Kranebitter Matthias

Vorname
Matthias
Nachname
Kranebitter
erfasst als
KomponistIn
InterpretIn
Genre
Jazz/Improvisierte Musik
Neue Musik
Subgenre
Contemporary
Experimental/Intermedia
Modern/Avantgarde
Instrument(e)
Klavier
Geburtsjahr
1980
Geburtsort
Wien
Geburtsland
Österreich

Foto © Igor Ripak

"Matthias Kranebitter (*1980) studierte in Wien elektroakustische Komposition bei Dieter Kaufmann und German Toro-Perez, Medienkomposition bei Klaus-Peter Sattler, postgradual Komposition in Amsterdam sowie in Graz bei Alexander Stankovski und Beat Furrer.

Seine Musik thematisiert Aspekte unserer Mediengesellschaft mit ihrer Informationsflut. Sie zeichnet ein hohes Maß an Dichte und Heterogenität aus, das Miteinbeziehen unterschiedlichster (un)musikalischer Materialien als Enthierarchisierung und Relativierung von Dogmen und Tabu. Er arbeitet verstärkt mit Elektronik und neuen Medien.

Seine Arbeiten wurden u.a. prämiert mit dem 1.Preis beim Gustav Mahler Wettbewerb 2006, 1.Preis Project Holland Symfonia Gaudeamus Music Week Amsterdam 2009, Impuls Kompositionspreis Graz 2013, Publicity Award der Austro Mechana 2013, Stadt Wien Förderungspreis 2014 und österreichisches Staatsstipendium 2016. Bisherige Zusammenarbeiten fanden u.a. mit Ensembles wie dem belgischen Nadar Ensemble, Decoder Ensemble Hamburg, Ensemble Mosaik Berlin, Talea Ensemble New York, Ensemble Phace, Klangforum Wien oder dem RSO Wien statt.

2015/16 erhielt er das Berlinstipendium der Akademie der Künste Berlin.
Er ist Mitbegründer des Unsafe+Sounds Festivals und künstlerischer Leiter des Black Page Orchestras."
Matthias Kranebitter: ABOUT, abgerufen am 3.11.2020 [https://matthiaskranebitter.com/portfolio/about/]

Stilbeschreibung
"Ich glaube, dass in der Anhäufung von Schwachsinn mehr Wahrheit liegt als in der Anhäufung von Wahrheit."
Christoph Schlingensief

"Der Klangfetisch der neuen Musik hat ausgedient, daher gilt mein Interesse nicht mehr der Suche und Erweiterung des klanglichen Materials. Vielmehr bin ich in meiner Musik einerseits an neuen Formen des Ausdrucks interessiert, nicht in einer expressionistischen oder auch pseudoromantischen Vorstellung, sondern im Sinne einer hyperaktiven, schizophren flirrenden Mediengesellschaft und Trashkultur mit ihrer Aufmerksamkeitsstörungen verursachenden Informationsflut, andererseits üben sowohl musikalische Klischees und Tonalität, im Sinne von Alltagslärm, wie auch das quasi "Antimusikalische", das Dilettantische oder das Scheitern selbst, das ich als eine entscheidenden ästhetische Kategorie der jüngsten Zeit wahrnehme, sei es durch Realitydokuboom oder Selbstdarstellungsversuche via Youtubeclips, eine große Faszination auf mich und meine Musik aus. Also nicht im Sinne des sich erhaben fühlenden Voyeurs, sondern im Sinne der Schönheit von Authentizität. Bei dem bewussten Versuch der Integration solcher Elemente in meine Werke ist die zu Grunde liegende Idee nicht mehr die Zerstörung von Tradition, welche ja bereits in der Moderne stattfand, auch nicht die ebensolche Verfahrensweise mit der bereits zur neuen Tradition gewordenen Moderne, sondern eine Störung bzw. Zerstörung, die sich ausschließlich selbst zum Inhalt hat, somit auch für den Außenstehenden wahrnehmbar und nachvollziehbar wird.
Denn gerade dies sehe ich als Aufgabe des Komponisten, da ein elitärer Diskurs (z.B. der über die "innere Beschaffenheit" des Klanges) den Komponisten als Künstler in nur sehr begrenztem Maße mit der Gesellschaft interagieren lässt, jene Interaktion, die für Kunst unumgänglich ist."
Matthias Kranebitter (2011)

"Über Mathematik und Musikwissenschaft führte es Matthias Kranebitter direkt zum Kompositionsund Klavierstudium. Darauf aufbauend eignete er sich ein weites Spektrum an Kompositionstechniken an: Neben Medienkomposition und elektroakustischer Komposition wagte er auch einen Exkurs nach Amsterdam, um dort den postgraduellen Kompositionskurs „Contemporary Music through NonWestern Techniques“ zu absolvieren.

Diese Vielfalt ist auch in seinen Kompositionen festzustellen – dabei remixt er auch schon mal Haydns 94. Symphonie oder spielt in seinem Konzert für Saxophon und MidiOrchester mit Skalen und musikalischen Floskeln. Und manchmal mag man sich fragen: Ist das alles ernst gemeint? Spätestens, wenn in „ragzigzag“ in dadaistischer Manier ein rasanter Ragtime erklingt und in „spreuundscherben“ zwischen avantgardistischer Vielschichtigkeit die ersten Töne von „Happy Birthday“ durchzuhören sind, besteht kein Zweifel mehr am ansteckenden Humor des Komponisten. Gleichzeitig manifestiert sich damit der gekonnte Umgang mit den Konnotationen, die den einzelnen Stilrichtungen anhaften. Denn durch diese Art von Musik über Musik, stellt Kranebitter die zumeist sozial bedingte Abschottung einzelner Musikszenen in Frage und bringt frischen Wind in die von außen oft als unzugänglich betrachtete Szene der Neuen Musik."
Doris Weberberger: Österreichs junge Komponisten & Komponistinnen: Matthias Kranebitter (2011)

Auszeichnungen
2003 ORF - Österreichischer Rundfunk - FM4 Gewinner des Antonin-Dvorak-Remix-Contests
2005 Theodor Körner Fonds Förderpreis Derelicted Athmospheres - Klang- und Videoinstallation
2006 Stadt Klagenfurt Erster Preis des Gustav-Mahler-Kompositionswettbewerbs Kreise - für Viola und tiefes Ensemble
2006 ÖKB - Österreichischer Komponistenbund Gewinner des Wettbewerbs für moderne Chorliteratur Breathing - für 32-stimmigen Chor und Live-Elektronik
2007 Vierter Preis beim Kompositionswettbewerb der Münchner Symphoniker Safiatan - für Orchester
2007 Stiftung Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr Stipendium
2008 Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Arbeitsstipendium
2009 International Gaudeamus Music Week Erster Preis des Project Young Composers (PJC)
2009 Zweiter Preis beim Kompositionswettbewerb des Zurich Jazz Orchestras
2009 Bundeskanzleramt Österreich Kunst und Kultur Startstipendium
2011 impuls . Verein zur Vermittlung zeitgenössischer Musik nominierter Komponist mit Auftrag für ein neues Werk für das Klangforum Wien für 2013
2013 Soziale & Kulturelle Einrichtungen der austro mechana - SKE Fonds Publicity Preis
2020 Erste Bank Kompositionspreis: Preisträger (Encyclopedia of pitch and deviation)

Ausbildung
1988 - 2001 Wien Musikschule Margareten (Lo Stoiber) Klavier
1998 - 2002 Universität Wien Wien Mathematikstudium
2000 - 2002 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Komposition Schermann Dietmar
2001 - 2006 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Klavier Karajev Christiane
2002 - 2007 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Medienkomposition Sattler Klaus-Peter
2004 - 2008 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Elektroakustische Komposition Kaufmann Dieter
2004 - 2008 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien Elektroakustische Komposition Toro-Pérez Germán
2008 - 2009 Conservatorium van Amsterdam Amsterdam postgraduales Kompositionsstudium (Rafale Reina, Fabio Nieder)
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Graz Komposition Stankovski Alexander

Tätigkeiten
2001 - 2004 Universal Edition Wien Lektor von Notenmaterial
2008 mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Wien seither organisatorischer Leiter des Kompositionskurses der Internationalen Sommerakademie (ISA)

Aufträge (Auswahl)
2007 ÖBV - Grabenfest 7enden
2009 Festival Druskomanija Kraut und Rüben - für Streichorchester
2010 sirene Operntheater Der Apfel aus Basra - Kammeroper
2011 ORF - Österreichischer Rundfunk fröhliche Relativitäten
2011 impuls . Verein zur Vermittlung zeitgenössischer Musik

Aufführungen (Auswahl)
2006 Musikverein Wien - Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Wien Breathing - für 32-stimmigen Chor und Live-Elektronik
2006 Musikforum Viktring-Klagenfurt Kreise - für Viola und tiefes Ensemble
2007 Budapest Regenmacher
2007 Prinzregententheater München Safiatan - für Orchester
2008 Apeldoorn - Niederlande puzzle
2008 Wien Modern Wien spreu und scherben
2009 International Gaudeamus Music Week Amsterdam sustained surprise - haydnsymphony94.remixed
2009 Split - Kroatien Konzert für Altsaxophon und Midiorchester in D Dur
2010 Radiokulturhaus - Großer Sendesaal Symphonie 3000 in C Dur
2010 Musikprotokoll im Steirischen Herbst Helmut List Halle Graz Konzert für Cembalo und Ensemble in Es Dur
2010 Ljubljana - Slowenien Stop and change
2011 Echoraum Wien Ringelreigen 116,9g CO2
2012 mica - music austria Porgy & Bess zusammen mit IGNM and Platypus dunkel ist das Leben ist der Tod
2012 Radiokulturhaus - Großer Sendesaal Portrait-Konzert
2020 sirene Operntheater, Wien: Amerika oder die Infektion (UA)
2020 Wien ModernEncyclopedia of pitch and deviation (UA)

Pressestimmen
21. Oktober 2020
"Die Musik des diesjährigen Erste-Bank-Kompositionspreisträgers Matthias Kranebitter bietet Tempo, Tingeltangel und tausend Stimmungswechsel: gepfeffertes Verhackertes aus der Musikgeschichte, vom Black Page Orchestra unter der Leitung von François-Pierre Decamps rasant serviert."
Der Standard: Sirene Operntheater: Uraufführung von "Amerika oder Die Infektion" (Stefan Ender), abgerufen am 3.11.2020 Der Standard: Sirene Operntheater: Uraufführung von "Amerika oder Die Infektion" (Stefan Ender), abgerufen am 3.11.2020 [https://www.derstandard.at/story/2000121097574/sirene-operntheater-urau…]

12. Oktober 2010
"Matthias Kranebitter ein eigenes Cembalokonzert, das unter Edo Micic vom Ensemble für Neue Musik der Grazer Kunstuniversität ohne Cembalisten aufgeführt wurde; der unspielbar "virtuose" Solopart hätte ohne elektronische Ausführung jedes Cembalo binnen Minuten zum Kollaps geführt. Der dürre zweite Satz karikierte treffend einen ausgeuferten Punktualismus."
Kleine Zeitung

19. Dezember 2009
""Rag 'ZigZag", die witzig-verschrobene Ragtime-Hommage des Wieners Matthias Kranebitter, in der es auch Platz gibt für lärmige, anarchische Passagen, schaffte es erwartungsgemäss weit."
Neue Zürcher Zeitung 

13. September 2009
"Het was uiteindelijk de Oostenrijker, Matthias Kranebitter (29), die met zijn "Sustained Surprise", een ietwat ongebreidelde remix van Haydns 94ste symfonie, de 4.000 euro grote Jonge Componistenprijs in de wacht sleepte."
de Volkskrant
 

28. Juni 2007
"Matthias Kranebitter, der 27-jährige Soundelektroniker und Komponist, zählte zu den dergestalt Musikbeauftragten: "7enden" hat er sein neues Werk genannt [...] Christoph Cech (p), Herbert Mayr (b) und Michael Williams (Cello) musizierten sorgfältig ausgearbeitete Miniaturen, die wie ein Katalog klingender Aggregatzustände anmuteten: Filigrane Glissando-Strukturen, pseudojazzige Swing-Abstraktionen, kontrapunktische Verflechtungen, strenge Geräuschtexturen - ihre stärksten Momente erreichte die Musik, wenn der Komponist selbst vom Mischpult aus intervenierte und den Klängen über elektronische Live-Prozessierung Unkalkulierbarkeit zurückgab."
Der Standard (Andreas Felber)

Links mica-Archiv: Matthias Kranebitter, Ö1 Talentebörse: Matthias Kranebitter

Empfohlene Zitierweise
mica (Aktualisierungsdatum: 4. 11. 2020): Biografie Matthias Kranebitter. In: Musikdatenbank von mica – music austria. Online abrufbar unter: https://db.musicaustria.at/node/80332 (Abrufdatum: 26. 11. 2020).

Logo ÖKB

Logo Filmmusik