haben wir bis jetzt nur Kammermusik gekannt - voller Inspiration und Natürlichkeit. In "Praeludium für Klavier, Horn und Streichorchester hat sie sich nun als Komponistin gezeigt, die auch den Klang des Orchesters meistert."
Actualitatea muzicala (Lau)
 

1986
"Eine besondere Stimmung hat Dana Teodorescu in "NinSoare" für Tenor, 5 Stimmen, Viola, Hirtenflöte und Violoncello nach Texten von Horia Badescu und Nichita Stanescu auf die Bühne gezaubert. Das Stück zeichnet sich durch frische Inspiration und durch poetische Mischungen der Klangfarben von menschlicher Stimme und Instrumenten aus. Voll des Verstehens wird der Fluß der Musik mit einer gewollten Vereinfachung der musikalischen Sprache zur Klarheit des gesprochenen Dichterwortes hingeführt."
Muzica (Mihaela Marinescu)

Links Komponistenporträt Dana Cristina Probst I, Komponistenporträt Dana Cristina Probst II, Konzertporträt von und mit Dana Cristina Probst

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 15. 5. 2020): Biografie Dana Cristina Probst. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/81696 (Abrufdatum: 2. 7. 2020).

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